02 / 2026
In der Druckausgabe befindet sich auf dieser Seite ein Hinweis für medizinische Fachpersonen.
KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 3 © Kinderärzte Schweiz ■ HABEN SIE ANREGUNGEN, KRITIK ODER LOB? Dann schicken Sie uns eine E-Mail an: info@kis.ch Wir freuen uns. 02 / 2026 INHALT / IMPRESSUM IMPRESSUM REDAKTIONSTEAM: Dr. med. Matthias Ferretti, Winterthur; Dr. med. Stefanie Gissler Wyss, Neuendorf; Dr. med. Raffael Guggenheim, Zürich; Dr. med. Irmela Heinrichs, Uster (Leitung); Dr. med. Nadia Sauter Oes, Winterthur; Dr. med. Martin Schmidt, Rheinfelden; Dr. med. Jürg C. Streuli, Uznach; Dr. Daniel Brandl, PhD, Geschäftsführer, Dietikon HERAUSGEBER: Kinderärzte Schweiz, Löwenstrasse 17, 8953 Dietikon ABO: 4 Ausgaben/Jahr: Fr. 48.– inkl. Porto (für Mitglieder inklusive) Spezialpreis für MPAs, Mütter- und Väterberatungsstellen sowie Nonprofit-Organisationen im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit: Fr. 32.– inkl. Porto FOTOS / ILLUSTRATIONEN: iStock/Vogt-Schild Druck AG, Kinderärzte Schweiz, Stiftung Gesundheitskompass, Bruce Yim BFY Photography Winterthur, wiromat.ch, Rowohlt Taschenbuch, Flurin Bertschinger, Kanton Zürich, Lea Rahel Sutter/YouTube, Universität Basel, Long Covid Kids Schweiz, magnific.com, Kinderschutz Schweiz, IG Zöliakie Schweiz, Pro Juventute, Parlamentarische Expertengruppe Kinder- und Jugendmedizin, Stefan Roth, Christine Magendie, Christoph Bornhöft, Marie Meierhofer Institut für das Kind MMI, Irmela Heinrichs, macrovector auf Magnific.com, Stiftung Gesundheitskompass, Andrea Landolt Tafelwart.ch, Familie Trattmann, Cyril Lüdin, Teilnehmende der KIS Online Frühlingstagung 2026, Shutterstock, Rainer Sturm/Pixelio, Schweizerische Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin SSTTM, Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, Barbora Prekopová Universitäts-Kinderspital Zürich, Antje Hugi, Nord-Süd Verlag, Klett-Cotta Verlag, Andreas Seibert KORRESPONDENZ: Kinderärzte Schweiz Löwenstrasse 17, 8953 Dietikon Telefon 044 520 27 17 info@kis.ch, www.kis.ch INSERATE: Kinderärzte Schweiz, Dr. Daniel Brandl, PhD und Beatrice Kivanc, info@kis.ch GRAFIK, SATZ UND DRUCK: Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Auflage: 1300 Exemplare Nächste Ausgabe: 03/2026 Redaktionsschluss: 11. Mai 2026 ISSN 2296-2549 (Print) ISSN 2673-4656 (Online) Gendergerechte Sprache: Wir achten in unserer Kommunikation auf eine moderne, gendergerechte Sprache. Das heisst, wir beziehen Frauen, Männer und nicht binäre Menschen gleichermassen in unsere Texte ein, denn Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln. Präferenziell wird eine genderneutrale Sprache verwendet. Das Genderwörterbuch www.geschicktgendern.de dient als Inspiration, passende genderneutrale Alternativen zum generischen Maskulinum zu finden. Wenn dies nicht möglich ist, benützen wir wegen der einfachen Lesbarkeit den Doppelpunkt (z. B. Moderator:innen), um alle Geschlechter anzusprechen. In Ausnahmefällen ist die schwerfällige Beidnennung männlich/weiblich möglich; diese versuchen wir jedoch zu vermeiden. EDITORIAL 5 P AIS und Long COVID – ein Ariadnefaden für ein wenig bekanntes Labyrinth PINNWAND 6 Lesenswertes aus dem KIS Vorstand, unseren Arbeitsgruppen und dem Rest der Welt BERUFSPOLITIK 8 P arlamentarische Expertengruppe Kinder- und Jugendmedizin – Jahresbericht 2025 9 mfe VERNETZUNG 10 Neuntes 5-Länder-Treffen der Berufsverbände der Kinder- und Jugendärzt:innen in der Praxis in Bregenz 11 D elegiertenversammlung der europäischen pädiatrischen Grundversorger:innen 12 B ildschirmmedien in der frühen Kindheit FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 14 Glossar 16 PAIS, Long COVID, Post-Vaccine-Syndrom, ME/CFS: Diagnose und Therapie 31 Praxisleitfaden: Postakute Infektionssyndrome (PAIS) 34 Kurzinterview zur Arbeit der Gesundheitslots:innen 36 Long COVID bei Kindern 40 Pacing bei Kindern und Jugendlichen mit postakuten Infektionssyndromen mit/ohne ME/CFS 44 «Ich kann nicht mehr zur Schule gehen, weil ich einfach überleben muss» BEZIEHUNG – ERZIEHUNG 48 Bindung als Grundlage menschlicher Entwicklung FRÜHLINGSTAGUNG 50 KIS Online-Frühlingstagung 51 Ärzt:innen & MPA Referate: 51 1: Pneumologie 52 2: Sportmedizin 53 3: Kardiologie 54 4: Allergologie NACHHALTIGKEIT IN DER PÄDIATRIE 55 Nachhaltig reisen JAHRESTAGUNG 57 Zwischen Klassenzimmer und Kindermedizin KURSE/WORKSHOPS/FORTBILDUNGEN 59 Kurse KIS 60 Veranstaltungskalender 60 Die gute Fortbildung ERFAHRUNGSBERICHT 61 «Wichtige nephrologische Themen in der Kinderarztpraxis» DAS GUTE KINDERBUCH FÜR DIE PRAXIS 62 Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben FÜR SIE GELESEN 63 «Die Schreibaby-Sprechstunde» – Eltern und ihre Kinder pädiatrisch-psychologisch begleiten 64 Über Sehen Über Leben – A Photographic Document Drucksache myclimate.org/01-26-378289
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02 / 2026 EDITORIAL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 5 Die Themen der folgenden Hefte sind: News 03/2026: Pneumologie News 04/2026: Jahrestagung News 01/2027: Adoleszenten-Medizin News 02/2027: Dermatologie: Haut & Haare Liebe Kolleg:innen Braucht es wirklich eine Schwerpunktausgabe zu Long COVID im Kindesalter? Diese Frage ist berechtigt. Denn im Praxisalltag bleibt das Krankheitsbild oft unscharf: Befunde sind unauffällig, Verläufe fluktuierend, die Symptome schwer greifbar. Und doch zeigt sich mit zunehmender Auseinandersetzung ein anderes Bild: ein erheblicher Leidensdruck bei betroffenen Kindern und Jugendlichen, eine grosse Dunkelziffer – und Familien, die sich häufig unverstanden fühlen. Was sich wiederholt, ist ein Muster aus Erfahrungen von Hilflosigkeit und Unverständnis, begleitet von drohenden Kindeswohlgefährdungsmeldungen und schulischen Auflagen. Für Kinderärzt:innen und weitere Gesundheitsfachpersonen wie zum Beispiel Pflegefachpersonen der Kinderspitex ergibt sich daraus eine anspruchsvolle Rolle. Postakute Infektionssyndrome (PAIS) – mit Long COVID als aktueller Variante – verlangen viel von uns allen: das kontinuierliche Vermitteln von Krankheitsverständnis; und das sorgfältige Abwägen zwischen notwendiger Abklärung und Überdiagnostik, sowie das Begleiten von Familien in einer Situation grosser Unsicherheit. Gleichzeitig stellt sich eine systemische Herausforderung: Die Betreuung dieser Kinder braucht Zeit, Koordination und ein fein abgestimmtes Vorgehen. Genau das steht jedoch oft im Widerspruch zu den real verfügbaren Ressourcen in der Praxis. Diese Ausgabe versteht sich daher nicht als abschliessende Antwort, sondern als Einladung: hinzuschauen, einzuordnen und gemeinsam Wege zu finden. PAIS fordert uns heraus – klinisch, strukturell und auch in unserer Haltung gegenüber dem, was sich nicht unmittelbar messen lässt. Gerade darin liegt jedoch die zentrale Aufgabe der Pädiatrie: auch das Unsichtbare ernst zu nehmen – und daraus verantwortungsvolles Handeln abzuleiten. Und vielleicht wagt dieses Themenheft genau das: So entsteht – bei noch wachsender Evidenz – ein erster Ariadnefaden, der Orientierung in diesem neuen und doch irgendwie vertrauten Labyrinth bieten kann. So nimmt diese Ausgabe auch den Faden aus unserem letzten Heft zur Mind Body-Pädiatrie auf und nutzt das Wissen zu neuroplastischen Ansätzen aus der Therapie von chronischen Schmerzen, welche wiederum für die Praxis sehr relevant sind. In dem Wissen, dass sich dieses Verständnis weiterentwickeln wird – und dass wir möglicherweise schon in wenigen Monaten neue Aspekte einordnen und integrieren müssen – wünschen wir euch allen Mut, für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien da zu sein. Bei aller fachlichen und emotionalen Schwere des Themas soll dieses Heft aber auch Raum für andere Perspektiven, Inspirationen und praxisnahe Impulse bieten. So berichten wir von zwei internationalen Treffen der Praxispädiatrie, widmen uns Fragen der Nachhaltigkeit im Alltag und auf Reisen. Beiträge zur Bindungsentwicklung, zu Bildschirmmedien in der frühen Kindheit sowie zur Frühlingstagung mit praxisrelevanten Updates laden dazu ein, den Blick wieder zu weiten und konkrete Anregungen für die tägliche Arbeit mitzunehmen. Auch die weiteren Rubriken spannen einen Bogen zwischen fachlicher Vertiefung und leichterer Lektüre: von nephrologischen Fallstricken im Praxisalltag über ein Gespräch mit den Protagonist:innen der Podiumsdiskussion unserer Jahrestagung bis hin zu Buchbesprechungen, die zum Nachdenken, Schmunzeln und Perspektivenwechsel einladen. Vielleicht liegt gerade darin die Stärke eines solchen Heftes: schwierige Themen ernst zu nehmen – und gleichzeitig Platz zu lassen für Begegnung, Neugier, Inspiration und Hoffnung. Für die Redaktionskommission Jürg Streuli & Anna-Barbara Schlüer P.S. Da viele der in diesem Themenheft verwendeten Begriffe und Abkürzungen noch nicht allgemein geläufig sind, haben wir auf Seite 14 ein Glossar zur besseren Orientierung zusammengestellt. PAIS und Long COVID – ein Ariadnefaden für ein wenig bekanntes Labyrinth PD DR. MED. JÜRG C. STREULI, PhD FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL UND STIFTUNG GESUNDHEITSKOMPASS, UZNACH Korrespondenzadresse: juerg.streuli@ gesundheitskompass.ch DR. ANNA-BARBARA SCHLÜER, PhD eMBA UZH, MScN PFLEGEEXPERTIN APN, KINDERSPITEX BERN Korrespondenzadresse: anna-barbara.schlueer@ spitex-bern.ch
Lesenswertes aus dem KIS Vorstand, unseren Arbeitsgruppen und dem Rest der Welt Pinnwand Buchtipp: «50 Sätze, die das Leben leichter machen» Was wir zwischen «Guten Morgen» und «Gute Nacht» rhetorisch alles erleben, kann herausfordernd sein – gerade dann, wenn uns die richtigen Worte fehlen. Karin Kuschik versammelt in diesem Buch 50 kleine Sätze mit grosser Wirkung: griffige Formulierungen, die helfen, klarer zu kommunizieren, sich abzugrenzen und gelassener zu reagieren – beruflich wie privat. Jeder Satz ist mit einer kurzen Geschichte oder Anwendung versehen, sodass sich die Botschaften sofort im Gespräch oder im eigenen Denken nutzen lassen. Aus über zwanzig Jahren Erfahrung als Selbstführungs-Coach zeigt die Autorin, wie wirksame Worte Drama entschärfen, innere Ruhe fördern und Souveränität stärken können. Mit Herz, Scharfsinn und vielen Beispielen aus dem echten Leben wird dieses Buch zu einem Coaching to go – zum Nachschlagen, Ausprobieren und Weiterdenken. ISBN: 978-3-499-00836-8 Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch (Text: Ex Libris/KIS-DFB / Foto: Rowohlt Taschenbuch) Familienzeit spielerisch stärken: Der WIRomat Der Alltag in Familien ist oft voll – umso wertvoller sind kleine Momente echter Nähe und gemeinsamer Freude. Genau hier setzt der WIRomat an: eine Sammlung von 52 liebevoll gestalteten Spielideen, die Kinder und Eltern zu mehr Austausch, Bewegung, Kreativität und Humor einladen. Ob kurze Aktivität zwischendurch oder bewusst geplante Familienzeit – die Ideen lassen sich einfach umsetzen, benötigen kaum Material und fördern spielerisch das Miteinander. Besonders geeignet ist der WIRomat für Familien mit Kindern im Primarschulalter. Ein schönes, praxisnahes Angebot, das sich auch gut als Empfehlung im Gespräch mit Eltern eignet. Mehr Informationen: wiromat.ch (Text: wiromat.ch/KIS-DFB / Logo: wiromat.ch) Denkpause mit grosser Wirkung Ein schwer krankes Mädchen benötigt dringend eine Dialyse – doch der zuständige Nephrologe lehnt den Eingriff zunächst ab. Was als festgefahrener Konflikt beginnt, nimmt dank einer durch Sepp Holtz angeregten «Denkpause» eine überraschende Wendung. Der berührende Erfahrungsbericht aus der Pädiatrie zeigt eindrücklich, wie wichtig Zuhören, Perspektivenwechsel und interprofessioneller Austausch im klinischen Alltag sind. Das eingebettete Video mit einer zweiten Fallgeschichte zeigt eindrücklich und bewegend, dass Kinderärzt:innen nicht immer erkennen können, welche persönlichen Geschichten, Belastungen und familiären Dynamiken hinter einer Situation stehen. Der vollständige Artikel «Denkpause mit unerwarteter Wirkung: ein Fall aus der Pädiatrie» ist im vsao Journal 2/2026 erschienen. vsao-journal.ch (Text: vsao/KIS-DFB / Foto: Flurin Bertschinger) Jahresausflug Präsidium/Geschäftsstelle vom 5. März 2026 Dieser Jahresausflug hat bei KIS Tradition: Statt im gewohnten Sitzungs- und Arbeitsumfeld zusammenzukommen, verbringen wir gemeinsam einen besonderen Nachmittag mit kulturellen und kulinarischen Erlebnissen. Dieses Jahr führte uns der Ausflug – zugleich der letzte in der Amtszeit von Präsident Marc Sidler – in seine Heimatstadt Basel. In der Fondation Beyeler in Riehen erhielten wir bei einer Führung spannende Einblicke in die Cézanne-Ausstellung. Anschliessend genossen wir ein Apéro auf der Münsterfähre, begleitet von einer charaktervollen «Fährifrau». Nach einem Spaziergang durch die Basler Altstadt liessen wir den gelungenen Tag bei einem feinen Abendessen in der charmanten Brasserie «Au Violon» in einem ehemaligen Gefängnis ausklingen. (Text: KIS-DFB / Foto: KIS) v. l. Beatrice Kivanc, Marc Sidler, Sandra Burri, Yasmin Yahya, Daniel Brandl Zu diesem Themenheft: Umfrage Ambulante Grundversorgung Post COVID Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich hat bei Fachpersonen der ambulanten Grundversorgung eine Umfrage zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Post COVID-19 («Long COVID») und ME/ CFS durchgeführt. Befragt wurden unter anderem Ärzt:innen aus der Allgemeinen Inneren Medizin sowie der Kinder- und Jugendmedizin. Die Umfrage zeigt, dass die Versorgung und Einschätzung dieser Krankheitsbilder weiterhin ein aktuelles und teilweise kontrovers diskutiertes Thema bleibt. Mit Spannung werden nun die Ergebnisse erwartet, die wichtige Einblicke in die Versorgungssituation und die Herausforderungen im Praxisalltag geben dürften. (Text: Kanton Zürich, Gesundheitsdirektion, Amt für Gesundheit / KIS-DFB / Logo: Kanton Zürich) Zum diesem Themenheft: Long COVID: Forschung und persönliche Einblicke Die Forschungsarbeit und das Interview mit der betroffenen jungen Frau Lea Rahel Sutter geben eindrückliche Einblicke in das Leben mit Long COVID und möglichen Folgen wie ME/CFS. Thematisiert werden die oft massiven Einschränkungen im Alltag, der Umgang mit Erschöpfung sowie die Herausforderungen für Betroffene und ihre Familien. Der Beitrag zeigt eindrücklich, wie wichtig Anerkennung, Forschung und medizinische Unterstützung für betroffene Kinder und Jugendliche sind. Gleichzeitig macht das Interview deutlich, wie belastend die Erkrankung auch sozial und schulisch sein kann. Das Interview ist auf YouTube verfügbar. https://shorturl.at/GSDHz (Text: KIS-DFB / Illustration: Lea Rahel Sutter/YouTube)
IG Zöliakie Schweiz: Podcast «Des Gluten zu viel» Die IG Zöliakie der Deutschschweiz hat gemeinsam mit der Podcastschmiede den ersten fundierten Zöliakie-Podcast der Schweiz lanciert. «Des Gluten zu viel» greift Alltagsthemen von Menschen mit Zöliakie auf, vermittelt Wissen und spricht offen über Herausforderungen der glutenfreien Ernährung. zoeliakie.ch/de/zöliakie/podcast.html Im Podcast diskutieren Tina Toggenburger und Ronia Schiftan mit Nico Leuenberger von der Podcastschmiede über Erfahrungen aus dem Alltag, psychologische Aspekte und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Ziel ist es, Betroffenen eine Stimme zu geben und Verständnis für die Autoimmunerkrankung zu schaffen. Ergänzend können im Shop der IG Zöliakie verschiedene Broschüren und Flyer kostenlos bestellt werden. shop.zoeliakie.ch (Text: IG Zöliakie Schweiz/KIS-DFB / Logo: IG Zöliakie Schweiz) Gewaltfreie Erziehung im ZGB verankert Der Bundesrat hat die Änderung des Zivilgesetzbuches zur gewaltfreien Erziehung per 1. Juli 2026 in Kraft gesetzt. Ziel der Gesetzesänderung ist es, das Recht von Kindern auf eine Erziehung ohne Gewalt klar zu verankern und die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren. Gleichzeitig verzichtet der Bund aufgrund der aktuellen Finanzlage vorerst auf nationale Sensibilisierungsmassnahmen. Kinderärzte Schweiz unterstützt deshalb als Mitglied des Netzwerks Gewaltfreie Erziehung gemeinsam mit Kinderschutz Schweiz und weiteren Fachverbänden die Forderung an den Bundesrat, entsprechende Mittel bereitzustellen. In einem gemeinsamen Brief wird betont, dass nur eine schweizweite Sensibilisierung die präventive Wirkung der Gesetzesänderung nachhaltig stärken kann. (Text: KIS-DFB / Logo: Kinderschutz Schweiz) CAS ISI: Imaginativ-systemische Interventionen Die Universität Basel bietet mit dem CAS «Imaginativ-systemische Interventionen (ISI) mit Kindern und Jugendlichen» eine praxisnahe Weiterbildung für Fachpersonen aus Medizin, Psychologie und Psychotherapie an. Vermittelt werden imaginativ- und hypnosystemische Methoden, die sich direkt im Berufsalltag einsetzen lassen – etwa in Beratungsgesprächen, in der pädiatrischen Konsultation oder zur Begleitung von Entwicklungsprozessen. Im Fokus stehen ressourcenorientierte und kreative Ansätze sowie aktuelle wissenschaftliche Grundlagen. Der CAS startet am 17. September 2026 in Basel, umfasst 20 Kurstage und wird als pädiatrische Kernfortbildung anerkannt. Weitere Informationen und Anmeldung: shorturl.at/z9j2T (Text: Universität Basel/KIS-DFB / Illustration: Universität Basel) Pro Juventute: Elternberatung ausserhalb der üblichen Zeiten Mit der Pro Juventute Elternberatung frühe Kindheit steht Eltern und Bezugspersonen von Kindern bis fünf Jahre ein ergänzendes Beratungsangebot zur Verfügung – insbesondere zu Zeiten, in denen lokale Angebote oft nicht erreichbar sind. Die Beratung richtet sich unter anderem an berufstätige und fremdsprachige Eltern und kann unkompliziert per Telefon, WhatsApp oder Webchat genutzt werden. shorturl.at/O99mz Erfahrene Fachpersonen beraten von Montag bis Freitag zwischen 19 und 22 Uhr sowie samstags von 9 bis 11 Uhr. Für Arztpraxen und Institutionen stehen zudem kostenlose Flyer und Visitenkarten zur Verfügung, die über den Onlineshop von Pro Juventute bestellt werden können. shop.projuventute.ch (Text: Pro Juventute/KIS-DFB / Illustration: Pro Juventute) Schönes Feedback aus der Praxis Über dieses positive Echo einer MPA zur Online-Frühlingstagung vom 19. März und zur letzten Ausgabe der «KIS NEWS» haben wir uns besonders gefreut: «Ich habe … nebst den wieder wirklich sehr gelungenen und wert- vollen Fachvorträgen der Frühlingstagung auch euer interessantes, kürzlich veröffentlichtes Themenheft «Mind Body Medicine» durchgelesen. Ein grosses Kompliment für diese tolle Zusammenstellung vielseitiger und aktueller Themen! … Vielleicht animiert meine Rückmeldung ja auch andere Kolleg:innen dazu, sich öfter mit Feedback zu melden. Es ist uns allen bewusst, dass ihr eine unverzichtbare Arbeit leistet – macht unbedingt weiter so!» Die Rückmeldung bestärkt uns in unserem Engagement und zeigt, wie wertvoll der Austausch mit unseren Mitgliedern und ihren MPAs ist. Herzlichen Dank an Janine Cali, Teamleiterin MPA, Notfallpraxis, Universitäts-Kinderspital Zürich, für die motivierenden Worte und die Unterstützung! (Text: Janine Cali/KIS-DFB / Foto: magnific.com) Zu diesem Themenheft: Long Covid Kids Schweiz Long Covid Kids Schweiz ist eine Patientenorganisation für Kinder und Jugendliche mit Long COVID beziehungsweise ME/CFS sowie deren Familien. Als Teil des Vereins Long Covid Schweiz informiert die Organisation über Symptome, Alltagsherausforderungen, schulische Fragen und Unterstützungsangebote. Betroffene Familien finden auf der Website fundierte Informationen, Erfahrungsberichte und Austauschmöglichkeiten. Die Organisation setzt sich zudem für mehr Anerkennung, Forschung und Unterstützung von betroffenen Kindern und Jugendlichen ein und macht auf die oft schwerwiegenden Folgen von Long COVID aufmerksam. long-covid-info.ch/kids (Text: Long Covid Kids Schweiz/KIS-DFB / Logo: Long Covid Kids Schweiz)
BERUFSPOLITIK 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 8 WALTER STÜDELI SEKRETÄR DER EXPERTENGRUPPE KINDER- UND JUGENDMEDIZIN KÖHLER, STÜDELI & PARTNER GMBH, BERN PÄDIATRIE SCHWEIZ SCHWEIZERISCHE GESELLSCHAFT FÜR PÄDIATRIE, FREIBURG Korrespondenzadresse: walter.stuedeli@koest.ch Parlamentarische Expertengruppe Kinder- und Jugendmedizin Jahresbericht 2025 gewählte Gesundheitsdaten («Minimal Set of Indicators») regelmässig erhoben und ausgewertet werden. Die Auswertung trägt zur evidenzbasierten Gesundheitspolitik bei und dient als Grundlage für die Abschätzung der Wirkung von Interventionen. Vernehmlassungseingaben 2025 ■ 30. Mai 2025: Stellungnahme der Expertengruppe Kinder- und Jugendmedizin zur Revision der Arzneimittelverordnung aufgrund der Einstellung der pädiatrischen Datenbank ■ 8. Oktober 2025: Eingabe zum direkten Gegenentwurf zur Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit» ■ 16. Oktober 2025: Eingabe zur Verordnung über die intensive Frühintervention bei Autismus-SpektrumStörungen (IFIAV) ■ 12. Dezember 2025: Eingabe zum Bundesgesetz über Massnahmen zur Bekämpfung seltener Krankheiten Heilmittelgesetz Die Expertengruppe Kinder- und Jugendmedizin stand mit Mitgliedern der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Nationalrats in Kontakt, um den bestehenden Art. 67a des Heilmittelgesetzes zu ändern. Dieser Artikel wurde im Zuge der Heilmittelgesetz-Revision eingeführt und bildet die gesetzliche Grundlage für die Erstellung einer Datenbank mit harmonisierten Dosierungsempfehlungen, insbesondere für den pädiatrischen Bereich. Die Datenbank «SwissPedDose» sammelt und harmonisiert Dosierungsempfehlungen für Kinder. Der geltende Artikel sieht eine Kann-Formulierung für finanzielle Mittel des Bundes vor. Zur langfristigen Sicherung der Datenbank wäre eine Muss-Formulierung sinnvoll, damit der Bundesrat das Projekt unterstützen muss. Vereinfachte Zulassung ausländischer Kinderärzt:innen Das Parlament hat 2022 beschlossen, einer medizinischen Unterversorgung in gewissen Bereichen mit einer Ausnahmeregelung entgegenzuwirken. Die Kantone können unter anderem Kinderärzt:innen von der Anforderung ausnehmen, während mindestens drei Jahren an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte gearbeitet zu haben, wenn auf dem Kantonsgebiet in den betroffenen Bereichen eine Unterversorgung besteht. Die Bestimmung zur Abrechnung zulasten der obligatorischen Krankenversicherung, wenn sie noch nicht drei Jahre lang in einer anerkannten Schweizer Weiterbildungsstätte gearbeitet haben, wurde dringlich und damit befristet bis zum 31. Dezember 2027 eingeführt. 2025 wurde eine parlamentarische Initiative eingereicht, um die Befristung bis Ende 2032 zu verlängern. ■ Die parlamentarische Gruppe Kinder- und Jugendmedizin engagiert sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen in der Gesundheitspolitik des Bundes. Sie will sicherstellen, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu einer qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung haben und die Besonderheiten der Kinder- und Jugendmedizin in den Sozialversicherungsgesetzen adäquat abgebildet werden. Die parlamentarische Gruppe ist politisch breit abgestützt. Sie hat total 27 Mitglieder aus dem National- und Ständerat. Mitarbeit bei der Agenda Grundversorgung Mehrere Mitglieder der Expertengruppe haben bei der Erarbeitung des Berichts «Agenda Grundversorgung» mitgewirkt. Im vom BAG publizierten Bericht sind zahlreiche Massnahmen auf die Kinder- und Jugendmedizin inkl. Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgerichtet. Der Bundesrat soll im Juni 2026 über die vorgesehenen Massnahmen und das weitere Vorgehen informiert werden; gleichzeitig wird die Roadmap für die kommenden drei Jahre unterbreitet. Massnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit Ziel des dritten vom BAG organisierten Treffens «Weiterentwicklung psychiatrische Versorgung» war der Austausch über die Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung mit Fokus auf die Umsetzung der Massnahmen der Agenda Grundversorgung sowie die Klärung der Erwartungen für das Jahr 2026, insbesondere in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Treffen der parlamentarischen Gruppe Kinder- und Jugendmedizin Das Treffen vom Dezember 2025 zum Thema «Stärkung der Kinder- und Jugendmedizin» stiess auf reges Interesse. Prof. Dr. iur. Thomas Gächter, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich, stellte eine parlamentarische Initiative der Expertengruppe vor. Geplant ist, dass im ersten Quartal 2026 in einer der beiden Gesundheitskommissionen ein sogenannter Themenantrag Kinder- und Jugendmedizin eingereicht wird. Dem BAG wird der Auftrag erteilt, konkrete Lösungsvorschläge auszuarbeiten. «KidsHealthCH»: Monitoring der Kinder- und Jugendgesundheit Das BAG erkennt den Handlungsbedarf an und baut ein Schweizer Monitoring-System zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen KidsHealthCH auf. So sollen aus-
02 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 9 DR. MED. STEFAN ROTH VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT PÄDIATRIE, VORSTANDSMITGLIED KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LIEBEFELD Korrespondenzadresse: stefan.roth@ hausaerzteschweiz.ch DR. MED. DANIELA BERGER VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT TARIFE UND PÄDIATRIE, ZÜRICH Korrespondenzadresse: daniela.berger@ hausaerzteschweiz.ch Neue Tarife, neue Systeme, alte Probleme Warum die Umsetzung von TARDOC im Praxisalltag weiterhin anspruchsvoll bleibt und was die Digitalisierung für kinderärztliche Praxen bedeutet. Die Einführung des neuen ambulanten Tarifsystems sowie die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens beschäftigen die Kinder- und Jugendmedizin weiterhin intensiv. mfe setzt sich weiterhin dafür ein, dass die Anliegen der Praxispädiatrie in Tariffragen und digitalen Entwicklungen berücksichtigt werden und praxistaugliche Lösungen entstehen. Pädiatrische Anliegen im Tarifprozess Im Bereich der Tarifweiterentwicklung wurden im diesjährigen Antragsverfahren mit Frist im März über mfe knapp 60 Anträge eingereicht. Davon betreffen zwölf Anträge direkt pädiatrische Themen. Zusätzlich wurden 13 Anträge zu Limitationen eingebracht, die auch für die Kinder- und Jugendmedizin von grosser Bedeutung sind. Parallel dazu laufen ganzjährig mögliche Anträge zur Tarifinterpretation und Tarifanwendung. Aktuell befinden sich verschiedene Themen in der Finalisierung, unter anderem die medizinischen Interpretationen der Organuntersuchungen. Uneinheitliche Tarifauslegungen belasten Praxen Im Praxisalltag zeigen sich weiterhin zahlreiche Probleme bei der Tarifanwendung. Einerseits bestehen nach wie vor technische Schwierigkeiten in den Systemen, andererseits nehmen Rückforderungen und Rückweisungen der Krankenkassen aufgrund unterschiedlicher Tarifauslegungen zu. Betroffen sind beispielsweise Kombinationen von ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungen innerhalb derselben Sitzung. Solche Uneinheitlichkeiten führen zu erheblichem administrativem Aufwand und Unsicherheit in den Praxen. Wenn Limiten nicht zur Versorgung passen Zudem werden in einzelnen Bereichen bereits Limitationen erreicht. Dies betrifft insbesondere Organuntersuchungen, bei denen die vorgesehenen Limiten teilweise den klinischen Bedürfnissen nicht entsprechen. Für verschiedene Problemstellungen laufen bereits Anträge zur Anpassung. Digitalisierung zwischen Anspruch und Realität Auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens bleibt eine grosse Herausforderung. Das Programm DigiSanté bewegt sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen hohen politischen und technischen Ambitionen einerseits sowie gleichzeitig vom Parlament beschlossenen Sparmassnahmen andererseits. Aus Sicht der Ärzteschaft stehen insbesondere der Aufbau des Swiss Health Data Space mit standardisierten Austauschformaten, die elektronische Medikation sowie digitale Impfprozesse im Vordergrund. Ziel ist eine bessere und sicherere Vernetzung der medizinischen Informationen. Politisch liegt der Fokus derzeit jedoch stark auf NASURE, dem nationalen System zur Vereinheitlichung und Steuerung administrativer Gesundheitsdaten. Damit droht die Gefahr, dass administrative Aspekte stärker priorisiert werden als konkrete Verbesserungen für die medizinische Versorgung und den klinischen Alltag. mfe wird die weiteren Entwicklungen weiterhin eng begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Bedürfnisse der pädiatrischen Grundversorgung in Tarif- und Digitalisierungsprojekten angemessen berücksichtigt werden. Damit mfe die Interessen der Haus- und Kinderärzt:innen in der Praxis auch künftig wirksam vertreten kann, ist die Unterstützung durch eine breite Mitgliedschaft entscheidend. Wer noch nicht Mitglied ist, kann sich hier informieren und anmelden: hausaerzteschweiz.ch/ mitglieder/mitglied-werden ■ Berater Thomas Christen, ehemaliger stv. Direktor Bundesamt für Gesundheit BAG, und mfe Co-Präsidentin Monika Reber. Foto: Stefan Roth
VERNETZUNG 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 10 Unter dem Vorsitz der österreichischen Kolleg:innen fand vom 29. April bis zum 1. Mai 2026 das neunte «5-Länder-Treffen» deutschsprachiger Praxispädiater:innen in Bregenz (A) statt. Ziel dieser Treffen ist der fachliche Austausch über nationale Gegebenheiten und gemeinsame gesundheitspolitische Anliegen zwischen den Vorstandsmitgliedern der Berufsverbände niedergelassener Kinderärzt:innen der Regionen Deutschland (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen bvjk); Österreich (Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde ÖGKJ); Frankreich (Association Française de Pédiatrie Ambulatoire AFPA); Schweiz (Kinderärzte Schweiz) und Südtirol (Kinderärzt:innen freier Wahl). Wie bei den bisherigen Treffen fand ein Austausch zu berufspolitischen, aber auch zu fachlichen Themen statt. In diesem Jahr standen folgende Schwerpunkte im Vordergrund: ■ Vorsorgeuntersuchungen in den verschiedenen Ländern ■ Gesundheitshefte ■ Impfpläne ■ Choosing Wisely: Spannungsfeld zwischen Leitlinien und Alltag in der pädiatrischen Praxis ■ Schul- respektive Schularztsysteme ■ vegane und vegetarische Ernährung Rege diskutiert wurden neben bekannten Problemen wie der knappen Finanzierung die zunehmende Belastung der Schüler:innen durch Stresssituationen und psychische Probleme. Ebenso wurde thematisiert, dass die medizinische Versorgung dieser – insbesondere der Jugendlichen – in allen Ländern als prekär und schwierig gilt und den individuellen Bedürfnissen der Kinder im pädagogischen Kontext oft nicht ausreichend gerecht wird. Diese Thematik wird von KIS aktuell in der Umfrage «Macht die Schule unsere Kinder krank?» vertieft beleuchtet. Unsere Delegation hatte zum ersten Mal ein jüngeres Mitglied eingeladen, und Julian Jakob hat auf sympathische Weise die Sicht der jüngeren Generation eingebracht. Er regte in seinem Vortrag zum Thema «Choosing Wisely» eine Diskussion an, wie diese Empfehlungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Eine diesbezügliche gemeinsame Erklärung wird aktuell erarbeitet und soll medial verbreitet werden. DR. MED. MARC SIDLER PRÄSIDENT KINDERÄRZTE SCHWEIZ, BINNINGEN DR. MED. SANDRA BURRI VIZEPRÄSIDENTIN KINDERÄRZTE SCHWEIZ, BERN DR. MED. JULIAN JAKOB, PhD ASSISTENZARZT INSELSPITAL, BERN Korrespondenzadresse: marc.sidler@hin.ch Neuntes 5-Länder-Treffen der Berufsverbände der Kinder- und Jugendärzt:innen in der Praxis in Bregenz Das «5-Länder-Treffen» bleibt ein wichtiges Forum für den kollegialen Austausch zwischen den Grundversorger:innen der Pädiatrie. Es soll bewusst im kleinen Rahmen stattfinden, um fokussiert und effizient aktuelle Probleme zu diskutieren und bei Bedarf durch Resolutionen Verbesserungen anzustossen. Die nächste Ausgabe wird im April 2027 im Elsass unter der Leitung unserer französischen Kolleg:innen der AFPA stattfinden, mit folgenden vorgesehenen Themen: Kinderbetreuung, Task Shifting von ärztlichen Aufgaben, Antibiotikaresistenzen sowie Kinder in der Öffentlichkeit. ■ v.l.: Clemens Gumpenberger (A); Marc Sidler (CH), Yvonne Leitner (I), Anke Steurer (D), Christine Magendie (F), Sandra Burri (CH), Andreas Werner (F), Julian Jakob (CH), Holger Förster (A), Bernhard Jochum (A), Patrick Muzzolini (D) Foto: Christine Magendie
02 / 2026 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 11 28. ECPCP Meeting Istanbul 8. – 9. Mai 2026 Delegiertenversammlung der europäischen pädiatrischen Grundversorger:innen und Empfehlungen für pädiatrische Praxisassistenzen» präsentieren, das auf grosses Interesse stiess. Es ergänzt das neue ECPCP-Projekt eines «Handbook of Education in Primary Care Pediatrics». In der Arbeitsgruppe Vaccination and Prevention wurden nationale Unterschiede bei Meningokokken-Impfempfehlungen diskutiert. Anders als in der Schweiz sind diese Impfungen in vielen Ländern trotz offizieller Empfehlung nicht kassenpflichtig und müssen privat bezahlt werden. In der Arbeitsgruppe Research bestand breiter Konsens darüber, dass Forschung in der pädiatrischen Grundversorgung essenziell ist. Dabei zeigte sich, dass europaweit ähnliche Herausforderungen bestehen wie in der Schweiz und die Aufgabe komplex ist. Den Abschluss bildete der geschäftliche Teil mit Neuwahlen: Christine Magendie wurde zur Präsidentin, Christoph Bornhöft zum Vizepräsidenten gewählt. Wir gratulieren beiden herzlich. Christine und Christoph sind Kinderärzte Schweiz bereits seit einiger Zeit verbunden. Neben dem fachlichen Austausch bot das Meeting auch Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Bekanntschaften zu knüpfen – nicht zuletzt bei gemeinsamen kulinarischen Erlebnissen. Während einer Führung durch den historischen Teil Istanbuls erhielten wir spannende Einblicke in die lange und bewegte Geschichte dieser faszinierenden und kulturell vielfältigen Stadt. Ich nehme viele neue Erfahrungen aus diesem internationalen Austausch mit und schätze die Möglichkeiten, die wir in unserem Gesundheitssystem haben, aus einer neuen Perspektive noch mehr. Ich wünsche mir, dass Kinderärzte Schweiz auch künftig aktiv zur länderübergreifenden Weiterentwicklung der Praxispädiatrie beitragen kann. Denn wie es von der scheidenden Präsidentin Laura Reali treffend formuliert wurde: «Investing in Primary Care Pediatrics means investing in the future health and wellbeing of children across Europe.» ■ Die diesjährige Delegiertenversammlung der ECPCP (European Confederation of Primary Care Pediatricians) fand in Istanbul statt. Über 10 europäische Länder waren vertreten. Kinderärzte Schweiz, seit 2024 Mitglied der ECPCP, nahm zum dritten Mal persönlich teil (Marc Sidler), gemeinsam mit Christoph Bornhöft als Delegierter von pädiatrie schweiz und ECPCP-Vorstandsmitglied. Die vor 17 Jahren gegründete ECPCP vereint über 20 pädiatrische Organisationen aus 19 Ländern der WHO- Europa-Region, mit dem Ziel einer qualitativ hochwertigen, flächendeckenden pädiatrischen Grundversorgung (siehe ecpcp.eu/about-us). Traditionell eröffnete der gastgebende Verband das Meeting mit Fachreferaten. Ein Vortrag zur Primärversorgung in der Türkei zeigte, dass Kinder zunächst meist durch «Family Doctors» betreut werden. Gleichzeitig steht auch das türkische Gesundheitssystem vor bekannten Herausforderungen: Viele Eltern suchen mit Bagatellerkrankungen direkt pädiatrische Notfallstationen auf, was zu einer chronischen Überlastung in den Kliniken führt. Zudem wurde das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit beleuchtet – hochrelevant, auch wenn der Blick auf die Millionenmetropole Istanbul mit ihrem dichten Verkehr die praktischen Herausforderungen verdeutlichte. Es folgten Berichte von einzelnen Mitgliedsländern. Besonders eindrücklich war der Vortrag der ukrainischen Delegierten. Sie schilderte ihren Alltag in einem Medical Centre in Charkiw, nur 30 Kilometer von der Front entfernt. Während des Winters erschwerten Stromausfälle und unzureichende Energieversorgung bei eisigen Temperaturen die Versorgung zusätzlich massiv. Neben Kriegsverletzungen müssen dort auch Erfrierungen und Verbrennungen behandelt werden. Solche Berichte relativieren eigene Herausforderungen schnell. Anschliessend fanden vertiefte Austausche in verschiedenen Arbeitsgruppen statt. Die Arbeitsgruppe Environmental Health befasst sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Klimakrise auf die Kindergesundheit. Ich stellte die Arbeit unserer Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit zum Thema «Hitze und Schule» sowie die damit verbundenen Entwicklungen im Kanton Basel-Stadt vor. Die Beiträge stiessen auf grosses Interesse; gemeinsame Empfehlungen für Stakeholder (Behörden etc.) sind geplant. In der Arbeitsgruppe Education stand die Weiterentwicklung der EPA (Entrustable Professional Activities) im Zentrum. Diese sollen künftig auf einer gemeinsamen Plattform verfügbar sein. Ich durfte unser «Handbuch DR. MED. MARC SIDLER PRÄSIDENT KINDERÄRZTE SCHWEIZ, BINNINGEN Korrespondenzadresse: marc.sidler@hin.ch Foto: Christoph Bornhöft
VERNETZUNG 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 12 PD DR. HABIL. PATRICIA LANNEN LEITERIN DES MARIE MEIERHOFER INSTITUTES FÜR DAS KIND (MMI), ZÜRICH Korrespondenzadresse: lannen@mmi.ch DR. PHIL. RAQUEL PAZ CASTRO SENIOR RESEARCHER, MARIE MEIERHOFER INSTITUT FÜR DAS KIND (MMI), ZÜRICH Korrespondenzadresse: pazcastro@mmi.ch Bildschirmmedien sind heute allgegenwärtig – auch im Leben junger Kinder. Für die pädiatrische Praxis stellt sich zunehmend die Frage, wie ein Umgang gestaltet werden kann, der die Entwicklung des Kindes unterstützt und gleichzeitig der Realität von Familien gerecht wird. Das Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) hat jüngst zwei Publikationen veröffentlicht, die einen Überblick über die Studienlage zu den Risiken von erhöhter Medienzeit auf die kindliche Entwicklung sowie entwicklungsorientierte Empfehlungen für den Alltag mit Kindern bieten. Bildschirmmedien in der frühen Kindheit Empfehlungen für einen entwicklungsorientierten Umgang im Alltag Kinder kommen früh mit Smartphones, Tablets oder Fernsehern in Berührung. Zugleich ist die frühe Kindheit eine besonders sensible Phase: In diesen ersten Lebensjahren werden grundlegende Fähigkeiten in den emotionalen, sozialen, sprachlichen, motorischen und kognitiven Bereichen aufgebaut. Ein ungünstiger Umgang mit Bildschirmmedien kann diese Entwicklung beeinträchtigen – etwa durch schlechteren Schlaf oder weniger Bewegung und Kommunikation mit Bezugspersonen. Gleichzeitig bieten Bildschirmmedien auch Chancen – so weisen Studien zum Beispiel auf einen günstigen Effekt bei Lernprozessen hin. Für Fachpersonen und Eltern stellt sich daher weniger die Frage, ob Bildschirmmedien «gut» oder «schlecht» sind, sondern wie ein Umgang gestaltet werden kann, der den Bedürfnissen junger Kinder gerecht wird. Entwicklungsorientierte Empfehlungen für den Alltag Auf dieser Grundlage hat das MMI entwicklungsorientierte Empfehlungen für Eltern und Fachpersonen erarbeitet, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten, alltagsnahen Anregungen für Kinder bis etwa sechs Jahre verbinden. Der Evidence Brief 9 «Bildschirm an – Entwicklung aus?» bietet eine systematische Übersicht über 158 Studien aus den Jahren 2007 bis 2024 zu den Auswirkungen von Bildschirmmedien in der frühen Kindheit. Die entwicklungsorientierten Empfehlungen geben Orientierung und konkrete Tipps für einen bewussten Umgang mit Bildschirmmedien im Alltag mit Kindern. Das 1957 gegründete Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) setzt sich dafür ein, Erziehungsberechtigte, Fachpersonen und die Gesellschaft für die Bedürfnisse von jungen Kindern zu sensibilisieren, und vermittelt u.a. im Rahmen von Veranstaltungen und Publikationen fundiertes Wissen zu zentralen Themen der frühen Kindheit. Das der Universität Zürich assoziierte Institut vereint Forschung und Praxis unter einem Dach und bietet neben Therapieangeboten auch ein umfassendes Weiterbildungs- und Beratungsportfolio. Ziel ist es, einen differenzierten und zugleich praktikablen Zugang zu einem Thema zu ermöglichen, das viele Familien bewegt und auch die pädiatrische Beratung immer mehr beschäftigt. Im Zentrum steht die Frage: Was braucht ein junges Kind für eine gesunde Entwicklung? Die Empfehlungen fokussieren auf seine Bedürfnisse nach Beziehung, Bewegung, Spiel und Interaktion. Bildschirmmedien werden dabei als ein möglicher – aber begrenzter – Bestandteil des Alltags verstanden: Die Empfehlungen bieten eine Orientierung zur Nutzung, verzichten jedoch bewusst auf starre Zeitvorgaben. Solche Limitierungen sind im Alltag oft schwer umsetzbar und können bei Eltern Druck oder Schuldgefühle auslösen. Stattdessen hat das MMI-Fachteam Empfehlungen formuliert, die mehrere Ebenen gleichzeitig berücksichtigen: die Dauer und Art der Nutzung, die Qualität der Inhalte sowie die Frage, welche Erfahrungen jenseits der Mediennutzung den Alltag des Kindes prägen.
02 / 2026 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 13 Ein zentrales Anliegen dieser Publikation ist, Eltern und andere Bezugspersonen in ihrer Rolle zu stärken. Es gibt keine einfache «richtige» Lösung – der Alltag mit jungen Kindern ist komplex. Die Empfehlungen versuchen, dieser Komplexität gerecht zu werden. Sie bieten Orientierung, ohne zu überfordern, und integrieren zu jeder Empfehlung konkrete Tipps für den Alltag. ■ Die Publikationen zum Thema «Bildschirmmedien in der frühen Kindheit» finden Sie hier: mmi.ch/ mmi.ch/ evidence-briefs empfehlungen Die Evidence Briefs und die Entwicklungsorientierten Empfehlungen stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung. Die Entwicklungsorientierten Empfehlungen können Sie zudem als Printausgabe zum Unkostenbeitrag bestellen. Take-home-Message ■ Die frühe Kindheit ist eine sensible Phase – Mediennutzung sollte sich an den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes orientieren. ■ Entscheidend ist nicht nur die Bildschirmzeit, sondern der gesamte Nutzungskontext. ■ Entwicklungsorientierte Empfehlungen können Eltern entlasten und Fachpersonen in der Beratung unterstützen. Die Empfehlungen im Überblick ■ Empfehlung 1 Grenzen setzen bei der Bildschirmzeit Weniger ist mehr! Zu viel Bildschirmzeit beeinträchtigt Schlaf, Aufmerksamkeit, Beziehungen und Bewegung. ■ Empfehlung 2 Medienfreie Orte und Situationen definieren Medien sollten nicht zur Beruhigung, während der Mahlzeiten oder vor dem Schlafen eingesetzt werden. ■ Empfehlung 3 Vielfältige Erfahrungen für eine gesunde Entwicklung ermöglichen – mit und ohne Bildschirmmedien Die reale Welt ist das wichtigste Lernfeld: Bewegung, Spiel, Sprache und soziale Beziehungen sollten den Grossteil der kindlichen Erfahrungen ausmachen. Virtuelle Medien können diese realen Erfahrungen allenfalls ergänzen, sollten sie aber keinesfalls ersetzen. ■ Empfehlung 4 Mediennutzung begleiten und darüber sprechen Gemeinsame Bildschirmzeit und der Austausch über Inhalte stärken die Beziehung und das Lernen. Kinder brauchen den Austausch mit Bezugspersonen, um Inhalte zu verstehen. ■ Empfehlung 5 Kindern nur altersgerechte Inhalte anbieten Medieninhalte sollen ruhig, klar und gewaltfrei sein. Nicht alles, was kindlich wirkt, ist geeignet. ■ Empfehlung 6 Auf den eigenen Medienkonsum achten und ihn in Anwesenheit von Kindern reduzieren Kinder orientieren sich am Medienkonsum der Erwachsenen. Häufige Smartphone-, Computer- oder TV-Nutzung stört gemeinsame Momente. Laufende Bildschirme im Hintergrund setzen Kinder oft unbemerkt ungeeigneten Inhalten aus. Der KiDiMCoach – Support für Eltern im Um Familien eine individuelle Unterstü zugleich die Ressourcen von Fachpersone das MMI in Kooperation mit dem Schweiz Gesundheitsforschung (ISGF) einen Leitfa Elternratgeber KiDiMCoach (Kinder und Di Der Leitfaden soll Fachperson darin unter Alltagsumgang mit Bildschirmmedien anzus nisse der Familien abzuholen. Der KiDiMC App interessierten Eltern einmal pro Woch nen und Tipps – kostenlos und in leicht Zusätzlich erhalten Eltern individuelle Emp sie vor einer Herausforderung stehen; sie Expert:innen des MMI kontaktieren. Leitfaden und KiDiMCoach werden voraus evaluiert; ab 2027 sollen sie weiterentw interessierten Fachpersonen sowie Familie www.mmi.ch/kidimcoach 8 | Bildschirmmedien in der Frühen Kindheit Herausforderung Idee 1 Idee 2 Idee 3 Ich will weniger Medien nutzen, um ein gutes Beispiel für meine Kinder zu sein. Ich nutze Medien nur noch, wenn mein Kind nicht dabei ist oder schläft. Ich plane mehr gemeinsame Aktivitäten mit der Familie, z. B. Spielabende oder Ausflüge in die Natur. Ich bitte meinen Partner / meine Partnerin, dass wir uns gegenseitig bei der Reduzierung des Medienkonsums unterstützen. Mein Kind fängt an, zu weinen oder zu schreien, wenn die vereinbarte Bildschirmzeit vorbei ist. Ich spreche mit meinem Kind darüber, dass es normal ist, traurig / böse zu sein, und nehme mir Zeit, um mit ihm zu spielen. Ich erinnere mich daran, dass seine Wut normal und es zugleich für seine Entwicklung wichtig ist, dass ich liebevoll Grenzen aufzeige. Ich versuche, eine tägliche Routine umzusetzen, um meinem Kind mehr Orientierung zu geben – zum Beispiel: Am Abend im TV eine Serie bis vor dem Abendessen schauen und nach dem gemeinsamen Essen als Einschlafritual vorlesen. Mein Kind lässt sich nur noch durch Bildschirmmedien beruhigen. Ich reduziere die Bildschirmnutzung meines Kindes Schritt für Schritt, indem ich z. B. immer kürzere Videos aussuche. Ich achte darauf, dass wir mehr zusammen lesen, Lieder singen, Geschichten erzählen und uns (dabei) nahe sind, uns umarmen, zusammen kuscheln. Ich sorge für Ablenkung: Wir gehen nach draussen (Spielplatz, Einkaufen, Spazieren) oder ich biete meinem Kind zuhause etwas an, das es gerne macht (Malen, Bauen, Lesen). Es ist schwierig für mich, etwas Zeit für mich zu haben, ohne dass mein Kind Bildschirmmedien nutzt. Ich frage Nachbar:innen / Freund:innen, ob mein Kind zu ihnen gehen kann, um dort zu spielen, und ruhe mich dann aus. Ich probiere, ob mein Kind etwas Anderes machen kann, während ich mich ausruhe (Buch anschauen, Puzzle machen, malen, draussen spielen). Ich mache mit meinem Kind ab, dass ich jeden Tag zur gleichen Tageszeit für 15–30 Minuten eine kurze Pause mache, in der es alleine spielt, und stelle einen Wecker. Mein Kind nutzt zu oft Bildschirmmedien, während ich mich um den Haushalt kümmere. Ich spreche mit meinem Kind darüber, was z. B. in einem Video passiert, das es während dieser Zeit geschaut hat, und was es neu gelernt hat. Ich probiere, ob mein Kind sich anderweitig beschäftigen kann, während ich putze: zum Beispiel ein Buch anschauen, ein Puzzle machen, malen, im Garten spielen. Ich überlege, wie mein Kind mithelfen kann, so dass es auch Freude hat und wir mehr Zeit zusammen verbringen können. Mein Kind isst nur noch, wenn es während der Mahlzeit etwas auf dem Tablet / Smartphone / TV schauen darf. Ich lenke beim Essen mein Kind ab, indem ich mit ihm über Sachen spreche, die es interessieren oder die es an diesem Tag erlebt hat. Ich denke in Esssituationen, dass es normal ist, dass Kinder mal mehr oder mal weniger essen. Ich glaube, dass der Körper meines Kindes weiss, wie viel er braucht, und dass mein Kind später, wenn es mehr Hunger hat, richtig essen wird – auch ohne Bildschirmmedien. Ich erinnere mich in Esssituationen daran, dass mein Kind in der Kita (Spielgruppe) auch ohne Tablet / Smartphone / TV isst. Ich achte darauf, selbst kein Smartphone während des Essens zu nutzen. Ich bin unsicher, was mein Kind im TV bzw. auf dem Tablet oder Handy schaut. Ich frage das Kind, was darin passiert ist und ob es etwas Neues gelernt hat. Ich erkläre meinem Kind, dass es mir sagen muss, was es schauen möchte, damit es nicht Inhalte sieht, für die es noch zu jung ist. Ich schaue die digitalen Inhalte oder spiele diese mit meinem Kind die ersten Male immer zusammen, bevor es dann alleine schauen oder spielen darf. Es ist schwierig für mich, mein Kind zu beschäftigen, wenn wir im Restaurant, Tram / Zug, beim Arzt oder auf Besuch sind. Ich habe für solche Situationen ein bis zwei Spielsachen dabei, wie z. B. Papier / Buch, Stifte, Spielzeugauto, Plüschtier oder Memory / Uno. Ich sage mir, dass Kinder auch mal laut sein dürfen und es wahrscheinlich nur mich stört. Ich versuche es so zu planen, dass mein Kind nicht «zu lange geduldig sein muss». Wir essen zum Beispiel in Restaurants mit Spielecken oder gehen, wenn wir auf Besuch sind, nach draussen, zum Beispiel auf einen Spielplatz. 9 | Bildschirmmedien in der Frühen Kindheit MMI Entwicklungsorientierte Empfeh Das Wichtigste in Kürze In einer digitalisierten Welt ist ein bewusster Umgang mit Bildschirmmedien zentral. Dazu gehört, Bildschirmzeit zu begrenzen, sie aufmerksam zu begleiten und sowohl auf die Inhalte als auch auf das eigene Medienverhalten zu achten. Die Verantwortung dafür liegt bei uns Erwachsenen – in Familien, in pädagogischen Kontexten, in der fachlichen Arbeit mit Kindern und in Politik und Wirtschaft. Gemeinsam können wir Rahmenbedingungen schaffen, die es jungen Kindern ermöglichen, in ihren ersten Lebensjahren ausreichend Zeit in tragfähigen Beziehungen und vielfältigen Alltagserfahrungen zu verbringen. Denn für eine gesunde Entwicklung brauchen junge Kinder vielfältige Lerngelegenheiten – mit und ohne Bildschirmmedien. Unsere Reihe Entwicklungsorientierte Empfehlungen bietet konkrete Tipps und fundierte Hintergrundinformationen zu zentralen Themen der Frühen Kindheit. Sie gelten bis ins Alter von etwa sechs Jahren. Die Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Studien und sind zugleich alltagsbezogen: Sie berücksichtigen die Herausforderungen im Alltag mit jungen Kindern. Bei jedem Thema, das die Entwicklungsorientierten Empfehlungen aufgreifen, steht die Perspektive des Kindes im Zentrum: Was braucht es für eine gesunde Entwicklung? Die Entwicklungsorientierten Empfehlungen finden Sie hier: www.mmi.ch/empfehlungen Unsere Entwicklungsorientierten Empfehlungen sind neben den MMI Evidence Briefs und den MMI Research Insights Teil der Publikationsreihe MMI Transfer Series. Mehr erfahren unter: www.mmi.ch/evidence briefs www.mmi.ch/research insights 2560-druck_mmi_empfehlungen-1.indd 8-9 Quelle: mmi.ch/empfehlungen
FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 14 In den folgenden Beiträgen zu PAIS, Long COVID und ME/CFS begegnen wir einem Krankheitsbild, das für viele noch neu, komplex und teilweise schwer greifbar ist. Mit der wachsenden Evidenz entstehen zugleich neue Begriffe, Abkürzungen und Konzepte aus Medizin, Therapie und Versorgung. Das ausführliche Glossar soll deshalb als kleiner «Ariadnefaden» dienen: als Orientierungshilfe in einem vielschichtigen Themenfeld und als Unterstützung für die Lektüre der verschiedenen Artikel. Es lädt dazu ein, Zusammenhänge besser zu verstehen und eine gemeinsame Sprache für die Begleitung betroffener Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien zu entwickeln. Glossar ALT = Alanin-Aminotransferase AMPA-Rezeptor = -Amino-3-hydroxy-5- methyl-4-isoxazolpropionsäure-Rezeptor APN = Advanced Practice Nurse AST = Aspartat-Aminotransferase AWMF = Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften Baseline = individuelles Belastungs- bzw. Funktionsniveau Bio-psycho-soziales Modell = ganzheitliches Modell, das biologische, psychische und soziale Faktoren berücksichtigt BNT162b2 = COVID-19-mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer Brain Fog = neurokognitive Einschränkungen mit Konzentrations- und Gedächtnisproblemen BSG = Blutsenkungsgeschwindigkeit C3/C4 = Komplementfaktoren C3 und C4 C7-Komplexe = Komplementfaktor-C7- Komplexe des Immunsystems CCC = Kanadische Konsensuskriterien (Diagnosekriterien) CDC = Centers for Disease Control and Prevention CFS = Chronisches Fatigue-Syndrom CI = Confidence Interval (Konfidenzintervall) COPM = Canadian Occupational Performance Measure CPET = Cardiopulmonary Exercise Testing (kardiopulmonaler Belastungstest) Crash = starke Zustandsverschlechterung nach Belastung CRP = C-reaktives Protein D-Dimere = Spaltprodukte der Blutgerinnung/ Fibrinolyse Dysautonomie = Fehlregulation des autonomen Nervensystems EDS = Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) Energiemanagement = strukturierte Einteilung verfügbarer Energie im Alltag FDG-PET = Fluordesoxyglukose-PositronenEmissions-Tomographie FFP2 = Filtering Face Piece 2 (partikelfiltrierende Atemschutzmaske) fT4 = freies Thyroxin GET = Graded Exercise Therapy GGT = Gamma-Glutamyltransferase GLP-1 = Glucagon-like Peptide 1 HEPA-Filter = High Efficiency Particulate Air Filter Home-first = Versorgung möglichst im häuslichen Umfeld ICC = International Consensus Criteria ICD-10 = Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision ICD-11 = Internationale Klassifikation der Krankheiten, 11. Revision IF-Lehrperson = Lehrperson für Integrative Förderung IgA = Immunglobulin A IgG = Immunglobulin G IgM = Immunglobulin M IL-15 = Interleukin 15 IOM = Diagnosekriterien des Institute of Medicine IU = International Units (Internationale Einheiten) JAK-Inhibitoren = Januskinase-Inhibitoren LC = Long COVID LC/CFS = Long COVID / Chronic Fatigue Syndrome LDN = Low Dose Naltrexon Long COVID = Langzeitfolgen nach COVID19-Erkrankung LTT = Lymphozytentransformationstest MAO = Monoaminoxidase MBSQ = Munich Berlin Symptom Questionnaire MCAS = Mast Cell Activation Syndrome (Mastzellaktivierungssyndrom) ME = Myalgische Enzephalomyelitis ME/CFS = Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom Mind Body-Ansatz = therapeutischer Ansatz zur Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche MMA = Methylmalonsäure / Methylmalonacidurie MRT / MRI = Magnetresonanztomographie / Magnetic Resonance Imaging Münchhausen-by-proxy = Form der Kindesmisshandlung, bei der Krankheiten bei einem Kind vorgetäuscht oder ausgelöst werden NASA Lean Test = standardisierter orthostatischer Stehtest nach NASA-Protokoll NSAR = Nichtsteroidale Antirheumatika OH = Orthostatische Hypotonie ONS = Office for National Statistics Pacing = Belastungssteuerung / Energiemanagement bei Belastungsintoleranz PAIS = Postakute bzw. postinfektiöse Infektionssyndrome PACS = Post-Acute COVID Syndrome PASC = Post-Acute Sequelae of COVID-19 PDA = Pathological Demand Avoidance PEM = Post-Exertionelle Malaise (krankhafte Zustandsverschlechterung nach körperlicher oder kognitiver Belastung) PoTS / POTS = Posturales Orthostatisches Tachykardie Syndrom Post-Vac = Post-Vaccine-Syndrom Push-and-crash = Wechsel zwischen Überaktivität und anschliessender starker Erschöpfung RSV = Respiratorisches Synzytialvirus SFN = Small Fiber Neuropathie Small airways disease = Erkrankung der kleinen Atemwege SNRI = Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer SARS-CoV-1 = Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 1 SARS-CoV-2 = Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 Somatic tracking = therapeutische Technik zur bewussten Wahrnehmung und Neubewertung von Körpersymptomen SpO2 = Sauerstoffsättigung des Blutes SSRI = Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer TSH = Thyreoidea-stimulierendes Hormon VQ-SPECT/CT = Ventilations-/Perfusions-Single- Photon-Emissions-Computertomographie Wearables = tragbare digitale Messgeräte (z. B. Smartwatch) 3-P-Regel = Planen, Priorisieren, Pacing 3T-MRI / 3T-MRT = 3-Tesla-Magnetresonanztomographie 10-Minuten-Stehtest = standardisierte orthostatische Belastungsuntersuchung
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