02 / 2026 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 13 Ein zentrales Anliegen dieser Publikation ist, Eltern und andere Bezugspersonen in ihrer Rolle zu stärken. Es gibt keine einfache «richtige» Lösung – der Alltag mit jungen Kindern ist komplex. Die Empfehlungen versuchen, dieser Komplexität gerecht zu werden. Sie bieten Orientierung, ohne zu überfordern, und integrieren zu jeder Empfehlung konkrete Tipps für den Alltag. ■ Die Publikationen zum Thema «Bildschirmmedien in der frühen Kindheit» finden Sie hier: mmi.ch/ mmi.ch/ evidence-briefs empfehlungen Die Evidence Briefs und die Entwicklungsorientierten Empfehlungen stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung. Die Entwicklungsorientierten Empfehlungen können Sie zudem als Printausgabe zum Unkostenbeitrag bestellen. Take-home-Message ■ Die frühe Kindheit ist eine sensible Phase – Mediennutzung sollte sich an den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes orientieren. ■ Entscheidend ist nicht nur die Bildschirmzeit, sondern der gesamte Nutzungskontext. ■ Entwicklungsorientierte Empfehlungen können Eltern entlasten und Fachpersonen in der Beratung unterstützen. Die Empfehlungen im Überblick ■ Empfehlung 1 Grenzen setzen bei der Bildschirmzeit Weniger ist mehr! Zu viel Bildschirmzeit beeinträchtigt Schlaf, Aufmerksamkeit, Beziehungen und Bewegung. ■ Empfehlung 2 Medienfreie Orte und Situationen definieren Medien sollten nicht zur Beruhigung, während der Mahlzeiten oder vor dem Schlafen eingesetzt werden. ■ Empfehlung 3 Vielfältige Erfahrungen für eine gesunde Entwicklung ermöglichen – mit und ohne Bildschirmmedien Die reale Welt ist das wichtigste Lernfeld: Bewegung, Spiel, Sprache und soziale Beziehungen sollten den Grossteil der kindlichen Erfahrungen ausmachen. Virtuelle Medien können diese realen Erfahrungen allenfalls ergänzen, sollten sie aber keinesfalls ersetzen. ■ Empfehlung 4 Mediennutzung begleiten und darüber sprechen Gemeinsame Bildschirmzeit und der Austausch über Inhalte stärken die Beziehung und das Lernen. Kinder brauchen den Austausch mit Bezugspersonen, um Inhalte zu verstehen. ■ Empfehlung 5 Kindern nur altersgerechte Inhalte anbieten Medieninhalte sollen ruhig, klar und gewaltfrei sein. Nicht alles, was kindlich wirkt, ist geeignet. ■ Empfehlung 6 Auf den eigenen Medienkonsum achten und ihn in Anwesenheit von Kindern reduzieren Kinder orientieren sich am Medienkonsum der Erwachsenen. Häufige Smartphone-, Computer- oder TV-Nutzung stört gemeinsame Momente. Laufende Bildschirme im Hintergrund setzen Kinder oft unbemerkt ungeeigneten Inhalten aus. Der KiDiMCoach – Support für Eltern im Um Familien eine individuelle Unterstü zugleich die Ressourcen von Fachpersone das MMI in Kooperation mit dem Schweiz Gesundheitsforschung (ISGF) einen Leitfa Elternratgeber KiDiMCoach (Kinder und Di Der Leitfaden soll Fachperson darin unter Alltagsumgang mit Bildschirmmedien anzus nisse der Familien abzuholen. Der KiDiMC App interessierten Eltern einmal pro Woch nen und Tipps – kostenlos und in leicht Zusätzlich erhalten Eltern individuelle Emp sie vor einer Herausforderung stehen; sie Expert:innen des MMI kontaktieren. Leitfaden und KiDiMCoach werden voraus evaluiert; ab 2027 sollen sie weiterentw interessierten Fachpersonen sowie Familie www.mmi.ch/kidimcoach 8 | Bildschirmmedien in der Frühen Kindheit Herausforderung Idee 1 Idee 2 Idee 3 Ich will weniger Medien nutzen, um ein gutes Beispiel für meine Kinder zu sein. Ich nutze Medien nur noch, wenn mein Kind nicht dabei ist oder schläft. Ich plane mehr gemeinsame Aktivitäten mit der Familie, z. B. Spielabende oder Ausflüge in die Natur. Ich bitte meinen Partner / meine Partnerin, dass wir uns gegenseitig bei der Reduzierung des Medienkonsums unterstützen. Mein Kind fängt an, zu weinen oder zu schreien, wenn die vereinbarte Bildschirmzeit vorbei ist. Ich spreche mit meinem Kind darüber, dass es normal ist, traurig / böse zu sein, und nehme mir Zeit, um mit ihm zu spielen. Ich erinnere mich daran, dass seine Wut normal und es zugleich für seine Entwicklung wichtig ist, dass ich liebevoll Grenzen aufzeige. Ich versuche, eine tägliche Routine umzusetzen, um meinem Kind mehr Orientierung zu geben – zum Beispiel: Am Abend im TV eine Serie bis vor dem Abendessen schauen und nach dem gemeinsamen Essen als Einschlafritual vorlesen. Mein Kind lässt sich nur noch durch Bildschirmmedien beruhigen. Ich reduziere die Bildschirmnutzung meines Kindes Schritt für Schritt, indem ich z. B. immer kürzere Videos aussuche. Ich achte darauf, dass wir mehr zusammen lesen, Lieder singen, Geschichten erzählen und uns (dabei) nahe sind, uns umarmen, zusammen kuscheln. Ich sorge für Ablenkung: Wir gehen nach draussen (Spielplatz, Einkaufen, Spazieren) oder ich biete meinem Kind zuhause etwas an, das es gerne macht (Malen, Bauen, Lesen). Es ist schwierig für mich, etwas Zeit für mich zu haben, ohne dass mein Kind Bildschirmmedien nutzt. Ich frage Nachbar:innen / Freund:innen, ob mein Kind zu ihnen gehen kann, um dort zu spielen, und ruhe mich dann aus. Ich probiere, ob mein Kind etwas Anderes machen kann, während ich mich ausruhe (Buch anschauen, Puzzle machen, malen, draussen spielen). Ich mache mit meinem Kind ab, dass ich jeden Tag zur gleichen Tageszeit für 15–30 Minuten eine kurze Pause mache, in der es alleine spielt, und stelle einen Wecker. Mein Kind nutzt zu oft Bildschirmmedien, während ich mich um den Haushalt kümmere. Ich spreche mit meinem Kind darüber, was z. B. in einem Video passiert, das es während dieser Zeit geschaut hat, und was es neu gelernt hat. Ich probiere, ob mein Kind sich anderweitig beschäftigen kann, während ich putze: zum Beispiel ein Buch anschauen, ein Puzzle machen, malen, im Garten spielen. Ich überlege, wie mein Kind mithelfen kann, so dass es auch Freude hat und wir mehr Zeit zusammen verbringen können. Mein Kind isst nur noch, wenn es während der Mahlzeit etwas auf dem Tablet / Smartphone / TV schauen darf. Ich lenke beim Essen mein Kind ab, indem ich mit ihm über Sachen spreche, die es interessieren oder die es an diesem Tag erlebt hat. Ich denke in Esssituationen, dass es normal ist, dass Kinder mal mehr oder mal weniger essen. Ich glaube, dass der Körper meines Kindes weiss, wie viel er braucht, und dass mein Kind später, wenn es mehr Hunger hat, richtig essen wird – auch ohne Bildschirmmedien. Ich erinnere mich in Esssituationen daran, dass mein Kind in der Kita (Spielgruppe) auch ohne Tablet / Smartphone / TV isst. Ich achte darauf, selbst kein Smartphone während des Essens zu nutzen. Ich bin unsicher, was mein Kind im TV bzw. auf dem Tablet oder Handy schaut. Ich frage das Kind, was darin passiert ist und ob es etwas Neues gelernt hat. Ich erkläre meinem Kind, dass es mir sagen muss, was es schauen möchte, damit es nicht Inhalte sieht, für die es noch zu jung ist. Ich schaue die digitalen Inhalte oder spiele diese mit meinem Kind die ersten Male immer zusammen, bevor es dann alleine schauen oder spielen darf. Es ist schwierig für mich, mein Kind zu beschäftigen, wenn wir im Restaurant, Tram / Zug, beim Arzt oder auf Besuch sind. Ich habe für solche Situationen ein bis zwei Spielsachen dabei, wie z. B. Papier / Buch, Stifte, Spielzeugauto, Plüschtier oder Memory / Uno. Ich sage mir, dass Kinder auch mal laut sein dürfen und es wahrscheinlich nur mich stört. Ich versuche es so zu planen, dass mein Kind nicht «zu lange geduldig sein muss». Wir essen zum Beispiel in Restaurants mit Spielecken oder gehen, wenn wir auf Besuch sind, nach draussen, zum Beispiel auf einen Spielplatz. 9 | Bildschirmmedien in der Frühen Kindheit MMI Entwicklungsorientierte Empfeh Das Wichtigste in Kürze In einer digitalisierten Welt ist ein bewusster Umgang mit Bildschirmmedien zentral. Dazu gehört, Bildschirmzeit zu begrenzen, sie aufmerksam zu begleiten und sowohl auf die Inhalte als auch auf das eigene Medienverhalten zu achten. Die Verantwortung dafür liegt bei uns Erwachsenen – in Familien, in pädagogischen Kontexten, in der fachlichen Arbeit mit Kindern und in Politik und Wirtschaft. Gemeinsam können wir Rahmenbedingungen schaffen, die es jungen Kindern ermöglichen, in ihren ersten Lebensjahren ausreichend Zeit in tragfähigen Beziehungen und vielfältigen Alltagserfahrungen zu verbringen. Denn für eine gesunde Entwicklung brauchen junge Kinder vielfältige Lerngelegenheiten – mit und ohne Bildschirmmedien. Unsere Reihe Entwicklungsorientierte Empfehlungen bietet konkrete Tipps und fundierte Hintergrundinformationen zu zentralen Themen der Frühen Kindheit. Sie gelten bis ins Alter von etwa sechs Jahren. Die Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Studien und sind zugleich alltagsbezogen: Sie berücksichtigen die Herausforderungen im Alltag mit jungen Kindern. Bei jedem Thema, das die Entwicklungsorientierten Empfehlungen aufgreifen, steht die Perspektive des Kindes im Zentrum: Was braucht es für eine gesunde Entwicklung? Die Entwicklungsorientierten Empfehlungen finden Sie hier: www.mmi.ch/empfehlungen Unsere Entwicklungsorientierten Empfehlungen sind neben den MMI Evidence Briefs und den MMI Research Insights Teil der Publikationsreihe MMI Transfer Series. Mehr erfahren unter: www.mmi.ch/evidence briefs www.mmi.ch/research insights 2560-druck_mmi_empfehlungen-1.indd 8-9 Quelle: mmi.ch/empfehlungen
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