FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 40 FLEUR BENNENBROEK KINDERERGOTHERAPEUTIN, JIPA-AKDADEMIE FÜR MEDIZINISCHES FACHPERSONAL, NL-WIJCHEN PD DR. MED. JÜRG C. STREULI, PhD FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL UND STIFTUNG GESUNDHEITSKOMPASS, UZNACH Korrespondenzadresse: juerg.streuli@ gesundheitskompass.ch Pacing bei Kindern und Jugendlichen mit postakuten Infektionssyndromen mit/ohne ME/CFS Praxisorientiertes Energiemanagement bei Belastungsintoleranz 2. Schrittweises Vorgehen im Energiemanagement Der Pacing-Prozess lässt sich in mehrere Phasen gliedern. Zu Beginn stehen die Analyse und Bewusstmachung. Ziel ist es, ein Verständnis für die Erkrankung zu entwickeln, individuelle Belastungsmuster zu erkennen und Zusammenhänge zwischen Aktivität und Symptomen, insbesondere PEM, sichtbar zu machen. Hierfür eignen sich Aktivitätstagebücher, Symptomprotokolle über mehrere Tage sowie strukturierte Zielklärungen, beispielsweise mit kindgerechten Instrumenten. Bei jüngeren Kindern übernehmen häufig die Eltern die Beobachtung und Dokumentation. Das Pacing erfolgt somit nicht intuitiv, sondern in einem strukturierten, schrittweisen Prozess. Ziel ist es, zunächst ein Verständnis für die individuelle Belastbarkeit zu entwickeln, darauf aufbauend Stabilität zu erreichen und erst dann vorsichtig die Aktivität zu erweitern. Ein besonderer Fokus liegt auf der konsequenten Vermeidung von Überlastungssituationen (PEM / «pushand-crash»). Risikofaktoren sind unter anderem schulischer Leistungsdruck, emotionale Belastungen, hohe Eigenmotivation der Kinder sowie Unsicherheiten von Eltern und Fachpersonen im Umgang mit der Erkrankung und ihren Belastungsgrenzen. Entscheidend ist eine abgestimmte interprofessionelle Haltung, um widersprüchliche Empfehlungen oder isolierte Belastungssteigerungen zu vermeiden. 1. Grundprinzipien des Pacing Pacing (englisch «to pace» = das Tempo einteilen) bezeichnet eine strukturierte Form des Energiemanagements bei Kindern und Jugendlichen mit Belastungsintoleranz, insbesondere bei Post-Exertional Malaise (PEM) im Rahmen postakuter Infektionssyndrome (PAIS). Ziel ist es, körperliche, kognitive und emotionale Aktivitäten so zu dosieren, dass eine Überlastung vermieden wird. Pacing ist daher kein Trainings-, sondern ein Schutzkonzept mit dem Ziel, Überlastung und PEM zu vermeiden und eine stabile, schrittweise Verbesserung der Funktionsfähigkeit zu ermöglichen. Im Zentrum steht nicht die rasche Leistungssteigerung, sondern die Stabilisierung innerhalb der individuellen Belastungsgrenzen. Aktivitäten werden so angepasst, dass Überlastung vermieden und gleichzeitig eine vorsichtige, symptomgeleitete Entwicklung ermöglicht wird. Pacing bewegt sich damit bewusst im Spannungsfeld zwischen notwendiger Aktivität und konsequenter Vermeidung von Überforderung. Die Umsetzung erfolgt in verschiedenen Aktivitätsbereichen: Körperliche Aktivitäten werden in kurze Einheiten aufgeteilt und durch geplante Ruhepausen ergänzt. Kognitive Anforderungen wie schulische Aufgaben werden in überschaubare Abschnitte gegliedert. Soziale und emotionale Belastungen werden bewusst begrenzt und geplant. Im Alltag sind klare Strukturen, Priorisierung und feste Ruhezeiten entscheidend. Aktivitätsbereich Pacing-Strategie Beispiel Körperlich Aktivitäten aufteilen, Pausen einplanen Kurzer Spaziergang von 5–10 Min. mit Ruhepause, Treppen in Etappen steigen Kognitiv Hausaufgaben oder Lernen in kleinen Einheiten 15–20 Min. Lernen, dann 5–10 Min. Pause, Stoff in überschaubare Abschnitte unterteilen Emotional / Sozial Dauer und Intensität begrenzen, planen Kurzer Besuch bei Freunden, soziale Treffen nur bei hoher Energie Alltag / Routine Priorisieren, feste Ruhezeiten einhalten Mittagsschlaf nach der Schule, wichtige Aufgaben zuerst erledigen, Timer oder Tagebuch nutzen Allgemein Stabilität zuerst, langsamer Aufbau Zuerst stabiles Basisniveau erreichen, danach Aktivitäten langsam steigern (+5–10%)
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