FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 16 DR. MED. MAJA STRASSER FACHÄRZTIN FÜR NEUROLOGIE, NEUROLOGISCHE PRAXIS SOLOTHURN, LONG COVID NETZWERK SOLOTHURN PD DR. MED. JÜRG HAMACHER FACHARZT FÜR INNERE MEDIZIN UND PNEUMOLOGIE, SCHLAFMEDIZIN, LINDENHOFSPITAL BERN PROF. DR. PHIL. HABIL. DR. MED. HABIL. MARTINA KING LEHRSTUHL FÜR MEDICAL HUMANITIES, UNIVERSITÄT FRIBOURG Korrespondenzadresse: maja.strasser@hin.ch In der Schweiz leiden ca. 12600 Kinder und Jugendliche an Long COVID. Die Abklärung und Therapie dieser komplexen Krankheit ist anspruchsvoll und wird im Folgenden praxisbezogen und kompakt dargestellt. Praxisnahe Therapieempfehlungen PAIS, Long COVID, Post-Vaccine-Syndrom, ME/CFS: Diagnose und Therapie moderater Akutverlauf, teilweise asymptomatische Infektion; Symptome wie Fatigue, Belastungsintoleranz, Postexertional Malaise, respiratorische Beschwerden, Dysautonomie oder Autoimmunität mit Standarddiagnostik im Normbereich und fehlendem Ansprechen oder gar Verschlechterung durch konventionelle Therapien).8 Fokus dieses Artikels ist das syndromale Long COVID. Prävalenz und Epidemiologie von Long COVID und ME/CFS im Kindes- und Jugendalter ME/CFS sowie Long COVID können auch im Kindes- und Jugendalter zu gravierenden funktionellen Einschränkungen führen. Konkrete Prävalenzdaten für die Schweiz liegen bislang nicht vor; internationale Erhebungen liefern jedoch belastbare Schätzwerte. Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue- Syndrom (ME/CFS) ist eine komplexe, chronische Multisystemerkrankung, die auch bei Kindern und Jugendlichen auftreten kann. Kardinalsymptom ist die Post-exertional Malaise (PEM oder «Crash»), eine eindrückliche Verschlechterung nach Überlastung, welche mit bis zu mehr als einer Woche Latenz auftritt.9 Die post-exertionelle Malaise (PEM) stellt das zentrale Leitsymptom von ME/CFS dar und ermöglicht die Abgrenzung dieser spezifischen Erkrankung vom unspezifischen Symptom einer chronischen Fatigue. Aus diesem Grund ist eine klare terminologische und diagnostische Trennung zwischen ME/CFS und dem Symptom chronischer Fatigue unerlässlich. Präpandemisch lag die Prävalenz von ME/CFS in dieser Altersgruppe gemäss internationalen Schätzungen zwischen 0,1% und 0,5%.10 In Deutschland wurden vor der Pandemie 70000–90000 schulpflichtige Kinder und Jugendliche als betroffen eingeschätzt .11 Studien zufolge ist aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie mindestens mit einer Verdoppelung der ME/CFS-Betroffenen zu rechnen.12 Long COVID zeigt eine deutlich höhere Prävalenz und ein breiteres klinisches Bild als die schwere neuroimmunologische Erkrankung ME/CFS. Systematische Reviews berichten bei Kindern und Jugendlichen Raten von 16% bis 25% für mindestens ein persistierendes Symptom ≥3 Monate nach akuter SARS-CoV-2-Infektion.13, 14 In Grossbritannien ergaben nationale Erhebungen im Februar 2023, dass 1% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 2 bis 15 Jahren sowie 4% der Erwachsenen Einführung Long COVID ist kein neues Krankheitsbild, sondern lediglich eine neue, durch SARS-CoV-2 ausgelöste Variante des Postakuten Infektionssyndroms (post- acute infection syndrome PAIS).1 Die Hauptsymptome sind Erschöpfung/Fatigue mit Belastungsintoleranz und Post-exertional Malaise, kognitive Störungen und Dyspnoe.2 Zahlreiche überwiegend virale Infektionskrankheiten führen zu einem grossen Spektrum komplexer chronischer Erkrankungen mit physischen, kognitiven und emotionalen Symptomen, unter anderem EpsteinBarr-Virus, Influenza und SARS-CoV-1. Eine schwere, neuroimmunologische Form eines post-acute infection syndrome (PAIS), die Myalgische Enzephalomyelitis, auch Chronic Fatigue Syndrome oder zusammen abgekürzt ME/CFS (ICD-10 G93.3), ist bereits seit 1969 von der WHO als neurologische Krankheit anerkannt.3 In einer prospektiven Kohortenstudie der Charité erfüllten fast 50% der nach sechs Monaten weiterhin symptomatischen (erwachsenen) Long-COVID-Betroffenen die Kanadischen Konsensus-Kriterien (2003) für ME/CFS.4 Für Long COVID wurde der ICD-10 Code U09.9 geschaffen («Post-COVID-19-Zustand, nicht näher bezeichnet»), im ICD-11 RA02. Bei mehr als vier Wochen Persistenz nach der akuten COVID-19-Erkrankung spricht man von Long COVID oder post-akuten Folgen von COVID-19 (post-acute sequelae of COVID-19, PASC), bei Persistenz nach mehr als drei Monaten mit Symptomen während mindestens zwei Monaten vom Post-COVID-19-Syndrom.5 Weitere gängige Begriffe sind «post-acute COVID syndrome» (PACS) oder «COVID-19 long-hauler». Im Folgenden wird von Long COVID gesprochen, wenn nicht explizit zwischen Long COVID und Post-COVID-19-Syndrom differenziert wird. Die Weltgesundheitsorganisation geht von einer Häufigkeit von Long COVID von 10–20% aller COVID-19- Erkrankungen aus.6 Dabei wird unterschieden zwischen non-syndromalem Long COVID (schwerer Akutverlauf mit in der Standarddiagnostik nachweisbaren Organschäden z. B. an Lunge, Nieren oder Herz; Post-Intensive- Care-Syndrome), durch COVID-19 verstärkte oder hervorgerufene Erkrankungen (z. B. Guillain-BarréSyndrom, Diabetes mellitus Typ 1, Lupus erythematodes)7 und syndromalem Long COVID (oft leichter bis
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