FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 44 INTERVIEWER: DR. MED. RAFFAEL GUGGENHEIM FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, ZÜRICH Korrespondenzadresse: dokter@bluewin.ch Ein Interview mit Patricia Trattmann und Anna «Ich kann nicht mehr zur Schule gehen, weil ich einfach überleben muss» Was Betroffene von Postinfektiösen Syndromen (PAIS) und ihre Familien erleben KIS: Wann änderte sich das? PT: Im Frühling 2023, also ein Jahr nach der COVID- Erkrankung, wurde die Müdigkeit stärker, dazu kamen neu Episoden mit Übelkeit und Erbrechen und dieser komische Bauchkrampfanfall… A: … ja, da musste ich sogar ins Spital wegen unerträglicher Krämpfe. Doch die Abklärung ergab einfach eine «Grippe» – ich erhielt Schmerzmittel, die Bauchschmerzen wurden besser, aber vom Frühling bis zum Sommer kamen und gingen mehrere Episoden mit Übelkeit und mehrfach täglichem Erbrechen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an Symptome, und so habe ich trotz chronischer Müdigkeit, Kopfweh, Übelkeit und Erbrechen den Übertritt in die Sek geschafft. KIS: Wann hat sich dann die Situation verschlechtert? A: Im Oktober 2023 begann erneut eine Episode mit starker Übelkeit und Erbrechen, die allerdings einfach nicht mehr aufhörte. Die Erschöpfung wurde unerträglich. Ich konnte nicht mehr singen – obwohl ich das so gerne machte – weil mir schwindlig wurde. Wenig Bewegung führte zu Schmerzen, und in der Dusche kollabierte ich beinahe, ich hatte Gliederschmerzen, komische Augenschwellungen, Ausschläge, habe sehr schlecht geKIS: Ich darf heute ein Interview mit einer sehr energievollen und aufgestellten Jugendlichen, Anna Trattmann, und ihrer Mutter führen. Dafür schon jetzt vielen Dank. Anna: Du hast mit 11 Jahren gerade zweimal hintereinander eine COVID-Erkrankung durchgemacht. Erinnerst du dich noch an diese Zeit? Anna (A): Das war im Frühjahr 2022 – ja, da war ich richtig schwer krank und zunächst 5 Wochen und dann nochmals 3 Wochen nicht in der Schule! Ich konnte damals nichts machen, so erschöpft war ich, nicht einmal im Bett lesen. Danach ging ich ins heiss ersehnte Skilager, aber da war ich richtig erschöpft. Ich konnte gar nicht richtig mitmachen … KIS: Das heisst, du konntest dich gar nicht richtig erholen? A: Ich dachte schon, es würde gehen. Schliesslich war ich ja wieder «geheilt» und auf den Füssen. Aber ich hatte dann immer wieder Kopfschmerzen und blieb so kränklich. Ich hatte dann mehrfach Strep A–positive Anginen. Aber ich war immer motiviert, wieder in die Schule zu gehen und so ging ich auch, obwohl ich mich irgendwie immer schwach fühlte. Ich war glücklicherweise eine gute Schülerin und konnte mit dem Stoff easy mithalten. Aber dann kam der Sommer… Patricia Trattmann (PT): Ja, im Sommer war es irgendwie komisch – wir gingen wandern, und Anna war immer so erschöpft, sie konnte gar nicht richtig mitwandern. Das war nicht «unsere Anna»! Ich dachte mir, vielleicht hat sie einfach keine Lust, mit uns Erwachsenen wandern zu gehen – aber das war dann doch anders. Damals dachte ich einfach, sie sei noch so erschöpft und habe noch keinen direkten Zusammenhang zur COVID-Erkrankung gemacht. Aber in Wahrheit war das eben schon der Beginn von Long COVID – ja, im Nachhinein weiss man eben alles besser! KIS: Gingen Sie dann zum Arzt? A: Wir waren mehrfach beim Kinderarzt wegen der Anginen. Und ich hatte oft Kopfschmerzen, weswegen ich auch immer wieder in der Schule fehlte. Aber damals dachten wir, es seien einfach Wachstum, Stress oder so ein paar Infekte. Annas Lieblingsbeschäftigung. Mittlerweile ist auch längeres Lesen wieder möglich. Foto: Familie Trattmann
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