KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

VERNETZUNG 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 12 PD DR. HABIL. PATRICIA LANNEN LEITERIN DES MARIE MEIERHOFER INSTITUTES FÜR DAS KIND (MMI), ZÜRICH Korrespondenzadresse: lannen@mmi.ch DR. PHIL. RAQUEL PAZ CASTRO SENIOR RESEARCHER, MARIE MEIERHOFER INSTITUT FÜR DAS KIND (MMI), ZÜRICH Korrespondenzadresse: pazcastro@mmi.ch Bildschirmmedien sind heute allgegenwärtig – auch im Leben junger Kinder. Für die pädiatrische Praxis stellt sich zunehmend die Frage, wie ein Umgang gestaltet werden kann, der die Entwicklung des Kindes unterstützt und gleichzeitig der Realität von Familien gerecht wird. Das Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) hat jüngst zwei Publikationen veröffentlicht, die einen Überblick über die Studienlage zu den Risiken von erhöhter Medienzeit auf die kindliche Entwicklung sowie entwicklungsorientierte Empfehlungen für den Alltag mit Kindern bieten. Bildschirmmedien in der frühen Kindheit Empfehlungen für einen entwicklungsorientierten Umgang im Alltag Kinder kommen früh mit Smartphones, Tablets oder Fernsehern in Berührung. Zugleich ist die frühe Kindheit eine besonders sensible Phase: In diesen ersten Lebensjahren werden grundlegende Fähigkeiten in den emotionalen, sozialen, sprachlichen, motorischen und kognitiven Bereichen aufgebaut. Ein ungünstiger Umgang mit Bildschirmmedien kann diese Entwicklung beeinträchtigen – etwa durch schlechteren Schlaf oder weniger Bewegung und Kommunikation mit Bezugspersonen. Gleichzeitig bieten Bildschirmmedien auch Chancen – so weisen Studien zum Beispiel auf einen günstigen Effekt bei Lernprozessen hin. Für Fachpersonen und Eltern stellt sich daher weniger die Frage, ob Bildschirmmedien «gut» oder «schlecht» sind, sondern wie ein Umgang gestaltet werden kann, der den Bedürfnissen junger Kinder gerecht wird. Entwicklungsorientierte Empfehlungen für den Alltag Auf dieser Grundlage hat das MMI entwicklungsorientierte Empfehlungen für Eltern und Fachpersonen erarbeitet, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten, alltagsnahen Anregungen für Kinder bis etwa sechs Jahre verbinden. Der Evidence Brief 9 «Bildschirm an – Entwicklung aus?» bietet eine systematische Übersicht über 158 Studien aus den Jahren 2007 bis 2024 zu den Auswirkungen von Bildschirmmedien in der frühen Kindheit. Die entwicklungsorientierten Empfehlungen geben Orientierung und konkrete Tipps für einen bewussten Umgang mit Bildschirmmedien im Alltag mit Kindern. Das 1957 gegründete Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) setzt sich dafür ein, Erziehungsberechtigte, Fachpersonen und die Gesellschaft für die Bedürfnisse von jungen Kindern zu sensibilisieren, und vermittelt u.a. im Rahmen von Veranstaltungen und Publikationen fundiertes Wissen zu zentralen Themen der frühen Kindheit. Das der Universität Zürich assoziierte Institut vereint Forschung und Praxis unter einem Dach und bietet neben Therapieangeboten auch ein umfassendes Weiterbildungs- und Beratungsportfolio. Ziel ist es, einen differenzierten und zugleich praktikablen Zugang zu einem Thema zu ermöglichen, das viele Familien bewegt und auch die pädiatrische Beratung immer mehr beschäftigt. Im Zentrum steht die Frage: Was braucht ein junges Kind für eine gesunde Entwicklung? Die Empfehlungen fokussieren auf seine Bedürfnisse nach Beziehung, Bewegung, Spiel und Interaktion. Bildschirmmedien werden dabei als ein möglicher – aber begrenzter – Bestandteil des Alltags verstanden: Die Empfehlungen bieten eine Orientierung zur Nutzung, verzichten jedoch bewusst auf starre Zeitvorgaben. Solche Limitierungen sind im Alltag oft schwer umsetzbar und können bei Eltern Druck oder Schuldgefühle auslösen. Stattdessen hat das MMI-Fachteam Empfehlungen formuliert, die mehrere Ebenen gleichzeitig berücksichtigen: die Dauer und Art der Nutzung, die Qualität der Inhalte sowie die Frage, welche Erfahrungen jenseits der Mediennutzung den Alltag des Kindes prägen.

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