FRÜHLINGSTAGUNG 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 52 Ärzt:innen & MPA Referat 2: Sportmedizin Next Generation Athletes – Sportmedizin für junge Talente in der pädiatrischen Praxis Was gehört zu einer sportmedizinischen Untersuchung, und was brauche ich allenfalls für Hilfsmittel in der Praxis? So die pragmatische Einführung von Marc Sidler, worauf der Vortrag gleich mit einem Fallbeispiel aus der Praxis startete: Fallbeispiel: 14-jähriger Lars benötigt eine sportmedizinische Untersuchung für einen Wettkampf in Italien Als erste wichtige Take-home-Message: Wir Praxispädiater dürfen eine solche Untersuchung durchführen und bescheinigen. Zur Wegleitung empfiehlt sems (Sport and Exercise Medicine Switzerland) für eine sportmedizinische Untersuchung, kurz SPU: ■ Anamnese inklusive Trainingsstunden und Motivation. Ein ausführlicher Anamnesebogen, angepasst für die Pädiatrie mit Du-Form, Fragen zum Kinderschutz, ist online verfügbar und auch als spezieller Fragebogen für Frauen erhältlich. https://sems.ch/publikationen/ spu-dokumente/deutsch ■ Status mit klinischer Untersuchung, Gewicht, Grösse und Perzentilen. ■ Ruhe-EKG ab 12–14 Jahren alle 2 Jahre, um unbekannte Herzerkrankungen zu finden, allen voran Rhythmusstörungen oder Hinweise auf Hypertrophie. Ziel ist es, plötzliche Herztodesfälle im Sport zu vermeiden. Wichtigste Red Flag: T-Negativierung ■ Sportlerlabor einmal im Jahr (BB, CRP, ALAT, Kreatinin, Ferritin, Vit. B 12 nur bei veganer Ernährung, Lipidstoffwechselscreening mit Lipoprotein A ab 18 Jahren oder früher bei positiver Familienanamnese). Normwerte für Sportler: Vitamin D wird nicht gemessen, empfohlen wird die Einnahme von 800–1000 Einheiten Vitamin D/Tag oder 8000 Einheiten pro Woche, am wichtigsten von September bis April. REFERENTIN: DR. MED. DANIELA MARX-BERGER FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, LEITENDE ÄRZTIN AM OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL FÜR PÄDIATRISCHE NEPHROLOGIE UND SPORTMEDIZIN, ST. GALLEN, SOWIE KONSILIARÄRZTIN SPORTMEDIZIN IM MEDBASE ABTWIL, VORSTANDSMITGLIED GPS (GESELLSCHAFT PÄDIATRISCHE SPORTMEDIZIN) UND SEMS (SPORT AND EXERCISE MEDICINE SWITZERLAND) AUTORIN: DR. MED. IRMELA HEINRICHS FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, LEITERIN REDAKTIONSKOMMISSION, USTER Korrespondenzadresse: iheinrichs@hin.ch ■ Beratung zu Doping und Ernährung. Dazu eignen sich die Informationen von Swiss Sports Nutrition Society SSNS ssns.ch und die Medikamentenabfrage von Swiss Sport Integrity. sportintegrity.ch ■ Medical Report (kann von der sems Webseite heruntergeladen werden) ausfüllen für die Sportler:innen oder mit Einverständnis auch für die Trainer:innen. Über TARDOC ist die SPU abrechenbar für Sportmediziner, sonst als Konsultation, sie gilt nicht als Pflichtleistung, wird zum Teil über Zusatzversicherungen übernommen. Fallbeispiel: 14-jährige Lea möchte ins Gym Die hartnäckige Behauptung, Krafttraining im Wachstumsalter sei gefährlich, ist nicht haltbar. In den letzten Jahren wurde diesbezüglich viel geforscht: Kraftsteigerung bei Kindern erfolgt vor allem durch die neuronale Anpassung, präpubertär führt sie nicht zur Muskelhypertrophie. Diverse Studien zeigen, dass es nicht gesundheitsschädlich ist – wichtig ist eine gute Supervision. Und dann noch zu der Frage nach den beliebten Eiweissshakes? Message: Food first! Kreatin und Eiweissshakes werden von Sportmedizinern nicht empfohlen. Wichtig ist es, die Basisernährung zu optimieren: Pro 1 h Training sollte man 1 Portion Kohlenhydrate und 1 Portion Fette zusätzlich nehmen. Die empfohlene Eiweissmenge für Sportler:innen ist maximal 1,8 g/kg/ Tag. Durch natürliche Lebensmittel kann diese Menge aufgenommen werden, es braucht also keine Proteinshakes. Und Protein allein reicht nicht zum Muskelaufbau – es muss auch noch trainiert werden! Auch bezüglich der Zusatzstoffe steht fest: Es gibt nur wenige Supplemente, die wirklich einen nachgewiesenen leistungssteigernden Effekt haben. Für das Kreatin besteht keine Evidenz, dass es die Nierenfunktion bei Gesunden negativ beeinflusst, die erhöhten Kreatininwerte im Blut sind eher ein Messproblem. ■ Ferritin ab 16 Jahr 30 µ/l 12–15 Jahre 20 µ/l unter 12 Jahre 15 µ/l
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