KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 22 Mangels spezifischer Evidenz für Long COVID werden aktuell häufig Medikamente off-label eingesetzt, die aus der ME/CFS-Behandlung bekannt sind und sich in der klinischen Anwendung als sicher erwiesen haben. Die Indikationsstellung für eine Off-label-Behandlung sollte sorgfältig erfolgen und die Aufklärung der Patient:innen adäquat dokumentiert werden. Gesundheitszustand der Betroffenen hat. Zudem lässt es sich oft gut therapeutisch beeinflussen. Bei Erwachsenen ist das POTS mit einem Anstieg des Pulses innerhalb der ersten 10 Minuten nach dem Aufrichten um mind. 30 Schläge/Min. oder auf >120/Min. verbunden, bei 12–19-Jährigen mit einem Anstieg des Pulses um mind. 40/Min. Der Blutdruck sinkt dabei nicht oder nur wenig ab. Einfach und klinisch aussagekräftig lässt sich ein POTS mit dem passiven 10-Minuten-Stehtest feststellen: Nachdem die Betroffenen genügend lange gelegen haben, um den Ruhepuls festzustellen, stehen sie 10 Min. mit dem Rücken gegen eine Wand gelehnt, mit wiederholten Messungen von Blutdruck und Puls. Wenn der Ruhepuls erst nach langem Liegen erreicht wird (die Normalisierung des Ruhepulses kann aufgrund der autonomen Dysregulation mehr als zwei Stunden dauern), sollten die Betroffenen gebeten werden, die Messung zu Hause erneut durchzuführen. Die Aussagekraft des passiven 10-Minuten-Stehtests ist mit einer Kipptischuntersuchung vergleichbar und einer lediglich während drei Minuten durchgeführten Untersuchung klar überlegen.95 Das POTS ist Ausdruck der Dysautonomie und führt zu einem breiten Spektrum an unspezifischen Symptomen: Schwindel (77–100%), Schwäche (67–94%), Palpitationen (39–89%), Belastungsintoleranz (81–83%), Zittern (50–80%), Photosensitivität (78%), Kurzatmigkeit (42– 77%), Dysäquilibrium (75%), Nausea (50–72%), Blässe (71%), feuchte Hände, kalter Schweiss (56–70%), Angstzustände (56–69%), visuelle Störungen (53–61%), Brustschmerzen (61%), (Prä-)Synkopen (55–56%), Flush (44%), Kopfschmerzen (44%).96 Fast 80% aller (erwachsenen) Long-COVID-Betroffenen weisen ein POTS auf.97 Die diffuse Symptomatik eines POTS inklusive Angstzustände bei normaler Standarddiagnostik führt oft zur Fehldiagnose einer psychosomatischen Erkrankung. Die orthostatische Hypotonie (OH) ist definiert als ein Absinken des systolischen Blutdrucks um mehr als 20 mm Hg bzw. des diastolischen Blutdrucks um mind. 10 mm Hg innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufrichten. Eine orthostatische Hypotonie kann bei 10– 41% aller (erwachsenen) Long-COVID-Betroffenen nachgewiesen werden.98, 99 POTS und OH sprechen oft hervorragend auf Therapie an und müssen bei allen Long-COVID-Betroffenen proaktiv gesucht und behandelt werden. Ivabradin ist im Gegensatz zu Betablockern Blutdruck-neutral und deswegen Mittel der Wahl bei POTS und NormotensiTabelle: Therapieoptionen und deren Evidenz (Davis HE et al. 2023). Eine aktuelle Übersicht gibt zusätzlich Seton KA et al. 2024. Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, orthostatische Hypotonie obligat suchen Von zentraler klinischer Bedeutung ist die Erkennung des posturalen orthostatischen Tachykardiesyndroms (POTS), da dies neben Fatigue eines der häufigsten PostCOVID-Probleme ist und enorme Auswirkungen auf den

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