02 / 2026 FRÜHLINGSTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 51 Ärzt:innen & MPA Referat 1: Pneumologie Update Asthma bronchiale im Kindesalter – von der Diagnose bis zur Therapie In der Schweiz leiden ca. 8–10% aller Kinder an einem Asthma, der häufigsten chronischen Krankheit im Kindesalter. Genetische Disposition ist der wichtigste Faktor für die Entstehung von Asthma und auch für die unterschiedliche Prävalenz in verschiedenen Ländern. Weitere Risikofaktoren sind virale Infekte im frühen Kindesalter, vor allem bei zusätzlicher Atopie in der Familie, sowie Passivrauchexposition und Luftverschmutzung. Asthma wird in verschiedene (Sub-)Phänotypen unterteilt. Die Unterscheidung ist wichtig für die Therapie. Für die Praxis vor allem wichtig sind: ■ Allergisches (early onset) Asthma, die häufigste Form (90%) ■ Nicht allergisches Asthma Die Frage, ob ein Asthma vorliegt, lässt sich in der Praxis bei grösseren Kindern meistens gut beantworten. Anamnese und Symptome (trockener Husten, Wheeze, Anstrengungsdyspnoe) reichen jedoch nicht, es braucht eine objektive Untersuchung wie die Spirometrie (mit positivem Bronchodilatator-Reversibilitätstest (BDR)). Ein BDR wird auch bei normaler Spirometrie empfohlen. Eine Verbesserung des FEV1 nach Inhalation von (2)-4 Hub Ventolin um mind. 10% lässt ebenfalls ein Asthma vermuten. Klinische Biomarker wie FeNO und Eosinophilie sind in der ergänzenden Diagnostik richtungsweisend. Eine Asthma-Diagnose basierend auf einem Therapieversuch ist nicht korrekt. Formal schliesst ein negativer Methacholintest ein Asthma aus. Bei Kindern im Vorschulalter werden «episodic viral wheeze» (beschwerdefrei im Intervall) und «multiple trigger wheeze» (wichtig für Prognose einer späteren Asthma-Entstehung) unterschieden. Bakterienlysate (Bronchovaxom®) scheinen bei der ersten Gruppe präventiv gegen rezidivierende Episoden wirksam zu sein. Eine weitere Differentialdiagnose des Anstrengungsasthma ist z. B. die (exercise induced) Inducible laryngeal obstruction (ILO). Ziele der Therapie sind eine vollständige Kontrolle der Beschwerden, keine Exazerbationen und ein Leben ohne Einschränkungen. Eine Verwendung von Pulverinhalatoren anstelle von Dosieraerosolen ist bei grösseren Kindern (ab 10–12 Jahren) aus Umweltschutzgründen anzustreben. Der akute Asthmaanfall wird gemäss PRAM-Score behandelt. ■ Ein ausführlicher Artikel zum Online-Vortrag wird in der nächsten KIS Ausgabe (KIS NEWS 03/26, Themenheft Pneumologie) erscheinen. REFERENTIN: PD DR. MED. ELISABETH KIENINGER, MD PhD FACHÄRZTIN PÄDIATRISCHE PNEUMOLOGIE, OBERÄRZTIN UNIVERSITÄTSKINDERKLINIK BERN, INSELSPITAL AUTORIN: DR. MED. STEFANIE GISSLER WYSS FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, NEUENDORF Korrespondenzadresse: s.gissler@hin.ch Take-Home-Message ■ Asthma ist nicht Asthma. Asthma ist komplex und heterogen ■ Charakterisierung verschiedener Phänotypen ist wichtig für die Therapie ■ Zur Asthma-Diagnose im Schulalter gehört eine Spirometrie mit Reversibilitätstest (BDR) ■ Differentialdiagnosen bei nicht asthmatypischer Anamnese und bei nicht Ansprechen auf Therapie ■ Diagnose frühkindliches Asthma ist mit Vorsicht zu stellen ■ Therapie analog altersspezifischer GINA-Stufentherapie. Gute Inhalationsinstruktion ■ Therapieplan: Basistherapie-NotfallplanAkutmanagement Foto: Kinderärzte Schweiz
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