02 / 2026 EDITORIAL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 5 Die Themen der folgenden Hefte sind: News 03/2026: Pneumologie News 04/2026: Jahrestagung News 01/2027: Adoleszenten-Medizin News 02/2027: Dermatologie: Haut & Haare Liebe Kolleg:innen Braucht es wirklich eine Schwerpunktausgabe zu Long COVID im Kindesalter? Diese Frage ist berechtigt. Denn im Praxisalltag bleibt das Krankheitsbild oft unscharf: Befunde sind unauffällig, Verläufe fluktuierend, die Symptome schwer greifbar. Und doch zeigt sich mit zunehmender Auseinandersetzung ein anderes Bild: ein erheblicher Leidensdruck bei betroffenen Kindern und Jugendlichen, eine grosse Dunkelziffer – und Familien, die sich häufig unverstanden fühlen. Was sich wiederholt, ist ein Muster aus Erfahrungen von Hilflosigkeit und Unverständnis, begleitet von drohenden Kindeswohlgefährdungsmeldungen und schulischen Auflagen. Für Kinderärzt:innen und weitere Gesundheitsfachpersonen wie zum Beispiel Pflegefachpersonen der Kinderspitex ergibt sich daraus eine anspruchsvolle Rolle. Postakute Infektionssyndrome (PAIS) – mit Long COVID als aktueller Variante – verlangen viel von uns allen: das kontinuierliche Vermitteln von Krankheitsverständnis; und das sorgfältige Abwägen zwischen notwendiger Abklärung und Überdiagnostik, sowie das Begleiten von Familien in einer Situation grosser Unsicherheit. Gleichzeitig stellt sich eine systemische Herausforderung: Die Betreuung dieser Kinder braucht Zeit, Koordination und ein fein abgestimmtes Vorgehen. Genau das steht jedoch oft im Widerspruch zu den real verfügbaren Ressourcen in der Praxis. Diese Ausgabe versteht sich daher nicht als abschliessende Antwort, sondern als Einladung: hinzuschauen, einzuordnen und gemeinsam Wege zu finden. PAIS fordert uns heraus – klinisch, strukturell und auch in unserer Haltung gegenüber dem, was sich nicht unmittelbar messen lässt. Gerade darin liegt jedoch die zentrale Aufgabe der Pädiatrie: auch das Unsichtbare ernst zu nehmen – und daraus verantwortungsvolles Handeln abzuleiten. Und vielleicht wagt dieses Themenheft genau das: So entsteht – bei noch wachsender Evidenz – ein erster Ariadnefaden, der Orientierung in diesem neuen und doch irgendwie vertrauten Labyrinth bieten kann. So nimmt diese Ausgabe auch den Faden aus unserem letzten Heft zur Mind Body-Pädiatrie auf und nutzt das Wissen zu neuroplastischen Ansätzen aus der Therapie von chronischen Schmerzen, welche wiederum für die Praxis sehr relevant sind. In dem Wissen, dass sich dieses Verständnis weiterentwickeln wird – und dass wir möglicherweise schon in wenigen Monaten neue Aspekte einordnen und integrieren müssen – wünschen wir euch allen Mut, für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien da zu sein. Bei aller fachlichen und emotionalen Schwere des Themas soll dieses Heft aber auch Raum für andere Perspektiven, Inspirationen und praxisnahe Impulse bieten. So berichten wir von zwei internationalen Treffen der Praxispädiatrie, widmen uns Fragen der Nachhaltigkeit im Alltag und auf Reisen. Beiträge zur Bindungsentwicklung, zu Bildschirmmedien in der frühen Kindheit sowie zur Frühlingstagung mit praxisrelevanten Updates laden dazu ein, den Blick wieder zu weiten und konkrete Anregungen für die tägliche Arbeit mitzunehmen. Auch die weiteren Rubriken spannen einen Bogen zwischen fachlicher Vertiefung und leichterer Lektüre: von nephrologischen Fallstricken im Praxisalltag über ein Gespräch mit den Protagonist:innen der Podiumsdiskussion unserer Jahrestagung bis hin zu Buchbesprechungen, die zum Nachdenken, Schmunzeln und Perspektivenwechsel einladen. Vielleicht liegt gerade darin die Stärke eines solchen Heftes: schwierige Themen ernst zu nehmen – und gleichzeitig Platz zu lassen für Begegnung, Neugier, Inspiration und Hoffnung. Für die Redaktionskommission Jürg Streuli & Anna-Barbara Schlüer P.S. Da viele der in diesem Themenheft verwendeten Begriffe und Abkürzungen noch nicht allgemein geläufig sind, haben wir auf Seite 14 ein Glossar zur besseren Orientierung zusammengestellt. PAIS und Long COVID – ein Ariadnefaden für ein wenig bekanntes Labyrinth PD DR. MED. JÜRG C. STREULI, PhD FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL UND STIFTUNG GESUNDHEITSKOMPASS, UZNACH Korrespondenzadresse: juerg.streuli@ gesundheitskompass.ch DR. ANNA-BARBARA SCHLÜER, PhD eMBA UZH, MScN PFLEGEEXPERTIN APN, KINDERSPITEX BERN Korrespondenzadresse: anna-barbara.schlueer@ spitex-bern.ch
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