02 / 2026 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 21 Abb. 1: Schema für Diagnostik und Therapie, basierend auf langjährig, bei ME/CFS erprobten, von Mayo Clinic und Charité empfohlenen Therapieansätzen. Quelle: Dr. med. Maja Strasser Bei Vorliegen einer physischen, kognitiven und oft auch emotionalen Belastungsintoleranz ist Pacing für das Krankheitsmanagement zentral. Pacing ist ein Energiemanagement mit Belastung unterhalb der individuellen Schwelle, deren Überschreiten mit Verzögerung zur o.g. Post-exertional Malaise (PEM) führen würde. Die Post-exertional Malaise ist das zentrale, die Patient:innen limitierende Symptom und tritt oft mit mehreren Tagen (bis zu mehr als einer Woche) Verzögerung auf.89 Sie muss deswegen zwingend in der Konsultation oder Begutachtung durch eine eingehende Anamnese exploriert werden. Die Verwendung einer Smartwatch oder vergleichbarer Wearables ermöglicht die kontinuierliche Erfassung von Aktivitätsparametern wie Schrittzahl, Steh- und Gehzeiten sowie Herzfrequenz, was die Einschätzung der individuellen Belastungsgrenze und die Identifikation von PEM unterstützt. Die Belastungsintoleranz lässt sich oft mit einer Belastungstestung (z.B. wiederholte Handkraftmessung90, zweizeitige neuropsychologische Diagnostik91, 2-TagesCPET92) objektivieren. Aufgrund der Variabilität von Zeitpunkt und Ausprägung der PEM sind jedoch bislang keine standardisierten Protokolle etabliert. Zu intensives Training ohne Berücksichtigung der Belastungsintoleranz, z. B. kontinuierlich steigerndes Training (Graded Exercise Therapy, GET) kann zu einer irreversiblen Verschlechterung führen und ist kontraindiziert.93, 94 Die nachfolgenden Empfehlungen beziehen sich auf Erwachsene. Zum Zeitpunkt der Drucklegung gab es kein vergleichbares Therapieschema für Kinder- und Jugendliche. Ein laufend aktualisierte Empfehlung für das Kindes- und Jugendalter ist unter gesundheitskompass.ch/pais zu finden.
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