KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

02 / 2026 NACHHALTIGKEIT IN DER PÄDIATRIE KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 55 DR. MED. BIANCA STORIM FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDHEILKUNDE UND KINDERCHIRURGIE, YOUKIDOC BASEL, AG NACHHALTIGKEIT KIS Korrespondenzadresse: Bianca.Storim@youkidoc.ch Reisen hat in der Schweiz einen besonderen Stellenwert: Die Schweizer Wohnbevölkerung gab im Jahr 2024 insgesamt 18,9 Milliarden Franken für Auslandsreisen aus, das sind 7,8% mehr als im Vorjahr.1 Global gesehen werden die Treibhausgas-Emissionen des Tourismus auf 5–8% der Emissionen geschätzt, 75% davon sind durch den Transport bedingt.2, 3 Nachhaltig reisen Reisende verursachen die ökologischen Folgen des Tourismus nicht nur: Die Folgen der Klimakrise am Urlaubsort führen bereits zu einer Einschränkung des Erholungswerts. Zu nennen sind hier die Auswirkung von hohen Temperaturen, da sie Aktivitäten im Freien oft verhindern, aber auch hohe Luftfeuchtigkeit, das Risiko für Infektionskrankheiten und das Erleben von Extremwetterereignissen. Diese spielen nicht nur für chronisch kranke Kinder eine Rolle. Die weltweit zunehmenden Waldbrände können eine direkte Bedrohung darstellen, allerdings können sie auch indirekt durch die Feinstaubbelastung in mehr als 100 km Entfernung der Brände schwere Folgen für Kinder mit Vorerkrankungen haben.4 Umso relevanter ist es, beim Reisen bewusste Entscheidungen zu treffen. Das Konzept, nachhaltig zu reisen, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wir profitieren beim nachhaltigen Reisen direkt von CoBenefits: ■ mehr Mobilität (beispielsweise durch das Ausleihen von Velos vor Ort) ■ häufig mehr Naturverbundenheit ■ gesünderes Essen ■ je nach Standard geringere Kosten Langfristig verändern die Verbraucher:innen aber auch die Zugänglichkeit dieser Reiseform, da die Nachfrage ja bekanntlich das Angebot steuert. Es gibt viele Empfehlungen, den ökologischen Fussabdruck der Reise zu verringern. Die folgende Abbildung gibt relevante Punkte wieder, die so auch von der Schweizerischen Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin veröffentlicht wurden.5 Es finden sich zahlreiche Plattformen, die den direkten Vergleich der CO2-Emissionen unterschiedlicher Mobilitätsformen aufzeigen und Hintergrundinformationen liefern (z. B. WWF6 oder ETH Zürich7). In der Sprechstunde für Kinderärzte gibt es vielerlei Möglichkeiten, auf das Thema einzugehen und zu sensibilisieren. Hier können die Bedürfnisse der Kinder in den Vordergrund gestellt werden (Zugfahrt als Abenteuer, aber auch Verkehrssicherheit). Man kann betonen, dass allergenarme Regionen oft ohne Flugzeug erreichbar sind. Auch die Themen Ernährung (Vermeidung von Überangebot), mehr Mobilität und Sonnenschutz bieten Gelegenheit zum Vertiefen der Co-Benefits von Klima- und Gesundheitsschutz. Wichtig hierbei ist allerdings, nicht dogmatisch oder belehrend zu sein. Narrative bieten sich an. So konnte die Autorin schon mehrfach Türen öffnen, indem sie von Spielemarathons während langer Zugfahrten berichtete. Auch die Visualisierung der erreichten Emissionsreduktion motiviert Einzelne. So kann man schon auf einigen europäischen Bahnportalen online ablesen, wie viel Kilogramme CO2 in diesem Jahr gespart wurden (und wie lange man mit dieser Einsparung in einem 2-Personen-Haushalt heizen könnte). Zur Vertiefung wird hier die Teilnahme an der Fortbildung «Klimasensible Gesundheitsberatung in der pädiatrischen Praxis» empfohlen. Der beigefügte QRCode führt direkt zur Online-Anmeldung. kis.ch/ /Kursagenda-Ärzt:innen Abschliessend ist zu betonen, dass es nicht darum geht, weniger oft zu reisen, sondern einfach bewusster. Gemeinsam beim Reisen das Klima zu schützen, steigert die Selbstwirksamkeit immens. Abb. 1: Nachhaltiges Reisen – allgemeine Empfehlungen (Quelle: Schweizerische Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin SSTTM) Zug vor Flug Massentourismus vermeiden Müll reduzieren und nachhaltig konsumieren lokales Essen bevorzugen klimafreundliche Unterkünfte lokale Gemeinschaften unterstützen Ressourcen schonen Foto: Rainer Sturm/Pixelio

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