02 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 9 DR. MED. STEFAN ROTH VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT PÄDIATRIE, VORSTANDSMITGLIED KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LIEBEFELD Korrespondenzadresse: stefan.roth@ hausaerzteschweiz.ch DR. MED. DANIELA BERGER VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT TARIFE UND PÄDIATRIE, ZÜRICH Korrespondenzadresse: daniela.berger@ hausaerzteschweiz.ch Neue Tarife, neue Systeme, alte Probleme Warum die Umsetzung von TARDOC im Praxisalltag weiterhin anspruchsvoll bleibt und was die Digitalisierung für kinderärztliche Praxen bedeutet. Die Einführung des neuen ambulanten Tarifsystems sowie die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens beschäftigen die Kinder- und Jugendmedizin weiterhin intensiv. mfe setzt sich weiterhin dafür ein, dass die Anliegen der Praxispädiatrie in Tariffragen und digitalen Entwicklungen berücksichtigt werden und praxistaugliche Lösungen entstehen. Pädiatrische Anliegen im Tarifprozess Im Bereich der Tarifweiterentwicklung wurden im diesjährigen Antragsverfahren mit Frist im März über mfe knapp 60 Anträge eingereicht. Davon betreffen zwölf Anträge direkt pädiatrische Themen. Zusätzlich wurden 13 Anträge zu Limitationen eingebracht, die auch für die Kinder- und Jugendmedizin von grosser Bedeutung sind. Parallel dazu laufen ganzjährig mögliche Anträge zur Tarifinterpretation und Tarifanwendung. Aktuell befinden sich verschiedene Themen in der Finalisierung, unter anderem die medizinischen Interpretationen der Organuntersuchungen. Uneinheitliche Tarifauslegungen belasten Praxen Im Praxisalltag zeigen sich weiterhin zahlreiche Probleme bei der Tarifanwendung. Einerseits bestehen nach wie vor technische Schwierigkeiten in den Systemen, andererseits nehmen Rückforderungen und Rückweisungen der Krankenkassen aufgrund unterschiedlicher Tarifauslegungen zu. Betroffen sind beispielsweise Kombinationen von ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungen innerhalb derselben Sitzung. Solche Uneinheitlichkeiten führen zu erheblichem administrativem Aufwand und Unsicherheit in den Praxen. Wenn Limiten nicht zur Versorgung passen Zudem werden in einzelnen Bereichen bereits Limitationen erreicht. Dies betrifft insbesondere Organuntersuchungen, bei denen die vorgesehenen Limiten teilweise den klinischen Bedürfnissen nicht entsprechen. Für verschiedene Problemstellungen laufen bereits Anträge zur Anpassung. Digitalisierung zwischen Anspruch und Realität Auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens bleibt eine grosse Herausforderung. Das Programm DigiSanté bewegt sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen hohen politischen und technischen Ambitionen einerseits sowie gleichzeitig vom Parlament beschlossenen Sparmassnahmen andererseits. Aus Sicht der Ärzteschaft stehen insbesondere der Aufbau des Swiss Health Data Space mit standardisierten Austauschformaten, die elektronische Medikation sowie digitale Impfprozesse im Vordergrund. Ziel ist eine bessere und sicherere Vernetzung der medizinischen Informationen. Politisch liegt der Fokus derzeit jedoch stark auf NASURE, dem nationalen System zur Vereinheitlichung und Steuerung administrativer Gesundheitsdaten. Damit droht die Gefahr, dass administrative Aspekte stärker priorisiert werden als konkrete Verbesserungen für die medizinische Versorgung und den klinischen Alltag. mfe wird die weiteren Entwicklungen weiterhin eng begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Bedürfnisse der pädiatrischen Grundversorgung in Tarif- und Digitalisierungsprojekten angemessen berücksichtigt werden. Damit mfe die Interessen der Haus- und Kinderärzt:innen in der Praxis auch künftig wirksam vertreten kann, ist die Unterstützung durch eine breite Mitgliedschaft entscheidend. Wer noch nicht Mitglied ist, kann sich hier informieren und anmelden: hausaerzteschweiz.ch/ mitglieder/mitglied-werden ■ Berater Thomas Christen, ehemaliger stv. Direktor Bundesamt für Gesundheit BAG, und mfe Co-Präsidentin Monika Reber. Foto: Stefan Roth
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