02 / 2026 BEZIEHUNG – ERZIEHUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 49 Bindungsvermeidende Muster zeigen sich beispielsweise in einer früh wirkenden Autonomie, bei der Nähe kaum zugelassen wird («lonesome cowboys»). Diese Strategien sind als Anpassungsleistungen zu verstehen, können jedoch langfristig Beziehungen erschweren. Beziehungsgestaltung im Alltag Gelungene Bindung bedeutet nicht, dass Beziehungen störungsfrei verlaufen. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, Brüche wahrzunehmen und zu reparieren. Gerade in der Bewältigung von Missverständnissen und Konflikten entsteht Sicherheit. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Selbstregulation der Erwachsenen. Wer mit sich selbst in Kontakt ist, kann auch dem Kind als stabile Bezugsperson zur Verfügung stehen und sowohl Nähe als auch Autonomie ermöglichen. Augenkontakt Ein zentrales Element zwischenmenschlicher Resonanz ist der Augenkontakt. Über den Blickkontakt wird Präsenz erfahrbar: Das Gegenüber ist da, aufmerksam und zugewandt. Beim Augenkontakt wird im Gehirn das «Glückshormon» Serotonin ausgeschüttet und vermittelt ein Gefühl von Gelassenheit, innerer Ruhe und Zufriedenheit. Solche Momente fördern das Gefühl von Verbundenheit und können emotionale Zustände regulieren. Fazit Bindung ist kein statischer Zustand, sondern ein lebenslanger, veränderbarer Prozess. Sie entsteht in fein abgestimmten Interaktionen, in der Erfahrung von Angenommensein und in der verlässlichen Möglichkeit, zwischen Nähe und Eigenständigkeit zu pendeln. Für die Praxis bedeutet dies: Nicht Perfektion ist entscheidend, sondern die Qualität der Beziehung – und die Bereitschaft, immer wieder neu in Kontakt zu treten. ■ In der Druckausgabe befindet sich auf dieser Seite ein Hinweis für medizinische Fachpersonen.
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