KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

02 / 2026 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 35 CP: Oft hilft es dann schon enorm, im Rahmen eines runden Tischs oder einer Helfer:innenkonferenz die Erwartungen, Ziele und Verantwortlichkeiten zu klären. Ziel ist nicht über, sondern mit den betroffenen Menschen und ihren Familien zu sprechen. Manchmal braucht es auch mehrere solche Gefässe, zum Beispiel mit den medizinischen Helfer:innen und den schulischbetreuerischen Stellen. Oder wenn ein:e Patient:in beispielsweise im Internat und zu Hause wohnt. MW: Und dann schauen wir mit der Familie die konkrete Situation an: Wieso ist das Schiff nicht manövrierbar? Hat das mit der Crew (also der Familie oder dem Helfer:innensystem) zu tun; mit dem Schiff (also dem/ der Patient:in selbst) oder der Situation (zum Beispiel komplexe chronische, meist seltene Krankheit)? Ist der/ die Patient:in an die richtigen Stellen angebunden, gibt es für sie die angemessene Unterstützung und Therapie, wie wird beispielsweise das Pacing bei LC/CFS umgesetzt? Funktioniert das Helfer:innensystem; was läuft mit der Schule; wie steht es mit der Finanzierung aller Hilfen und der finanziellen Situation und wie geht es mit technischen Hilfsmitteln? CP: Zur Illustration hier ein einfaches Beispiel einer LC/ CFS-Betroffenen: Soll bei ihr ein elektrischer Motor ins Bett eingebaut werden, damit sie besser sitzen kann, oder ist das Motorgeräusch bereits zu belastend? Solche «kleinen» Themen sind für die Betroffenen und ihre Familien und damit für den Behandlungserfolg relevant! KIS: Das klingt schon anspruchsvoll! Woher habt ihr denn das Wissen und die Erfahrung? MW: Ich bin gelernte Gesundheits- und Kinderkrankenschwester, und war in der Intensivmedizin und Anästhesie tätig. Nach einem Bachelor- und Masterabschluss im Managementbereich arbeite ich als Beraterin, Coach und Dozentin mit Firmen und Einzelpersonen im Gesundheitswesen und bin nun seit Februar 2026 als Gesundheitslotsin beim Gesundheitskompass tätig. CP: Und ich bin Pflegefachfrau mit Spezialisierung in der Gerontologie, habe in der Langzeitpflege gearbeitet und mich mit Demenzpatient:innen und ihren Familien auseinandergesetzt, dazu mache ich schon länger Coaching von Pflegefachkräften und bin nun im Rahmen der familienzentrierten Pflege als Lotsin beim Gesundheitskompass. Wir arbeiten aber grundsätzlich sehr eng als Team mit kontinuierlicher ärztlicher Begleitung und in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachpersonen. Typischerweise erarbeiten wir für jede neue Fragestellung auch neue Unterlagen inklusive Checklisten und Leitfäden, welche sowohl den Fachpersonen als auch den Familien wieder Orientierung geben. KIS: Wer kann sich überhaupt für eine Lots:innenbegleitung melden? CW: Alle Familien mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen, sowie auch erwachsene Personen. Natürlich LC/CFS-Betroffene, aber es kann auch einmal eine ältere Person mit dem Thema Demenz, oder Eltern beispielsweise mit einem Kind mit einer seltenen Krankheit sein. Die Anmeldungen kommen sowohl von Fachpersonen als auch von den Familien selbst. KIS: Und wie sieht denn der zeitliche Horizont aus? MW: Ziel ist es, das Schiff innerhalb von sechs Monaten wieder zum selbstständigen Fahren auf offener See tüchtig zu machen oder in einen sicheren Hafen zu bringen; das heisst, wir arbeiten zeitlich begrenzt und versuchen mit Koordination und mittelfristigen Massnahmen, das ganze System so aufzustellen, dass es uns nicht mehr braucht. Wir ersetzen also niemanden, sondern versuchen im Gegenteil, die vorhandenen Ressourcen, beispielsweise die Kinderarztpraxen, auch für sehr komplexe Situationen zu befähigen. Aktuell sind wir lokal im Kanton Thurgau (kantonaler Auftrag), im Raum Zürich sowie in der Ost- und Zentralschweiz tätig. Aufgrund des grossen Bedarfs ist unser Ziel, das Angebot gesamtschweizerisch umsetzen zu können. Aber das ist noch ein langer Weg. CW: Und da lohnt es sich, einfach mal unsere Homepage zu besuchen. Da seht ihr detailliert, was wir anbieten können und wie man als Betroffene:r oder Fachperson vorgeht (www.gesundheitskompass.ch). KIS: Vielen Dank für das informative Interview. ■ Fotos: Stiftung Gesundheitskompass

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