02 / 2026 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 25 3-Studie mit vier Armen: Prednisolon und Placebo, B-Vitamin-Komplex und Placebo, Prednisolon und B-Vitamin-Komplex, sowie Placebo und Placebo (Prednisolon 20 mg für 5 Tage, gefolgt von Prednisolon 5 mg für 23 Tage; B-Vitamin-Komplex entsprechend 100 mg B1, 50 mg B6, 500 μg B12 während 28 Tagen).135 Experimentelle Therapieansätze Viele Betroffene unternehmen individuelle Heilversuche, insbesondere mit maschinellen Blutwäscheverfahren. In Berlin wird derzeit eine randomisierte, Sham-Prozedur- kontrollierte Studie zur Immunadsorptions-Apherese durchgeführt.136 Eine unkontrollierte Fallstudie mit Immunadsorption bei zehn ME/CFS-Patienten mit erhöhten ß2-adrenergen Neurotransmitterrezeptoren von 2018 (vor der SARS-CoV-2-Pandemie) wies eine anhaltende Reduktion der Antikörper nach und führte bei drei Patienten zu einer 6–12+ Monate dauernden klinischen Verbesserung, zwei erfuhren nach einer initialen Verschlechterung über Monate hinweg eine Verbesserung, während zwei sich nur kurzfristig besserten.137 Auch für Plasmapherese138, INUSpherese139 und Lipoproteinapherese140 gibt es publizierte Therapieerfolge. Aufgrund der bisher unzureichenden Evidenzlage kann auch angesichts des Komplikationsrisikos keine generelle Empfehlung für maschinelle Blutreinigungsverfahren bei Long COVID bzw. ME/CFS ausgesprochen werden. Andere vielversprechende Ansätze sind Low-Dose- Rapamycin141, Anktiva® (IL-15 Agonist)142, Kortikosteroide, JAK-Inhibitoren (Tyrosinkinase-Inhibitoren), medikamentöse B-Zell-Depletion z. B. mit Uplizna® (CD19-B-Zell- Depletor; der Förderantrag wurde im Juli 2025 vom Bundesministerium ohne öffentlich zugängliche Begründung abgelehnt143), IgG-Depletion, GLP-1-Agonisten144, Vericiguat, Therapien mit hyperbarem Sauerstoff, Montelukast, Nikotinpflaster145, aber auch bereits breit eingesetzte Therapeutika wie Antihistaminika, Ivabradin, Low-Dose-Naltrexon oder Low-Dose-Aripiprazol. Schutz vor weiteren Infektionen mit SARS-CoV-2 Eine Onlinebefragung von Long-COVID-Betroffenen zeigte, dass sich die Symptomatik bei einer erneuten SARS-CoV-2-Infektion in 80% der Fälle verschlechterte. Bei etwa 60% kommt es nach ausgeheilter Long-COVID- Erkrankung im Rahmen einer weiteren Infektion zu einem Rezidiv der Symptomatik.146 Ein konsequenter Schutz vor Reinfektionen ist deswegen von grösster Bedeutung. Die Sicherstellung sauberer Raumluft durch regelmässiges Lüften sowie der Einsatz von Luftreinigern mit HEPA-Filtern sind insbesondere im Gesundheits- und Bildungswesen essenzielle Schutzmassnahmen zur Reduktion aerosolübertragener Erreger und zum Schutz vulnerabler Personen. Ergänzend bieten FFP2-Masken und vorgängige Selbsttests von Kontaktpersonen einen wirksamen Individualschutz. Zusammenfassung für die Praxis ■ Zentrale Symptome des syndromalen Long COVID sind Fatigue, Belastungsintoleranz, Post-exertional Malaise, kognitive Defizite sowie Dyspnoe. ■ Die Standarddiagnostik ist meist im Normbereich. ■ Wir empfehlen bei ME/CFS erprobte Therapieansätze. ■ Bei Belastungsintoleranz Überlastung mit Postexertional Malaise vermeiden (Pacing). ■ Ein posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom muss proaktiv gesucht (passiver 10-MinutenStehtest) und behandelt werden (Mittel der Wahl: Ivabradin), da es häufig vorliegt und zu einem breiten Spektrum unspezifischer Symptome führt. ■ Antihistaminika und Ernährungsberatung sind oft hilfreich. ■ Reinfektionen sind häufig mit einer klinischen Verschlechterung assoziiert und lassen sich durch konsequente Aerosolkontrolle sowie situativ durch FFP2-Masken und Selbsttests von Kontaktpersonen reduzieren[MK2] . Verdankung Ein grosses Dankeschön den Betroffenen, von deren Erfahrungen wir viel gelernt haben, und den Long-COVID-Aktivist:innen. Ganz herzlichen Dank an Frau Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen und Herrn Dr. med. Michael Stingl für ihre wichtige Pionierarbeit. Disclosure Statement Die Autorinnen und der Autor haben deklariert, keine potenziellen Interessenkonflikte zu haben. Author Contributions Konzept, Schreiben: Dr. med. Maja Strasser. Überprüfen, Editieren, Supervision: PD Dr. med. Jürg Hamacher, Prof. Dr. phil. habil. Dr. med. habil. Martina King, Dr. med. Maja Strasser. Alle Autor:innen haben das eingereichte Manuskript gelesen und sind für alle Aspekte des Werkes mitverantwortlich. ■ LITERATURVERZEICHNIS 1 Choutka, J.; Jansari, V.; Hornig, M.; et al. «Unexplained postacute infection syndromes». Nature Medicine 2022;28:911–923. doi.org/10.1038/s41591-022-01810-6 (abgerufen am 18. Mai 2026). 2 Singh, S.; et al. «Post-acute sequelae of COVID-19. Respiratory sequelae of COVID-19: Pulmonary and extrapulmonary origins, and approaches to clinical care and rehabilitation». The Lancet Respiratory Medicine 2023;11:709–725.
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