KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 32 4. Klinischer Status und Basisdiagnostik (einmalig, gezielt) ■ Allgemein- und Neurostatus, Beighton Score ■ Vitalzeichen inkl. SpO2, Gewicht, Temperatur ■ EKG ■ Orthostase-Test* bei klinischem Verdacht auf or- thostatische Intoleranz / PoTS (z. B. standardisierter 10-minütiger passiver Stehtest, NASA Lean Test4, mit Dokumentation von Puls und Blutdruck) • Orthostatische Intoleranz ist eine häufige Komorbi- dität bei Long COVID / ME/CFS, einschliesslich des Posturalen Orthostatischen Tachykardiesyndroms (PoTS) • Der standardisierte 10-minütige Stehtest (NASA Lean Test) ist ein etablierter, praktikabler klinischer Test (D-A-CH-Konsens, klinische Praxis) • Diagnostik ist sowohl klinisch-subjektiv (Symptome) als auch klinisch-objektiv (Puls-/ Blutdruckverhalten) Wichtig: • Durchführung nur unter Berücksichtigung der individuellen Belastungsgrenzen • Bei schwer Betroffenen (haus-/bettgebunden) Test ggf. adaptieren oder aufschieben • *CAVE: Test kann PEM/Crash auslösen Indikation sorgfältig stellen ■ Basislabor: • Entzündung (CRP, BSG, Blutbild) • Eisenstatus (Hb, Ferritin ± Transferrinsättigung) • Schilddrüse (TSH ± fT4) • Vitamine/Mikronährstoffe (B12 und/oder MMA [als Screening, im Urin], Folat, 25-OH-Vitamin D ± Zink) • Immunbasis (IgG/IgA/IgM ± C3/C4; ZöliakieScreen bei GI-Symptomen; Blutzucker) • Optional Leberwerte (AST / ALT / GGT) einmal im Basislabor ergänzen, da milde Auffälligkeiten im klinischen Alltag bei Long COVID / ME/CFS nicht selten beobachtet werden und auch medikamentös mitbedingt sein können. Wichtig: • Die Diagnostik sollte gezielt der Sicherung der Diagnose dienen, ressourcenschonend erfolgen und wiederholte Abklärungen ohne neue Fragestellung vermeiden. • Gezielte Zuweisungen (z. B. Kardiologie, Neurologie, Pneumologie, Stoffwechsel/EDS bei positivem Beighton-Score5) erfolgen nur bei klarer Fragestellung oder zum Symptommanagement. • Redundante Diagnostik und wiederholte Anamneseerhebungen sind aus Rücksicht auf Energiemanagement und Belastung durch Termine zu vermeiden. ■ Koordiniertes Case-Management durch Kinder-/ Hausarzt, ggf. unterstützt durch spezialisierte Angebote wie unter www.gesundheitskompass.ch Besonderheit bei haus-/bettgebundenen Kindern: • Diagnostik nach Möglichkeit Home-first (Hausbesuch, Spitex, Home-Labor) • Vermeidung belastender Zusatzuntersuchungen ohne unmittelbare Konsequenz 5. Beurteilung von Hydratation und Ernährungsstatus ■ Trinkmenge, Diurese, Schleimhäute, orthostatische Symptome ■ Gewichtsentwicklung, BMI-Perzentile, Zeichen von Mangelernährung (ggf. Elektrolytstatus) ■ Übelkeit, frühe Sättigung, Dysphagie, sensorische Überempfindlichkeit Besonderheit bei haus-/bettgebundenen Kindern: • Niedrige orale Zufuhr häufig Ausdruck der Erkrankung, nicht primär Vernachlässigung • Bei drohender Dehydratation oder Mangelernährung frühzeitig niedrigschwellige Massnahmen prüfen (z. B. mehrere kleine Mahlzeiten mit pürierter oder flüssiger Kost) • In ausgewählten Fällen kann eine zeitlich begrenzte unterstützende Flüssigkeitsgabe erwogen werden (oral/enteral, ggf. passager i. v.), insbesondere bei ausgeprägter orthostatischer Intoleranz; klinische Erfahrungen zeigen, dass einige Patientinnen und Patienten hiervon profitieren. 6. Sofortmassnahmen und Verlauf ■ Pacing (vgl. S. 40–43) sofort erklären und beginnen (stabile Baseline, Crash-Vermeidung, nur vorsichtige Anpassung bei stabiler Verträglichkeit) ■ Schul- und Alltagsanforderungen an die aktuelle Belastbarkeit anpassen ■ Orthostatische Symptome konservativ behandeln (Flüssigkeit, Salz, Kompression) ■ Behandlungsansätze erfolgen symptomorientiert, zeitlich begrenzt und mit strukturierter Evaluation. Begleitende Therapieversuche nur symptomorientiert, zeitlich begrenzt und mit Reevaluation. (Therapie- und Erfolgsprotokoll erhältlich via gesundheitskompass.ch) Besonderheit bei haus-/bettgebundenen Kindern: • Fokus auf Stabilisierung, nicht auf Aktivierung • Regelmässige kurze Verlaufskontakte (Telefon/ Video) statt seltener belastender Termine Foto: Irmela Heinrichs

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