KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 34 INTERVIEWER: DR. MED. RAFFAEL GUGGENHEIM FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, ZÜRICH Korrespondenzadresse: dokter@bluewin.ch Chronische Krankheiten belasten nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Familien und führen oft auch zur Überforderung des Helfersystems. Daher wurde im Rahmen des Projekts «Gesundheitskompass» die Funktion eines Gesundheitslotsen beziehungsweise einer Gesundheitslotsin entwickelt. Im Interview mit Melanie Wächtler und Cristina Pedotti durfte KIS mehr über diese Rolle erfahren. «Das Schiff wieder seetauglich machen» ein Kurzinterview zur Arbeit der Gesundheitslots:innen le gehen können und ob schon ein Helfernetz besteht. Wir erfragen auch die aktuelle Stresssituation und ob es für die Betroffenen und auch für ihre Familien psychosoziale und spirituelle Unterstützung gibt. Wir erstellen eine Übersicht der vorhandenen Ressourcen sowie der eingebundenen Spezialist:innen, also Ärzt:innen und Therapeut:innen, und fassen die vorhandenen Informationen zusammen. Häufig realisieren die Familien und auch wir im Rahmen dieses Prozesses, dass es bisher kein gemeinsames Kernziel und keine Koordination gibt. MW: Es geht zunächst ums «Zuhören», dann ums «Ordnen» und dann ums «Priorisieren». Wichtig für die Betroffenen ist, dass jemand die Situation so wahrnimmt, wie sie eben ist und dass man mit den Betroffenen eine gute und praktikable Lösung erarbeiten kann. Das ist unsere Lots:innenarbeit! Wenn wir sehen, dass vieles schon klappt, dann reicht es, wenn wir Orientierung geben, also auf der Leuchtturmstufe bleiben. Dann können wir in einem oder wenigen Telefongesprächen den Betroffenen weiterhelfen. Meistens braucht es aber mehr. KIS: Woher kommt überhaupt der Begriff «Gesundheitslots:in»? Melanie Wächtler (MW): Der Begriff Lots:in stammt etymologisch von Begleitung und wird bis heute in der Schifffahrt verwendet. Ein Lotsenschiff ist relativ klein und wendig und verfügt über einen besonders starken Motor, der in unbekannten Gewässern oder festgefahrenen Situationen ein Schiff und die ganze Crew über eine gewisse, meist kurze Strecke in den sicheren Hafen oder zurück aufs offene Meer begleitet. Cristina Pedotti (CP): Und so ist es ja auch bei Familien mit chronisch kranken Patient:innen. Wir arbeiten mit drei Stufen: Manchmal brauchen Menschen einfach nur einen Leuchtturm zur Orientierung, das heisst einfach einen Anruf und eine kurze Beratung. Ist die Situation aber festgefahren, dann braucht es eine erfahrene Begleitung durch die Lots:innen, die der Crew – also der Familie und dem Helfersystem – assistieren, wieder selbstständig zu werden und das Schiff sicher weiterzusteuern. Wenn wir aber sehen, dass dies nicht geht, also zum Beispiel eine akute Verschlechterung des Patienten/der Patientin oder eine Lebensgefahr besteht, dann gilt es, den Hafen anzusteuern. Die Hafenstufe ist dann eine stationäre Lösung, um zunächst dem Patienten oder der Patientin zu helfen und das Schiff wieder seetauglich zu machen. KIS: Das ist ein tolles Bild für die umfassende Betreuung chronisch kranker Patient:innen. Wie funktioniert das nun in der Realität, und wie wird eure Arbeit finanziert? MW: Wir sind aktuell mit drei Lotsen/Lotsinnen eingebettet im Team der gemeinnützigen Stiftung Gesundheitskompass (ehemals Dialog Ethik) gestartet und befinden uns im Wachstum. Dank der assoziierten Modellpraxis Papillon in Uznach können wir gewisse Leistungen über TARDOC abrechnen. Der Rest wird dank Spenden und Gönner:innen via die Stiftung finanziert. CP: Wir betreuen ungefähr 25 Familien mehr oder weniger intensiv. Es erfolgt nach Anmeldung eine Priorisierung, da wir leider eine Warteliste haben. Nach der Anmeldung gibt es ein Telefongespräch zur Situationsanalyse. Wir nehmen mittels eines Fragebogens auf, wie es den Patient:innen geht, was sie bereits für Hilfen haben, wie die soziale Situation ist, ob sie in die SchuMelanie Wächtler und Cristina Pedotti Bild: macrovector auf Magnific.com

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