KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

02 / 2026 ERFAHRUNGSBERICHT KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 61 DR. MED. SARA PHULL-MEIER FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MEDIZENTRUM LANDHAUS, STEFFISBURG Korrespondenzadresse: sara.phull@hin.ch Hämaturie, Proteinurie und funktionelle Blasenstörungen im Kindesalter – klinische Einordnung und praxisrelevante Fallstricke «Wichtige nephrologische Themen in der Kinderarztpraxis» Kinderärzte Schweiz Fortbildung vom 15. Januar 2026 pressin, wobei Letzteres insbesondere bei nächtlicher Polyurie wirksam ist. Die funktionelle Harninkontinenz am Tag umfasst verschiedene Entitäten wie Miktionsaufschub, überaktive Blase oder Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination. Die Diagnostik basiert auf strukturierter Anamnese, Miktionsprotokoll und ggf. apparativer Abklärung. Therapeutisch steht auch hier die Urotherapie im Vordergrund, ergänzt durch spezifische Massnahmen wie Beckenbodenphysiotherapie oder medikamentöse Therapie. Besondere Aufmerksamkeit gilt klinischen Warnzeichen: Periorbitale Ödeme sollten immer Anlass zu einer Urinuntersuchung geben. Bei Verdacht auf nephrotisches Syndrom oder Glomerulonephritis ist eine rasche Abklärung indiziert. An ein hämolytisch-urämisches Syndrom sollte bei Kindern mit blutiger Diarrhoe und reduziertem Allgemeinzustand gedacht werden. Auch bei Gedeihstörung oder Polyurie/Polydipsie müssen renale Ursachen ausgeschlossen werden. Insgesamt ist ein strukturiertes Vorgehen entscheidend, um relevante Pathologien frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Abklärungen zu vermeiden. ■ Auffälligkeiten im Urinstatus sowie funktionelle Blasenstörungen zählen zu den häufigsten nephrologischen Fragestellungen in der pädiatrischen Praxis. Die Herausforderung besteht darin, benigne, häufig transiente Befunde von potenziell schwerwiegenden Erkrankungen zu unterscheiden. Die Hämaturie wird in Makro- und Mikrohämaturie unterteilt. Während die Makrohämaturie klinisch sichtbar ist, stellt die Mikrohämaturie meist einen Zufallsbefund dar. Wichtig ist die Abgrenzung von Pseudohämaturie (z. B. durch Nahrungsmittel oder Medikamente). Nach Bestätigung erfolgt die Differenzierung in glomeruläre (colafarbener Urin, dysmorphe Erythrozyten) und nichtglomeruläre Ursachen. Die isolierte Mikrohämaturie ist in der Mehrzahl der Fälle transient und benigne, etwa im Rahmen von Infekten oder körperlicher Belastung. Persistierende Befunde oder zusätzliche Auffälligkeiten wie Hypertonie, Proteinurie oder eingeschränkte Nierenfunktion erfordern jedoch eine weiterführende nephrologische Abklärung. Wichtige Differenzialdiagnosen sind unter anderem die postinfektiöse Glomerulonephritis, die IgA-Nephropathie sowie systemische Erkrankungen. Die Proteinurie ist sowohl diagnostischer Marker als auch prognostisch relevanter Risikofaktor. In der Praxis wird sie mittels Protein-Kreatinin-Quotient im Morgenurin erfasst. Transiente und orthostatische Formen sind häufig und benigne. Persistierende Proteinurien müssen hinsichtlich ihrer Genese (glomerulär vs. tubulär) abgeklärt werden. Therapeutisch steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund; eine Reduktion der Proteinurie ist aufgrund ihrer prognostischen Bedeutung anzustreben. Die Enuresis ist definiert als nächtliches Einnässen ab dem fünften Geburtstag und tritt häufig auf. Pathophysiologisch spielen eine verzögerte Reifung zentralnervöser Steuerung, eine verminderte Weckbarkeit sowie eine nächtliche Polyurie eine Rolle. Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, Urinstatus und insbesondere ein Trink- und Miktionsprotokoll. Therapeutisch bildet die Urotherapie die Grundlage. Als Erstlinientherapien gelten die apparative Verhaltenstherapie sowie DesmoFotos: Antje Hugi

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