KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2026

02 / 2026 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 11 28. ECPCP Meeting Istanbul 8. – 9. Mai 2026 Delegiertenversammlung der europäischen pädiatrischen Grundversorger:innen und Empfehlungen für pädiatrische Praxisassistenzen» präsentieren, das auf grosses Interesse stiess. Es ergänzt das neue ECPCP-Projekt eines «Handbook of Education in Primary Care Pediatrics». In der Arbeitsgruppe Vaccination and Prevention wurden nationale Unterschiede bei Meningokokken-Impfempfehlungen diskutiert. Anders als in der Schweiz sind diese Impfungen in vielen Ländern trotz offizieller Empfehlung nicht kassenpflichtig und müssen privat bezahlt werden. In der Arbeitsgruppe Research bestand breiter Konsens darüber, dass Forschung in der pädiatrischen Grundversorgung essenziell ist. Dabei zeigte sich, dass europaweit ähnliche Herausforderungen bestehen wie in der Schweiz und die Aufgabe komplex ist. Den Abschluss bildete der geschäftliche Teil mit Neuwahlen: Christine Magendie wurde zur Präsidentin, Christoph Bornhöft zum Vizepräsidenten gewählt. Wir gratulieren beiden herzlich. Christine und Christoph sind Kinderärzte Schweiz bereits seit einiger Zeit verbunden. Neben dem fachlichen Austausch bot das Meeting auch Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Bekanntschaften zu knüpfen – nicht zuletzt bei gemeinsamen kulinarischen Erlebnissen. Während einer Führung durch den historischen Teil Istanbuls erhielten wir spannende Einblicke in die lange und bewegte Geschichte dieser faszinierenden und kulturell vielfältigen Stadt. Ich nehme viele neue Erfahrungen aus diesem internationalen Austausch mit und schätze die Möglichkeiten, die wir in unserem Gesundheitssystem haben, aus einer neuen Perspektive noch mehr. Ich wünsche mir, dass Kinderärzte Schweiz auch künftig aktiv zur länderübergreifenden Weiterentwicklung der Praxispädiatrie beitragen kann. Denn wie es von der scheidenden Präsidentin Laura Reali treffend formuliert wurde: «Investing in Primary Care Pediatrics means investing in the future health and wellbeing of children across Europe.» ■ Die diesjährige Delegiertenversammlung der ECPCP (European Confederation of Primary Care Pediatricians) fand in Istanbul statt. Über 10 europäische Länder waren vertreten. Kinderärzte Schweiz, seit 2024 Mitglied der ECPCP, nahm zum dritten Mal persönlich teil (Marc Sidler), gemeinsam mit Christoph Bornhöft als Delegierter von pädiatrie schweiz und ECPCP-Vorstandsmitglied. Die vor 17 Jahren gegründete ECPCP vereint über 20 pädiatrische Organisationen aus 19 Ländern der WHO- Europa-Region, mit dem Ziel einer qualitativ hochwertigen, flächendeckenden pädiatrischen Grundversorgung (siehe ecpcp.eu/about-us). Traditionell eröffnete der gastgebende Verband das Meeting mit Fachreferaten. Ein Vortrag zur Primärversorgung in der Türkei zeigte, dass Kinder zunächst meist durch «Family Doctors» betreut werden. Gleichzeitig steht auch das türkische Gesundheitssystem vor bekannten Herausforderungen: Viele Eltern suchen mit Bagatellerkrankungen direkt pädiatrische Notfallstationen auf, was zu einer chronischen Überlastung in den Kliniken führt. Zudem wurde das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit beleuchtet – hochrelevant, auch wenn der Blick auf die Millionenmetropole Istanbul mit ihrem dichten Verkehr die praktischen Herausforderungen verdeutlichte. Es folgten Berichte von einzelnen Mitgliedsländern. Besonders eindrücklich war der Vortrag der ukrainischen Delegierten. Sie schilderte ihren Alltag in einem Medical Centre in Charkiw, nur 30 Kilometer von der Front entfernt. Während des Winters erschwerten Stromausfälle und unzureichende Energieversorgung bei eisigen Temperaturen die Versorgung zusätzlich massiv. Neben Kriegsverletzungen müssen dort auch Erfrierungen und Verbrennungen behandelt werden. Solche Berichte relativieren eigene Herausforderungen schnell. Anschliessend fanden vertiefte Austausche in verschiedenen Arbeitsgruppen statt. Die Arbeitsgruppe Environmental Health befasst sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Klimakrise auf die Kindergesundheit. Ich stellte die Arbeit unserer Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit zum Thema «Hitze und Schule» sowie die damit verbundenen Entwicklungen im Kanton Basel-Stadt vor. Die Beiträge stiessen auf grosses Interesse; gemeinsame Empfehlungen für Stakeholder (Behörden etc.) sind geplant. In der Arbeitsgruppe Education stand die Weiterentwicklung der EPA (Entrustable Professional Activities) im Zentrum. Diese sollen künftig auf einer gemeinsamen Plattform verfügbar sein. Ich durfte unser «Handbuch DR. MED. MARC SIDLER PRÄSIDENT KINDERÄRZTE SCHWEIZ, BINNINGEN Korrespondenzadresse: marc.sidler@hin.ch Foto: Christoph Bornhöft

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx