FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 24 fiehlt sich ein sehr vorsichtiges Eindosieren mit Tropfen, beispielsweise eine Steigerung um 2 mg Citalopram alle zwei Wochen, bis zu einer Tagesdosis von 5 bis 30 mg.116 Manche Patienten erfahren eine deutliche Linderung durch Substitution von L-Tryptophan, möglicherweise im Zusammenhang mit einer Störung der Resorption und des Metabolismus dieser Aminosäure, die eine Schlüsselrolle in der Biosynthese von Serotonin hat.117 Ein kraniozerebrales MRT sollte zum Ausschluss anderer Ursachen angefertigt werden, eine neuropsychologische Abklärung zur Objektivierung der Defizite (insbesondere im Hinblick auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit). In der Neuropsychologie muss ein besonderes Augenmerk auf einen Abfall der Leistungen durch die kognitive Belastungsintoleranz und das Auftreten einer Post-exertional Malaise (oft erst mit mehreren Tagen Verzögerung!) gelegt werden. Manche Betroffene machen gute Erfahrungen mit D-Ribose118 oder Neurofeedback. Schlafstörungen In einer Metaanalyse fanden sich Schlafstörungen unterschiedlicher Art in 46% aller Long-COVID-Patient:innen (95% CI: 38–54%), schlechte Schlafqualität in 56% (95% CI: 47–65%), Insomnie bei 38% (95% CI: 28–48 und Tagesschläfrigkeit bei 14% (95% CI: 0–29%).119 In der Therapie von Schlafstörungen bei ME/CFS empfehlen Scheibenbogen et al. 2–5 mg Melatonin, Antihistaminika der 1. Generation, sowie bei schweren Schlafstörungen niedrig dosierte Antidepressiva (Trazodon, Trimipramin, Mirtazapin).120 Manche Long-COVID-Betroffene profitieren nicht nur hinsichtlich Insomnie, sondern auch bezüglich Fatigue, Belastungsintoleranz und Schmerzen von einem Einsatz des Anfallssuppressivums Perampanel (Fycompa®). Die Wirkung von Perampanel könnte darauf beruhen, dass es als AMPA-Rezeptorantagonist eine im Gehirn nachweisbare Hochregulation postsynaptischer AMPA- Rezeptoren dämpft und dadurch exzessive exzitatorische Signalübertragung reduziert.121 Zusätzlich gibt es In-vitroEvidenz einer antiviralen Wirkung von Perampanel durch eine Protease-Inhibition.122 Anosmie, Dysosmie Besorgniserregend ist, dass eine persistierende Störung des Geruchssinns nach COVID-19 mit einer Dysfunktion des präfrontalen Cortex verbunden ist.123 Dies ist allerdings wenig überraschend, da der Riechnerv ontogenetisch Teil des Frontalhirns ist.124 Zur Behandlung einer persistierenden Störung des Geruchssinns empfiehlt sich ein früh initiiertes, strukturiertes Riechtraining: zweimal täglich jeweils 30 Sekunden intensiv und bewusst an Rose, Zitrone, Eukalyptus und Gewürznelke riechen und sich den Duft dabei vorstellen. Dieses Training sollte über Wochen bis Monate konsequent fortgesetzt werden.125 Medikamentös können Fluticason Nasenspray126 oder systemisch 30 mg Methylprednisolon morgens während 10 Tagen127 eingesetzt werden, oder Vitamin A Nasentropfen 10000 IU/Tag während 8 Wochen.128 Schmerzen Viele Long-COVID-Betroffene leiden unter Schmerzen. Drei Mechanismen scheinen diesen Schmerzen zugrunde zu liegen: direkte Gewebsschädigung des peripheren oder zentralen Nervensystems durch SARS-CoV-2, Überaktivierung entzündlicher Kaskaden, welche Gewebe angreifen, oder Durchblutungsstörungen durch Gerinnungs- und Endotheldysfunktion.129 Oft kann eine Small Fiber Neuropathie nachgewiesen werden.130 In der Behandlung von Schmerzen bei ME/CFS empfiehlt Benjamin Natelson ein vierstufiges Schema: Da NSAR meist unwirksam sind, sollten in erster Linie Duloxetin 30–60 mg, Amitriptylin oder Trimipramin 10–25 mg zur Nacht eingesetzt werden. In zweiter Linie werden Anfallssuppressiva empfohlen: Pregabalin, Oxcarbazepin oder Lamotrigin (Achtung: selten Arzneimittelexanthem, besonders bei zu raschem Aufdosieren!), alleine oder in Kombination mit Pregabalin. Alternativ Topiramat, besonders bei Übergewicht, da es als Nebenwirkung oft zu Gewichtsreduktion führt. Zu beachten ist, dass Topiramat dosisabhängig oft zu kognitiven Nebenwirkungen führt. Als dritter Schritt Tizanidin, Tramadol, bei lokalen Schmerzen Lidocain-Pflaster. Als letzten Schritt empfiehlt Dr. Natelson Methadon oder MST Continus®.131 Low dose Naltrexon, Low dose Aripiprazol Naltrexon wurde zur Behandlung von Opiatabhängigkeit entwickelt. Low dose Naltrexon moduliert die Neuroinflammation132 und wurde bisher vor allem in der Therapie chronischer Schmerzen eingesetzt. Bei 36 Long-COVID-Betroffenen fand sich nach zwei Monaten LDN eine signifikante Verbesserung in 6 von 7 erfassten Parametern (Erholung von COVID-19, Limitierung der täglichen Aktivitäten, Energie, Schmerz, Konzentration, Schlafstörungen).133 Bei ME/CFS gibt es hervorragende Resultate mit Low dose Aripiprazol, mit einer Ansprechrate von 74%.134 Der postulierte Wirkmechanismus besteht in der Modulation von Neuroinflammation und mikroglialer Aktivierung. Corticosteroide Die Universitätsklinik Würzburg leitet eine multizentrische, placebokontrollierte, doppelt verblindete Phase-
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