DAS MAGAZIN FÜR EINE AKTIVE LEBENSGESTALTUNG Ausgabe 2 | Juni 2026 ART FURRER, GESCHÄFTSMANN über die Zeit als Hotelier und Bergführer, neue Ziele und sein Leben im Seniorenzentrum FIT BLEIBEN, NEUES ENTDECKEN Grosse Auswahl spannender Kurse aus Bildung, Kultur, Sport und Bewegung FOKUS «Zu Tisch» MIT KURS- PROGRAMM BILDUNG+ SPORT
Grand Casino Luzern | Haldenstrasse 6 | 6006 Luzern | grandcasinoluzern.ch Luzerns Logenplatz für Geniesser Exquisite Gaumenfreude und imposante Aussicht auf den Vierwaldstättersee. Fine Dining mit 16 GaultMillau-Punkten Mediterraner Hochgenuss
3 Zenit | Juni 2026 INHALT Zu Tisch – und mitten im Leben «Zu Tisch sein», das ist weit mehr als essen. Es ist ein Moment des Innehaltens, des Teilens, des Mitein- anders. Am Tisch begegnen wir uns: erzählen, hören zu, lachen, erinnern uns. Gerade im Alter werden die- se Momente besonders wertvoll. Sie schaffen Verbindung, machen Nähe spürbar und bringen Struktur in den Alltag. Diese zenit-Ausgabe widmet sich «zu Tisch» in all seinen Facetten: als Ort der Gemeinschaft, der Rituale, des Genusses, aber auch als Spiegel von Veränderungen. Essgewohnheiten wandeln sich, Lebenssituationen ebenso. Allein essen oder gemeinsam, einfach oder festlich, vieles darf sich verändern. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und nach Men- schen, mit denen wir das Leben teilen können. Lassen Sie sich inspirieren von Geschichten, Begegnungen und Perspektiven rund ums «Zu-Tisch-Sein». Vielleicht entdecken Sie dabei auch neue Impulse für Ihren persönlichen Alltag. Für kleine Tischmomente mit grosser Wirkung. Passend dazu liegt dieser Ausgabe das neue Halbjahreskursprogramm «impulse» bei mit wiederum vielen bewährten, aber auch neuen Angeboten, die zum Mitmachen, Austauschen und Dranbleiben einladen. Wir wünschen Ihnen anregende Lektüre und viele berei- chernde Momente «zu Tisch». IMPRESSUM Herausgeberin Pro Senectute Kanton Luzern Maihofstrasse 76 6006 Luzern 041 226 11 93 Redaktion Esther Peter (Leitung) Robert Bossart Astrid Bossert Meier Heidi Stöckli (publizistische Leitung) Titelbild: Raphael Hünerfauth Nächste Ausgabe: September 2026 Layout/Produktion Media Station GmbH Inserateannahme kommunikation@lu.prosenec- tute.ch Ressourcenschonend gedruckt von Vogt-Schild Druck AG Gutenbergstrasse 1 4552 Derendingen Erscheinungsweise Vierteljährlich Auflage 64 000 Exemplare Abonnemente Für Spendende, Kursbesuchende und Mitglieder des Gönnervereins Pro Senectute Kanton Luzern im Jahres- beitrag inbegriffen Ruedi Fahrni, Geschäftsleiter Pro Senectute Kanton Luzern UND AUSSERDEM Haben Sie Ihre grosse Liebe im Zug gefunden? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte, während Sie die Strecke nochmals gemeinsam bereisen. Lassen Sie die zenit-Lesenden an dieser schönen Erinne- rung teilhaben. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme (siehe Impressum unten). ✺ ❉ ❉ 04 KURZ UND GUT Inspirationen für den Alltag 06 IM ZENIT Art Furrer, Hotelier und Skilehrer FOKUS WANDEL 12 REPORTAGE Zu Besuch bei vier Mittagstischen 17 ESSEN GESTERN UND HEUTE Ernährungsformen im Überblick 19 ZAHLEN UND FAKTEN Spannendes rund ums Essen 20 MENSCHEN Drei Seniorinnen erzählen, was früher auf den Tisch kam 23 RATGEBER Mahlzeiten auch alleine geniessen 24 MAHLZEITENDIENST Einblick in die Migros-Gastronomie 26 ZEITREISE Kanton Tessin, Teil 3 PRO SENECTUTE KANTON LUZERN 29 BILDUNG+SPORT Fit bleiben und Neues entdecken 30 SPAREN IM ALLTAG Praktische Tipps und Tricks 33 FÜR KOPF UND KÖRPER Rätsel und Fitnessübung 34 CAFÉ MED Wo der Mensch im Zentrum steht 36 AGENDA Interessantes zum Vormerken 38 PERSÖNLICH Theres Studer 39 GUT ZU WISSEN Adressen von Pro Senectute
4 Zenit | Juni 2026 Mit dem Prix Merci sagt Pro Senectute ihren 15 800 Freiwilligen danke. Die Auszeichnung würdigt Menschen, die sich bei Pro Senectute freiwillig engagieren. Pro Senectute Kanton Luzern hat Theres Studer, Ortsvertreterin Ruswil, nominiert. Ihr Porträt fin- den Sie auf Seite 38. Sie können mitentscheiden, wer den Prix Merci 2026 erhält. Die Publikumsabstimmung läuft vom 16. Juni bis zum 31. August. ● Der Prix Merci 2026 wird an der Preisverleihung am 3. Dezember in Olten verliehen. ● Infos und die Möglichkeit, für Theres Studer abzustimmen: www.prixmerci.ch/abstimmen Tanzen zu Disco-Hits Suisse Disco 60+ Am 12. September steigt in Zürich mit der SUISSE DISCO 60+ die grösste Ü60-Party der Welt. Seniorinnen und Senioren tanzen in «The Hall» in Zürich von 14.00 bis 20.00 Uhr zu Hits aus den 60ern bis 90ern und erleben ein vielseitiges Rahmenprogramm mit prominenten Gästen. An der Suisse Disco 60+ erwarten Sie tolle DJs (Nick Thomi und Michael Reusser sowie Special DJ Röbi Koller), Live-Auftritte (Michael von der Heide, Pino Gasparini) von bekann- ten Musikgrössen und Gespräche mit prominenten Gästen. Moderation: Tina Nägeli, Mike La Marr, Natalie Rickli ● Ticketangebote: Einzeleintritt: CHF 21.–, Kombi-Tickets für 2, 4 oder 6 Personen (Duo +, Family+, Group+) zwischen CHF 49.– und CHF 147.–. ● Weitere Infos: www.prosenectute.ch Heisse Tage können für ältere Menschen besonders heraus- fordernd sein. Im Alter ist Hitzeschutz sehr wichtig. Mit den «3 goldenen Regeln» des Bundesamts für Gesundheit lässt sich viel dazu beitragen, gesund und gut geschützt durch den Sommer zu kommen. ● Weitere informationen zur Hitze: www.bag.admin.ch/de/hitze Prix Merci 2026 Jede Stimme zählt Gesundheit 3 Goldene Regeln für Hitzetage Fotos: zVg Gesucht: männliche Schauspieler Rampenlicht statt Ruhestand Männer, Hand aufs Herz: Wollt ihr nicht eine neue Herausforderung wagen, bei der ihr sogar Applaus bekommt? Wir von der Seniorenbühne Luzern suchen keine Gesetzlosen, sondern gestandene Mannsbilder, die sich trauen, aus der Reihe zu tanzen. Die im besten Alter sind, eine Stimme haben, die man hört und die nicht mehr nur im Garten die Rosen schneiden. ● Wir bieten: eine Bühne, die dich fordert und ein Team das dich feiert. ● Deine Qualifikation: Du hast Falten? Wir nennen es Charakter. ● Du bist im Ruhestand? Wir nennen es unentdecktes Weltklasse-Talent. ● Dein Lohn: Lampenfieber, das dich wieder jung macht, und Applaus, der dein neues Ich in dir weckt. ● Stell dich! Melde dich unter Tel. 076 336 38 37oder rosehill@datazug.ch
Zenit | Juni 2026 5 KURZ UND GUT Buchtipp «Genuss mit Aussicht» Berg-Beizli-Führer Der neue «Berg-Beizli-Führer» von Richi Spillmann versammelt sämt- liche Bergrestaurants und Beizli in der ganzen Schweiz. Jedes Lokal ist abgebildet und mit den wichtigsten Informationen versehen. So lädt das Buch dazu ein, die Berge ge- nussvoll (neu) zu entdecken. Ein inspirierender Begleiter für alle, die Bewegung, Natur und gutes Essen miteinander verbinden möchten. ● Bestellen: Spillmann Verlag, Baslerstrasse 104, 8048 Zürich, Tel. 079 414 90 60, info@bergbeizli, www.bergbeizli.ch ● Verkaufspreis: CHF 39.–; ISBN 978-3-9524943-8-7 Freiwillige gesucht Lesen mit Kindern Als Lesementorin und Lesementor fördern Sie die Freude am Lesen – und damit auch die Lesekompetenz – von Kindern der 2. bis zur 6. Klasse. Für das nächste Schuljahr ab September 2026 werden Freiwillige gesucht, welche Spass an der Sprache haben und einmal pro Woche 45 Minuten mit einem Kind lesen möchten. Gelesen wird in den Schulhäusern Maihof, Rönni- moos, Säli, Staffeln und St. Karli. Möglich ist dies am Montag-, Dienstag- oder Donnerstagnachmittag nach der Schule sowie am frühen Mittwochnachmittag. Mit einem Einführungstag am Mittwoch, 26. August, werden Sie auf Ihre Aufgabe vorbereitet. Das Lesementoring ist ein Angebot der Fachstelle für Altersfragen der Stadt Luzern. ● Kontakt für Interessierte: Mirjam Müller-Bodmer/ Simone App, ages@stadtluzern.ch, Tel. 041 208 81 38 Lesetandem im Schulhaus Maihof 2024. © LZ, Dominik Wunderli Rezept Tomaten-Tonnato (Hauptgang für 2 Personen oder Vorspeise für 4 Personen) Zutaten ● 2 hartgekochte Eier, halbiert ● 1 Dose weisser Thon in Salzwasser (ca. 160 g), abgetropft, zerzupft ● 3 EL Zitronensaft ● ½ dl Sonnenblumenöl ● 2 Sardellenfilets ● 1 EL Kapern, abgespült, abgetropft ● ½ TL Salz ● 6 Tomaten, in Scheiben ● ½ TL Fleur de Sel ● wenig Pfeffer ● 1 EL Kapernäpfel, abgetropft (optional) ● 1 EL Kapern, abgespült, abgetropft ● 2 Zweiglein Basilikum Sauce: Eier und alle Zutaten bis und mit Kapern mit dem Pürierstab zu einer glatten Sauce pürieren, salzen. Falls die Sauce zu dick ist, wenig Wasser daruntermixen. Anrichten: Tomaten auf Tellern verteilen, mit Fleur de Sel und Pfeffer würzen. Tonnato-Sauce auf den Tomaten verteilen, mit Kapernäpfeln, Kapern und Basilikum garnieren. Dazu passt: knusprig geröstetes Brot. Rezept und Foto: Daniela Bieder, danielaculinaire.ch
6 Zenit | Juni 2026 IM ZENIT ASTRID BOSSERT MEIER Plopp. «Äs schmöckt noch Wy», sagt Art Furrer mit schelmischem Lächeln, als er am Korken riecht. Obwohl er nur noch Konturen wahrnimmt, öffnet er die Flasche Heida mit sicherer Hand. Der 89-Jährige sitzt auf dem Sofa seiner modernen, barrierefreien Wohnung. Auf dem Sessel daneben Ehefrau Gerlinde, um deren Hand er vor 60 Jahren unter der Freiheitsstatue in New York anhielt und die ihm seither treu zur Seite steht. Doch dazu später. Umzug ins neue «Basislager» Vor einem Jahr ist das Paar in eine Dreizimmerwohnung des Seniorenzentrums Naters gezogen. Der Umzug hinunter ins Tal war schwer. Die Riederalp war ihr Zuhause. Inmitten des eindrücklichen Aletschgebiets hatte Art sein Hotelimperium aufgebaut und den Ort geprägt. Hier wuchsen die drei Kinder auf. Doch die Jahre vergehen, und das Leben verändert sich. Als Sohn Andreas von geplanten Alterswohnungen in Naters hörte, meinte er, jetzt sei der richtige Zeitpunkt für eine praktische, zentrale Wohnung. «Für uns beide war es bei Weitem nicht das Richtige», erinnert sich Art Furrer. Doch «die Vernunft obsiegte» und sie reservierten eine Wohnung. Je näher der Zügeltermin rückte, desto schwerer wurde das Herz. Geholfen hat ein Perspektivenwechsel: «Wir sag- ten, jetzt ist halt diese Wohnung in Naters unser Basislager», formuliert es Art Furrer im Bergführerjargon. Und wenn es im Tal zu eng oder zu heiss wird, bleibt noch immer «Lager 1» in der Ferienwohnung Zermatt oder «Lager 2» auf der Riederalp. Ein Jahr ist seit dem Umzug vergangen. Heute sagt Art Furrer: «Der Entscheid war goldrichtig.» Die hindernisfreie Wohnung sei praktisch, die Spitex nahe, das tägliche ViergangMenu im hauseigenen Restaurant köstlich, die wöchentliche Wohnungsreinigung willkommen. «Und das Beste: Die Mitarbeitenden sind aus- serordentlich freundlich und warmherzig.» Er, der jahrzehntelang Gäste umsorgte – Bundesrat Ogi auf den Dom führte, mit Fürst Albert von Monaco den Aletschgletscher besuchte oder die spanische Königsfamilie bewirtete – weiss, wie anspruchsvoll die Gastgeberrolle ist. «Früher musste ich auch mal auf Befehl lachen. Jetzt bin ich frei. Ich war noch nie ein so freier Mensch wie heute.» Mit dem Sehverlust leben Nun wird es höchste Zeit, den Heida zu kosten. «Einschenken kann ich nicht mehr, sonst verschütte ich ihn», sagt Art Furrer und reicht die geöffnete Flasche weiter. Der graue und der grüne Star haben ihm den Grossteil seiner Sehkraft geraubt. Er erinnert sich an den Moment, als ihm der Augenarzt eröffnete, er könnte ganz erblinden. «Das hat mich schon getroffen. Aber den Kopf lasse ich deswegen nicht hängen. Der Mensch kann sich an vieles gewöhnen, wenn er will.» Und Art will. Er konzentriert sich auf das, was möglich ist, setzt sich Ziele, die er mit Geduld und Disziplin angeht – etwa anstelle des Lifts die Trep- pe bis zur Wohnung im vierten Stock zu nehmen. «An manchen Tagen schaffe ich 700 Stufen.» Väterliche Wilderer-Grundsätze Dieser Fokus aufs Positive, aber auch die Fähigkeit, hartnäckig Ziele zu verfolgen, zeichnen ihn aus. Dazu kommt eine gesunde Portion Kühnheit, die ihm sein Vater mitgab. Zusammen mit einem Bruder wuchs Arthur – so sein Taufname – im kargen Walliser Bergdorf Greich auf 1360 Meter über Meer auf. Sein Vater, Tagelöhner, «zudem ein aussergewöhnlich guter Jäger und ein doppelt so guter Wilderer», lehrte die Grundsätze des Jagens: «Ers- tens das Tier und seine Gewohnheiten genau studieren. Zweitens am frühen Morgen als erster Jäger am richtigen Ort sein. Und drittens treffen, wenn die Gämse vor dir steht. Sonst ist aller Aufwand für nichts.» Diese drei Prinzipien prägten Art Furrers Lebenskonzept: den gesellschaftlichen Wandel wahrnehmen, zur rechten Zeit am rechten Ort sein und zugreifen, wenn sich Chancen bieten. Viel zu früh verloren die Söhne den Vater. Ausgelöst durch die Arbeit im Tunnelbau starb er an einer Staublunge, als Art 13 Jahre alt war. Die Familie musste den Gürtel noch enger Sein Cowboyhut machte ihn einzigartig. Heute lebt Art Furrer (89) gemeinsam mit Ehefrau Gerlinde (85) im Seniorenzentrum Naters VS. Der Vater des Trickskifahrens, Bergführer, Hotelier und Medienstar ist fast blind. Er hadert nicht. Stattdessen setzt er sich mutig neue Ziele. So wie er es in seinem unkonventionellen Leben stets getan hat. Mann mit Prinzipien Fotos: Raphael Hünerfauth
7 Zenit | Juni 2026 IM ZENIT Art Furrer machte den Cowboyhut zu seinem Markenzeichen. Heute zieht der ehemalige Berg- führer, Skilehrer, Hotelier und TV-Star seinen «Stetson» nur noch selten an.
8 Zenit | Juni 2026 Art Furrer gilt als Erfinder des Trickskifahrens. Damit und als Skilehrer wurde er in den USA bekannt.
IM ZENIT 9 Zenit | Juni 2026 schnallen. Dank Unterstützung von Jägerkollegen konnte Art das Kollegium in Brig besuchen und dann eine Lehre als Bauzeichner absolvieren, die er mit vorzüglichen Noten abschloss. Doch Bergsteigen und Skifahren lockten stets noch mehr. Von Kindesbeinen an war er ein furchtloser Skifahrer. Das Geld für dieses Vergnügen hätte seine Familie nicht aufbringen können. Doch gemeinnützige Orga- nisationen stellten gratis Skier zur Verfügung. In den Pausen sprangen die Kinder über die selbst gebaute Schanze, am Sonntagnachmittag stapften sie zur Riederalp hoch und sausten über verschneite Hänge zurück nach Greich. Der «crazy Swiss» in Amerika Art Furrer träumte von einer Karriere als Skirennfahrer. Doch das Geld für eine professionelle Ausrüstung und Betreuung fehlte. So setzte er aufs Bergsteigen, wurde Skilehrer und Bergführer. Sein eigener, eleganter Fahrstil mit akrobatischen Einlagen sorgte für Aufsehen. Doch beim Walliser Skilehrerverband kam diese Extravaganz nicht gut an. Der Konflikt eskalierte und so verliess Art mit 22 Jahren seine Heimat, um in den USA als Skilehrer zu arbeiten – ein mutiger Schritt, der sein weiteres Leben prägte. 1959 erreichte er die White Mountains im Osten der USA mit 36 Dollar in der Tasche und ohne ein Wort Englisch. Er fühlte sich furchtbar einsam. Mit Hilfe einer Amerikanerin lernte er jeden Tag zehn neue Wörter. «Bald konnte ich mich verständigen. Am Schluss präsentierte ich ganze Abende in Englisch. Alles übers Zuhören gelernt», sagt Art Furrer stolz. Die Amerikaner liebten den Schweizer Skilehrer und seine Tricks. Schon in der zweiten Wintersaison kamen Journalisten, um den «crazy Swiss» zu fotografieren. Aus Arthur wurde Art, die Karriere nahm Fahrt auf. Es folgten Skishows, Skifilme, Werbe- verträge, TV-Auftritte vor Millionenpublikum. Die Glitzerwelt lockte – Alkohol, Drogen, Frauen – doch Art widerstand. «Die strenge katholische Erziehung im Kollegium Spiritus Sanctus wirkte nach. Sonst wäre ich in dieser verrückten Welt vielleicht abgestürzt. Und meine Frau und ich wären vielleicht nie zusammengekommen», sinniert er. «Ganz bestimmt nicht», wirft Gerlinde lachend ein, die bis jetzt zugehört hat. «Ist sie katholisch?» Ja eben, wie war das nun mit dieser attraktiven Österreicherin, die er in Amerika kennenlernte? Auch Gerlinde Furrer war eine begeisterte Skifahrerin, gar ehemalige Skirennfahrerin. Sie arbeitete in Montreal – erst in der Bäckerei ihrer Schwester, später auf einer Bank. Oft fuhr sie am Wochenende mit zwei Freundinnen zum Mount Washington. Die Frauen stapften den Berg hoch, übernachteten in einer einfachen Hütte und fuhren mit den Skiern zurück ins Tal. Irgendwann begegneten sie dabei einem charmanten Schweizer, der für Fotoaufnahmen angereist war. Bis Art und Gerlinde ein Paar wurden, dauerte es ein Jahr. Doch im Frühling 1966 fuhren sie gemeinsam nach New York und unter der Freiheitsstatue hielt Art um Gerlindes Hand an. Eine Stunde später kauften sie jene Ringe, die noch heute an ihren Fingern stecken. «Dann riefen wir unsere Mütter an», sagt Art. «Ich sagte, ich bringe eine Österreicherin mit und wir werden im Herbst heiraten. Die Mutter fragte: Bist du sicher? Und die Grossmutter fragte: Ist sie katholisch?» Noch heute können Art und Gerlinde über dieses Telefonat herzhaft lachen. Mit der Geburt von Andreas ein Jahr später begann ein neuer Lebensabschnitt. Tochter Bettina und Sohn Arthur «Art» Furrer (89) wuchs in Greich im Aletschgebiet auf. Nach einer Ausbildung als Bauzeichner wurde er Skilehrer und Bergführer. 1959 wanderte er in die USA aus, wo er als Skiakrobat bekannt wur- de. 1966 heiratete er die gebürtige Österreicherin Gerlinde. Das Paar hat eine Tochter, zwei Söhne und sechs Enkelkinder. Nach der Rückkehr in die Schweiz 1973 baute Art Furrer auf der Rieder- alp eine Hotelgruppe auf. Auftritte in der TV-Sendung «Verstehen Sie Spass?» machten ihn bekannt (im Bild posiert er 1984 für die Fernseh- sendung mit 4-Meter-Skis auf der Riederalp). 2008 übergab er seine Betriebe an Sohn Andreas, welcher die Hotels in der Coronakrise ein- stellte und später verkaufte. Heute leben Art und Gerlinde Furrer im Seniorenzentrum Naters. Wer ist Art Furrer? Foto: Wikipedia
10 Zenit | Juni 2026 Alexander komplettierten bald das Familienglück. Es blieb wenig Zeit zum Geniessen. Art pendelte noch in die USA. Und nach seiner definitiven Rückkehr 1973 begann er, auf der Riederalp Hotels zu bauen. Zudem betreute er seine exklusive Kundschaft als Bergführer und Skilehrer. «Kaum war ein Baby geboren, war der Vater schon wieder weg», erinnert sich Gerlinde Furrer an diese Lebensphase. Der Hut wird zum Markenzeichen Auch in der Schweiz wurde Art Furrer bekannt. Erst durch seine Skifilme, die er aus den USA mitgebracht hatte. Später durch seine TV-Auftritte bei «Verstehen Sie Spass?». Unvergesslich bleibt, wie er Reinhold Messner mit einem Kiosk unter dem Gipfel des Matterhorns zur Weissglut trieb oder als texanischer Skischüler mit Cowboyhut auf vier Meter langen Skiern Inserate «Vorsorgen fürs Alter» Pro SenectuteINFO Informationsveranstaltungen rund um Finanzen und Vorsorgedokumente Mittwoch, 24. Juni 2026, 17.30 Uhr, Aula St. Anna Stiftung, Tivolistrasse 21, Luzern Donnerstag, 12. November 2026, 18.30 Uhr, Pfarreizentrum Sursee Dienstag, 23. Februar 2027, 18.30 Uhr, LZ-Auditorium, Luzern Kanton Luzern lu.prosenectute.ch Kurse und Workshop: lu.prosenectute.ch/Vorsorge-Finanzen Eintritt frei! Info und Anmeldung: lu.prosenectute.ch/Info, 041 226 11 88 Inserat_180x121_zenit_Pro SenectuteINFO 2026 zenit 2-26.indd 1 19.05.2026 09:21:23 Seit einem Jahr lebt Art Furrer gemeinsam mit Ehefrau Gerlinde in einer Wohnung des Seniorenzentrums Naters VS. Trotz Sehbehinderung ist er täglich draussen unterwegs.
Zenit | Juni 2026 IM ZENIT 11 sondern konzentriert sich auf das, was er selber in den Händen hat. «Ich will aus der Zeit, die mir noch bleibt, das Positive rausholen.» Was ihm guttut, weiss er genau: «Die Gesundheit mit regelmässiger Bewegung fördern. Weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Und das Leben mit Humor nehmen.» Da erinnert er sich gleich an einen Spaziergang in Brig, bei welchem eine Dame freundlich darauf hinwies, dass er die Schuhe verkehrt herum trug. «Man muss auch über seine Lücken lachen können.» Die Flasche Heida ist leer, die Geschich- ten sprudeln weiter. Zwei Bücher über sein Leben hat Art Furrer schon verfasst. Vielleicht entsteht noch ein drittes mit Anekdoten übers Alter. «Manche denken, jetzt ist das Leben vorbei. Aber es ist nie zu spät, sich neue Ziele zu setzen. Egal, ob man sie erreicht oder nicht.» Gedächtnisprobleme? Das können Anzeichen von Durchblutungsstörungen im Gehirn sein. Tebofortin® Verbessert die Durchblutung. Bei Vergesslichkeit und Konzentrationsmangel. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel. Lesen Sie die Packungsbeilage. Schwabe Pharma AG, Küssnacht am Rigi Tebofortin-Einkaufen_Anz_180x121mm_DE.indd 1 15.07.25 10:45 zum Unterricht erschien. Bei der Rückfahrt nach der TV-Show mit den überlangen Brettern auf dem Autodach stand der Verkehr am Zoll still. «Und wo ist der Hut?», fragte der Zöllner. Da realisierte Art Furrer: «Diesen Hut darfst du nie mehr ausziehen.» Art Furrer war Gast bei unzähligen Veranstaltungen und TV-Sendungen. Der Cowboyhut wurde zum besten Werbeträger für ihn und seine Hotels auf der Riederalp. Der Showman genoss das Scheinwerferlicht. Das gibt er offen und ehrlich zu. «Der Vorhang geht auf und du musst liefern, sonst bist du verloren. Das ist Adrenalin pur und birgt ein gewisses Suchtpotenzial.» Seine Frau Gerlinde weiss genau, was Art meint: «Er hatte seine Auftritte, und wir standen stets in der zweiten Reihe.» Diese Zeit sei schwer gewesen für die Familie und die Beziehung, bilanziert Art Furrer selbstkritisch. «Zum Glück hielt uns das Bergsteigen zusammen.» Gemeinsam haben Art und Gerlinde alle 48 Viertausender der Schweiz bestiegen und Trekkings auf der ganzen Welt unternommen. «Alle ernsthaften Probleme haben wir am Berg besprochen. Da ist man verbunden und hängt buchstäblich am gleichen Seil», sagt Art Furrer. «Das war der Kitt unserer Ehe.» Unabänderliches akzeptieren Vieles, aber nicht alles ist dem findigen Geschäftsmann gelungen. Mit 70 übergab er seine Hotels dem ältesten Sohn. Doch das Lebenswerk war eng mit seiner Persönlichkeit verbunden. In der Coronakrise stellte der Sohn den Betrieb ein und verkaufte später die Immobilien. Bestimmt hätte sich Art Furrer über die Fortführung seines Lebenswerks gefreut. Doch er beklagt sich nicht über Unabänderliches,
Zenit | Juni 2026 12 Liebe geht durch den Magen oder anders gesagt: Gemeinsam essen macht glücklich. Das zeigen die Besuche der Mittagstische in Schötz und Wikon, einer privaten Gruppe sowie einer Kinderkrippe mit Seniorenbeteiligung. Mittagstische als Ort der Begegnung Fotos: abgelichtet.ch
Zenit | Juni 2026 REPORTAGE FOKUS ✺ 13 «Einige gehen nach dem Essen noch miteinander spazieren oder treffen sich auf einen Jass.» Trudi Roth, selbst schon 83 Jahre alt, hilft auch als Freiwillige mit und leistet ab und zu einen Fahrdienst. Heute hat sie Ursi Haas chauffiert. «Ich stehe finanziell nicht so gut da, deshalb bin ich froh über dieses Angebot», sagt sie. «Und dann kommt mich auch noch ein lieber Mensch abholen – was will ich mehr?» Trudi Roth schmunzelt. «Als Freiwillige durfte ich in den letz- ten Jahren viel Wertvolles erleben.» Und fügt an: «Zäme Zmettag belebt das Dorf, bringt Menschen zusammen. Wir sind wie eine Familie.» Privat unter Freunden Eine ganz andere Möglichkeit, regelmässig gemeinsam zu essen, haben drei frisch pensionierte Paare auf privater Basis in Willisau gefun- den: Jeden Monat treffen sie sich ab- wechselnd bei einem Paar zu Hause und bekochen sich gegenseitig. «Ent- standen ist die Idee, weil wir uns etwas häufiger treffen wollten», sagt Luzia Marti. Nun, da alle im Ruhestand seien, könnten sie ihre Beziehungen etwas intensiver pflegen. Allerdings haben die drei Paare fixe Regeln definiert. Wer kocht, bereitet ein einfaches, regionales und saisonales Gericht zu. «Das ist uns wichtig, wir möch- ten nicht, dass wir uns gegenseitig mit ausgefallenen Menüs übertrumpfen», sagt Luzia Marti. Das Soziale steht im Zentrum Es soll liebevoll gedeckt sein, gerne auch ein Kerzchen, aber einfach. So wird etwa auch kein Wein aufgetischt und das Treffen ist zeitlich limitiert – von halb zwölf bis 14 Uhr. Warum diese Einschränkungen? «Es geht darum, dass wir regelmässig Zeit miteinander verbringen. Das Soziale soll im Zentrum stehen. Wir freuen uns jeweils sehr aufeinander, hören dekoration ist mit Liebe und Herzblut gemacht», sagt Heidi Glanzmann und zeigt auf die kleinen Holzskulpturen in der Mitte des Tisches. Auch junge Familien mit dabei Der Salat wird serviert, danach gibt es Spaghetti mit Tomatensauce, dazu panierter Fleischkäse mit Spargel. Später bekommen die Gäste zum Kaffee noch ein Tiramisù. «Das Essen ist immer fein», sagt die 12-jährige Alessia. Ihre Schwester, die 10-jährige Julia, nickt. «Man darf so viel essen, wie man will, und es gibt immer ein Dessert.» Sandra Schönbächler ist mit ihren Kindern schon ein paar Mal hier gewesen. «Dann muss ich mal nicht selbst kochen, zudem ergeben sich immer wieder gute Gespräche mit anderen Menschen aus dem Dorf.» «Die Atmosphäre ist fantastisch, wir haben es immer lustig miteinander und das Essen ist jedes Mal eine positive Überraschung.» Seit fünf Jahren findet «Zäme Zmettag» jeden Mittwoch statt. Ins Leben gerufen hat dieses soziale Projekt eine Gruppe Freiwilliger rund um Margrit Kottmann. Heute hat das Team etwa 25 ehrenamtlich Mitwirkende. Die Nachfrage ist gross, der Saal jede Woche gut gefüllt. «Viele alleinste- hende, verwitwete Menschen schät- zen das Angebot und kommen jeden Mittwoch», sagt Lydia Roos. Ein wichtiger Punkt ist auch der Preis: Mit 10 Franken ist es auch für Menschen mit kleinen Budgets erschwinglich. «Für einige Personen bedeutet der Mittwoch einen Anker in ihrem All- tag», sagt die Freiwillige Selina Wilder. VON ROBERT BOSSART In Schötz ist bereits eine Stunde vor dem Essen ein Grüppchen Seniorinnen und Senioren vor dem Pfarreizentrum eifrig am Plaudern und Diskutieren. Heute findet der wöchentliche «Zäme Zmettag Schötz» statt. In der Küche des Pfarreizentrums stehen fünf Frauen und bereiten das Mittagessen zu. Eine davon ist Lydia Roos. Die 74-Jährige kocht fast je- den Mittwoch für den Mittagstisch. Weil es ihr Spass mache, versichert sie. «Wir beginnen um halb neun Uhr morgens, um 12 Uhr muss alles parat sein, wenn zwischen 40 und 50 Per- sonen in den Saal des Pfarreizentrums strömen und sich auf das gemeinsame Mittagessen freuen. Feines Essen, geselliges Zusammensein «Freuen» ist ein passendes Stichwort. «Die Atmosphäre ist fantastisch, wir haben es immer lustig miteinander und das Essen ist jedes Mal eine positive Überraschung», sagt Cecile Tschuppert. Die 79-Jährige sitzt zusammen mit fünf weiteren Frauen an einem Tisch, an dem es recht fröhlich und lebhaft zu und her geht. «Wenn man zum Kafi noch einen Gügs möchte, gibt’s den auch noch», fügt sie an und alle lachen in der Runde. Heidi Glanzmann erzählt, dass sie sich jeden Mittwoch hier treffen. «Wir kennen einander von früher.» Neben ihr sitzt Elisabeth Bättig aus Zell und nickt. «Ich lebe allein in einer Woh- nung und esse sonst meist allein. Als ich gefragt wurde, ob ich hier dabei sein will, habe ich sofort Ja gesagt», erzählt die 77-Jährige. Es mache ein- fach Spass, am Mittwoch dabei zu sein. Rundum zustimmendes Geraune. «Wir unterhalten uns prächtig, das Essen ist sensationell und die Tisch-
Zenit | Juni 2026 14 einander zu und tauschen uns darüber aus, was uns bewegt.» Wichtig sei ihnen, ihre Freundschaft am Leben zu erhalten und zu aktivie- ren. «Dafür ist der Mittagstisch ein grossartiges Instrument.» Seniorinnen und Senioren zu Gast in der Kita Jeden Dienstag, Donnerstag und Frei- tag hat die «KITA JAKARI» in Willis- au zwei Gäste aus dem Alterszentrum Zopfmatt zum Mittagessen. Rund zehn Kinder im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren speisen zusammen mit zwei Seniorinnen und Senioren. Begonnen hat alles vor gut einem Jahr, als die Grossmutter des Partners von Kita-Leiterin Annemarie Tanner einmal pro Woche zum Mittagessen eingeladen wurde. «Sie hatte uns immer so liebevoll unterstützt, dass wir ihr etwas zurückgeben wollten», sagt Annemarie Tanner. «Da haben wir gemerkt, wie wertvoll es ist, wenn junge und alte Menschen zusammenkommen. Es ermöglicht soziale Teilhabe und hilft gegen Einsamkeit und Isolation.» So entstand die Idee, dass regelmässig Bewohnende aus dem nahe gelegenen Alterszentrum zu Gast in der Kita sein dürfen. Auch die Kinder profitieren von dieser Generationenbegegnung, ist die Kitaleiterin überzeugt. «Die Kinder sind offen und interessiert und sammeln selbst wertvolle Erfahrun- gen im Umgang mit betagten Men- schen. So gesehen ist es eine Win-winSituation.» Generationen zusammenbringen Alle Generationen zusammen eine gute Zeit verbringen: Das ist die Idee hinter dem Mittagstisch in Wikon, der zwar «nur» viermal im Jahr stattfindet, dafür aber auf grosses Interesse stösst. «Letztes Mal haben wir die Hunderter- marke geknackt», sagt Martina Frisch- knecht vom Familien Netzwerk Wikon. Zusammen mit Beatrice Lauber von der örtlichen Pro Senectute und Ramona Moser vom Gemeinnützigen Frauenverein organisiert sie diesen Anlass in der Mehrzweckhalle. Seniorinnen und Senioren, aber auch Familien mit Kleinkindern, Oberstufenschüler, Arbeitstätige und viele mehr nehmen jeweils teil. «Vom Säugling bis zum 90-jährigen Witwer ist alles vertreten», sagt Martina Frischknecht. «Es ist genau das, was wir wollten: etwas Generationsübergreifendes auf die Beine stellen.» Ähnlich wie in Schötz haben sich auch in Wikon viele Menschen als freiwil- lige Helfer gemeldet. «Eine Gruppe
Zenit | Juni 2026 REPORTAGE FOKUS ✺ 15 Knigge-Trainerin Katrin Künzle über Benimmregeln früher und heute. Ältere Menschen wissen, was Benimmregeln bei Tisch sind, Jüngere nicht mehr. Stimmt das? Viele jüngere Menschen wissen leider nicht mehr, wie man das Besteck richtig hält. Oder dass man die Serviette auf den Schoss legt. Welches Benehmen schätzen ältere Menschen rund ums Essen, was stört sie? Sie schätzen, dass man miteinander spricht. Heute ist das oft nicht mehr der Fall, weil alle auf ihr Handy schauen. Wichtig sind die grundlegenden Sachen. Ältere Menschen stört es etwa, dass junge Menschen mit rundem Rücken und der Nasenspitze im Teller am Tisch sitzen oder wenn mit vollem Mund geredet wird. Wie haben sich Verhaltensregeln bei Tisch über die Zeit verändert? Ich glaube, die Regeln sind generell weniger bekannt. Früher ass man immer in der Familie, die Regeln wurden kommuniziert und vorgelebt. Heute haben wir andere Strukturen, die Kinder essen auswärts in der Tagesstruktur, in der Kita, am Mittagstisch in der Schule, bei Nachbarn oder haben Sport- oder Musiklektionen. Am Abend sind alle müde und niemand hat noch Energie, über Manieren zu sprechen. Zudem hat die Fastfood-Kultur zu Veränderungen geführt: Man isst mit Fingern, auf der Strasse. Allgemein sitzt man wohl weniger gemeinsam am Esstisch. Welche Regeln haben sich verändert oder gelten nicht mehr? Dass zu Fisch Weisswein getrunken wird, dass man Salat nicht schneiden darf und dass der Mann im Restaurant bezahlt: Diese Regeln sind überholt, zu Recht, wie ich finde. Und es gibt auch gute Veränderungen, etwa dass man heute selbstverständlich Essensreste mit nach Hause nehmen darf oder dass Kinder am Tisch mit- reden dürfen. Schade ist einfach, dass Dinge, die andere stören, nicht mehr so bekannt sind. Auch etwas vergessen gegangen ist, dass man sich bedankt, wenn das Essen serviert wird. Bei welchen Regeln sind Sie froh, dass sie nicht mehr existieren? Dass man heute keine Zahnstocher mehr am Tisch verwendet, son- dern damit auf die Toilette geht. Und dass der Teller leer gegessen werden muss – eine schreckliche Regel! Katrin Künzle ist lizenzierte Knigge-Trainerin und Geschäftsführerin von Künzle Organisation. Künzle Organisation gibt seit mehr als 20 Jahren KniggeKurse für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Organisa- tionen. Tischmanieren? Auf jeden Fall! Männer vom Unternehmen Zürcher Landtechnik macht extra früher Mit- tag, um bei uns mit anzupacken. Die Familie Schütz, die ein Brotfenster be- treibt, hat Gutscheine gesponsert und die Familie Hodel hat uns Honig ge- schenkt. Ich glaube, der Mittagstisch ist für alle in Wikon ein grosser Gewinn und fördert den Zusammenhalt.» Hübsche Tischdekoration, feines Essen, geselliges Zusammensein – sowohl in Schötz (o.) wie in Wikon (u.) sind die Mittagstische sehr gefragt.
Zenit | Juni 2026 16 Neu ab Juli 2026 Tagesstätte für Menschen mit Demenz Die Tagesstätte St. Anna bietet Menschen mit Demenz einen geschützten Rahmen. Klare Tagesstrukturen fördern Orientierung und Gemeinschaft. Gleichzeitig entlasten wir Angehörige, damit sie neue Kraft schöpfen und Zeit für sich gewinnen können. Entlastung, Würde und Gemeinschaft annastiftung.ch/tagesstaette Tel. 041 375 20 00 oder kontakt@annastiftung.ch Wir sind ein gemischter Chor mit Mandolinenspielerinnen, welcher fröhliche und melodiöse Lieder aus dem Tessin singt. Bei Auftritten tragen wir Original-Tessiner Trachten und erfreuen unser Publikum optisch wie akustisch. Einige sprechen Italienisch, aber alle sprechen Deutsch und lernen Italienisch beim Singen. Wir freuen uns, Dich beim Probesingen, beim Schnuppern oder bei einem ersten Kontakt kennenlernen zu dürfen. Weitere Infos: www.corale-lucerna.ch Proben: Jeden Montag von 20:00-21:45 (ausser Schulferien) Pfarrei St. Michael unten beim Kirchturm xx_xx_Inserat Corale2.indd 7 24.05.26 13:37 Besuchen Sie uns auch auf: Bleiben Sie digital gut informiert. Jetzt anmelden. lu.prosenectute.ch/Newsletter Pro SenectuteNEWSLETTER Pro Senectute Kanton Luzern Inserat 121x89 Newsletter Anmeldung.indd 1 02.06.2026 16:35:01 Inserate Alterswohnungen mit Services. Im Haus Bernarda im Dreilindenquartier entstehen neu 18 2.5-Zimmer- und eine 3.5-Zimmer-Wohnung zur Miete – mit ergänzenden Services nach Bedarf. Jetzt bewerben: Viva_Inserat_Haus_Bernarda_Zenit_180x59mm_RZ.indd 1 08.05.26 09:49 Öffentlicher Vortrag Gsond ond zwäg is Alter luks.ch/goz Schmerzen vermeiden – Tipps&Tricks für den Alltag Dienstag, 15. September 2026, 18.30 bis 20.00 Uhr Spital Nidwalden, Stans (Restaurant Panorama) Der Eintritt ist frei. Bitte melden Sie sich auf luks.ch/goz an. Gerne laden wie Sie im Anschluss zu einem gesunden Apéro ein. Infos zum Thema: Rücken zwickt? Knie schmerzen? Wir zeigen Ihnen, wie Sie Beschwerden vorbeugen, Arthrose-Risiken reduzieren und mit einfachen Alltagstipps Ihre Beweglichkeit erhalten. Praktisch, wirksam, direkt anwendbar. In Kooperation mit
Zenit | Juni 2026 WISSEN FOKUS ✺ 17 Das Essen ist ein wichtiger Teil unseres Lebens – nicht nur, weil wir Nahrung zum Überleben brauchen. Es steht für Genuss, für soziale Begegnungen, für Struktur im Alltag und für Erinnerungen an vergangene Zeiten. Gleichzeitig können aber auch schwie- rige Erfahrungen wie Einsamkeit, Allergien oder der Verlust von Selbst- ständigkeit unsere Beziehung zum Essen prägen. Eine kulinarische Zeitreise. Urzeit Die Menschen ernährten sich von dem, was sie jagen oder sammeln konnten. Dazu zählten Beeren, Wurzeln, Nüsse oder Fleisch von erlegten Tieren. Essen bedeutete Überleben – nicht Genuss. Antike Mit der Entstehung des Ackerbaus entstand erstmals Planbarkeit: Ge- treide, Hülsenfrüchte, Olivenöl und Gemüse prägten den Alltag in Grie- chenland und Rom. Essen wurde zur Kultur. Mittelalter Der Kirchenkalender bestimmte, dass an bis zu 150 Tagen im Jahr gefastet wurde. Für die Mehrheit der Bevöl- So isst das Leben kerung bedeutete Essen täglich Brei, Brot und Gemüse, das im eigenen Boden wuchs. Gewürze kamen auf – waren aufgrund des hohen Preises aber nur der Oberschicht vorbehalten. Industriezeit Die Industrialisierung veränderte die Ernährung grundlegend: Kon- serven, Weissmehl und raffinierter Zucker wurden massentauglich und erschwinglich. Zum ersten Mal in der Geschichte mussten breite Bevölkerungsschichten nicht mehr hungern – dafür entstanden in der Folge neue Probleme wie Übergewicht und Mangelernährung durch einseitige Kost. Heute Nie zuvor standen so viele Lebensmittel zur Verfügung. Essen ist längst mehr als Nahrungsaufnahme: Es ist Haltung, Identität und soziales Signal. Überfluss und Unverträglichkeiten, Klimabewusstsein und Ernährungstrends prägen den Alltag. Foto: Wikipedia Vegan: Der vollständige Verzicht auf Produkte, die von Tieren stammen. Dazu zählen auch versteckte tie- rische Zutaten wie Gelatine oder Bienenwachs. Vegetarisch: Verzicht auf Produkte, für die ein Tier getötet werden musste. Produkte vom lebenden Tier wie Milch oder Honig konsumieren die Vegetarier aber. Laktosefrei Milchzucker wird nicht vertragen. Inzwischen gibt es eine grosse Auswahl an Produkten, die bei Laktoseintoleranz erträglich sind. Glutenfrei: Zöliakie ist eine Unver- träglichkeit gegenüber Gluten. Glu- ten ist in verschiedenen Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel enthalten. Aber auch in vielen fertigen Gerichten und Mischungen von Gewürzen. Diabetesgerecht: Eine diabetesgerechte Ernährung ist ausgewogen, ballaststoffreich, beinhaltet wenig Zucker und zielt darauf ab, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Mediterran: Herzgesunde Er- nährungsweise mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl und Fisch. Die Mittelmeerküche senkt Blut- druck und Cholesterin, wirkt ent- zündungshemmend und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Ernährungsformen im Überblick «Bauernhochzeit», von Pieter Bruegel dem Älteren, 1568.
Zenit | Juni 2026 18 Greifen ohne Schmerzen – moderne Hilfe bei Finger- und Daumengelenksarthrosen Dienstag, 18. August 2026, 10.00 bis 11.30 Uhr LUKS Sursee, Räume Rigi und Pilatus Der Eintritt ist frei. Bitte melden Sie sich auf luks.ch/goz an. Gerne laden wie Sie im Anschluss zu einem gesunden Apéro ein. Infos zum Thema: Unsere Hände sind wahre Meisterwerke – doch Arthrosen an Finger- und Daumengelenken können Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit mindern. Wir zeigen, wie moderne Therapien gezielt lindern und die Handfunktion verbessern. Öffentlicher Vortrag Gsond ond zwäg is Alter luks.ch/goz In Kooperation mit Exklusiv für Zenit-Lesende JTI lädt zur kostenlosen Führung durch die Ausstellung «Shirana Shahbazi, All at Once. An Interplay with Li Tavor» im Kunstmuseum Luzern ein. Treffpunkt: Kunstmuseum Luzern, 4. Stock des KKL Nach der Führung laden wir Sie gerne zu einem Apéro ein. Anmeldung bis 17. Juli 2026: www.lu.prosenectute.ch/Museum, Tel.: 041 226 11 93 Die Platzzahl ist beschränkt. Die Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt. Wir freuen uns auf Sie. 25. / 27.08. sowie 01. / 02.09. Jeweils zwei Führungen von 14:00–15:00 Uhr und eine Führung von 15:00–16:00 Uhr © 2026, Shirana Shahbazi Inserate Rundgänge und Info- Nachmittage. Auf einem geführten Rund- gang zeigen wir Ihnen unsere Alterszentren. Die Alters- wohnungen stellen wir Ihnen am Informationsnachmittag im Viva Luzern Eichhof vor. Daten und Informationen: vivaluzern.ch/events Im Alter zuhause. 10 Viva Luzern Inserat Rundgaenge ZENIT 89 x 121 mm.indd 1 06.07.24 14:25 Die Infostelle Demenz gibt Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit demenziellen Erkrankungen. Sie hat ihren Sitz bei der regionalen Beratungsstelle von Pro Senectute Kanton Luzern an der Maihofstrasse 76 in Luzern. Telefon 041 210 82 82, E-Mail: infostelle@alz.ch Das Telefon der Infostelle Demenz wird von qualifizierten Fachleuten bedient. Diskretion ist selbstverständlich gewährleistet. Getragen wird die Infostelle Demenz von Alzheimer Luzern und von Pro Senectute Kanton Luzern. Für ein gelingendes Leben mit Demenz
Zenit | Juni 2026 WISSEN FOKUS ✺ 19 Im 16. Jahrhundert galten Tomaten als giftig und wurden deshalb zu- nächst nur als Zierpflanze angebaut. Kulinarische Zahlen und Fakten Was wir essen und wie viel wir brauchen, wandelt sich ein Leben lang. Die folgenden vier Stationen zeigen, wie Ernährung und Lebensphasen zusammenhängen. Kindheit & Jugend Geschmäcker entdecken, Tischregeln, Familienrituale – hier entsteht, was ein Leben lang bleibt und unsere Vorlieben bis ins hohe Alter prägen kann. Erwachsenenleben Essen wird zum Alltag: Oft muss es schnell gehen, funktionieren, satt machen. Gleichzeitig gewinnt Essen als Identitätsausdruck an Bedeutung und Ernährung wird zur Haltung. Seniorenalter Der Energiebedarf sinkt – der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen bleibt gleich oder steigt sogar. Eine erhöhte Zufuhr von Proteinen wirkt dem Muskelabbau entgegen. Hunger- und Durstgefühl nehmen ab, Geruchs- und Geschmackssinn lassen mit dem Alter nach. Das Alleinleben kann die Motivation fürs Kochen senken. Das Essen verändert sich mit uns Die Lozärner Chügelipastete, auch Fritschipastete genannt, hat ihren Namen nicht wegen den Fleisch- chügeli, sondern wegen der Kugel- form der Pastete. Die Innenwand des Dünndarms ist stark gefaltet und besitzt deshalb eine Oberfläche, die so gross ist wie zwei Tennisplätze. Für die Produktion von Glückshormonen braucht der Körper Omega3-Fettsäuren, Proteine, Zink, Eisen und B-Vitamine – Nährstoffe, die im Alter oft zu kurz kommen. Weil im Alter Geruchs- und Geschmackssinn abnehmen, ist man versucht, nachzusalzen. Besser: frische Kräuter und Gewürze verwenden. Niemand isst so viel Schokolade wie wir Schweizerinnen und Schweizer: gut 10 kg pro Person und Jahr. Das Willisauer Ringli wurde von Bäcker Heinrich Maurer und seiner Frau Martha Peyer erfunden. Martha Peyer brachte ein Rezept von Schloss Heidegg mit. Heinrich Maurer verfei- nerte diese Rezeptur und gab dem Gebäck seinen Namen. Käse konsumieren Herr und Frau Schweizer durchschnittlich 23 kg pro Jahr. Fotos: Adobe Stock, Wikipedia
Zenit | Juni 2026 20 In einer Grossfamilie auf einem ärmlichen Bauernhof, in einem ein- fachen Wirtshaus und in einem Pfarrhaus mit 17 Zimmern: Drei Seniorinnen erzählen, wie damals gekocht und gegessen wurde und wie es bei Tisch zu und her gegangen ist. Essen anno dazumal TEXT UND FOTOS: ROBERT BOSSART «Wir waren arm, aber Hunger hatten wir nie.» Martha Abt, 87 Lieli «Insgesamt hatte ich 12 Geschwister. Da wir aber 22 Jahre auseinander waren, sassen nie alle am gleichen Tisch. Dennoch gab es immer viele Mäuler zu stopfen. Die Eltern hatten in Schongau ein kleines Heimetli mit ein bisschen Land. Wir waren arm, hatten aber immer genug zu essen. Eigentlich waren wir Selbstversorger – es gab das, was wir selber anbauten und was der kleine Hof hergab. Wir hatten drei Kühe und drei Ziegen, zwei bis drei Schweine, Hasen und Hühner. Wir bauten Kartoffeln an, etwas Getreide und wir hatten einige Obstbäume. Die Mutter pflegte einen grossen Garten, in dem sie unter anderem Kefen, Erbsen, Bohnen, Rüebli und Kohl anbaute. Essen nach dem Tischgebet In der Stube stand ein grosser Tisch, an dem gegessen wurde. Ich war das zweitjüngste Kind, meist waren wir ungefähr zehn Personen beim Essen. Zuerst beteten wir gemeinsam das «Vater unser», dann wurde geschöpft und gegessen. Wir Kinder durften auch reden am Tisch, mussten uns aber anständig benehmen. Es war einfach, aber sauber, wir halfen je- weils beim Auftischen, Abräumen und Abwaschen. Ich habe schöne Erinnerungen an diese Zeit, wir hatten einen guten Zusammenhalt in der
Zenit | Juni 2026 MENSCHEN FOKUS ✺ 21 «Ins Wirtshaus kamen nur wenige, niemand hatte Geld.» Rosalia Knüsel, 95, Ibenmoos «Wir führten 30 Jahre lang die Wirtschaft Ottenhausen bei Ballwil und hatten daneben einen kleinen Bauernhof. Am Anfang, Ende der Fünfzigerjahre, kam kaum jemand ins Wirtshaus essen, niemand hatte dafür das Geld. So kochte ich einfach etwas mehr, damit es für spontane Gäste auch noch reichen würde. Das war vielleicht mal ein Arbeiter oder ein Lastwagenfahrer. Später kamen vor allem am Wochenende Gäste, für die ich dann Braten, Rahmschnitzel, Kartoffelstock oder Pommes frites zubereitet habe. Nebst der Betreuung der sechs Kinder war das manchmal schon streng, aber wir wussten halt nichts anderes. Als Kind kann ich mich an den Kriegsausbruch erinnern, wie wir mit Lebensmittelmarken einkaufen gingen. Wir mussten das Essen einteilen, aber Hunger hatten wir nicht. Dass es nicht alles im Überfluss gab, hat auch schöne Seiten. So erinnere ich mich heute noch, wie es jeweils am 24. Juni, am Kirchenfest, nach frischen Erbsli und Rüebli geduftet hat. Nach vielen winterlichen Monaten ohne Frischwaren freuten wir uns, endlich wieder frisches Gemüse auf dem Teller zu haben.» Familie, auch mit der Nachbarschaft pflegten wir einen freundschaftlichen Kontakt. Wenn wir im Herbst auf dem Hof eine Sau schlachteten, hatten wir jeweils so viele Leber-, Blut- und Bratwürste, dass wir den Nachbarn etwas abgaben. Dasselbe machten diese, wenn sie ein Tier schlachteten. Diese gegenseitige Hilfsbereitschaft war etwas Schönes. Fleisch stand nicht oft auf dem Speise- plan. Das Fleisch von der herbstlichen Schlachtung musste jeweils lange rei- chen. Meine Mutter hat Braten und Voressen in Gläsern sterilisiert. Sie schaute, dass wir beim Heuen im da- rauffolgenden Sommer noch etwas davon hatten. Manchmal gab es eine Notschlachtung im Dorf, dann beka- men wir ein Aufgebot und durften zwei bis drei Pfund Fleisch abholen, das wir nach Hause nehmen konnten. Wenn es Tuberkulose-Kühe waren, mussten wir das Fleisch stundenlang auskochen. Die Mutter liess es dann durch den Fleischwolf und mischte es mit Zwiebeln und Brot. Das war fein. Viel Arbeit für alle Zu jedem Mittag- und Abendessen gab es Suppe. Jeden zweiten Tag schälten wir am Abend Kartoffeln. Dann gab es zum Frühstück Rösti mit einem Glas Ziegenmilch und alle zwei Tage Gschwellti am Mittag oder abends. Wir kauften nie Kartoffeln, es waren immer unsere eigenen, die auch für die Schweine reichen mussten. Es gab damals noch keinen Strom, darum hat meine Mutter sehr viel eingemacht, gedörrt oder sonst wie haltbar gemacht. Essen bedeutete damals generell viel Arbeit und alle, auch wir Kinder, mussten mithelfen. Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Kindheit. Etwa, wie wir abends am Ofen gesessen sind und wir nach jedem «Gegrüsst seist du, Maria» einen gedörrten Apfelschnitz bekamen. Den feinen Duft habe ich noch heute in der Nase.»
Zenit | Juni 2026 ✺FOKUS MENSCHEN 22 Therese Schmalz, 76, Hochdorf «Schon während seiner Zeit als Vikar ging ich bei Pfarrer Käppeli in den Unterricht. Später, nach seinem Wech- sel nach Littau, wo er Pfarrer wurde, wollte ich seine Pfarrköchin werden. Zu Hause meinten darauf alle, ich spin- «Pfarrköchin war mein Traumberuf.» ne. Eine junge Frau, mit 23, das sei doch nicht üblich, hiess es. Aber für mich war es ein Traumberuf. So hat das begonnen. Ich war völlig naiv, plötzlich war ich für ein grosses Haus mit 17 Zimmern verantwortlich. Aber es machte mir Spass, vor allem das Kochen. Meist waren zwischen vier und 18 Personen am Tisch. Das Haushaltsgeld war so berechnet, dass ich zwar nicht luxuriös, aber stets etwas Gutes zubereiten konnte. An Werktagen setzte sich das Menü zum Beispiel aus Salat, Rösti, Geschnetzeltem und Gemüse zusammen. Am Sonntag gab es vielleicht mal ge- fülltes Schweinsfilet mit Gemüse, Käse, Rohschinken und gebratenen Kartoffeln. Wir hatten zwei verschiedene Geschirre, eins für die Werk-, das andere für die Sonn- und Festtage. Das Essen hatte einen grossen Stellenwert und ich verwendete viel Zeit fürs Kochen. Unser Verhältnis war sehr gut, ich habe über dreissig Jahre im Pfarrhaus gelebt. Erst nach 15 Jahren waren der Pfarrer und ich per Du, das war damals üblich so. Nach seiner Pensionierung zogen wir nach Hochdorf in eine grosse Wohnung, wo ich ihm bis zu seinem Tod noch weitere zwanzig Jahre den Haus- halt führte.» Inserat Gutes tun - über das Leben hinaus Bestellen Sie jetzt den «Testament Ratgeber». Spendenkonto CH86 8080 8005 7958 7261 9 Informieren Sie sich einfach und kostenlos mit dem Testament-Rechner über Ihre Möglichkeiten. Pro Senectute Kanton Luzern · Legate und Erbschaften Heidi Stöckli · Maihofstrasse 76 · Postfach · 6002 Luzern Telefon 041 226 11 83 · heidi.stoeckli@lu.prosenectute.ch lu.prosenectute.ch/Legate Legate_Inserat_180 x121 mm.indd 2 02.06.2026 16:58:42
Zenit | Juni 2026 RATGEBER FOKUS ✺ 23 Ob allein oder in kleiner Gemeinschaft: Essen ver- dient Aufmerksamkeit. Wer selbst kocht und für sich sorgt, darf den Mahlzeiten Wertschätzung schenken. Nicht als Pflicht, sondern als freundliche Geste sich selbst und dem Moment gegenüber. Zu Tisch – auch wenn Sie allein sind Ein liebevoll gestalteter Essplatz macht keinen grossen Aufwand. Es geht dabei nicht um Perfektion, sondern um kleine Rituale, die sagen: «Jetzt ist Essenszeit. Jetzt bin ich wichtig.» Mit wenigen Handgriffen wirkt Ihr Tisch einladend. Das tut nicht nur dem Gaumen gut, sondern auch dem Wohl- befinden. Platz bewusst auswählen: Wenn möglich, essen Sie immer am gleichen Ort – nicht «rasch am Küchentisch», nicht vor dem Fernseher, nicht zwi- schen Tür und Angel. Ein fester Ess- platz gibt Struktur und Ruhe. ● Räumen Sie den Tisch kurz frei: Zeitung, Post und Handy dürfen warten. ● Wählen Sie, wenn möglich, einen Platz mit Fensterblick oder eine Ecke, die Ihnen gefällt. ● Achten Sie darauf, bequem zu sitzen, ein gutes Kissen kann viel ausmachen. Tischdecke oder -set: Eine Tisch- decke oder ein Tischset wirken wie ein Kleid für den Tisch. Innert Sekun- den verändert sich die Atmosphäre. ● Es darf auch ein abwaschbares Tisch- set sein, das reicht völlig. ● Helle Farben oder ein dezentes Mus- ter sorgen für Leichtigkeit. ● Dasselbe Set im Alltag schafft Ver- trautheit. ● Der Tisch wirkt «angezogen» – und das Essen bekommt einen Rahmen. Schönes Geschirr: Viele heben «das gute Geschirr» für Besuch auf. Dabei dürfen Sie selbst Gast sein. ● Servieren Sie das Essen auf einem Teller, statt aus dem Topf zu essen. ● Ein kleinerer Teller wirkt oft feiner und strukturierter als ein grosser. ● Ein schönes Glas – auch für Wasser – macht den Unterschied. ● Es braucht kein besonderes Service. Entscheidend ist die bewusste Wahl. Blickfang Mitte: In Restaurants fin- det sich fast immer etwas in der Tisch- mitte – als Ruhepunkt fürs Auge. ● Stellen Sie eine kleine Pflanze oder eine einzelne Blume im Glas auf ● oder ein schönes Steinchen, ein Holzobjekt, ein Teelicht oder – wenn ● Sie mögen – etwas Persönliches. ● Ein solcher Blickfang schafft Atmos- phäre und lädt zum Verweilen ein. Hübsche Serviette: Kleines Detail mit grosser Wirkung. ● Verwenden Sie eine Stoffserviette (sie muss nicht gebügelt sein) ● oder eine schöne Papierserviette. ● Sie senden ein klares Zeichen: Jetzt ist Essenszeit. Nicht nebenbei, son- dern bewusst. Licht macht Stimmung: Das Essen schmeckt nachweislich besser bei angenehmem Licht – vor allem am Abend. ● Warmes, weiches Licht wirkt beru- higend. ● Lieber eine kleine Tischlampe als grelles Deckenlicht. ● Optional: eine Kerze – aber nur, wenn Sie sich damit sicher fühlen. ● Licht verändert die Stimmung, ohne viel Aufwand. Mini-Ritual vor dem Essen: Gute Restaurants nehmen sich einen Moment – das können Sie auch. ● Kurz hinsetzen. ● Einmal tief durchatmen. ● Innerlich sagen: «Jetzt darf ich mir Zeit nehmen.» ● Dieses Ritual dauert fünf Sekunden – und verändert das Gefühl für die ganze Mahlzeit. Foto: Adobe Stock
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