38 Zenit | Juni 2026 PERSÖNLICH Brückenbauerin VON HEIDI STÖCKLI Sie verbindet Menschen. In Ruswil kennt man sie als engagierte Freiwillige, als aufmerksame Zuhörerin und als jemanden, der mit wachem Blick und warmem Herzen durchs Leben geht. «Ich mag Menschen sehr», sagt sie über sich selbst – ein schlichter Satz, der viel über ihre Lebenshaltung verrät. Wer ihr begegnet, spürt schnell: Hier ist jemand, der Nähe schafft, Vertrauen weckt und Anteil nimmt. Aufgewachsen als 13. Kind in einer grossen Familie, wurde ihr, wie sie sagt, «das soziale Gefüge in die Wiege gelegt». Früh lernte sie, sich einzufügen, zuzuhören, zu teilen und Verant- wortung zu übernehmen. Vielleicht liegt genau dort der Ursprung jener Selbstverständlichkeit, mit der sie bis heute für andere da ist. Ihr Lebensweg ist vielfältig. Sie ar- beitete als Floristin, später als SRK- Pflegehelferin, war Familienfrau, engagierte sich in der kirchlichen Seniorenarbeit und liess sich zur astrologisch-psychologischen Bera- terin ausbilden. Heute ist sie pensioniert – und doch alles andere als im Ruhestand. Im Zentrum ihres Lebens steht ihre Familie: vier Töchter, sieben Enkelkinder und zwei Jugendliche aus dem Bekanntenkreis, für die sie eben- falls eine Art Oma geworden ist. «Fami- lie ist für mich ein grosses Geschenk», sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann begleitet sie den Alltag der Nächsten mit Ruhe, Humor und grosser Präsenz. Gleichzeitig schöpft sie Kraft aus der Natur. Sie wandert, fährt Velo und Ski – und hat sich mit ihrer Freude an Kräutern eine neue Welt erschlossen. Als selbsternanntes «Chrüterwyb und Lokalperle» engagiert sie sich im EinfachLokal, das zu einem offenen Begegnungsort geworden ist. Dort sammelt und verarbeitet sie, «was Mutter Natur gedeihen lässt», zu Kräuterprodukten und saisonalen Köstlichkeiten. Das nächste Projekt heisst bezeichnenderweise «Zäme röschte-choche-ässe» – ein Angebot, das nicht nur satt machen, sondern Menschen zusammenbringen soll. «Gemeinsam statt einsam» ist für sie kein Schlagwort, sondern gelebte Haltung. Besonders sichtbar wird diese Haltung in ihrem langjährigen Engagement für Pro Senectute Kanton Luzern. Die Auf- gabe als Ortsvertreterin in Ruswil habe sich, erzählt sie, «damals einfach so ergeben». Doch aus einer Gelegenheit wurde eine Herzensaufgabe. Theres Studer besucht Menschen, hört zu, macht Mut und hilft dort weiter, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie ermuntert ältere Menschen, Hilfe anzunehmen, vermittelt zwischen Be- ratungsstelle, Angehörigen und Betrof- fenen und wird so oft zur Brückenbauerin. Gerade die kleinen Begegnungen bedeuten ihr viel: etwa wenn bei der Herbstsammlung jemand die Tür öffnet und sagt: «Ha de Kaffee scho gmacht, gäll hesch chli Zyt.» In solchen Momenten zeigt sich, was ihr Tun ausmacht: Es geht ihr nicht um Effizienz, sondern um Beziehung. «Freiwilligenarbeit erfüllt mich im Herz – nicht das Portemonnaie», sagt sie. Vielleicht ist das der Kern ihrer Lebensgeschichte: dass sie ihren Reichtum nie in Besitz gemessen hat, sondern in Begegnungen, Vertrauen und dem Gefühl, gebraucht zu wer- den. Oder, wie sie es selbst wohl am treffendsten sagen würde: Dort, wo Menschen einander Zeit schenken, entsteht das, was ein Leben wirklich reich macht. THERES STUDER, 72, findet ihr Glück in der Natur. Als selbsternanntes «Chrüterwyb» kreiert sie eigene Kräuterprodukte. Fit halten sie ihre sieben Grosskinder und ihre freiwilligen Engagements. Theres Studer wurde als Ortsvertretung Ruswil von Pro Senectute Kanton Luzern für den Prix Merci 2026 nominiert. Foto: zVg Prix Merci 2026 Jetzt für Theres Studer stimmen und die Freiwilligen- arbeit wertschätzen. www.prixmerci.ch/ abstimmung
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