Zenit | Juni 2026 REPORTAGE FOKUS ✺ 15 Knigge-Trainerin Katrin Künzle über Benimmregeln früher und heute. Ältere Menschen wissen, was Benimmregeln bei Tisch sind, Jüngere nicht mehr. Stimmt das? Viele jüngere Menschen wissen leider nicht mehr, wie man das Besteck richtig hält. Oder dass man die Serviette auf den Schoss legt. Welches Benehmen schätzen ältere Menschen rund ums Essen, was stört sie? Sie schätzen, dass man miteinander spricht. Heute ist das oft nicht mehr der Fall, weil alle auf ihr Handy schauen. Wichtig sind die grundlegenden Sachen. Ältere Menschen stört es etwa, dass junge Menschen mit rundem Rücken und der Nasenspitze im Teller am Tisch sitzen oder wenn mit vollem Mund geredet wird. Wie haben sich Verhaltensregeln bei Tisch über die Zeit verändert? Ich glaube, die Regeln sind generell weniger bekannt. Früher ass man immer in der Familie, die Regeln wurden kommuniziert und vorgelebt. Heute haben wir andere Strukturen, die Kinder essen auswärts in der Tagesstruktur, in der Kita, am Mittagstisch in der Schule, bei Nachbarn oder haben Sport- oder Musiklektionen. Am Abend sind alle müde und niemand hat noch Energie, über Manieren zu sprechen. Zudem hat die Fastfood-Kultur zu Veränderungen geführt: Man isst mit Fingern, auf der Strasse. Allgemein sitzt man wohl weniger gemeinsam am Esstisch. Welche Regeln haben sich verändert oder gelten nicht mehr? Dass zu Fisch Weisswein getrunken wird, dass man Salat nicht schneiden darf und dass der Mann im Restaurant bezahlt: Diese Regeln sind überholt, zu Recht, wie ich finde. Und es gibt auch gute Veränderungen, etwa dass man heute selbstverständlich Essensreste mit nach Hause nehmen darf oder dass Kinder am Tisch mit- reden dürfen. Schade ist einfach, dass Dinge, die andere stören, nicht mehr so bekannt sind. Auch etwas vergessen gegangen ist, dass man sich bedankt, wenn das Essen serviert wird. Bei welchen Regeln sind Sie froh, dass sie nicht mehr existieren? Dass man heute keine Zahnstocher mehr am Tisch verwendet, son- dern damit auf die Toilette geht. Und dass der Teller leer gegessen werden muss – eine schreckliche Regel! Katrin Künzle ist lizenzierte Knigge-Trainerin und Geschäftsführerin von Künzle Organisation. Künzle Organisation gibt seit mehr als 20 Jahren KniggeKurse für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Organisa- tionen. Tischmanieren? Auf jeden Fall! Männer vom Unternehmen Zürcher Landtechnik macht extra früher Mit- tag, um bei uns mit anzupacken. Die Familie Schütz, die ein Brotfenster be- treibt, hat Gutscheine gesponsert und die Familie Hodel hat uns Honig ge- schenkt. Ich glaube, der Mittagstisch ist für alle in Wikon ein grosser Gewinn und fördert den Zusammenhalt.» Hübsche Tischdekoration, feines Essen, geselliges Zusammensein – sowohl in Schötz (o.) wie in Wikon (u.) sind die Mittagstische sehr gefragt.
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