Zenit Nr. 2. Juni 2026

IM ZENIT 9 Zenit | Juni 2026 schnallen. Dank Unterstützung von Jägerkollegen konnte Art das Kollegium in Brig besuchen und dann eine Lehre als Bauzeichner absolvieren, die er mit vorzüglichen Noten abschloss. Doch Bergsteigen und Skifahren lockten stets noch mehr. Von Kindesbeinen an war er ein furchtloser Skifahrer. Das Geld für dieses Vergnügen hätte seine Familie nicht aufbringen können. Doch gemeinnützige Orga- nisationen stellten gratis Skier zur Verfügung. In den Pausen sprangen die Kinder über die selbst gebaute Schanze, am Sonntagnachmittag stapften sie zur Riederalp hoch und sausten über verschneite Hänge zurück nach Greich. Der «crazy Swiss» in Amerika Art Furrer träumte von einer Karriere als Skirennfahrer. Doch das Geld für eine professionelle Ausrüstung und Betreuung fehlte. So setzte er aufs Bergsteigen, wurde Skilehrer und Bergführer. Sein eigener, eleganter Fahrstil mit akrobatischen Einlagen sorgte für Aufsehen. Doch beim Walliser Skilehrerverband kam diese Extravaganz nicht gut an. Der Konflikt eskalierte und so verliess Art mit 22 Jahren seine Heimat, um in den USA als Skilehrer zu arbeiten – ein mutiger Schritt, der sein weiteres Leben prägte. 1959 erreichte er die White Mountains im Osten der USA mit 36 Dollar in der Tasche und ohne ein Wort Englisch. Er fühlte sich furchtbar einsam. Mit Hilfe einer Amerikanerin lernte er jeden Tag zehn neue Wörter. «Bald konnte ich mich verständigen. Am Schluss präsentierte ich ganze Abende in Englisch. Alles übers Zuhören gelernt», sagt Art Furrer stolz. Die Amerikaner liebten den Schweizer Skilehrer und seine Tricks. Schon in der zweiten Wintersaison kamen Journalisten, um den «crazy Swiss» zu fotografieren. Aus Arthur wurde Art, die Karriere nahm Fahrt auf. Es folgten Skishows, Skifilme, Werbe- verträge, TV-Auftritte vor Millionenpublikum. Die Glitzerwelt lockte – Alkohol, Drogen, Frauen – doch Art widerstand. «Die strenge katholische Erziehung im Kollegium Spiritus Sanctus wirkte nach. Sonst wäre ich in dieser verrückten Welt vielleicht abgestürzt. Und meine Frau und ich wären vielleicht nie zusammengekommen», sinniert er. «Ganz bestimmt nicht», wirft Gerlinde lachend ein, die bis jetzt zugehört hat. «Ist sie katholisch?» Ja eben, wie war das nun mit dieser attraktiven Österreicherin, die er in Amerika kennenlernte? Auch Gerlinde Furrer war eine begeisterte Skifahrerin, gar ehemalige Skirennfahrerin. Sie arbeitete in Montreal – erst in der Bäckerei ihrer Schwester, später auf einer Bank. Oft fuhr sie am Wochenende mit zwei Freundinnen zum Mount Washington. Die Frauen stapften den Berg hoch, übernachteten in einer einfachen Hütte und fuhren mit den Skiern zurück ins Tal. Irgendwann begegneten sie dabei einem charmanten Schweizer, der für Fotoaufnahmen angereist war. Bis Art und Gerlinde ein Paar wurden, dauerte es ein Jahr. Doch im Frühling 1966 fuhren sie gemeinsam nach New York und unter der Freiheitsstatue hielt Art um Gerlindes Hand an. Eine Stunde später kauften sie jene Ringe, die noch heute an ihren Fingern stecken. «Dann riefen wir unsere Mütter an», sagt Art. «Ich sagte, ich bringe eine Österreicherin mit und wir werden im Herbst heiraten. Die Mutter fragte: Bist du sicher? Und die Grossmutter fragte: Ist sie katholisch?» Noch heute können Art und Gerlinde über dieses Telefonat herzhaft lachen. Mit der Geburt von Andreas ein Jahr später begann ein neuer Lebensabschnitt. Tochter Bettina und Sohn Arthur «Art» Furrer (89) wuchs in Greich im Aletschgebiet auf. Nach einer Ausbildung als Bauzeichner wurde er Skilehrer und Bergführer. 1959 wanderte er in die USA aus, wo er als Skiakrobat bekannt wur- de. 1966 heiratete er die gebürtige Österreicherin Gerlinde. Das Paar hat eine Tochter, zwei Söhne und sechs Enkelkinder. Nach der Rückkehr in die Schweiz 1973 baute Art Furrer auf der Rieder- alp eine Hotelgruppe auf. Auftritte in der TV-Sendung «Verstehen Sie Spass?» machten ihn bekannt (im Bild posiert er 1984 für die Fernseh- sendung mit 4-Meter-Skis auf der Riederalp). 2008 übergab er seine Betriebe an Sohn Andreas, welcher die Hotels in der Coronakrise ein- stellte und später verkaufte. Heute leben Art und Gerlinde Furrer im Seniorenzentrum Naters. Wer ist Art Furrer? Foto: Wikipedia

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