Zenit Nr. 2. Juni 2026

34 Zenit | Juni 2026 Das «amm Café Med» in Luzern ist ein kostenloses Angebot für Patientinnen und Patienten und ihre Fragen. Pensionierte ÄrztInnen und medizinische Fachpersonen beraten sie in einem persönlichen Gespräch ohne Zeitdruck und unterstützen die Entscheidungsfindung. Der Mensch im Zentrum MONIKA FISCHER In unserem gut ausgebauten Gesundheitssystem ist sehr vieles möglich. Dies kann bei Patientinnen und Patienten auch Unsicherheit auslösen. Brauche ich so viele Medikamente? Ist die vor- geschlagene Operation wirklich nötig? Was geschieht, wenn ich sie verschie- be? Besonders ältere Menschen ver- stehen bei einem Arztbesuch manch- mal nicht alles und getrauen sich nicht, nachzufragen. Im Wissen um diese Unsicherheiten hat die Akademie für Menschenmedizin (amm) das niederschwellige An- gebot des Café Med aufgebaut. Das pensionierte Ärztepaar Ursula und Frank Achermann organisiert es nach Erfahrungen in Zürich seit 2018 auch in Luzern im Café Melissa’s Kitchen. Zuhören und ernst nehmen Wie immer am ersten Mittwoch des Monats haben sich die pensionierten Ärztinnen und Ärzte und weitere medizinische Fachpersonen hinten im Raum um einen grossen Holztisch versammelt. Vertreten sind neben der Allgemeinmedizin verschiedene Fach- gebiete: Gynäkologie, Diabetologie, Hormonkrankheiten, Rheumatologie, Schmerztherapie, Orthopädie, Kardio- logie, Psychiatrie und Onkologie. Wenn die Ratsuchenden ab 14.30 Uhr das Café betreten, setzen sie sich an einen freien Tisch und konsumieren, was sie möchten. Die an diesem Tag für die Triage zuständige Ursula Acher- mann begrüsst sie, erklärt die Rahmen- bedingungen der Gespräche und fragt, in welchem Bereich eine Beratung gewünscht wird. Sie kommt zurück an den grossen Tisch und gibt das An- liegen an die entsprechende Fachperson weiter. Diese setzt sich zum Gast an den Tisch und kommt mit ihm ins Gespräch. Die pensionierten Ärzte und Ärztin- nen sind auf dem aktuellen schulmedi- zinischen Level. Doch vor allem geht es darum, zuzuhören und den Men- schen in seiner Unsicherheit ernst zu nehmen, Verständnis zu haben für seine Fragen und Zweifel, ihn in seinen Entscheiden zu unterstützen und zu bestärken. Sie wissen, dass der Praxis- alltag heute oft zielgerichtet und von Computer-Algorithmen geführt ver- läuft. Im Mittelpunkt des Praxisalltags steht häufig die Krankheit und nicht der ganze Mensch. Die Erfahrung zeigt, dass die Leute keine Hemmungen haben, im Café über ihre Anliegen zu reden. Sie freuen sich, dass die Fachperson sich die Zeit nimmt, die sie brauchen, seien Jeden ersten Mitt- wochnachmittag im Monat bieten pensionierte Ärztinnen und Ärzte auf Initiative von Frank Achermann (3.v.r.) und Ursula Achermann (2.v.l.) im «amm Café Med» in Melissa’s Kitchen unentgelt- liche Beratungen an. Foto: zVg

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