Zenit | Juni 2026 REPORTAGE FOKUS ✺ 13 «Einige gehen nach dem Essen noch miteinander spazieren oder treffen sich auf einen Jass.» Trudi Roth, selbst schon 83 Jahre alt, hilft auch als Freiwillige mit und leistet ab und zu einen Fahrdienst. Heute hat sie Ursi Haas chauffiert. «Ich stehe finanziell nicht so gut da, deshalb bin ich froh über dieses Angebot», sagt sie. «Und dann kommt mich auch noch ein lieber Mensch abholen – was will ich mehr?» Trudi Roth schmunzelt. «Als Freiwillige durfte ich in den letz- ten Jahren viel Wertvolles erleben.» Und fügt an: «Zäme Zmettag belebt das Dorf, bringt Menschen zusammen. Wir sind wie eine Familie.» Privat unter Freunden Eine ganz andere Möglichkeit, regelmässig gemeinsam zu essen, haben drei frisch pensionierte Paare auf privater Basis in Willisau gefun- den: Jeden Monat treffen sie sich ab- wechselnd bei einem Paar zu Hause und bekochen sich gegenseitig. «Ent- standen ist die Idee, weil wir uns etwas häufiger treffen wollten», sagt Luzia Marti. Nun, da alle im Ruhestand seien, könnten sie ihre Beziehungen etwas intensiver pflegen. Allerdings haben die drei Paare fixe Regeln definiert. Wer kocht, bereitet ein einfaches, regionales und saisonales Gericht zu. «Das ist uns wichtig, wir möch- ten nicht, dass wir uns gegenseitig mit ausgefallenen Menüs übertrumpfen», sagt Luzia Marti. Das Soziale steht im Zentrum Es soll liebevoll gedeckt sein, gerne auch ein Kerzchen, aber einfach. So wird etwa auch kein Wein aufgetischt und das Treffen ist zeitlich limitiert – von halb zwölf bis 14 Uhr. Warum diese Einschränkungen? «Es geht darum, dass wir regelmässig Zeit miteinander verbringen. Das Soziale soll im Zentrum stehen. Wir freuen uns jeweils sehr aufeinander, hören dekoration ist mit Liebe und Herzblut gemacht», sagt Heidi Glanzmann und zeigt auf die kleinen Holzskulpturen in der Mitte des Tisches. Auch junge Familien mit dabei Der Salat wird serviert, danach gibt es Spaghetti mit Tomatensauce, dazu panierter Fleischkäse mit Spargel. Später bekommen die Gäste zum Kaffee noch ein Tiramisù. «Das Essen ist immer fein», sagt die 12-jährige Alessia. Ihre Schwester, die 10-jährige Julia, nickt. «Man darf so viel essen, wie man will, und es gibt immer ein Dessert.» Sandra Schönbächler ist mit ihren Kindern schon ein paar Mal hier gewesen. «Dann muss ich mal nicht selbst kochen, zudem ergeben sich immer wieder gute Gespräche mit anderen Menschen aus dem Dorf.» «Die Atmosphäre ist fantastisch, wir haben es immer lustig miteinander und das Essen ist jedes Mal eine positive Überraschung.» Seit fünf Jahren findet «Zäme Zmettag» jeden Mittwoch statt. Ins Leben gerufen hat dieses soziale Projekt eine Gruppe Freiwilliger rund um Margrit Kottmann. Heute hat das Team etwa 25 ehrenamtlich Mitwirkende. Die Nachfrage ist gross, der Saal jede Woche gut gefüllt. «Viele alleinste- hende, verwitwete Menschen schät- zen das Angebot und kommen jeden Mittwoch», sagt Lydia Roos. Ein wichtiger Punkt ist auch der Preis: Mit 10 Franken ist es auch für Menschen mit kleinen Budgets erschwinglich. «Für einige Personen bedeutet der Mittwoch einen Anker in ihrem All- tag», sagt die Freiwillige Selina Wilder. VON ROBERT BOSSART In Schötz ist bereits eine Stunde vor dem Essen ein Grüppchen Seniorinnen und Senioren vor dem Pfarreizentrum eifrig am Plaudern und Diskutieren. Heute findet der wöchentliche «Zäme Zmettag Schötz» statt. In der Küche des Pfarreizentrums stehen fünf Frauen und bereiten das Mittagessen zu. Eine davon ist Lydia Roos. Die 74-Jährige kocht fast je- den Mittwoch für den Mittagstisch. Weil es ihr Spass mache, versichert sie. «Wir beginnen um halb neun Uhr morgens, um 12 Uhr muss alles parat sein, wenn zwischen 40 und 50 Per- sonen in den Saal des Pfarreizentrums strömen und sich auf das gemeinsame Mittagessen freuen. Feines Essen, geselliges Zusammensein «Freuen» ist ein passendes Stichwort. «Die Atmosphäre ist fantastisch, wir haben es immer lustig miteinander und das Essen ist jedes Mal eine positive Überraschung», sagt Cecile Tschuppert. Die 79-Jährige sitzt zusammen mit fünf weiteren Frauen an einem Tisch, an dem es recht fröhlich und lebhaft zu und her geht. «Wenn man zum Kafi noch einen Gügs möchte, gibt’s den auch noch», fügt sie an und alle lachen in der Runde. Heidi Glanzmann erzählt, dass sie sich jeden Mittwoch hier treffen. «Wir kennen einander von früher.» Neben ihr sitzt Elisabeth Bättig aus Zell und nickt. «Ich lebe allein in einer Woh- nung und esse sonst meist allein. Als ich gefragt wurde, ob ich hier dabei sein will, habe ich sofort Ja gesagt», erzählt die 77-Jährige. Es mache ein- fach Spass, am Mittwoch dabei zu sein. Rundum zustimmendes Geraune. «Wir unterhalten uns prächtig, das Essen ist sensationell und die Tisch-
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