Zenit Nr. 3. September 2026

BENEDIKT WEIBEL, FRÜHERER SBB-CHEF über Höhen und Tiefen im Berufsleben, seine Familie und seine drei Grundsätze fürs Alter FLIEGENDE GESCHICHTEN Bringt Literatur zu älteren Menschen und verleiht Geschichten eine Stimme DAS MAGAZIN FÜR EINE AKTIVE LEBENSGESTALTUNG Ausgabe 3 | September 2026 FOKUS «Wie auf Schienen»

Grand Casino Luzern | Haldenstrasse 6 | 6006 Luzern | grandcasinoluzern.ch Luzerns Logenplatz für Geniesser Exquisite Gaumenfreude und imposante Aussicht auf den Vierwaldstättersee. Fine Dining mit 16 GaultMillau-Punkten Mediterraner Hochgenuss

3 Zenit | September 2026 INHALT Schienen – die Weichen des Lebens «Manche Dinge laufen wie auf Schienen. Der vertraute Morgenkaffee, der Spaziergang durchs Quartier oder der wöchentliche Besuch bei den Enkeln. Solche Ge- wohnheiten schaffen Verlässlichkeit und geben unse- rem Alltag Halt, Orientierung und Sicherheit. Doch das Leben verläuft nicht immer gradlinig. Neue Lebensphasen, unerwartete Ereignisse oder persönliche Entscheidungen können dazu führen, dass wir die Weichen neu stellen müssen. Manchmal verlassen wir bekannte Wege, entdecken neue Perspektiven, wagen einen Neuanfang. Gerade darin liegt auch eine Chance: offen zu bleiben für Veränderungen und den eigenen Lebensweg immer wieder bewusst zu gestalten. In dieser zenit-Ausgabe begegnen Ihnen Schienen in vielerlei Form. Sie erfahren, wie die Eisenbahn die Schweiz geprägt hat, entdecken überraschende Zah- len und Fakten rund um die Bahnwelt und lernen Men- schen kennen, deren Lebenswege eng mit den Schie- nen verbunden sind. Gleichzeitig werfen wir einen Blick darauf, wie Mobilität unser Leben prägt. Schienen stehen nicht nur für Züge und Bahnhöfe. Sie sind auch Sinnbild für Wege, die wir im Leben einschla- gen, für Routinen, die uns tragen, und für Weichenstellungen, die uns voranbringen. Wir wünschen Ihnen viele bereichernde Momente auf Ihren eigenen «Schienenwegen». IMPRESSUM Herausgeberin Pro Senectute Kanton Luzern Maihofstrasse 76 6006 Luzern 041 226 11 93 Redaktion Esther Peter (Leitung) Robert Bossart Astrid Bossert Meier Heidi Stöckli (publizistische Leitung) Titelbild: Raphael Hünerfauth Nächste Ausgabe: November 2026 Layout/Produktion Media Station GmbH Inserateannahme kommunikation@lu.prosenec- tute.ch Ressourcenschonend gedruckt von Vogt-Schild Druck AG Gutenbergstrasse 1 4552 Derendingen Erscheinungsweise Vierteljährlich Auflage 66 954 Exemplare Abonnemente Für Spendende, Kursbesuchende und Mitglieder des Gönnervereins Pro Senectute Kanton Luzern im Jahres- beitrag inbegriffen Ruedi Fahrni, Geschäftsleiter Pro Senectute Kanton Luzern HERZLICH WILLKOMMEN! Mit dieser «zenit»-Ausgabe erhalten Neupensionierte zum ersten Mal das Magazin von Pro Senectute Kanton Luzern. Falls Sie kein gedrucktes Exemplar möchten, können Sie es mit einem Anruf oder einem Mail abbestellen. Vielleicht ist dann unser monatlicher News- letter etwas für Sie? ✺ ❉ ❉ 04 KURZ UND GUT Inspirationen für den Alltag 06 IM ZENIT Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-Chef FOKUS WIE AUF SCHIENEN 12 ZAHLEN UND FAKTEN Wissenswertes über die Eisenbahn 15 REPORTAGE Fahrt im Gotthard Panorama Express 18 RATGEBER Stressfrei reisen mit den öffent- lichen Verkehrsmitteln 22 ZU BESUCH «Sonnenhügel»: Haus der Gast- freundschaft 24 MENSCHEN Fünf Eisenbahnfans erzählen 28 ZEITREISE Hertenstein – Ort voller Geschichte 30 SICHERHEIT Falsche Handwerker unterwegs 30 FÜR DEN KOPF Buchstabensalat und Sudoku 31 GESUNDHEIT Brustkrebs früh erkennen PRO SENECTUTE KANTON LUZERN 32 FLIEGENDE GESCHICHTEN Bringt Literatur zu älteren Menschen und schafft Raum für Gespräche 34 AGENDA Fit bleiben und Neues entdecken 37 HERBSTSAMMLUNG Spenden für die Altersarbeit 38 PERSÖNLICH Matthias Spitz, pflegender Angehöriger 39 GUT ZU WISSEN Adressen von Pro Senectute

4 Zenit | September 2026 Der Stiftungsrat von Pro Senectute Kanton Luzern hat Simon Gerber zum neuen Geschäftsleiter ernannt. Er tritt am 1. März 2027 die Nachfolge von Ruedi Fahrni an, wel- cher nach 10 Jahren bei Pro Senectute in die ordentliche Pension geht. Simon Gerber leitet seit 2019 mit dem Bereich Sozialberatung den grössten Fachbereich der Organisation. Gleich- zeitig wirkt er als stellvertretender Geschäftsleiter von Pro Senectute Kanton Luzern. «Wir freuen uns sehr, mit Simon Gerber eine überzeugende und professionelle Führungspersönlichkeit als Nachfolger von Ruedi Fahrni ernennen zu können», sagt Markus Schmid, Stiftungsratspräsident ad interim, zur Ernennung. Simon Gerber Neuer Geschäftsleiter Rezept Pastinaken-Apfel-Suppe Rezept für 2 Personen Zutaten ● 1 Zwiebel ● 250 g Pastinaken ● 150 g Äpfel (z. B. Boskoop) Zwiebeln und Pastinaken schälen, Zwiebeln in Streifen, Pastinaken in Scheiben schneiden. Äpfel vierteln, ent- kernen, in Scheiben schneiden. ● ½ EL Butter ● 1 EL Zitronensaft Butter in einer Pfanne warm werden lassen. Zwiebeln, Pastinaken und Äpfel beigeben, ca. 5 Min. andämpfen. Zitronensaft daruntermischen. ● 0,75 l Gemüsebouillon ● Salz, Pfeffer, nach Bedarf ● 100 g Crème fraîche mit Kräutern Bouillon dazugiessen, aufkochen. Hitze reduzieren, Suppe zugedeckt ca. 10 Minuten weich köcheln. Suppe würzen, vor dem Servieren mit Crème fraîche garnieren. Tipp: Statt Pastinaken Sellerie verwenden. Fotos: Adobe Stock, zVg Forum Luzern60plus Zum Tag der älteren Menschen Immer häufiger werden Generationen gegeneinander aus- gespielt. Gegen diesen Trend will das städtische Forum Luzern60plus mit einer Ver- anstaltung unter dem Titel «74 und 42 – ein Generationen- dialog» einen Kontrapunkt set- zen: miteinander statt gegen- einander. Zwei Menschen aus unterschiedlichen Generationen, mit unterschiedlichem Hinter- grund und mit verschiedenen Geschlechtern treten in einen Dialog und erläutern aus persönlichen Erfahrungen ihr Bild vom Alter und vom Älterwerden. Darüber reden unter der Leitung von Barbara Stöckli die Germanistin, Dozentin und Publizistin Kaltërina Latifi (42) und Ruedi Meier (74), Historiker und ehemaliger Sozialdirektor der Stadt Luzern (Bild). ● Datum: Donnerstag, 1. Oktober, 18 Uhr ● Ort: Lukassaal Luzern (Eingang beim Vögeligärtli) ● Eintritt: frei

Zenit | September 2026 5 KURZ UND GUT Melodischer Konzertabend Am Mittwoch, 21. Oktober, findet im Maihof ein einzigartiges Konzert mit I Quattro, Maja Brunner, Bernarda und den TrioColores statt. Die hochkarätigen Sängerinnen, Sänger und Perkussionisten präsentieren bekannte Klassiker aus Oper, Pop und Schlager sowie rhythmischen Kompositionen. In diesem aussergewöhnlichen Programm lassen sie musikalische Gegensätze lebendig werden und eröffnen dem Publikum sinnliche, tiefe Einblick in die Seele der Musik. Der Reinerlös aus diesem Konzert kommt dem Verein Alzheimer Luzern zugute. ● Ort: Maihof Luzern ● Zeit: 19 bis 21.15 Uhr ● Tickets: ab CHF 38.75, er- hältlich unter www.spotlightentertainment.ch Buchtipps «Damenprogramm» und «Damentour» Die beiden letzten von insge- samt acht Büchern der Schrift- stellerin Theres Roth-Hunkeler (Bild) handeln von sieben ganz unterschiedlichen Frauen zwischen 60 und 70 Jahren. In ihrem Alltag und in einer Auszeit setzen sie sich zwischen Aufatmen und Bedauern ehrlich und ungeschönt mit dem Älterwerden und Alter auseinander. Damit, was es für sie persönlich und im gesellschaftlichen Umfeld bedeutet. «Unser Leben ist nicht vorbei, auch wenn wir nicht mehr mit Pfirsichhaut und straffen Körpern aufwarten können. Wir brauchen neue Pläne, neue Zuversicht und so etwas wie Neugier auf die Zukunft», heisst es unter anderem. ● Damenprogramm, Verlag edition bücherlese GmbH, ISBN 978-3-906907-79-6 ● Damentour, Verlag edition bücherlese GmbH, ISBN 978-3-03981-017-8 © Ayse Yavas Entdeckungstour in der Westschweiz Kultur, Landschaft und Geschichte – der sowohl urbane als auch ländliche Kanton Neuenburg lädt zu allerhand Ausflügen ein. Die Kulturferien beginnen mit einer Führung zur Belle Époque, bei welcher in die Geschichte und den Charme der Stadt Neuenburg eingetaucht wird. Ein Besuch im wohl bekanntesten Museum zur Urgeschichte der Schweiz, dem «Laténium» mit seinem Archäologiepark, darf ebenfalls nicht fehlen. Ein weiterer Ausflug führt die Teilnehmenden in den Neuenburger Jura, bei welchem in die unterirdischen Mühlen von Col des Roches hinabgestiegen wird. Mit Le Landeron lernt die Reisegruppe ein typisches mittel- alterliches Westschweizer Städtchen kennen und in Valangin im Val de Ruz gibt es ein grossartiges Schloss zu entdecken. Ein Besuch im «Centre Dürrenmatt» bringt zum Abschluss die Moderne wieder. In der Freizeit bleibt Zeit, durch die Stadt Neuenburg zu flanie en, auf dem Hausberg Chaumont oder durch Le Locle zu spazieren. Kulturferien Neuenburg ● Datum: 26. Oktober bis 30. Oktober 2026 ● Anmeldung: www.lu.prosenectute.ch/Ferien oder QR-Code ● Informationen: Tel. 041 226 11 52 © Reto Duriet

6 Zenit | September 2026 IM ZENIT Die Eisenbahn prägte nicht nur Benedikt Weibels Berufsleben, sondern auch den Familienalltag: «Meine Agenda war von Beginn weg fremdbestimmt.»

7 IM ZENIT Zenit | September 2026 VON ROBERT BOSSART Wenn einer reden kann, dann er. Blitzgescheit, selbstbewusst, begeistert von dem, was er tut. Selbstverständlich kommt der 79-Jährige für das Gespräch von Bern nach Luzern. Klar auch, dass er sich Zeit nimmt und ihm keine Frage zu viel wird. In der Schweiz ist er bis heute vor allem als SBB-Chef bekannt: Von 1993 bis 2006 führte er die Bahn durch tiefe Krisen und mit der Bahn 2000 schliesslich in ein neues Zeitalter. Danach, mit rund 60, begann er eine zweite Karriere als Unternehmer und war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der österreichischen Westbahn oder amtete als Delegierter des Bundesrats für die Fussball-EM 2008 in der Schweiz. Wie schafft man das, was für ein Mensch muss man sein, damit das alles gelingt? «Was mich im Wesentlichen ausmacht, ist Energie und Begeisterungsfähigkeit», sagt Benedikt Weibel. Dazu nennt er «Konstanten» in seinem Leben: Bücher, Berge, seine Frau und die Eisenbahn. Bevor er ansetzen kann, sein Lieblingsthema – die Bahn – zu vertiefen, bleiben wir kurz beim Privaten. Zurzeit beschäftigten sich er und seine Frau intensiv mit ihren Grosskindern, sagt er. «Mit aller Euphorie und allen Tränen», gibt er zu. Offenbar hat er obgenannte Eigenschaften auf seine Nachkommen übertragen: Ein Enkel betreibt Sechskampf und der sportbegeisterte Grossvater unterstützt diesen nach Kräften. Bereits sein Sohn war Schweizer Meister im Zehnkampf. «Ich reiste damals mit ihm durch halb Europa und war praktisch bei jedem Wettkampf mit dabei», sagt Benedikt Weibel. Fragt man ihn nach seinen Kindern, rückt sogleich der Sport ins Zentrum. Regelmässig hätten sie mit der Familie Wanderungen von einer Hütte zur anderen unternommen, jedes Jahr ein bisschen weiter und länger. Auch ginn weg fremdbestimmt – um sechs Uhr abends zu Hause zu sein, war meist nicht möglich.» Das habe die Familie geprägt. Später, als Generalsekretär und dann als SBB-Chef, wurde die zeitliche Belastung noch grösser. An manchen Abenden und oft auch an den Wochenenden folgte er Einladungen der Gewerkschaften mit ihren unzähligen Untergruppen und Sektionen. «Ich hatte stets den Grundsatz, dass ich solchen Einladungen Folge leistete.» Einmal, nach einer «struben» Woche, wollte er absagen. «Da sagte mir meine Frau, dass ich gehen müsse, das sei ich den Leuten schuldig. Das zeigt, dass meine ganze Familie die SBB gelebt hat. Ohne diese Unterstützung hätte ich das nicht geschafft.» Viel negative Berichterstattung Übel genommen hätten ihm die Kinder dieses grosse Engagement nicht, im Gegenteil. «Wenn am Sonntag ein Journalist anrief, dann haben die Kinder abgenommen und gefragt, worum es gehe.» 1993, als er SBB-Chef wurde, rückte er vermehrt ins mediale Rampenlicht. Benedikt Weibel hat kürzlich sein Archiv geordnet und stiess dabei auf sieben Ordner voller Medienartikel. «Ich wurde sehr bekannt, allerdings vorwiegend wegen negativer Berichterstattung», sagt er. 14 Kakteen gegenüber 9 Rosen hat er zum Beispiel von Er hat als SBB-Chef die schlimmste Unfallserie der Schweizer Eisenbahn erlebt und sie mit der Bahn 2000 in ein neues Zeit- alter gebracht. Zudem ist Benedikt Weibel Bergsteiger, Manager, Autor, Verwaltungsrat, Professor. Aber was macht ihn als Mensch aus, wer ist er eigentlich? Ein Annäherungsversuch. Der Unerschütterliche Fotos: Raphael Hünerfauth «Wir hatten ein intensives Familienleben, in dem Sport eine grosse Rolle spielte.» Velotouren standen auf dem Programm, einmal fast bis nach Paris. «Wir hatten ein intensives Familien- leben, bei dem der Sport eine grosse Rolle spielte», fasst Benedikt Weibel zusammen. Was sein Privatleben am meisten beeinflusste, war aber die Eisenbahn. Von Anfang an. An seinem ersten Arbeitstag 1978 kam seine Frau Verena mit dem ersten Kind vom Spital nach Hause. «Meine Agenda war von Be-

8 Zenit | September 2026 «Die zwei Jahre bis zur Fertigstellung der Bahn 2000 waren die grösste Herausforderung meines beruflichen Lebens. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut funktioniert.» die Energie gegeben, all das anzupacken, was später kam. «Für mich ist es das grösste Glück, dass ich in den Sechzigerjahren jung war, es war wohl das sorgloseste Jahrzehnt der Geschichte.» Das Lebensgefühl, die Stones, die Beatles – all das habe er intender «Schweizer Illustrierten» erhalten. Die erste Zeit als SBB-Chef war denn auch von Negativereignissen geprägt. Das Zugunglück in Däniken, die Benzinzug-Explosion in Affoltern und der Chemieunfall in Lausanne erschütterten die Öffentlichkeit Mitte der Neunzigerjahre. «Unzählige Familien, die alles verloren haben, neun Menschen, die starben – es war unglaublich.» Dann kam die finanzielle Schieflage. Benedikt Weibel erinnert sich, wie er an einem Samstagmorgen mit seiner Frau im Hotel Schweizerhof in Bern frühstückte und danach ins Büro ging, um die vergangene Woche auf- und die kommende vorzubereiten. «An die- sem Samstag im Jahre 1996 wusste ich, dass ich zwei Möglichkeiten habe: depressiv werden oder etwas machen.» Widerstand und Demonstrationen Ersteres stand für ihn ausser Frage, darum habe er das Verrückteste gemacht, was er je im Leben gewagt habe: Er, der Sozialdemokrat, kürzte die Löhne. Der Widerstand war heftig, es kam zu einer grossen Demonstration gegen das Vorhaben. Er, der stets nahe bei den Leuten war, ihnen zuhörte und mit ihnen diskutierte, schaffte dennoch das Unmög- liche. «Irgendwie haben die Leute mir geglaubt, dass dies nötig ist.» Inzwischen ist Benedikt Weibel überzeugt: «Hätten wir das damals nicht gemacht, gäbe es die SBB heute nicht mehr in dieser Form.» Es folgte das Projekt Bahn 2000, und der SBB-Chef ging als derjenige in die Geschichte ein, der die Schweizer Eisenbahn von einer schwerfälligen, defizitären Institution zu einem effi- zienten und marktnahen Unternehmen transformiert hat. «Die Bahn 2000 war eine enorme Herausforderung. Die zwei Jahre bis zur Fertigstellung waren die schönsten Jahre meines beruflichen Lebens. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut funktioniert.» Dabei sah es am Anfang nicht nach einer solchen Bilderbuchkarriere aus. Einigermassen behütet aufgewachsen, landete Benedikt Weibel an der Kantonsschule Solothurn, einer «Riesenfabrik», wie er sie nennt. «Möglich, dass man mir heute ein ADHS andichten würde, aber damals war ich einfach ein Querschläger.» Bis die Schule bei den Eltern anrief und ihnen nahelegte, ihren Sohn von der Schule zu nehmen. «Sonst hätten die mich rausgeschmissen», erinnert er sich. Es folgten vier Wochen «Straflager» bei einem Bauern, wo er sechs Tage die Woche von früh bis spät arbeiten musste. Mit erstaunlichem Effekt: «Das hat mir sehr gutgetan, ich kam wieder auf die Spur.» Danach besuchte er die Bezirksschule in Grenchen und war mit 14 erstmals weg von zu Hause. Er wurde, weil er das Wurzelzeichen nicht kannte, vom Lehrer blossgestellt. «Darauf solidarisierte sich die Klasse mit mir und ich hatte eine wunderbare Zeit.» Schliesslich ging er zurück an die Kantonsschule, dann kamen das Studium und der Berufseinstieg. Eine wichtige Rolle im Leben von Benedikt Weibel spielt die 68er-Bewegung. Wie passt das zum erfolgreichen Manager, der er wurde? Sehr gut, findet dieser, die Bewegung habe ihm

IM ZENIT 9 Zenit | September 2026 Benedikt Weibel blickt gern auf die Sechzigerjahre und das damalige Lebensgefühl zu- rück: «Es war wohl das sorgloseste Jahrzehnt der Geschichte.» Natürlich trug auch er lange Haare, bewegte sich auf der anarchistischen Linie und wohnte in einer linken WG. «Das alles hat mich politisiert und ich lernte, frei zu denken», so Benedikt Weibel. Er bezeichnet sich selbst als undogmatischen Freigeist, der sich zum faktenorientierten, zuweilen skeptischen Empiriker gewandelt hat. Bücher und Bergsteigen: Daran kommt man nicht vorbei, wenn es darum geht, Benedikt Weibel kennenzulernen. Er schreibt Bücher, macht Lesungen, siv miterlebt. Gleichzeitig packte Benedikt Weibel eine regelrechte Lesewut. «Hermann Hesse, Bertolt Brecht, Franz Kafka – alles habe ich aufgesogen. Wir haben gegen Autoritäten aufbegehrt und ein grosses Freiheitsgefühl hat sich breit gemacht.»

10 Zenit | September 2026 100 Jahre Frieden im Tal Weitere Informationen Ausstellung «100 JAHRE FRIEDEN IM TAL» www.friedenimtal.ch Stiftung Luzerner Feuerbestattung www.stlf.ch Kremationsverein Luzern www.kremationsverein.ch Die Stiftung Luzerner Feuerbestattung und der Kremationsverein Luzern feiern 2026 gemeinsam ihr 100-jähriges Bestehen. Der Kremationsverein Luzern begeht den Gründungstag am 19. Oktober 2026 im Museum Hans Erni in Luzern. Der Friedhof Friedental wurde 1885 als Antwort auf die überfüllten Luzerner Kirchfriedhöfe eröffnet. Seit 1926 ergänzt das Krematorium die Anlage. Heute ist das Friedental ein offener Ort für Menschen aller Religionen und gesellschaftlicher Hintergründe. Der Kremationsverein Luzern wurde ebenfalls 1926 gegründet und hat den Wandel der Bestattungskultur in der Zentralschweiz durch die Förderung der Krema- tion entscheidend mitgeprägt. Stiftung Luzerner Feuerbestattung Die Feuerbestattung verbreitete sich in Europa seit dem späten 19. Jahrhundert. In Luzern formierte sich 1902 ein Initiativkomitee, 1905 entstand der Feuerbestattungsverein, aus dem 1918 eine Genossenschaft und 2014 die heutige Stiftung Luzerner Feuerbestattung hervorging. Kremationsverein Luzern 1926 wurde die «Vereinigung zur Ermöglichung der Feuerbestattung» gegründet, seit 1937 als Kremationsverein Luzern bekannt. Mit einem Beitritt in den Kremationsverein können Mitglieder ihre Nachsorge bereits zu Lebzeiten selbstbestimmt und kostengünstig regeln (siehe Inserat Seite 37). Ausstellung «100 JAHRE FRIEDEN IM TAL» Vom 30. April bis Mitte November 2026 lädt die Ausstellung «100 JAHRE FRIEDEN IM TAL» im alten Krematorium sowie an Vermittlungsorten auf dem Friedhofgelände zu einem Rundgang durch Geschichte und Gegenwart der Feuerbestattung ein (freier Eintritt). Die Ausstellung entstand im Auftrag der Stiftung Luzerner Feuerbestattung und der Stadt Luzern und wurde durch die Agentur Büro für Geschichte, Kultur und Zeitgeschehen GmbH, Luzern realisiert. Sie basiert auf historischen Recherchen, Interviews sowie dem Austausch mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Foto: zVg PUBLIREPORTAGE

Zenit | September 2026 IM ZENIT 11 überhängend, so blieb ich unverletzt.» Das fasziniere ihn übrigens beim Bergsteigen, ergänzt er: der kurze Moment zwischen Panik und totaler Konzentration. «Das sind Schlüsselmomente. Diese Erlebnisse prägten mich und haben mir auch in meinem Beruf geholfen.» Altern mit Konzept Bald wird er 80 Jahre alt. Noch immer ist er viel auf Achse, schreibt Bücher und hält Vorträge. Wehrt er sich mit Händen und Füssen gegen das Älterwerden? Nein, meint er, vielmehr setze er sich intensiv mit dem Altern auseinander. Aber auch das packt er strukturiert an, spricht von selektionieren, optimieren und kompensieren. Und fügt an, dass er versuche, emotionslos zu analysieren, was mit ihm passiere. Mit dem Klettern hat er zum Beispiel vor sechs Jahren aufgehört und auf Wanderungen umgestellt. Auch im Alter ist Benedikt Weibel einer, der einen Plan hat, ordnet, analysiert und darum drei Grundsätze definiert hat: «Das Wichtigste ist erstens, neugierig zu bleiben, und zweitens, nicht aufhören zu lernen. Der dritte Punkt ist Rhythmus, für mich bedeutet das heute ein Ausgleich zwischen Stress, Herausforderung und Erholung.» Dazu gehören täglich 10 000 Schritte und Muskeltraining, aber auch der Apéro mit seiner Frau bei einem Bier. Alkoholfrei, versteht sich. Über Gefühle, das zeigt sich, je länger das Gespräch dauert, spricht Benedikt Weibel nicht so gerne. Überhaupt sei Glück ja nur ein kurzlebiges Gefühl, das nur wenige Sekunden andauere, meint er. «Aber zufrieden, das bin ich.» Manchmal sogar noch etwas mehr, wie er dann doch noch verrät. Als sein Enkel Xeno ihm nach einer langen Wanderung im Diemtigtal sagte: «Ätti, ig ha di mega gärn», habe es ihn schon gerührt. Und fügt stolz an: «Auch bei den SBB gab es einige, die mich so nannten.» Benedikt Weibel (79) wuchs in Solothurn auf. Sein Vater war Buchdrucker und später techni- scher Direktor eines Druck- und Verlagsunternehmens. Weibel studierte an der Universität Bern Betriebswirtschaft, wo er 1977 pro- movierte. 1978 begann er seine Karriere bei den SBB als Sekretär des Präsidenten der Generaldirektion. 1993 ernannte ihn der Bun- desrat zum Chef der SBB. 2006, nach 14 Jahren, trat er als CEO zurück. Ein zentrales Projekt, das er verantwortete, war die Bahn 2000. Benedikt Weibel war bis 2008 Ver- waltungsrat bei der französischen Staatsbahn und von 2009 bis 2022 Aufsichtsratsvorsitzender des österreichischen privaten Bahnprojekts Westbahn. Zudem war er Euro-2008-Delegierter. Nach der SBB-Zeit war Weibel Professor für «Praktisches Mana- gement» an der Universität Bern. Ausserdem ist er Autor zahlreicher Sachbücher. Benedikt Weibel ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Wer ist Benedikt Weibel auch in Alterszentren. «Ich liebe Bücher, weil man sich die Bilder, an-ders als bei Filmen, selbst machen muss. Das ist anregend und inspirierend.» Waghalsige Klettertouren Auf der anderen Seite ist er von Jugend auf fasziniert vom Bergsteigen. Mit 17 Jahren hat er mit 100 Franken im Hosensack Autostopp gemacht und meisterte im Bergell mit der Nordostwand des Piz Badile eine der schwierigsten Nordwände der Alpen. «Das war waghalsig, ja. Aber das wollte ich auch sein. Das kann man nicht erklären, es ist wohl ein Virus.» Später wurde er Berg- führer, führte über viele Jahre zahllose schwierige Touren durch. Während der SBB-Zeit ging er, wenn es die Agenda erlaubte, einmal pro Woche mit seiner Frau auf eine kleine Klettertour im Jura, um im Sommer bereit zu sein für grössere Herausforderungen. Das alles tönt nach einem, der einfach unerschütterlich ist, nach einem, der nie aus der Spur kommt. Benedikt Weibel schüttelt den Kopf. Nein, er sei nie entgleist, versichert er. «Ich konnte auch während der schwierigsten Phasen immer schlafen. Geholfen hat mir zudem mein kurzer Powernap über Mittag.» Dann, nach kurzem Überlegen, doch noch etwas, das ihn erschüttert hat. Die Scheidung seiner ersten Ehe in jungen Jahren. «Das hat mich damals extrem belastet und war eine schwierige Zeit.» Aber Benedikt Weibel wäre nicht der, der er ist, wenn er nicht daraus gelernt hätte. «Meine Erkenntnis daraus war: nie mehr so etwas erleben.» Glück als Wegbegleiter Bald wird er den 50. Hochzeitstag mit Verena feiern. Er habe so viel Glück gehabt im Leben, dafür sei er dankbar. «Beim Klettern hatte ich unzählige Male einen Schutzengel.» Einmal, so erinnert er sich, sei er 30 Meter tief gefallen, bis ihn das Seil aufgefangen habe. «Zum Glück war die Wand

Zenit | September 2026 12 Die Eisenbahn – eine Erfindung, die die Welt veränderte Foto: Adobe Stock, zVg Als «Vater der Eisenbahn» gilt der englische Ingenieur George Stephenson. Mit seinen Dampflokomotiven legte er im 19. Jahrhundert den Grundstein für den modernen Bahnverkehr. Die berühmte Lokomotive «Rocket» (Bild) von 1829 wurde zum Vorbild für Eisenbahnen auf der ganzen Welt. Doch die Geschichte der Eisenbahn begann schon früher: Bereits in Berg- werken wurden Schienenwege genutzt, auf denen Wagen von Menschen oder Pferden gezogen wurden. Erst die Dampfmaschine machte daraus das Verkehrsmittel der Zukunft. Die wichtigsten Meilensteine der Schweiz 1844 Der erste Zug erreicht die Schweiz – von Strassburg bis Basel. Es ist die erste Eisenbahnstrecke auf Schweizer Boden. 1847 Die legendäre Spanisch- Brötli-Bahn fährt erstmals von Zürich nach Baden. Die 23 Kilometer lange Strecke gilt als erste Eisenbahn vollständig auf Schweizer Boden. Die Reise dauert statt fast vier Stunden mit der Kutsche nur noch 45 Minuten. 1859 Die Eisenbahn erreicht Luzern. Mit dem Anschluss ans Schweizer Bahnnetz beginnt der Aufstieg Luzerns zu einer internationalen Tourismusdestination. 1871 Die Vitznau-Rigi-Bahn nimmt den Betrieb auf. Sie gilt als erste für den öffent- lichen Verkehr gebaute Bergbahn Europas. 1882 Der Gotthardtunnel wird am 22. Mai feierlich eröffnet. Mit 15 Kilometern ist er damals der längste Eisenbahntunnel der Welt und verbindet Nord- und Südeuropa. 1888 Die Brünigbahn verbindet Luzern mit dem Berner Oberland. Die spektakuläre Strecke gehört bis heute zu den bekanntesten Bahn- linien der Schweiz.

Zenit | September 2026 FAKTEN FOKUS ✺ 13 1902 Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) werden offiziell am 1. Januar 1902 gegründet. Die fünf grossen Bahn- konzerne sowie diverse kleinere Privatbahnen wurden verstaatlicht und in den SBB zusammengefasst. 1919 Die Schweiz elektri- fiziert zunehmend ihr Bahnnetz. Dank der Nutzung von Wasserkraft wird die Bahn unab- hängiger von Kohleimporten und nimmt international eine Vorreiterrolle ein. 1982 Die Schweiz führt als eines der ersten Länder den landesweiten Taktfahrplan ein. Seither fahren viele Züge jede Stunde zur gleichen Minute. 2004 Mit Bahn 2000 wird das bereits dichte Bahnnetz nochmals verbessert. Die Fahr- pläne werden besser aufeinander abge- stimmt und viele Reisezeiten verkürzt. 2016 Eröffnung des Gott- hard-Basistunnels. Mit 57 Kilometern ist er bis heute der längste Eisenbahntunnel der Welt. Vor 180 Jahren waren Züge eine tech- nische Sensation. Heute sind sie selbst- verständlich. Und doch bleibt jede Zug- reise ein kleines Wunder: Menschen, Städte und ganze Regionen werden durch wenige Zentimeter breite Schienen miteinander verbunden. Wussten Sie, dass … ... der Bahnhof Luzern täglich von über 100 000 Reisenden genutzt wird und damit zu den meistfrequentierten Bahnhöfen der Schweiz gehört? ... Schweizerinnen und Schweizer zu den fleissigsten Bahnreisenden der Welt gehören? Im Durchschnitt werden rund 2400 Bahnkilometer pro Person und Jahr zurückgelegt. ... die Brünigbahn zwischen Luzern und Interlaken zu den wenigen Zahnradbahnen im regulären Bahnverkehr gehört? Auf den steilen Abschnitten helfen Zahnräder beim Über- winden der Steigung. ... Reisende früher von Luzern nach Interlaken zunächst mit dem Dampfschiff nach Alpnachstad fahren mussten? Erst später wurde die durchgehende Bahn- verbindung erstellt. ... Die direkte IC-Strecke von Genf nach St. Gallen gehört mit rund 360 Kilometern zu den längsten Bahnverbindungen der Schweiz. Die Fahrt quer durchs Land dauert knapp vier Stunden und führt durch sechs Kantone. ... viele Schweizer Uhren ursprünglich nach den Fahrplänen der Eisenbahn gestellt wurden? Die Bahn sorgte im 19. Jahrhundert dafür, dass in der ganzen Schweiz einheitliche Uhrzeiten eingeführt wurden. ... die Zentralbahn auf ihrer Fahrt zwischen Luzern und Interlaken über den Brünigpass bis auf über 1000 Meter über Meer steigt? Damit gehört sie zu den spektakulärsten Bahnstrecken der Schweiz. ... die Direktion der Gott- hardbahn einst ihren Sitz in Luzern hatte? Die Stadt hoffte im 19. Jahrhundert, zur Drehscheibe des euro- päischen Bahnverkehrs zu werden, und investierte viel Geld in das Gotthard- projekt. ... der Glacier Express bei seiner Fahrt durch die Schweizer Alpen über 291 Brücken fährt? ... die berühmte Bahnhofsuhr der SBB mit dem roten Sekundenzeiger weltweit als Designikone gilt (Bild oben)? Sie wurde 1944 vom Schweizer Ingenieur und Designer Hans Hilfiker entworfen. Der mar- kante rote Sekundenzeiger kam erst 1955 dazu und erinnert an die rote Abfertigungskelle des Bahnhofvorstands. ... die Schweiz das dichteste Eisen- bahnnetz Europas besitzt? Auf vergleichsweise kleiner Fläche ver- kehren tausende Züge täglich auf einem engmaschigen Schienennetz. ... die Spurweite von 1435 Millimetern weltweit am häufigsten verwen- det wird? Sie geht auf George Ste- phenson zurück und wird oft «Ste- phenson-Spur» genannt. ... die Transsibirische Eisenbahn mit 9289 Kilometern die längste Bahn- strecke der Welt ist? Sie verbindet Moskau mit Wladiwostok. ... der japanische Magnetschwebezug bei einer Testfahrt mit 603 km/h einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte?

Zenit | September 2026 14 clubGespräch – Öffentlicher Anlass Lebensgeschichten, die bewegen! Mittwoch, 18. November 2026 18 Uhr, LZ-Auditorium, Maihofstrasse 76, Luzern Moderation: Kurt Sidler-Stalder, Präsident Gönnerverein mit Yvonne Schärli ehemalige Regierungsrätin und Josef Hochstrasser reformierter Pfarrer, ehemaliger katholischer Priester Eintritt frei! Anmeldung erwünscht: www.lu.prosenectute.ch/goennerverein Gönnerverein clubGespräch 18-11-26.indd 1 28.08.2026 08:26:20         € ‚ ƒ  ‚ „ „ „ † ‡    ˆ ‚  ‰ ‚ Š  Inserate

Zenit | September 2026 15 Spektakuläre Aussicht, einmalige Naturlandschaften und jede Menge Bahnkomfort: Panoramafahrten mit dem Zug erfreuen sich grosser Beliebtheit. Besonders abwechslungsreich ist die alte Gotthardroute. Gäste aus der ganzen Welt bestaunen die Bergwelt, erfahren spannende Details zur Geschichte der Strecke – und werden dabei auch noch unterhalten. VON ROBERT BOSSART Eine Bahnfahrt, die auf dem Schiff beginnt? Warum auch nicht. Wer schon einmal mit dem Dampfschiff von Luzern nach Flüelen gefahren ist, weiss, dass es sich lohnt. Und dass die Fahrt dem Wort «Panorama» mehr als nur gerecht wird. Als Luzerner fragt man sich, ob es auf dieser Welt noch einen See gibt, der so schön, so prächtig, so einmalig ist. Aber genug der Schwär- merei, schliesslich geht es hier um Züge und nicht um Schiffe. Der Gotthard Panorama Express steht in Flüelen für die Gäste aus dem Dampf- schiff bereit. Der Zugbegleiter Daniel REPORTAGE FOKUS ✺ Zambelli geht im Panoramawagen von Abteil zu Abteil, begrüsst die Gäste und erklärt auf Englisch, Deutsch, Italienisch oder Französisch die wichtigsten Eck- punkte der Reise. Dann geht es los. Mit dabei sind auch Verena und Hansueli Fotos: Raphael Hünerfauth «Es ist wie im Kino» Schiess. Die 77-Jährige und der 79-Jäh- rige aus dem Thurgau sind spontan zugestiegen. «Wir reisten heute mit dem Schiff von Luzern nach Flüelen», sagt Verena Schiess. Als sie dann die Frau sahen, die am Hafen auf die Panoramafahrt aufmerksam machte, haben sie kurzerhand entschieden, ihren Ausflug bis nach Lugano fortzusetzen. Von Flüelen führt die Reise über die historische Gotthard-Bergstrecke nach Bellinzona und Lugano – nicht durch den 2016 eröffneten Gotthard-Basistunnel, sondern über jene spektakuläre Route, die seit 1882 den Norden mit dem Süden verbindet. Hier lassen sich die Fenster noch öffnen: Mutter und Tochter Scheck geniessen im alten Bahnwagen den Fahrtwind und die tolle Aussicht. Auch fürs Fotografieren sind die heruntergelassenen Fenster ideal.

Zenit | September 2026 16 Der Panoramawagen ermöglicht die Sicht bis hinauf auf die Berggipfel. Weiter vorne ist ein alter Bahnwagen, in dem sich die Fenster noch öffnen lassen. Einige Gäste stehen bereits an den heruntergelassenen Fenstern und foto- grafieren fleissig die Urner Berge. «Die- ser alte Wagen ist sehr beliebt, weil man tolle Bilder machen kann und der Fahrt- wind einem ins Gesicht bläst», sagt René Flaim. Er ist als Reiseleiter oft auf dieser Strecke unterwegs und wohnt selbst im Tessin, unmittelbar an der Bahnstrecke. Er und seine Kollegen sind nicht da, um Billette zu kontrollieren. «Wir kümmern uns um das Wohl der Gäste und geben der Fahrt eine persönliche Note», er- klärt René Flaim. Über Lautsprecher informiert eine Stim- me über den Bau der Gotthardstrecke, über die Postkutsche und über andere historische Begebenheiten. Dann kommt der Einsatz der Zugbegleiter. René Flaim erzählt Anekdoten, Randnotizen und Besonderheiten. Natürlich darf die Kirche von Wassen nicht fehlen, die man wegen der Kehrtunnels mehrere Male aus verschiedenen Perspektiven zu Gesicht bekommt. Die meist aus- war. «Weil nachher die Steigung so gross wird, mussten die Dampfloks dort noch einmal Wasser fassen, um dann auf der ebenen Fläche Anlauf zu nehmen. Nur so schafften sie den Aufstieg», weiss René Flaim. «Wenn ich dann noch erzähle, dass es in diesem kleinen Dörfchen sieben jahrhundertealte Kirchen hat, flippen die Amis bei- nahe aus», erzählt er und strahlt übers ganze Gesicht. Auf diesen Fahrten ist er ganz in seinem Element. Seit 2017, als der Gotthard Panorama Express erstmals verkehrte, ist er mit dabei. «Weil alle nur noch die neue Strecke unten durch befahren, war es wichtig und richtig, dass wir die alte Bergstrecke wiederbelebten», meint er. Geschichtslektion an der Tunnelwand Apropos «Amis»: Mit im Zug sind auch Angelica und Marc Fischer aus den USA. Auf ihrem zweiwöchigen Europa- Trip verbringen sie fünf Tage in der Schweiz. «Wir haben auf Instagram erfahren, wie schön diese Strecke ist», sagt Angelica. Ihr Mann nickt. «Die schöne Aussicht, die Berge – die Szenerie ist wirklich einmalig.» ländischen Gäste hören erstaunt zu und schauen verblüfft zum Fenster hinaus. Das Ehepaar Schiess kennt, wie die meisten Schweizer, die Geschichte des «Chileli von Wassen» bereits. Warum sind sie trotzdem auf dieser Reise? «Wir fahren einfach gerne Zug und sind auch schon im Ausland auf Panoramastrecken gefahren», sagt Verena Schiess. In England haben die beiden vor ein paar Jahren das National Railway Museum in York besucht. «Früher, als wir den Hof bewirtschafteten, konnten wir kaum weg, deshalb geniessen wir es nun umso mehr», sagt Hansueli Schiess. «Die Amis flippen aus» Doch auch wer die Strecke bereits kennt, wird bestens unterhalten. Wäh- rend Daniel Zambelli seine Gäste auf- merksam betreut, Fragen beantwortet und Details zur Strecke erläutert, zeigt René Flaim sein Talent als Unterhal- ter, streut da und dort einen Witz ein und erzählt Geschichten, die weniger bekannt sind. Etwa vom kleinen Bahnhof Giornico auf der Tessiner Seite, der 1882 über zwei Kilometer ausserhalb des Dorfes gebaut worden

17 Zenit | September 2026 Dann fährt der Zug in den Tunnel. Nach ein paar Minuten verlangsamt sich die Fahrt und es wird dunkel. An den Tunnelwänden sind Bilder und Videos mit Szenen des Tunnelbaus zu sehen, dazu eine Stimme, welche die Geschichte dazu erzählt. Schliesslich verlässt der Zug den Tunnel wieder und schlängelt sich die Leventina hinunter. Die Familie Scheck aus Österreich lässt es sich bei Speis und Trank gut gehen. Die Eltern kamen mit ihren erwach- senen Töchtern per Nachtzug in die Schweiz und sind insgesamt sechs Tage per Zug unterwegs. «Von Lugano aus geht es danach weiter mit dem Bus nach Tirano und von dort mit dem Bernina Express nach St. Moritz, St. Gallen und zurück nach Wien», erklärt die Mutter. Es sei sehr entspannend, so zu reisen, meinen die Töchter, so könne man die Steigen Sie ein und geniessen Sie eine der schönsten Bahnreisen der Schweiz: den Gotthard Panorama Express. Gemeinsam mit einer Begleitperson erleben Sie eine traum- hafte Reise von Luzern nach Lugano, bei der sich eindrucksvolle Landschaften, historische Strecken und erstklassiger Reisekomfort zu einem besonderen Erlebnis verbinden. Die Fahrt beginnt auf dem Vierwaldstättersee und führt anschliessend mit dem Panoramazug über die legendäre Gotthardstrecke in den sonnigen Süden der Schweiz. Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie die einzigartige Aussicht auf sich wirken und genies- sen Sie einen Tag voller Entdeckungen und Genuss. Wir verlosen 2 × 2 Tageskarten für die 1. Klasse inklusive Zuschlag für den Gotthard Panorama Express. Machen Sie mit unter www.lu.prosenectute.ch/Wettbewerb oder unter Tel. 041 226 11 93 Teilnahmeschluss ist Freitag, 9. Oktober. Der Gewinn kann bis Oktober 2027 eingelöst werden. REPORTAGE FOKUS ✺ Ab Flüelen geht es mit dem Gotthard Panorama Express über die historische Berg- strecke Richtung Lugano. Auf dem Weg in den Süden küm- mert sich Zugbegleiter Daniel Zambelli um das Wohl der Gäste und macht sie auf Beson- derheiten wie das «Chileli von Wassen» aufmerksam. Begeis- tert mit dabei sind auch Ange- lica und Marc Fischer aus den USA (rechts) sowie das Ehe- paar Schiess, das das Zug- fahren liebt. Gewinnen Sie eine unvergessliche Erlebnisfahrt! Aussicht in aller Ruhe geniessen. Ihre Mutter hat im Fernsehen eine Repor- tage über Panoramastrecken in der Schweiz gesehen. «Genau das machen wir nun.» Miteinander ins Gespräch kommen Das Ehepaar Schiess hat in den letzten Jahren die eine oder andere Panoramafahrt unternommen. «Sehr empfehlenswert ist die Strecke von Gstaad nach Montreux», sagt Hansueli Schiess. Mehr- tägige Ausflüge machen sie inzwischen nicht mehr. «Auch heute fahren wir, wenn wir in Lugano ausgestiegen sind, wieder nach Hause», sagt Verena Schiess. Rund einmal im Monat leisten sich die beiden Pensionäre eine Zugreise durch die Schweiz. «Das Schöne bei diesen Fahrten ist, dass man mit ande- ren Menschen ins Gespräch kommt und man dabei die eine oder andere Lebensgeschichte erfährt», sagt Hans- ueli Schiess. Das Grossartigste, fügt seine Frau an, sei aber die Landschaft, die man aus dem Fenster beobachten könne. «Es ist wie ein Film, den man anschauen kann, man fühlt sich wie im Kino.»

Zenit | September 2026 18 Wer auf der Schiene unterwegs ist, kann die Reise entspannt geniessen. Volle Wagen, knappe Anschlüsse oder schwierige Situationen mit Mitreisenden können die Fahrt jedoch erschweren. Tipps und Tricks für eine noch angenehmere Reise mit dem öffentlichen Verkehr. Fotos: SBB CFF FFS Stressfrei reisen mit dem öffentlichen Verkehr

Zenit | September 2026 19 RATGEBER FOKUS ✺ Ich fahre oft dieselbe Strecke mit dem Zug und finde die Mehrfahrtenkarte für meine Bedürfnisse perfekt. Stimmt es, dass die SBB diese ¨nun doch abschaffen wollen? Nein. Die Nachfrage nach Entwertungskarten geht zwar stetig zurück, doch die Stempelkarten und die oran- gen Entwerter an den Bahnhöfen werden bis auf Weiteres beibehalten – auch wenn die nationale Pflicht für die SBB seit 2026 nicht mehr besteht. Korrekt ist, dass die Branche an natio- nalen Nachfolgelösungen für die papier- nen Entwertungskarten arbeitet. Der öffentliche Verkehr soll aber weiterhin für alle einfach zugänglich bleiben, auch für Menschen, die ohne Smartphone unterwegs sind. Ich suche mir meinen Fahrplan auf der SBB-App meines Handys. Auf- grund einer leichten Einschränkung beim Gehen kämpfe ich aber immer mit knappen Umsteigezeiten. Was kann ich tun? Die Umsteigezeiten variieren je nach Grösse des Bahnhofs und betragen beispielsweise für Zürich HB, den grössten Bahnhof der Schweiz, sieben Minuten. Das kann tatsächlich knapp sein. Deshalb lassen sich die Umsteigezeiten auf SBB.ch oder auf der SBB-App individuell anpassen. Geben Sie Ihre gewünschte Verbindung ein. Wählen Sie dann unter «Einstellungen» den Button «Längere Umsteigezeiten». Sie haben die Wahl zwischen rund 50 Pro- zent mehr Zeit oder rund doppelt so viel Umsteigezeit. Bei den Einstellungen gibt es noch weitere Wahlmöglichkeiten. Beispielsweise kann man sich Verbindungen ohne «Sehr hohe Belegung» oder «Nur velofreundliche Verbindungen» anzeigen lassen. Ich reise gern mit dem Zug in die Ferien. Doch mit zunehmendem Alter machen mir die Koffer zu schaffen. Ist es teuer, sich diese an den Ferienort senden zu lassen? VON ASTRID BOSSERT MEIER Ich plane eine längere Zugreise und befürchte, keinen Sitzplatz zu bekommen. Welchen Tipp haben Sie für mich? Prüfen Sie vor Ihrer Reise die Belegungsprognosen. Auf der SBB Mobile App oder auf www.sbb.ch wird die erwartete Auslastung jedes Wagens angezeigt (drei rote Personensymbole bedeuten eine hohe Auslastung). Oft gibt es am Zuganfang oder am Zug- ende mehr freie Plätze. Steigen Sie dort ein. Verschieben Sie allenfalls Ihre Reisezeiten leicht, um den klassischen Stosszeiten zu entgehen. Langsamere Züge oder alternative Routen bieten manchmal mehr Platz. Auf zahlreichen Verbindungen in der Schweiz und ins Ausland sind zudem bereits beim Billett- kauf Reservationen möglich. Reserva- tionen für die Schweiz kosten fünf Fran- ken. Geheimtipp: Im Zugrestaurant kann man quasi gratis einen Sitzplatz reservieren, weil die bezahlten fünf Franken an die Konsumation ange- rechnet werden. Wie kann ich eine günstige «Spar- tageskarte Gemeinde» kaufen? Die Spartageskarte Gemeinde erhalten Sie an Ihrem Wohnort – oft am Schal- ter der Gemeindeverwaltung, in der Stadt Luzern jedoch beispielsweise bei der Tourist Information am Bahnhof. Die Sparkarte ist nur im Vorverkauf und solange Vorrat erhältlich. Ob am gewünschten Reisetag noch Spartageskarten erhältlich sind, erfährt man un- ter www.spartageskarte-gemeinde.ch. Es gibt verschiedene Preisabstufungen für die 1. und 2. Klasse, mit und ohne Halbtax. Dabei gilt: Wer früher kauft, reist günstiger. Der günstigste Preis beträgt 39 Franken (2. Klasse mit Halbtax, bis zehn Tage vor dem Reise- tag gekauft), der teuerste Preis beträgt 148 Franken (1. Klasse ohne Halbtax, maximal einen Tag vor dem Reisetag gekauft). Die App «SBB Mobile» kennen und nutzen lernen Sie sind bereits unterwegs und möchten die beste ÖV-Verbindung für Ihre Reise finden? Sie lernen, wie Sie mit der App «SBB Mobile» Ihr Smartphone zum praktischen Reise- begleiter machen. Unter fachkundiger Anleitung zeigen wir Ihnen, wie Sie den Fahrplan abrufen und sich bequem und einfach mit der App «SBB Mobile» ein Billett kaufen. Voraussetzung: eigenes Smartpho- ne (iPhone oder Android), vertraut mit der grundlegenden Bedienung des Gerätes, App «SBB Mobile» auf Ihrem Smartphone installiert und bereits registriert (SwissPass-Login). Datum: Dienstag, 27. Oktober, 9 bis 11 Uhr Kursort: Pro Senectute Kanton Luzern, Maihofstrasse 76, 6006 Luzern, Kurszentrum, 3. Stock, Raum Linde Anmeldung: Tel. 041 226 11 99, bildung.sport@lu.prosenectute.ch Hinweise: Bitte registrieren Sie sich vor Kursbeginn auf SwissPass ge- mäss Anleitung. Es besteht die Mög- lichkeit, sich eine halbe Stunde vor dem offizielle Kursbeginn im Kurs- raum einzufinden um die Registrierung zu tätigen. Der Kurs ist kosten- los (unterstützt durch SBB). Die Anmeldung ist verbindlich. Im Verhinderungsfalle ist eine Abmeldung nötig. lu.prosenectute.ch/sbb Europareisen mit Zug und öV: www.simpletrain.ch

20 Zenit | September 2026 Inserate Caritas stellt Personen aus den Kantonen Aargau, Bern, Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie der gesamten Zentralschweiz an, die ihre Familienmitglieder pflegen: • Stundenlohn von CHF 35.50 • Zahlung von Sozialversicherungen • Beratung durch diplomierte Pflegefachperson • Anstellung bei einer Non-Profit-Organisation Gerne beraten wir Sie persönlich Telefon: 041 419 22 27 caritascare.ch Lohn für pflegende Angehörige Inserat_pflegende_Angehoerige_ProSenectute_89x121.indd 1 05.01.26 14:07 Eine Lungen- oder Atemwegserkrankung kann uns alle treffen Unterstützen Sie unsere Arbeit Spendenkonto: 60-217-6 IBAN: CH65 0900 0000 6000 0217 6 Twint: Die Infostelle Demenz gibt Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit demenziellen Erkrankungen. Sie hat ihren Sitz bei der regionalen Beratungsstelle von Pro Senectute Kanton Luzern an der Maihofstrasse 76 in Luzern. Telefon 041 210 82 82, E-Mail: infostelle@alz.ch Das Telefon der Infostelle Demenz wird von qualifizierten Fachleuten bedient. Diskretion ist selbstverständlich gewährleistet. Getragen wird die Infostelle Demenz von Alzheimer Luzern und von Pro Senectute Kanton Luzern. Für ein gelingendes Leben mit Demenz

Zenit | September 2026 21 RATGEBER FOKUS ✺ Die SBB bieten innerhalb der Schweiz verschiedene Transportvarianten für Gepäck an – unter anderem von Tür zu Tür oder von Bahnhof zu Bahnhof. Der Tür-zu-Tür-Service für einen 23 Kilogramm schweren Koffer ist ab 62 Franken erhältlich. Andere Varian- ten sind etwas günstiger. Auch für Reisen nach Deutschland wird ein Tür-zu-Tür-Service angeboten. Diese Dienstleistung für einen bis zu 20 Kilo- gramm schweren Koffer kostet rund 80 Euro. Jedes weitere Gepäckstück pro Auftrag kostet zusätzlich rund 60 Euro. Für Reisen ins europäische Ausland kann man das Gepäck auch bei jeder Poststelle aufgeben. Ein 20 Kilogramm schwerer Koffer kostet rund 65 Fran- ken. Alle Infos zum Gepäcktransport finden sich auf sbb.ch. Eine mitreisende Person telefoniert lautstark und über längere Zeit, was mich selber und andere Fahr- gäste stört. Soll ich die Person bitten, leiser zu sein, oder besser das Abteil wechseln? In vielen Fällen ist eine höfliche Bitte der erste sinnvolle Schritt – vorausgesetzt, die Person wirkt nicht aggressiv oder stark alkoholisiert. Man kann beispielsweise sagen: «Ich bin am Lesen und fühle mich durch Ihr Telefonat ge- stört. Wären Sie so freundlich, etwas leiser zu sprechen?» Haben Sie aber ein ungutes Gefühl, vielleicht weil die andere Person bereits gereizt wirkt, ist es meist klüger, das Abteil oder den Wagen zu wechseln. Reagiert die angesprochene Person aggressiv, gilt es, sich nicht provozieren zu lassen, sondern Abstand zu schaffen oder das Zugpersonal zu informieren. Die eige- ne Sicherheit hat immer Vorrang. über einen Notfallknopf, der sich im Eingangsbereich der Wagons befindet. Durch Betätigen des Notfallknopfs wird via Mikrofon eine direkte Verbindung zur Einsatzleitzentrale der Transportpolizei aufgebaut. Bei unmittelbarer Ge- fahr rufen Sie über die Nummer 117 die örtliche Polizei oder über die Nummer 0800 117 117 die Transportpolizei. Be- denken Sie: Oftmals ist eine ruhige Unterstützung der betroffenen Person wirksamer und sicherer als eine direkte Konfrontation mit dem Aggressor. Leider sind noch nicht alle Bahn- höfe und Züge mit einem bequemen Niedereinstieg ausgerüstet. Wie finde ich heraus, ob die Barrierefreiheit bei meiner geplanten Verbindung gegeben ist? Im Online-Fahrplan auf sbb.ch oder auf der SBB-Mobile-App können Sie die Barrierefreiheit Ihrer Verbindung prü- fen. Geben Sie in der Fahrplanmaske die gewünschte Verbindung ein, klicken Sie auf «Einstellungen» und scrollen Sie zum Menüpunkt «Barrierefreie Verbin- dung». Wählen Sie, welche Einschränkungen und Infos zur Barrierefreiheit Sie bei der Fahrplanabfrage sehen möch- ten. Im Fahrplan erscheinen die Verbin- dungen, die Ihren Einstellungen entspre- chen, und beim Ein- oder Ausstiegsort Informationen zur Barrierefreiheit. Auf der SBB-Website sind verständliche Erklärvideos für barrierefreie Verbin- dungen aufgeschaltet. Innerhalb der Schweiz gibt es für das Gepäck verschiedene Transportvarianten. Ich sehe, dass eine betrunkene Person einen Fahrgast anpöbelt. Wie soll ich mich verhalten? Wichtig ist auch hier, Ruhe zu bewah- ren und sich selber nicht in Gefahr zu bringen. Aggressive Menschen reagie- ren oft auf Gegenaggression. Darum ist es gut, eine pöbelnde Person nicht zu provozieren, zu beleidigen oder laut zu werden. Ist die Situation zwar unange- nehm, aber nicht akut, könnte man ver- suchen, die betrunkene Person abzulen- ken, ihr beispielsweise einen anderen Sitzplatz anzubieten. Eine gute Variante ist auch, andere Reisende ganz direkt um Hilfe zu bitten und sie so einzubeziehen. Und wenn das nichts nützt? Droht die Situation zu eskalieren, nie- mals allein eingreifen, sondern das Zug- personal suchen und informieren. Moderne Züge verfügen zudem meist Inserat

Zenit | September 2026 22 Was tun, wenn das Leben entgleist? Wie findet man zurück in den Alltag? Menschen in Krisensituationen finden im «Sonnen- hügel» in Schüpfheim in einer kleinen Gemeinschaft einen Ort, wo sie zur Ruhe kommen und sich neu orientieren können. Therapien gibt es keine, dafür Gemeinschaft und Stille. VON ROBERT BOSSART Dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht, wird bereits am Eingang spürbar. Wenn man an der Pforte des ehemaligen Kapuzinerklosters läutet, braucht es etwas Geduld, bis jemand die Tür öffnet. Einerseits, weil das Anwesen weitläufig ist, andererseits, weil hier die Uhr etwas anders tickt – Hektik, Stress und Eile müssen draussen bleiben. In der Küche riecht es an diesem Vormittag bereits nach gedünsteten Zwiebeln und draussen im Garten werden Beeren gepflückt, es wird gejätet und Gemüse geerntet. Meist leben sechs bis acht Gäste im Haus, manche bleiben ein paar Wochen, andere bis zu einem halben Jahr. Die Kerngemeinschaft besteht aus Sandra und Lukas Schmid Fries mit ihren beiden Kindern und Manuela Fölmli. Zusammen mit einigen Freiwilligen führen sie den Betrieb. Wer sind die Gäste? «Oft sind es Men- schen, die in einer Krise stecken. Viele leiden an einer psychischen Erkrankung, etwa an einer Depression», sagt Sandra Schmid Fries. Der Sonnen- hügel ist keine Klinik, hier gibt es keine Therapie. Ebenso wenig bietet das Haus ein «Kloster auf Zeit» an. «Wir leben hier unser Leben, unsere Struktur», sagt Manuela Fölmli. Die Gäste leben den Alltag mit: Am Morgen gibt es Frühstück, am Vor- mittag wird gearbeitet, sei es im Garten, in der Küche oder anderswo. Nach dem Mittagessen steht der Nachmittag zur freien Verfügung. Wer möchte, kann morgens und abends an einer gemeinsamen Meditation teilnehmen. Struktur, Rhythmus, Gemeinsamkeit, Fotos: zVg Wenn das Leben aus der Spur gerät Stille: Hilft das Menschen, die aus der Spur geraten sind? «Was genau mit den Gästen passiert, weiss ich nicht», sagt Manuela Fölmli. «Aber oft löst es etwas aus, wenn sie hier in der Gemeinschaft leben.» Die Reduktion auf das Wesent- liche – Essen zubereiten, Nahrung produzieren, den Haushalt erledigen – habe meist eine beruhigende Wirkung. Keine therapeutische Einrichtung «Häufig gerät mit der Zeit die Diagnose in den Hintergrund und verliert etwas von ihrem Schrecken», sagt Lukas Schmid Fries. Manche Gäste leiden unter Einsamkeit, gepaart mit einem psychi- schen Leiden. Aber auch ältere Men- schen können betroffen sein, etwa Ver- witwete. «Oft ist es ein schleichender Prozess, bei dem jemand zum Beispiel nicht mehr richtig isst und keine sozia- len Kontakte mehr pflegt», sagt Sandra Lukas und Sandra Schmid Fries bilden mit Manuela Fölmli (r.) die Kerngemeinschaft im «Sonnenhügel».

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