7 IM ZENIT Zenit | September 2026 VON ROBERT BOSSART Wenn einer reden kann, dann er. Blitzgescheit, selbstbewusst, begeistert von dem, was er tut. Selbstverständlich kommt der 79-Jährige für das Gespräch von Bern nach Luzern. Klar auch, dass er sich Zeit nimmt und ihm keine Frage zu viel wird. In der Schweiz ist er bis heute vor allem als SBB-Chef bekannt: Von 1993 bis 2006 führte er die Bahn durch tiefe Krisen und mit der Bahn 2000 schliesslich in ein neues Zeitalter. Danach, mit rund 60, begann er eine zweite Karriere als Unternehmer und war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der österreichischen Westbahn oder amtete als Delegierter des Bundesrats für die Fussball-EM 2008 in der Schweiz. Wie schafft man das, was für ein Mensch muss man sein, damit das alles gelingt? «Was mich im Wesentlichen ausmacht, ist Energie und Begeisterungsfähigkeit», sagt Benedikt Weibel. Dazu nennt er «Konstanten» in seinem Leben: Bücher, Berge, seine Frau und die Eisenbahn. Bevor er ansetzen kann, sein Lieblingsthema – die Bahn – zu vertiefen, bleiben wir kurz beim Privaten. Zurzeit beschäftigten sich er und seine Frau intensiv mit ihren Grosskindern, sagt er. «Mit aller Euphorie und allen Tränen», gibt er zu. Offenbar hat er obgenannte Eigenschaften auf seine Nachkommen übertragen: Ein Enkel betreibt Sechskampf und der sportbegeisterte Grossvater unterstützt diesen nach Kräften. Bereits sein Sohn war Schweizer Meister im Zehnkampf. «Ich reiste damals mit ihm durch halb Europa und war praktisch bei jedem Wettkampf mit dabei», sagt Benedikt Weibel. Fragt man ihn nach seinen Kindern, rückt sogleich der Sport ins Zentrum. Regelmässig hätten sie mit der Familie Wanderungen von einer Hütte zur anderen unternommen, jedes Jahr ein bisschen weiter und länger. Auch ginn weg fremdbestimmt – um sechs Uhr abends zu Hause zu sein, war meist nicht möglich.» Das habe die Familie geprägt. Später, als Generalsekretär und dann als SBB-Chef, wurde die zeitliche Belastung noch grösser. An manchen Abenden und oft auch an den Wochenenden folgte er Einladungen der Gewerkschaften mit ihren unzähligen Untergruppen und Sektionen. «Ich hatte stets den Grundsatz, dass ich solchen Einladungen Folge leistete.» Einmal, nach einer «struben» Woche, wollte er absagen. «Da sagte mir meine Frau, dass ich gehen müsse, das sei ich den Leuten schuldig. Das zeigt, dass meine ganze Familie die SBB gelebt hat. Ohne diese Unterstützung hätte ich das nicht geschafft.» Viel negative Berichterstattung Übel genommen hätten ihm die Kinder dieses grosse Engagement nicht, im Gegenteil. «Wenn am Sonntag ein Journalist anrief, dann haben die Kinder abgenommen und gefragt, worum es gehe.» 1993, als er SBB-Chef wurde, rückte er vermehrt ins mediale Rampenlicht. Benedikt Weibel hat kürzlich sein Archiv geordnet und stiess dabei auf sieben Ordner voller Medienartikel. «Ich wurde sehr bekannt, allerdings vorwiegend wegen negativer Berichterstattung», sagt er. 14 Kakteen gegenüber 9 Rosen hat er zum Beispiel von Er hat als SBB-Chef die schlimmste Unfallserie der Schweizer Eisenbahn erlebt und sie mit der Bahn 2000 in ein neues Zeit- alter gebracht. Zudem ist Benedikt Weibel Bergsteiger, Manager, Autor, Verwaltungsrat, Professor. Aber was macht ihn als Mensch aus, wer ist er eigentlich? Ein Annäherungsversuch. Der Unerschütterliche Fotos: Raphael Hünerfauth «Wir hatten ein intensives Familienleben, in dem Sport eine grosse Rolle spielte.» Velotouren standen auf dem Programm, einmal fast bis nach Paris. «Wir hatten ein intensives Familien- leben, bei dem der Sport eine grosse Rolle spielte», fasst Benedikt Weibel zusammen. Was sein Privatleben am meisten beeinflusste, war aber die Eisenbahn. Von Anfang an. An seinem ersten Arbeitstag 1978 kam seine Frau Verena mit dem ersten Kind vom Spital nach Hause. «Meine Agenda war von Be-
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