Zenit Nr. 3. September 2026

Zenit | September 2026 22 Was tun, wenn das Leben entgleist? Wie findet man zurück in den Alltag? Menschen in Krisensituationen finden im «Sonnen- hügel» in Schüpfheim in einer kleinen Gemeinschaft einen Ort, wo sie zur Ruhe kommen und sich neu orientieren können. Therapien gibt es keine, dafür Gemeinschaft und Stille. VON ROBERT BOSSART Dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht, wird bereits am Eingang spürbar. Wenn man an der Pforte des ehemaligen Kapuzinerklosters läutet, braucht es etwas Geduld, bis jemand die Tür öffnet. Einerseits, weil das Anwesen weitläufig ist, andererseits, weil hier die Uhr etwas anders tickt – Hektik, Stress und Eile müssen draussen bleiben. In der Küche riecht es an diesem Vormittag bereits nach gedünsteten Zwiebeln und draussen im Garten werden Beeren gepflückt, es wird gejätet und Gemüse geerntet. Meist leben sechs bis acht Gäste im Haus, manche bleiben ein paar Wochen, andere bis zu einem halben Jahr. Die Kerngemeinschaft besteht aus Sandra und Lukas Schmid Fries mit ihren beiden Kindern und Manuela Fölmli. Zusammen mit einigen Freiwilligen führen sie den Betrieb. Wer sind die Gäste? «Oft sind es Men- schen, die in einer Krise stecken. Viele leiden an einer psychischen Erkrankung, etwa an einer Depression», sagt Sandra Schmid Fries. Der Sonnen- hügel ist keine Klinik, hier gibt es keine Therapie. Ebenso wenig bietet das Haus ein «Kloster auf Zeit» an. «Wir leben hier unser Leben, unsere Struktur», sagt Manuela Fölmli. Die Gäste leben den Alltag mit: Am Morgen gibt es Frühstück, am Vor- mittag wird gearbeitet, sei es im Garten, in der Küche oder anderswo. Nach dem Mittagessen steht der Nachmittag zur freien Verfügung. Wer möchte, kann morgens und abends an einer gemeinsamen Meditation teilnehmen. Struktur, Rhythmus, Gemeinsamkeit, Fotos: zVg Wenn das Leben aus der Spur gerät Stille: Hilft das Menschen, die aus der Spur geraten sind? «Was genau mit den Gästen passiert, weiss ich nicht», sagt Manuela Fölmli. «Aber oft löst es etwas aus, wenn sie hier in der Gemeinschaft leben.» Die Reduktion auf das Wesent- liche – Essen zubereiten, Nahrung produzieren, den Haushalt erledigen – habe meist eine beruhigende Wirkung. Keine therapeutische Einrichtung «Häufig gerät mit der Zeit die Diagnose in den Hintergrund und verliert etwas von ihrem Schrecken», sagt Lukas Schmid Fries. Manche Gäste leiden unter Einsamkeit, gepaart mit einem psychi- schen Leiden. Aber auch ältere Men- schen können betroffen sein, etwa Ver- witwete. «Oft ist es ein schleichender Prozess, bei dem jemand zum Beispiel nicht mehr richtig isst und keine sozia- len Kontakte mehr pflegt», sagt Sandra Lukas und Sandra Schmid Fries bilden mit Manuela Fölmli (r.) die Kerngemeinschaft im «Sonnenhügel».

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