8 Zenit | September 2026 «Die zwei Jahre bis zur Fertigstellung der Bahn 2000 waren die grösste Herausforderung meines beruflichen Lebens. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut funktioniert.» die Energie gegeben, all das anzupacken, was später kam. «Für mich ist es das grösste Glück, dass ich in den Sechzigerjahren jung war, es war wohl das sorgloseste Jahrzehnt der Geschichte.» Das Lebensgefühl, die Stones, die Beatles – all das habe er intender «Schweizer Illustrierten» erhalten. Die erste Zeit als SBB-Chef war denn auch von Negativereignissen geprägt. Das Zugunglück in Däniken, die Benzinzug-Explosion in Affoltern und der Chemieunfall in Lausanne erschütterten die Öffentlichkeit Mitte der Neunzigerjahre. «Unzählige Familien, die alles verloren haben, neun Menschen, die starben – es war unglaublich.» Dann kam die finanzielle Schieflage. Benedikt Weibel erinnert sich, wie er an einem Samstagmorgen mit seiner Frau im Hotel Schweizerhof in Bern frühstückte und danach ins Büro ging, um die vergangene Woche auf- und die kommende vorzubereiten. «An die- sem Samstag im Jahre 1996 wusste ich, dass ich zwei Möglichkeiten habe: depressiv werden oder etwas machen.» Widerstand und Demonstrationen Ersteres stand für ihn ausser Frage, darum habe er das Verrückteste gemacht, was er je im Leben gewagt habe: Er, der Sozialdemokrat, kürzte die Löhne. Der Widerstand war heftig, es kam zu einer grossen Demonstration gegen das Vorhaben. Er, der stets nahe bei den Leuten war, ihnen zuhörte und mit ihnen diskutierte, schaffte dennoch das Unmög- liche. «Irgendwie haben die Leute mir geglaubt, dass dies nötig ist.» Inzwischen ist Benedikt Weibel überzeugt: «Hätten wir das damals nicht gemacht, gäbe es die SBB heute nicht mehr in dieser Form.» Es folgte das Projekt Bahn 2000, und der SBB-Chef ging als derjenige in die Geschichte ein, der die Schweizer Eisenbahn von einer schwerfälligen, defizitären Institution zu einem effi- zienten und marktnahen Unternehmen transformiert hat. «Die Bahn 2000 war eine enorme Herausforderung. Die zwei Jahre bis zur Fertigstellung waren die schönsten Jahre meines beruflichen Lebens. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut funktioniert.» Dabei sah es am Anfang nicht nach einer solchen Bilderbuchkarriere aus. Einigermassen behütet aufgewachsen, landete Benedikt Weibel an der Kantonsschule Solothurn, einer «Riesenfabrik», wie er sie nennt. «Möglich, dass man mir heute ein ADHS andichten würde, aber damals war ich einfach ein Querschläger.» Bis die Schule bei den Eltern anrief und ihnen nahelegte, ihren Sohn von der Schule zu nehmen. «Sonst hätten die mich rausgeschmissen», erinnert er sich. Es folgten vier Wochen «Straflager» bei einem Bauern, wo er sechs Tage die Woche von früh bis spät arbeiten musste. Mit erstaunlichem Effekt: «Das hat mir sehr gutgetan, ich kam wieder auf die Spur.» Danach besuchte er die Bezirksschule in Grenchen und war mit 14 erstmals weg von zu Hause. Er wurde, weil er das Wurzelzeichen nicht kannte, vom Lehrer blossgestellt. «Darauf solidarisierte sich die Klasse mit mir und ich hatte eine wunderbare Zeit.» Schliesslich ging er zurück an die Kantonsschule, dann kamen das Studium und der Berufseinstieg. Eine wichtige Rolle im Leben von Benedikt Weibel spielt die 68er-Bewegung. Wie passt das zum erfolgreichen Manager, der er wurde? Sehr gut, findet dieser, die Bewegung habe ihm
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