Zenit Nr. 3. September 2026

32 Zenit | September 2026 Geschichten, die landen VON SONIA DI PAOLO Donnerstagnachmittag, kurz vor halb drei. Im Foyer des Alterszentrums liegen Bücher auf mehre- ren Tischen bereit – sorgfältig nach Themen geordnet, gut sichtbar und einladend präsentiert. Erste Bewohnende sind schon da. Sie nehmen Bücher in die Hand, blättern, bleiben an Titeln hängen. Rosemarie Stauber hat sich bereits entschieden. «Dummerweise lese ich sehr gerne», sagt sie und lacht. Dummerweise, weil sich die Bücher manchmal regelrecht in ihrem Zimmer stapeln. Zwei neue liegen schon im Körbchen ihres Rollators, zwei weitere kommen wenig spä- ter dazu. Besonders gerne liest sie Krimis. Damit ist sie nicht allein. «Die Lesevorlieben sind so vielseitig wie bei einem jüngeren Publikum. Lokale Krimis sind besonders gefragt, gefolgt von Romanen, Sachbüchern und Biografien. Wichtig ist uns auch immer, dass wir Neuerscheinungen mitbringen», sagt Sandra Müller von der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB). «Viele Stammgäste unserer mobilen Bibliothek lesen leidenschaftlich gern» ergänzt sie. «Deshalb schauen wir, dass wir ihnen Einmal im Monat dreht sich im Alterszentrum Viva Luzern Rosenberg alles um Literatur: ums Stöbern, Zuhören, Erzählen – und um jene Gespräche, die fast von selbst entstehen. Fotos: zVg auch dann eine attraktive Medienauswahl bieten, wenn sie nicht mehr einfach selbst in die Bibliothek gehen können. Sonst gehen genau jene vergessen, die der Bibliothek oft über viele Jahre treu geblieben sind.» Hinter «Fliegende Geschichten» steht eine gemeinsame Initiative der ZHB, Pro Senectute Kanton Luzern und Viva Luzern Rosenberg. Eineinhalb Jahre lang wurde das Projekt erprobt. Heute ist es im Rosenberg fest verankert. Freiwillig Engagierte geben Buchtipps, lesen vor, schenken Kaffee ein und sorgen dafür, dass sich die Gäste willkommen fühlen. So wird der Irene Piacentini liest mit spürbarer Freude vor: Rund 20 Personen hören im Alterszen- trum Rosenberg der Erzählung «Der Präsident» von Franz Hohler gebannt zu.

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