KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

03 / 2026 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 31 DR. MED. CARMEN DE JONG PhD FACHÄRZTIN KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, FACHÄRZTIN PRÄVENTION UND PUBLIC HEALTH, ASSISTENZÄRZTIN ABTEILUNG FÜR PÄDIATRISCHE PNEUMOLOGIE, UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR KINDERHEILKUNDE, INSELSPITAL BERN Korrespondenzadresse: carmen.dejong@insel.ch PD DR. MED. ELISABETH KIENINGER, MD PhD FACHÄRZTIN KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, FACHÄRZTIN PÄDIATRISCHE PNEUMOLOGIE, OBERÄRZTIN ABTEILUNG FÜR PÄDIATRISCHE PNEUMOLOGIE, UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR KINDERHEILKUNDE, INSELSPITAL BERN Korrespondenzadresse: elisabeth.kieninger@insel.ch Asthma – praxisorientiert Allergenexposition und Urbanisierung («Hygiene Hypothese»). Bei den endogenen Risikofaktoren spielt die genetische Prädisposition eine Hauptrolle. Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter mit einer Prävalenz von ca. 8–9 % in der Schweiz.1,2 Morbidität und Mortalität haben sich erfreulicherweise in den letzten 15 Jahren deutlich verbessert, dennoch ist Asthma weiterhin der dritthäufigste Hospitalisationsgrund bei Kindern und verursacht hohe Gesundheitskosten.3 Ein Teil dieser Kosten entsteht u. a. durch unnötigen Medikamentenbezug, u. a. bei Kindern, die eigentlich eine andere Diagnose als Asthma haben (Überdiagnostizierung).4 Entsprechend leiden diese Kinder unter erhöhtem Leidensdruck, da die eigentliche Erkrankung (z. B. eine induced laryngeal ob- struction, eine häufige Differentialdiagnose von Asthma) nicht adäquat behandelt wird. Kinder, die tatsächlich Asthma haben, jedoch nicht behandelt werden, sind unterdiagnostiziert, was ebenfalls zu einem erhöhten Leidensdruck führt. Ungenügend behandeltes Asthma kann zu Schlafstörungen, eingeschränkter körperlicher Aktivität und Schulabsenzen führen.5 Aus diesem Grund ist es essenziell, die Definition, das diagnostische Verfahren und die Therapie von Asthma zu kennen. Definition und Pathophysiologie Asthma ist eine chronische Erkrankung mit typischen Symptomen wie «Wheezing», Husten und/oder Atembeschwerden und charakterisiert durch eine reversible (episodische) Atemwegsobstruktion, chronische Entzündung der Atemwege und bronchiale Hyperreaktivität.4,6 Die Charakteristika treten nicht alle bei jedem Patienten zu jedem Zeitpunkt auf. Seit Jahren wird versucht, Patient:innen mit Asthma anhand ihrer Charakteristika in Subgruppen (Phänotypen) einzuteilen, da Asthma nicht gleich Asthma ist. Grob werden fünf Phänotypen beschrieben: «early-onset allergic», «late-onset eosinophilic», «exercise-induced», «obesity-related» und «neutrophilic» Asthma.7 Im Kindesalter ist der Phänotyp «early-onset allergic» Asthma am häufigsten, charakteristisch durch erhöhte «atopische» Biomarker (erhöhtes fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (FeNO), Eosinophilie, Nachweis einer allergischen Sensibilisierung). Patient:innen mit Asthma können jedoch Merkmale mehrerer Phänotypen aufweisen (Überlappung), und der Phänotyp kann sich im Verlauf der Zeit ändern.8 Trotzdem ist die Charakterisierung der Phänotypen für die Therapieeinstellung und -anpassung wichtig.9 Die Entstehung von Asthma ist multifaktoriell und eine Folge sowohl exogener (u. a. Umweltfaktoren) als auch endogener (v. a. Genetik) Risikofaktoren.8,9,10 Exogene Faktoren sind z. B. Luftverschmutzung (inkl. Passivrauchexposition), virale Atemwegsinfektionen, Abbildung 1: Diagnostisches Flowchart für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 16 Jahren mit Verdacht auf Asthma. Quelle: Paediatrica Vol. 34-3/2023 Pneumologie. DOI: 10.35190/Paediatrica.d.2023.3.2 Diagnostik Asthmatypische Symptome wie u. a. «Wheeze», trockener Husten, Anstrengungsdyspnoe sind nicht spezifisch für Asthma und können auch bei anderen Atemwegserkrankungen auftreten. Nationale und internationale Leitlinien empfehlen daher, die Diagnose nicht allein auf Anamnese, Symptome oder einen Therapieversuch ohne objektive Tests zu stützen, da dies zu Über- und Unterdiagnostizierung führt.11,12 Asthmadiagnose ausschliesslich anhand objektiver Tests. Andernfalls sind Fehldiagnosen häufig mit entsprechender Über- oder Unterbehandlung verbunden. Bei Kindern im Alter von 5 bis 16 Jahren mit Verdacht auf Asthma auf Grundlage der Anamnese und typischer Beschwerden sollten als erster Schritt eine Spirometrie, ein Bronchodilatator-Reversibilitäts-Test und eine FeNOMessung gemäss neuesten European Respiratory Society (ERS)-Guidelines (s. Flowdiagramm in Abbildung 1) durchgeführt werden.4,11 Asthma kann bestätigt werden, wenn mindestens zwei dieser Tests abnormal sind. Zusätzlich ist eine Allergietestung mittels Prick-Test oder Messung spezifischer IgE-Antikörper hilfreich, um den

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