FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 03 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 28 ne unter CFTR-Modulatoren ihre Dauertherapien wie die sekretolytische Inhalations- und Physiotherapie oder inhalative Antibiotika pausieren, oder dass CF-Zentren eine Therapiepause empfehlen. Erste klinische und Register-basierte Studien suggerieren, dass dies nicht zu einer erneuten Verschlechterung der Lungenfunktion führt und die Lungenerkrankung stabil bleibt2,3. Wichtig ist, dass auch unter CFTR-Modulatoren der Gesundheitszustand der Betroffenen weiterhin regelmässig überwacht wird, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. In den nächsten Jahren müssen für diese Patientengruppe neue Richtlinien für Surveillance und Therapie erarbeitet werden, da bisherige Strategien nicht mehr die neue Realität abbilden. CFTR-Modulatoren können nicht wirksam sein bei Menschen mit CF, welche zwei Klasse-I-Mutationen im CFTR-Gen besitzen. Diese Betroffene zeigen weiterhin das klassische Bild der CF mit entsprechenden Organmanifestationen, deutlich reduzierter Lebenserwartung und notwendigen lebenslangen Therapien. Bei Klasse-I- Mutationen wird im Zellkern keine mRNA für das CFTR- Protein gebildet, weshalb die Proteinsynthese nicht durch CFTR-Modulatoren korrigiert werden kann. Dies betrifft etwa 10 % der CF-Betroffenen in der Schweiz. Seit einigen Jahren wird verstärkt versucht, auch für diese Menschen hocheffiziente kausale Therapien zu entwickeln. Im Fokus steht hierbei die Gentherapie (d. h. Therapien, welche aus Nukleinsäuren bestehen), wobei sich dahinter verschiedene Strategien der Korrektur des genetischen Defekts verbergen. Bei der Gen-Addition wird mittels Vektor eine korrigierte Kopie des betroffenen DNA-Abschnitts in den Zellkern eingebracht, sodass diese abgelesen und das CFTR-Protein korrekt synthetisiert werden kann. Beim Gen-Editing («Genschere») ersetzt diese korrigierte DNA-Kopie die defekte DNA und wird im Zellkern fest in die DNA eingebaut. Auch Antisense-Oligonukleotide können in den Zellkern eingeschleust werden und als Grundlage für eine korrigierte Proteinsynthese dienen. Und schliesslich kann auch eine korrigierte mRNA in der Zelle eine korrekte Proteinsynthese anstossen, wobei hierbei eine lebenslange tägliche Applikation nötig ist. Aktuell befinden sich einige inhalative Substanzen in klinischen Phase-I- und -II-Studien (der aktuelle Stand der Drug Development Pipeline kann jeweils unter apps.cff.org/ trials/pipeline4 abgerufen werden). Über den Zeithorizont der Marktzulassung eines Gentherapie-Medikaments für CF kann derzeit nur schwer spekuliert werden, da in der Vergangenheit viele Produktentwicklungen vor einer klinischen Phase-III-Studie gestoppt wurden; oft aufgrund schlechter Verträglichkeit, teilweise auch aufgrund unzureichender Effektivität der CFTR-Korrektur. ■ QUELLEN 1 Das Schweizerische Cystische Fibrose-Register. https://cystischefibroseschweiz.ch/was-ist-cystische-fibrose/ cf-register/, letzter Aufruf 14.06.2026 2 Mayer-Hamblett N., Ratjen F., Russell M.S. et al. Randomized, open-label non-inferiority trials evaluating discontinuation versus continuation of hypertonic saline or dornase alfa in modulator treated people with cystic fibrosis: Results from the SIMPLIFY study. Lancet Respir Med. 2023, 11(4): 329–340. 3 Downey D., Orenti A., Jung A. Clinical outcomes after stopping inhaled antibiotics in people with cystic fibrosis on CFTR modulators: a European registry study. European Cystic Fibrosis Conference, Lissabon, Juni 2026 4 CFF drug development pipeline. https://apps.cff.org/trials/pipeline/, letzter Aufruf 14.06.2026 Abbildung 2. Vorhergesagte Lebenserwartung neugeborener Kinder mit CF in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden zwischen 2010 und 2024. Die Lebenserwartung steigt nach Markteinführung der hocheffizienten CFTR-Modulatoren im Jahr 2020 in diesen Ländern sprunghaft an. Daten aus dem Europäischen CF-Register. Copyright: A. Jung Foto: Bengin Ucar Zeichung: Yara, 7 Jahre
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