FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 03 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 24 Mithilfe der verbesserten Diagnostik durch den M. pneumoniae-ASC-ELISpot-Test konnten klinische und laborchemische Merkmale einer M. pneumoniaeCAP präziser charakterisiert werden. Hierzu zählen: Alter ≥ 5 Jahre, prolongierte Symptomdauer (> 6 Tage), kein Ansprechen auf eine Therapie mit ß-Laktam-Antibiotika, Hautbeteiligung, sowie symptomatische enge Kontaktpersonen. Demgegenüber sind Leukozytenzahl und CRP häufig normal oder nur geringfügig erhöht.5 Die Berücksichtigung dieser Merkmale kann die Vortestwahrscheinlichkeit eines klinisch relevanten positiven PCR-Resultates deutlich erhöhen (siehe Abb. 4). Therapie Atemwegsinfektionen durch M. pneumoniae sind häufig mild und selbstlimitierend.5 Bei Kindern und Jugendlichen mit Hinweisen für eine M. pneumoniaeCAP kann deshalb in den meisten Fällen zunächst auf eine antibiotische Therapie verzichtet und der Verlauf klinisch kontrolliert werden («watchful waiting») (siehe Abb. 4).8 Bei reduziertem Allgemeinzustand oder schwerem Krankheitsverlauf wird hingegen eine antibiotische Therapie empfohlen.11–13 Der klinische Nutzen einer antibiotischen Behandlung von M. pneumoniae-CAP konnte bisher jedoch nicht in randomisierten kontrollierten Studien nachgewiesen werden. Angesichts dieser weiterhin unklaren Evidenz empfehlen wir bei klinischem und gegebenenfalls laborchemischem Verdacht auf eine M. pneumoniae- CAP (siehe Abb. 4) vor Beginn einer antibiotischen Therapie eine Testung mittels PCR. Ein positiver PCRNachweis kann den klinischen Verdacht unterstützen, auch wenn damit eine akute Infektion nicht sicher von einer asymptomatischen Kolonisation unterschieden werden kann (siehe oben). Darüber hinaus kann ein dokumentierter Erregernachweis für die weitere klinische Beurteilung hilfreich sein, da ein ausbleibendes Therapieansprechen bei M. pneumoniae-CAP aufgrund des bislang nicht gesicherten Nutzens einer antibiotischen Behandlung nicht gegen die Diagnose spricht. Mycoplasma pneumoniae besitzt keine Zellwand und ist deshalb natürlicherweise resistent gegenüber ß-LaktamAntibiotika (z. B. Amoxicillin).2 Primär sollten Makrolide oder – ab einem Alter von 8 Jahren – alternativ Tetrazykline eingesetzt werden (siehe Tab. 2).11–13 Innerhalb der Makrolide sollte Clarithromycin gegenüber Azithromycin bevorzugt werden, da die lange Halbwertszeit von Azithromycin mit prolongierten, teilweise subinhibitorischen Plasmaspiegeln einhergeht und dadurch die Resistenzentwicklung begünstigen kann.14 Makrolid- resistente M. pneumoniae-Isolate wurden insbesondere in Asien (bis >90 %) und Südeuropa (bis 25 %), aber auch in Deutschland und der Schweiz (<10 %) nachgewiesen.7,15,16 Vor diesem Hintergrund ist Doxycyclin bei Kindern ab 8 Jahren die bevorzugte Therapieoption. Zudem gibt es Hinweise auf ein besseres klinisches Ansprechen auf Doxycyclin im Vergleich zu Makroliden bei Erwachsenen, wobei auch hierfür bislang keine randomisierten kontrollierten Studien vorliegen.17 Gemäss der American Academy of Pediatrics besteht heute keine altersbedingte Kontraindikation mehr für Doxycyclin,18 da Doxycyclin eine geringere Kalzium-Bindungsaffinität als andere Tetrazykline aufweist und nach bisheriger Evidenz keine Zahnverfärbungen verursacht.18,19 Somit kann Doxycyclin grundsätzlich unabhängig vom Abbildung 3. Schematische Darstellung eines Mycoplasma pneumoniae-ASC-ELISpot-Tests. ELISpot-Platten werden mit einem M. pneumoniae-Antigen beschichtet und mit frischen mononukleären Zellen des peripheren Blutes (peripheral blood mononuclear cells, PBMCs) inkubiert. Von spezifischen Antikörper- sezernierenden Zellen (antibody-secreting cells, ASCs) freigesetzte Antikörper werden mittels biotinylierter Anti-IgM-, Anti-IgG- oder Anti-IgA-Antikörper sowie AP-konjugiertem Streptavidin nachgewiesen. Nach Zugabe des Substrats erscheinen einzelne Spots, die jeweils einer einzigen ASC entsprechen. Die Anzahl der M. pneumoniae-spezifischen ASCs wird als Spots pro 106 lebensfähige PBMCs quantifiziert. M. pneumoniae Abwehrzellen Spezifische Antikörpersezernierende B-Zelle Antikörper Umsetzung in detektierbares Signal durch Zugabe eines Substrats Abwehrzellen (Blut) werden zu M. pneumoniae gegeben Spezifische B-Zellen produzieren Antikörper Antikörper bleiben haften nach Wegwaschen von Zellen SpotFormation
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