KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2025

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 24 Vorteilhafter Einsatz durch kontinuierliche Überwachung und Verfügbarkeit Ein grosser Vorteil von Wearables in der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen bei Kindern ist die Möglichkeit zur kontinuierlichen Überwachung und der kontinuierlichen Verfügbarkeit dieses diagnostischen Instruments. Kinder, besonders solche mit arrhythmischen Episoden, haben oft nur sporadische Symptome, die nur selten während eines Arztbesuchs oder während einer Vorstellung in einer Klinik auftreten. Dies erschwert die Diagnose von Herzrhythmusstörungen erheblich, da ein EKG oft nur dann aussagekräftig ist, wenn Patient:innen während eines kardialen Ereignisses untersucht werden oder sie genau während der Ableitung eines traditionellen 24-Stunden-EKGs ein kardiales Ereignis haben. Eine Ausnahme ergibt sich bei Patient:innen mit einer offenen Präexitation (Deltawelle) im Ruhe- EKG, hier kann die Diagnose einer akzessorischen Leitungsbahn bereits im Ruhe-EKG ohne eine LangzeitEKG-Aufzeichnung gestellt werden. Wearables bieten eine Lösung für dieses Problem, indem sie eine langfristige Überwachung ermöglichen, die potenziell zu einer frühzeitigen Erkennung von Herzrhythmusstörungen führen kann. Paroxysmale, tachykarde, supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen zum Beispiel, die von älteren Kindern subjektiv gut wahrgenommen und artikuliert werden können, gleichzeitig meist nicht mit einer Kreislaufinsuffizienz und nicht mit einer Synkope einhergehen, können mithilfe von Wearables gut erfasst werden. Auch ventrikuläre Ereignisse können erkannt werden, kommen aber glücklicherweise viel seltener vor. Auch bei Risikopatienten wie Kindern mit einer familiären Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern oder nach einer Herztransplantation kann eine solche Datenerhebung wertvolle Informationen liefern und die Diagnosesicherung einer Herzrhythmusstörung beschleunigen. Ein weiterer Vorteil von Wearables liegt in ihrer Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz, besonders bei älteren Kindern und Jugendlichen. Während traditionelle medizinische Geräte oft unbequem und invasiv sind, können Wearables durch ihre geringe Grösse und das einfache Tragen (z. B. als Armbanduhr) den Kindern eine höhere Akzeptanz bieten. Dies fördert auch die Nutzung dieser Form der EKG-Diagnostik von den Kindern und Jugendlichen selbst. Für jüngere Kinder (ca. <6 Jahren) kann es schwierig sein, die Nutzung eines Wearables sicherzustellen. In diesen Fällen können angepasste Modelle oder ein begleitendes Monitoring durch die Eltern erforderlich sein. Bisherige Ergebnisse aus klinischen Studien Die Präzision von Wearables in der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen wird zunehmend anerkannt. Gute Studien stammen aus der Erwachsenenmedizin. Wichtige Studien sind die von Inui et al. (2020) und Saghir et al. (2020), die die Fähigkeit der Apple Watch zur Erkennung von Vorhofflimmern bestätigten. Auch ein Review von Bogár et al. (2024) zeigte, dass Smart Watches eine hohe Sensitivität bei der Erkennung von Arrhythmien bieten. Schliesslich belegt die Zusammenfassung die klinische Nützlichkeit von Smart Watches zur Überwachung und Diagnose von Arrhythmien bei Patient:innen mit hohem Risiko. Der Einsatz von Smart Watches zur Diagnose von Herzrhythmusstörungen bei Kindern zeigt ebenfalls vielversprechende Studienergebnisse, jedoch ist die Forschung in diesem Bereich im Vergleich zur Erwachsenenmedizin noch in einem früheren Stadium. Eine Studie von Zahedivash et al. (2020) untersuchte die Nützlichkeit von Smart Watches zur Identifikation von Arrhythmien bei Kindern. Die Autoren fanden, dass entsprechende Geräte in der Lage sind, Herzrhythmusstörungen wie supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien in einer pädiatrischen Population zu erkennen, wobei die Sensitivität und Spezifität noch optimiert werden kann und die Validierung dieser Technologien für die pädiatrische Anwendung notwendig ist, um die klinische Anwendung und Akzeptanz zu erhöhen. Ein Beispiel der Dokumentation einer supraventrikulären Tachykardie mithilfe einer Apple Smart Watch bei einem 16 Jahre alten Patienten aus der Betreuung in unserer kinderkardiologischen Sprechstunde zeigt Abbildung 1. Obwohl die technische Genauigkeit von Wearables in der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen vielversprechend ist, gibt es bisher nur einzelne Studien, die den Einsatz dieser Geräte in der Kinderkardiologie validieren (Kobel et al. 2022, Ernstsson et al 2024). Die Mehrheit der Studien konzentriert sich auf Erwachsene, und es gibt nur begrenzte Daten zur Anwendung bei Kindern. Besonders in Bezug auf die Differentialdiagnose von Herzrhythmusstörungen und der Unterscheidung von seltenen oder komplexen Arrhythmien sind Wearables einer mehrkanaligen 24-Stunden-Holter-Untersuchung unterlegen, und eine klinische Validierung für den Einsatz von Wearables in diesem Bereich ist in der Zukunft notwendig. Schliesslich sollten Meldungen einer Smart Watch über einen abnormalen Herzrhythmus, eine zu schnelle Herzfrequenz oder eine Herzrhythmusstörung ohne eine begleitende, dazu passende Klinik nicht «pathologisiert» werden, da die zugrunde liegenden Algorithmen der Bild: Joel 5, Jahre

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