HESS - 1882-2007

65 Obwohl die Schweizer Reiseunternehmer mehrheitlich zufrieden waren mit dem neuen Produkt, gelang der Durchbruch auf dem Markt nicht oder nur bedingt. Zwischen 1960 und 1967 wurden von diesem Typ lediglich 30 Exemplare gebaut. Die Bedrängnis von deutscher Seite stieg Mitte der 60er-Jahre stark: Kässbohrer stellte dem 3DH seinen 1 Tonnen leichteren Setra S11A gegenüber. Neoplan bot unseren Carhaltern den topmodernen «Hamburg» NH12L mit Luftfederung und Einzelradaufhängung vorne an. Beide Produkte profitierten von der Grossserienherstellung, waren günstig in der Anschaffung und rasch lieferbar. Saurer zog deshalb die Konsequenzen und konzentrierte sich ganz auf das Linienbus- und Lastwagensegment. EFTA erhöht für die Busbauer den Konkurrenzdruck Einen Vorgeschmack vom Preiskampf der heutigen Zeit bekamen die Busbauer der Schweiz in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre zu spüren. Die EFTA-Staaten waren nämlich übereingekommen, die staatlichen Aufträge ab 1. Januar 1967 öffentlich auszuschreiben. Die nationale Industrie sollte dabei nicht privilegiert werden, einzig Preis und Qualität durften den Entscheid der beschaffenden Stelle beeinflussen. Diese Richtlinien befolgend schrieb die Schweizer Reisepost erstmals eine Bestellung von 45 Autobussen des Typs V (Wagenlänge 11–12 m) innerhalb der EFTA-Länder öffentlich aus. Der damalige grosse Mitbewerber von HESS, Ramseier+Jenzer in Bern/Biel, bekam den Zuschlag für diese Serie. Im Unterschied zu HESS war R+J dem traditionellen Stahlgerippebau verpflichtet, Aluminium kam nur auf Wunsch bei der Beplankung des Gerippes zur Anwendung. Seit Mitte der 60er-Jahre hatte man bei R+J versucht, auf der einen Seite die Fertigung der Busse zu beschleunigen und zu verbilligen, auf der anderen Seite dem Kunden ein wirtschaftliches Fahrzeug anzubieten. Um konkurrenzfähig zu bleiben, hatte Ramseier+Jenzer die angebotenen Typen in einem Baukastensystem vereinheitlicht, die verwendeten Teile normiert und die Herstellung mit Lehren vereinfacht. Äusserlich erkennBusse Unten: Querschnitt in patentierter Grossprofil-Bauweise (Eine Seitenwand aus ca. 30 Positionen.) Rechts: BH4 mit Saurer Fahrgestell. Im Design und Ausstattung ein Erfolg – über 200 mal gebaut. Oben: Selbst als Briefmarke verewigt.

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