139 Der Tag der Gegenüberstellung Dann kam der Tag der Präsentation, respektive die Gegenüberstellung der zwei Fahrzeuge. Im Berner Feuerwehrdepot wurden die beiden Produkte in geschlossenen Boxen einer Fachgruppe aus GRD und Armee präsentiert. Ganz besonders interessierte die beiden Lieferantenparteien natürlich, wie das Fahrgestell des Mitbewerbers aussah. Die Worte des Kommissionspräsidenten stiessen deshalb auf offene Ohren, als er kurz und bündig fragte: «Wollt ihr das Konkurrenzprodukt für eine Viertelstunde ansehen?» Beide Parteien waren einverstanden. So erging der Befehl: «Türe auf zu den beiden Boxen.» Nach 15 Minuten kamen alle zurück in den Meetingraum – menschlich und fachlich einander, obschon als Konkurrenten, näher gekommen, weil man in die Arbeit des anderen Einblick erhalten hatte und so gegenseitig Achtung aufbringen konnte. Anschliessende Testfahrten in der Schweiz und auf dem Gelände der deutschen Bundeswehr in Trier hielten dann vor allem die Fahrgestellkonstrukteure weiter auf Trab. Für HESS als Aufbaulieferant ergaben sich in dieser Phase äusserst wertvolle Erkenntnisse über das Verhalten der CO-BOLT®-Verbindungstechniken bei extremen Verwindungen. Praxiseinsätze und Überrolltests schlossen sich an. Mowag scheidet aus In einem ersten Auswahlentscheid schied das Mowag-Fahrzeug dann aber aus. HESS gratulierte dem Sieger, leckte sich die Wunden und ging zum Tagesgeschäft über. Doch wenige Wochen später kam die erlösende Anfrage aus Niederwangen: «Wollt ihr bei uns einsteigen? Die HESS-Aluminiumkonstruktion hat uns und auch die GRD überzeugt.» HESS sagte natürlich spontan und voll motiviert zu. Das Produkt wurde nun im neuen Team weiter optimiert und die Erkenntnisse aus der Testzeit wurden konsequent umgesetzt. Aus Technikkonkurrenten wurden Freunde, mit dem gemeinsamen Ziel, den definitiven Auftrag für die Herstellung von 2000 bis 3000 Armeefahrzeugen zu erhalten. 1992, wie aus heiterem Himmel, wurde durch NAW Arbon (ehemals SAURER) der deutsche Unimog U 140 L der GRD vorgeführt. Auf politischen Druck hin musste der neue Mitbewerber nun ebenfalls evaluiert werden – das Resultat aus dem Kampf der Lobbyisten hinter den Kulissen. Am 1. September 1993, nach langem Warten, wurde durch Bundesrat Kaspar Villiger und im Beisein des Generalstabschefs sowie der sicherheitspolitischen Kommission der Typenentscheid gefällt: Zu Gunsten des DURO von Bucher. Der Beschaffungskredit wurde im Parlament mit 20 Stimmen bei 3 Enthaltungen gutgeheissen. Die Bestellung umfsste 1 800 Mannschaftswagen und 200 Kommandofahrzeuge, mit einer Option für weitere 1 000 Fahrzeuge. Diesmal sass HESS im richtigen Boot. BUCHER schenkte den Bellachern das ganze Vertrauen für die Lieferung der Aufbauten. Die ersten 10 Fahrzeuge (Nullserie) wurden am 30. September 1994 termingerecht abgeliefert. HESS ermöglichte dieser Auftrag aber auch eine interessante Aufbauplanung mit Vorrichtungen, Spezialwerkzeugen und Einrichtungen. Oben: Abmessungen des DURO. DURO – für die Schweizer Armee
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