DAS MAGAZIN FÜR EINE AKTIVE LEBENSGESTALTUNG Ausgabe 1 | März 2026 SANDRA STUDER, MODERATORIN über den Eurovision Song Contest, Erfolg, Familie und den Umgang mit dem Älterwerden ALLTAGSHILFE Selbstständig bleiben dank der Unterstützung von Pro Senectute FOKUS Wandel
Grand Casino Luzern | Haldenstrasse 6 | 6006 Luzern | grandcasinoluzern.ch Luzerns Logenplatz für Geniesser Exquisite Gaumenfreude und imposante Aussicht auf den Vierwaldstättersee. Fine Dining mit 16 GaultMillau-Punkten Mediterraner Hochgenuss
3 Zenit | März 2026 INHALT zenit im Wandel Mit dieser Ausgabe beginnt für das zenit ein neues Kapitel: Es präsentiert sich in einem frischen Erscheinungsbild. Die Neugestaltung schafft mehr Raum für Menschen, Geschichten und Perspektiven. Zudem wird das neue zenit mit einem ökologischeren Druckverfahren produziert, was mit einem Wechsel des Papiers einhergeht. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen. Wandel begleitet uns im Alltag. Veränderungen fordern heraus, können aber auch anspornen, Routinen hinter- fragen, Neues ausprobieren. Die Beiträge dieser Aus- gabe zeigen, wie vielfältig Wandel sein kann: gesellschaftlich, beruflich, im Denken oder in Beziehungen. Berufliche Neuorientierung, neue Wege im Alter oder die Frage, was uns antreibt, spiegeln sich in den Arti- keln wider. Der gesellschaftliche Wandel der letzten 20 Jahre wird im Fachartikel von François Höpflinger sichtbar. Auch die Geschichten von Menschen, die neue Wege gehen, zeigen, wie Wandel Mut fordert und Chancen eröffnet. Bei der ersten zenit-Ausgabe vor 20 Jahren war Emil Steinberger auf dem Cover. Heute, mit 93 Jahren, teilt er erneut seine Gedanken. Seine Perspektive zeigt: Wandel heisst nicht, sich neu zu erfinden, sondern dem inneren Kompass treu zu bleiben und offen zu sein für das, was das Leben bringt. IMPRESSUM Herausgeberin Pro Senectute Kanton Luzern Maihofstrasse 76 6006 Luzern 041 226 11 93 Redaktion Esther Peter (Leitung) Robert Bossart Astrid Bossert Meier Heidi Stöckli (publizistische Leitung) Titelbild: Raphael Hünerfauth Nächste Ausgabe: Juni 2026 Layout/Produktion Media Station GmbH Inserateannahme kommunikation@lu.prosenec- tute.ch Ressourcenschonend gedruckt von Vogt-Schild Druck AG Gutenbergstrasse 1 4552 Derendingen Erscheinungsweise Vierteljährlich Auflage 64 000 Exemplare Abonnemente Für Spendende, Kursbesuchende und Mitglieder des Gönnervereins Pro Senectute Kanton Luzern im Jahres- beitrag inbegriffen Ruedi Fahrni, Geschäftsleiter Pro Senectute Kanton Luzern UND AUSSERDEM Am Sonntag, 14. Juni, lädt der Seniorenchor Luzern zum 30-Jahr-Jubiläumskonzert ein. Lassen Sie sich über- raschen von Programm und Gästen. 15 Uhr, Lukaskirche Luzern, mit Apéro im Anschluss ✺ ❉ ❉ 04 KURZ UND GUT Empfehlungen zum Aktivbleiben 06 IM ZENIT Sandra Studer, Moderatorin/Sängerin FOKUS WANDEL 12 WISSEN François Höpflinger über prägende gesellschaftliche Veränderungen 14 INTERVIEW Emil und Niccel Steinberger 18 PORTRÄT Vom Banker zum Bähnler 20 MENSCHEN Blick auf 20 Jahre Pensionierung 24 ZEITREISE Kanton Tessin, Teil 2 PRO SENECTUTE KANTON LUZERN 26 LEBENSGESTALTUNG Mit der Alltagshilfe unterwegs 28 JUBILÄUM 20 Jahre Fitgym-Leiterin 29 HERBSTSAMMLUNG Dank an alle Spendenden 30 MÄNNERKOCHEN Gemeinsam Feines kreieren 33 INFOSTELLE DEMENZ Unterstützung und Stärkung 35 INFOSSTELLE DEMENZ Interview mit der neuen Leiterin 37 RÄTSEL Fitness für den Kopf 38 RATGEBER Tipps für mehr Lebensqualität 40 AGENDA Anlässe zum Vormerken 42 ZU BESUCH BEI Edith Vogel 43 GUT ZU WISSEN Adressen von Pro Senectute
4 Zenit | März 2026 Gemeinsam mit Freiwilligen-Organisationen aus der Zentralschweiz, unter anderem auch Pro Senectute Kanton Luzern, lädt benevol Luzern an der Luga- Sonderschau «Freiwilligenarbeit» zum Mitmachen, Erleben und Staunen ein. Besuchende entdecken am Stand die Vielfalt freiwilligen Engagements und ler- nen Organisationen aus Gesellschaft, Gesundheit, Integration, Sport, Kultur und Natur kennen. Die Besuchenden erwarten interaktive Begegnungs- zonen mit Spielen, Rätseln und Aktionen wie das Wanderwege-Quiz oder den Boulder-Felsen. Kommen Sie ins Gespräch mit Freiwilligen, stöbern Sie im Brocki oder lassen Sie Ihr Handy vor Ort reparie- ren. Eine gemütliche Lounge lädt zum Austauschen, Verweilen und Ausruhen ein. Engagierte Freiwillige der verschiedenen Organisationen erzählen im persönlichen Austausch, wie vielseitig freiwilliges Engagement ist. ● Luga 2026: 24. April bis 3. Mai Halle 2/A 256 Voll wichtig Freiwilligenarbeit Treffpunkt Gesundheit Für mehr Wohlbefinden Der Treffpunkt Gesundheit lädt vom 28. bis 30. Mai im und um das Rathaus Luzern dazu ein, Neues auszuprobieren und die eigene Gesundheit in den Fokus zu rücken. Am Stand des Luzerner Kantonsspitals ist Pro Senectute Kanton Luzern mit dem Balance-Parcours präsent. Es ist dies eine spielerische Möglichkeit, Balance und Beweglichkeit zu testen. Des Wei- teren werden verschiedene Gratis-Gesundheits-Check-ups angeboten und neu auch eine Vortragsreihe angeboten. Vorbeikommen, mitmachen und entdecken: Für mehr Sicherheit und Wohlbefinden im Alltag. ● Datum: 28. und 29. Mai: 10 bis 18 Uhr; 30. Mai: 9 bis 17 Uhr ● Freier Eintritt ● Info: www.treffpunkt-gesundheit.ch Rezept Zopfkranz als Eiernest Zutaten ● 500 g Mehl ● ½ - 1 EL Salz ● 21 g Hefe, zerbröckelt ● 3 dl Milch, lauwarm ● 75 g Butter, weich ● ½ Ei verquirlt, zum Bestreichen Zubereitung Mehl und Salz in eine Schüssel geben, eine Mulde formen. Hefe in der Milch auflösen, zusammen mit Butter in die Mulde geben, zu einem geschmeidigen Teig kneten. Zugedeckt bei Raumtemperatur aufs Doppelte aufgehen lassen. ● Kränze: Teig vierteln. Jedes Viertel in je 3 Teile teilen, diese zu gleichmässig dicken etwa 20 cm (2/3 eines A4-Blattes) langen Strängen formen. ● Flechtstart: Stränge mit den Enden nach oben senkrecht vor sich hinlegen. Stränge am oberen Ende zusammendrücken. ● Flechten: Strang rechts aussen über den mitt- leren Strang nach links legen (wird zum mittleren Strang). Strang links aussen über den mittleren Strang nach rechts legen (wird so neu zum mittleren Strang). ● Die beiden Arbeitsschritte mehrmals wiederholen, bis der Zopf geformt ist. ● Während des Flechtens ab und zu Platz schaffen zwischen den Strängen, damit der Mittelstrang gut abgelegt werden kann. Die Enden zusammenfügen. ● Mit den restlichen Teigvierteln ebenso verfahren. ● Auf das mit Backpapier belegte Blech legen, 15-30 Minuten aufgehen lassen. ● Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen (Heissluft/Umluft 180°C). ● Kränze mit Ei bestreichen. Auf der zweituntersten Rille des vorgeheizten Ofens 20-25 Minuten backen. ● Herausnehmen, auskühlen lassen und buntes Osterei hineinlegen.
Zenit | März 2026 5 KURZ UND GUT Ferienwochen Entdecken Sie neue Horizonte Statt alleine zu verreisen, geniessen Sie gemeinsam mit einer Gruppe inspirierende Ferien voller Bewegung, Kultur und Geselligkeit. Ob Sie den Sommer am Meer verlängern, durch malerische Landschaften wandern oder kulturelle Highlights erleben möchten: Bei den vielfältigen Angeboten von Bildung+Sport ist für alle etwas dabei. Lassen Sie sich begeistern und starten Sie mit Pro Senectute in Ihr nächstes Ferien-Abenteuer! Bei den begleiteten Ferien in Murten lernen Sie die Stadt Murten von einer besonderen Seite kennen. Murten begeistert mit seinem mittelalterlichen Charme, der historischen Altstadt und der direkten Seelage; ideal für entspannte Spaziergänge und genussvolle Ferientage. Unsere pflegefachkundige Begleitung unterstützt Sie gerne. Es sollte möglich sein, selbstständig ein paar Treppen zu gehen. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Begeben Sie sich auf Entdeckungstour mit den attraktiven Ferienangeboten von Bildung+Sport. ● Kulturferien Neuenburg 26. bis 30. Oktober ● Begleitete Ferien Murten 12. bis 17. September ● Aktivferien in Reckingen/Goms 8. bis 13. Juni ● Anmeldung: www.lu.prosenectute.ch/Ferien, via QR-Code oder Tel. 041 226 11 52 Buchtipp «Solo – Alleinsein als Chance» Die Sachbuch-Bestsellerautorin Verena Steiner ist zurück mit einem neuen, vielleicht ihrem persönlichsten Buch. Der Verlust ihres Partners riss eine Lücke in ihr Leben. Sie wollte herausfinden, ob sie auch solo entspannt, gut verbunden und glück- lich sein kann. Ihre Bot- schaft: Alleinsein ist die Chance, um sich selber besser kennenzulernen und neue innere Ressourcen aufzubauen. In diesem Werk versteht es Verena Steiner meisterhaft, wissenschaftliche Befunde mit Erfahrungen Betroffener und eigenen Ideen und Erkenntnissen zu verknüpfen. «Solo» ist ein leicht lesbarer, fundierter Leitfaden, der sowohl als Inspiration als auch Ermutigung dienen kann. ● Das Buch gibt es in jeder Buchhandlung oder direkt auf www.arisverlag.ch CHF 26.90, NSB 978-3-9077238-44-8 Pro SenectuteTalk Starke Frauen – Woher kommt Ihre Kraft? Moderator Kurt Aeschbacher spricht mit illustren Gästen, u. a. Béatrice Tschanz (Bild), Kommunika- tionsfachfrau und Managerin sowie Doris Leuthard, ehemalige Bundesrätin, über Fragen, die uns alle bewegen: Wie entsteht Stärke und welche Rolle spielen Erfahrungen, Widerstände oder das Umfeld dabei? Erleben Sie einen Abend voller Impulse und Perspektiven! (Siehe Inserat letzte Seite) ● Termin: Donnerstag, 9. Juni, 17 Uhr ● Tickets: Tel. 041 226 77 77 oder online www.kkl-luzern.ch ● Mitglieder des Gönnervereins Pro Senectute Kanton Luzern erhalten 50% Rabatt (Rabattcode: GoennervereinPSLU) Fotos: Reto Duriet, zVg Murten
6 Zenit | März 2026 Mit der Moderation des Eurovision Song Contest schloss sich für Sandra Studer ein Kreis. Mit knapp 20 Jahren sang sie dort als Vertreterin der Schweiz das Lied «Canzone per te» und erreichte den fünften Rang.
7 Zenit | März 2026 IM ZENIT VON ROBERT BOSSART Ja, das letzte Jahr sei grossartig gewesen. «Ein Kollege sagte mir, der ESC sei ein Altersgeschenk. Und ich dachte mir, o.k., bin ich in meinem Alter bereits abgeschrieben?» Sandra Studer sitzt zu Hause an einem Tisch, an dem problemlos ein Dutzend Menschen Platz haben und der auch oft gut besetzt ist. Die 56-Jährige liebt es, mit ihrer Familie und Freunden zusammenzusitzen – das Spiel Brändi Dog liegt noch vom Vorabend auf dem Tisch. Ein bisschen recht habe ihr Freund schon gehabt mit seiner Bemerkung, fährt sie fort. «Es war nicht selbstverständlich, dass bei einem Format, bei dem Jugendlichkeit und Frische im Vordergrund stehen, auf eine Mittfünfzigerin gesetzt wird. Damit war ich übrigens die älteste Moderatorin, die je durch einen ESC-Final geführt hat.» Gefreut über die Anfrage, den Anlass zu moderieren, hat sie sich aber nicht wegen des Altersrekords, sondern weil sich für sie damit ein Kreis schliesst. Mit knapp 20 Jahren trat sie das erste Mal selber für die Schweiz auf. «Es war damals ein Zufall, ich habe einfach gerne gesungen», erinnert sich Sandra Studer. Seither sei kein Artikel mehr über sie geschrieben worden, in dem nicht auch der ESC erwähnt worden sei. Kein Wunder, schliesslich hat sie in ihrer Karriere immer wieder Berührungspunkte mit der Show gehabt. Zehn Jahre lang hat sie für die Schweiz moderiert und immer war es ein grosser Wunsch, dass die Schweiz den Eurovision Song Contest wieder einmal gewinnt. Grosser Erfolg am ESC Und sie gibt offen zu, dass es ein Traum von ihr war, einmal den ESC in der Schweiz auf der Bühne moderieren zu dürfen. «Hätte mich jemand vor ein paar Jahren gefragt, was ich beruflich noch machen möchte, wäre meine Antwort der ESC gewesen. Ich habe diesem Anlass so viel zu verdanken, deshalb empfand ich es als Geschenk, in Basel auf der Bühne stehen zu dürfen.» Sandra Studer erfüllte sich nicht nur einen Traum, sie erledigte ihre Aufgabe mit Bravour: «Das Duo begeistert Europa und die Welt», schrieb etwa die «Süddeutsche Zeitung» über Hazel Brugger und Sandra Studer. Am Fi- nale am 17. Mai, vor 150 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern, war zudem Michelle Hunziker mit von der Partie. Das Ganze sei sehr intensiv gewesen und mit viel Arbeit verbunden, gibt Sandra Studer zu. «Aber es war eine unglaubliche Zeit. Und dass sich daraus mit Hazel eine so enge und schöne Freundschaft ergeben hat, ist die Kirsche auf der Sahnetorte.» Kein Tag wie der andere Die Frage, wie denn ihr Alltag aussieht, ist nicht so einfach zu beantworten. Ihr ganzes Berufsleben lang sei kein Tag wie der andere gewesen. Mal ist es eine Moderation, die sie vorbereitet, dann hat sie abends eine Theatervorstellung und muss tagsüber Texte auswendig lernen. Schliesslich sind da auch noch der Haushalt und ihre gemeinnützige Arbeit. «Mein Leben ist ein Mischmasch aus vielen verschiedenen Elementen.» Aktuell sieht das in etwa so aus: Am Theater am Rigiblick spielt sie beim Musiktheater «Ds Lied vo de Bahnhöf» bereits in der zehnten Saison mit, moderiert grosse Anlässe, etwa in der Tonhalle, und bereitet sich auf ihre Musical-Hauptrolle in der Schweizerdeutschen Version von «Mamma Mia» vor. «Ich mache gerade jeden Tag sehr konsequent Stimmübungen.» Langweilig wird ihr also sicher nicht. Deshalb erstaunt es auf den ersten Blick, dass sie sich auch gemeinnützig engagiert, etwa in der Kinderspitex. Sandra Studer steht seit über 30 Jahren in der Öffentlichkeit. 2025 führte sie durch den Eurovision Song Contest (ESC) – als älteste Mode- ratorin in der Geschichte der grössten Musikshow der Welt. Sie hält nicht viel davon, sich um jeden Preis «jungzubügeln», vielmehr plädiert sie dafür, zum Älterwerden zu stehen. Und sichtbar zu bleiben. „Gut alt werden? Bei sich bleiben!“ Fotos: Raphael Hünerfauth
8 Zenit | März 2026 Warum tut sie das? «Ich möchte etwas zurückgeben, zudem arbeite ich nicht mehr wie früher 150 Prozent und meine vier Kinder sind gross, sodass ich mehr Zeit habe.» Zusammen mit ihrem Mann unterstützt sie den Inselstaat Tonga im Südpazifik, der nach einem verheerenden Tsunami vor vier Jahren auf Hilfe angewiesen ist. Da ihr Mann Wurzeln auf der Insel hat, existiert eine Familienstiftung mit einem entsprechenden Netzwerk, das nun von grossem Nutzen ist. «Wir haben hier Geld gesammelt, das wir beispielsweise für den Kauf von Fischerbooten und den Bau von Wassertürmen verwenden konnten», sagt Sandra Studer. Es sei schön, wie man mit relativ wenig finanziellem Aufwand sehr viel bewirken könne, fügt sie an. Ein Familienmensch Die Frage nach Brüchen, nach Wandel in ihrem Leben scheint auf den ersten Blick wenig ergiebig. Ihre stetige Entwicklung hin zu einer der bekanntesten Moderatorinnen der Schweiz, ihr Familienleben mit vier Kindern und einer gelungenen Ehe – alles scheint sich organisch entwickelt zu haben. «Auch mein Leben hat Brüche», sagt Sandra Studer. Als ihr drittes Kind bereits nach sechs Monaten zur Welt kam, erlebten sie und ihr Mann eine sehr schwierige Zeit. «Das hat mich damals aus der Bahn geworfen. Nicht zu wissen, ob mein Kind überlebt oder nicht, hat uns alle stark belastet.» Es gab auch andere Erlebnisse und Ereignisse, aber Sandra Studer hat solche Dinge nie nach aussen getragen. Ihre Familie zu schützen, stand bei ihr immer an vorderster Stelle, sie wollte nie, dass ihre Kinder wegen ihrer Bekanntheit leiden müssen. Auch sonst hat die Familie bei ihr einen sehr hohen Stellenwert. In der Zeit, als die Kinder klein waren, hat sie öfters Anfragen abgesagt, wenn es das Privatleben zu sehr belastet hätte. «Ich hätte zum Beispiel gerne bereits damals schon mehr Theater gespielt», sagt Sandra Studer. Aber mit kleinen Kindern an den Abenden auf der Bühne zu stehen, hätte sie zu sehr gestresst. «Für mich war stets klar, dass die Familie an vorderster Stelle steht. Das mag langweilig klingen, aber je langweiliger, desto besser.» Sie lacht und erklärt: Selbstverständlich sei es innerhalb der Familie und auch sonst in ihrem Leben nie langweilig gewesen. «Ich bin einfach froh, wenn alles gut läuft.» Leben als Achterbahn Obwohl die letzten Jahre und Jahrzehnte relativ «linear» verlaufen seien, fühle es sich ganz anders an, sagt Sandra Studer. «Ich empfinde mein Leben als eine grosse Achterbahn, wo dauernd sehr viel Wandel stattgefunden hat.» Damit meint sie auch und vor allem das Familienleben, das ihr so viel gibt und ihr viel bedeutet. «Was meine vier Kinder über die Jahre alles mit nach Hause brachten an Menschen, Ideen, Gedanken und Erlebnissen, ist einfach wunderbar und für mich eine riesige Bereicherung.» Am grossen Tisch in der Stube versammeln sich die Menschen, essen, lachen, diskutieren – und spielen das bereits erwähnte Brändi Dog, Sandra Studers Lieblingsspiel. Das Leben aus den Augen junger Erwachsener zu sehen, findet sie spannend. «Ihre Lebensrealitäten sind so anders als meine in jungen Jahren, sodass ihnen meine Erfahrungen von damals nur bedingt nützen», sagt sie. Heute sei es beispielsweise viel schwieriger, einfach mal beruflich etwas auszuprobieren. «Damals waren viele Türen halb offen, das ist heute ganz anders.» Damals. Wie war das nochmal mit ihren Anfängen als Sängerin – ein Kindheitstraum, der sich erfüllte? Sandra Studer winkt ab, wie bereits angetönt, sei sie eher per Zufall zum ESC gelangt. «Ich habe in Bands und einem Sie wurde 1969 als Tochter einer Spanierin und eines Schweizers geboren. Als Stu- dentin reichte sie als Sandra Simó (lediger Name der Mutter) ihr Lied «Canzone per te» ein und vertrat die Schweiz 1991 am ESC in Rom. Sie erreichte den fünften Platz. Sandra Studer, die Germanistik und Musikwissenschaft studier- te, wurde darauf vom Fernsehen entdeckt und mit Sendungen wie «Traumziel», «Takito» und «einfachluxuriös» zu einer der beliebtesten Fernsehmoderatorinnen der Schweiz. Sie moderierte in der Folge TV-Events wie «La Traviata im Hauptbahnhof» oder den Swiss Award. Zudem stand und steht sie in zahlreichen Musicals, Theaterstücken und anderen musikalischen Projekten als Sängerin und Schauspielerin auf der Bühne. Letztes Jahr moderierte sie zu- sammen mit Hazel Brugger und Michelle Hunziker den ESC-Final in Basel. Sandra Studer ist Mut- ter von vier Kindern und lebt in der Nähe von Zürich. Wer ist Sandra Studer?
9 Zenit | März 2026 IM ZENIT Im Musical «Mamma Mia!» spielt die 56-Jährige vom 6. Mai bis 14. Juni die Hauptrolle. Zu sehen in der Maag Halle Zürich, auf Schweizerdeutsch und mit den grössten Hits von ABBA.
10 Zenit | März 2026 Chor gesungen. Dann habe ich bei einem Freund, der ein Tonstudio hatte, für eine andere Sängerin die Backing Vocals eingesungen. Wir schafften es mit dem Song an die Schweizer Vorent- scheidung des ESC. Ein Tessiner Komponist kam auf mich zu und fragte, ob ich im Folgejahr mit seinem Lied mitmachen wollte. Es war alles etwas zufällig und einfach ein Abenteuer.» Eigentlich träumte Sandra Studer davon, in der Operndramaturgie Fuss zu fassen. «Hinter der Bühne an der Oper zu arbeiten, das wäre mein Traum gewesen.» Nun, es kam anders, 1991 vertrat sie am ESC die Schweiz mit dem Song «Canzone per te» und erreichte den fünften Platz. Sie sei da einfach so reingerutscht, erinnert sie sich. «Deshalb habe ich wohl immer eine gewisse Leichtigkeit behalten.» Danach setzte sie ihr Studium der Germanistik und Musikwissenschaft Inserat bringen und so herunterbrechen, dass es für alle erfahrbar ist. Dass ihr das unter anderem mit Sendungen zum Lucerne Festival oder mit Moderationen zu Opernaufführungen gelungen ist, freut sie. «Wichtig war mir immer die gegenseitige Wertschätzung der verschiedenen Sparten.» Sandra Studer hatte das Glück, dass sie sich nie um Engagements bemühen musste. Ist sie ein Glückskind, dem alles in den Schoss fällt? «Ich habe auch hart gearbeitet. Aber ich bin dankbar, dass ich diesen Weg machen konnte und nie das Gefühl hatte, dass man mich nicht mehr will.» Das ist auch ihrer Lebenshaltung geschuldet. Sie ist keine, die in Defiziten denkt, das Glas ist halb voll und nicht umgekehrt. Dass sie seit einigen Jahren, abgesehen vom ESC, keine Fernsehpräsenz mehr hat, stört sie nicht. «So habe ich mehr Zeit für anderes, etwa das Theater.» fort – bis das Schweizer Fernsehen sich meldete und sie schon bald eine Primetime-Sendung moderierte. Zu der Zeit habe es im Fernsehen an weiblichen Moderatorinnen gemangelt, das sei wohl ihr Glück gewesen. «Ich kam da ganz unverkrampft rein und machte kreuz und quer alles Mögliche. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass heute vieles von dem, was ich machte, nicht mehr auffindbar ist.» Hochkultur erfahrbar machen Bereits in jungen Jahren erlangte sie einen hohen Bekanntheitsgrad. Dafür sei sie dankbar, andererseits störte es sie zunehmend, dass sie als «Unter- haltungstante» wahrgenommen wur- de. Mit dem Graben zwischen «u» und «e», zwischen Unterhaltung und ernsthafter Kultur bekundete sie ihre Mühe. Sie wollte die «Hochkultur» – Musik, Theater, Tanz – unter die Leute Testen Sie unverbindlich und kostenlos die neuesten Hörgerätemodelle. Hörzentrum Schweiz – Ihrem Gehör zuliebe. Gutschein Hörtest und Beratung, Probetragen, Optimierung jedes Hörgerätes Maihofstrasse 95 A, 6006 Luzern, T 041 420 71 91, hzs.ch
Zenit | März 2026 11 IM ZENIT Trotz ihres Erfolgs als «älteste» Moderatorin am ESC: Älter werden ist gerade für Menschen, die im Showbusiness tätig sind, kein einfaches Thema. «Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mir nichts ausmacht, älter zu werden», sagt Sandra Studer. Es sei eine Herausforderung und ein Prozess. Klar ist für sie, dass alt werden nicht bedeutet, möglichst schön, jung und knusprig auszusehen. «Gut altern heisst, bei sich bleiben. Ich orientiere mich an Menschen, die das gut machen, etwa meine 93-jährige Schwiegermutter, die mit so viel Interesse und Freude am Leben teilnimmt, dass ihr jeweils alle am Tisch gebannt zuhören, wenn sie spricht.» Das sei das Essentielle: Die Neugier am Leben und das Interesse an Menschen. «Insofern denke ich, dass ich das Alter nicht fürchten muss.» den letzten Funken Jugendlichkeit aus mir herauspressen müssen», bringt sie es auf den Punkt. Gleichzeitig findet sie es wichtig, dass Frauen ab einem gewissen Alter nicht einfach «unsichtbar» werden. «Alle reden von Diversität – wo ist die geblieben, wenn es um ältere Menschen geht?» So gesehen sieht sich Sandra Studer auch als positives Beispiel, wenn sie weiterhin in der Öffentlichkeit tätig bleibt. Bis 80 voll arbeiten möchte sie aber nicht. «Obwohl ich mich jetzt schon auf alle Rollen freue, die man eben erst als alte Frau spielen kann.» Mehr reisen würde sie gerne. «Mein Mann seufzt jetzt schon, dass wir das möglichst bald umsetzen müssen. Wenn dann mal die Enkel kommen, hätte ich sicher keine Zeit mehr dafür.» Sie lacht. «Er kennt mich ziemlich gut. Ich werde sicher eine leidenschaftliche Grossmama.» «Gut altern heisst, bei sich bleiben. Ich orientiere mich an Menschen, die das gut machen.» Inserat Als Frau im Rampenlicht ist es aber nicht ganz so einfach. Sie kann sich nicht vorstellen, in zehn Jahren mit Stöckelschuhen auf der Bühne zu moderieren. «Ich möchte nicht dereinst Weitere Infos unter ausderregion.ch/luzern Wir fördern die regionale Vielfalt.
Zenit | März 2026 12 Im Verlauf der letzten 20 Jahre wandelte sich die Welt kontinuierlich. Die Konsequenz davon sind Verunsicherung und ein verstärkter Generationengraben. Es sind aber auch grundlegende und positive Gegenentwicklungen entstanden. VON FRANÇOIS HÖPFLINGER * Die nach 1989 erlebte Aufbruchstimmung – Ende der Sowjetunion, Wie- dervereinigung Deutschlands und Demokratisierung Osteuropas – ist in den letzten 20 Jahren zerbrochen. Die letzten zwei Jahrzehnte waren durch immer neue Krisen gekennzeichnet, von der Finanzkrise 2007 bis 2009 – die schliesslich mit dem Konkurs der Credit Suisse endete – und der Covid- Epidemie ab 2020 – die zeitweise massive Einschränkungen der Bewe- gungsfreiheiten und Begegnungsorte Hin zur Solidarität zwischen den Generationen einschloss – bis hin zur Invasion in die Ukraine und autoritären Trends in den USA. Polarisierende populistische Bewegungen sind in vielen Ländern deutlich und führen vermehrt zu staats- politischen Blockaden. Verstärkt wurde die Krisenstimmung durch immer sichtbarer werdende Fol- gen des Klimawandels. Die Hitzesommer der letzten Jahre führten speziell bei älteren Menschen zu sichtbaren ge- sundheitlichen Problemen. Die rasche Digitalisierung und Diskussionen über die Folgen der KI-Technologie trugen und tragen ebenfalls zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Dies hat auch in der Schweiz erneut zu einem verstärkten Generationengraben bei- getragen, da die jüngsten Generationen nicht mehr – wie frühere Generationen – davon ausgehen, dass es ihnen besser gehen wird als ihren Eltern. Erhitzt haben sich dabei auch die Diskurse um die Folgen der demografischen Alterung, sei es bezüglich drohender Defizite der Altersvorsorge oder sei es bezüglich einem sich ab- zeichnenden Pflegenotstand. Die See ist stürmisch geworden, aber unterhalb der Wellen – von den
Zenit | März 2026 13 insgesamt positive Entwicklung – wodurch etwa die Lebenszufriedenheit älterer Menschen in den letzten zwan- zig Jahren auf einem hohen Niveau verblieb. Bei jungen Menschen sind – auch als Folge der Covid-19-Pandemie – allerdings die psychischen Belastungen angestiegen. Ebenso hat sich der An- teil an Jugendlichen mit einem über- mässigen Gebrauch digitaler Techno- logie (Handy-Abhängigkeit) erhöht, wogegen bei älteren Menschen eher eine Nichtnutzung der digitalen Mög- lichkeiten negative Auswirkungen aufweist. Insgesamt hat sich in den letzten zwanzig Jahren die Situation vieler Rentner und Rentnerinnen stärker verbessert als die junger Menschen (was angesichts der demografischen Alterung neue Formen intergenera- tioneller Solidaritäten erfordert). Krisen, aber auch positive Trends Auch die Zukunft wird durch ein Nebeneinander von Krisen, Bedrohungen und stillen positiven Trends gekennzeichnet sein. So wird der Klimawandel gerade auch Berg- gebiete negativ berühren, aber ent- scheidend ist auch, wie solidarisch die Schweiz mit Opfern von Klimaschäden umgeht. In krisenbehafteten Zeiten sind Länder, die sich solidarisch und nicht polarisierend organisieren, besser in der Lage, kreativ und innovativ mit aussenpolitischen, klimatischen und digitalen Herausforderungen umzu- gehen. Es ist deshalb für die Zukunft ent- scheidend, die Schweiz weg von einer polarisierenden «Neidgenossenschaft» hin zu einer intergenerationellen Eid- genossenschaft zu steuern. Projekte, welche nachbarschaftliche Kontakte und Generationenbegegnungen über Partei- und Sprachgrenzen fördern, sind gerade in herausfordernden Zeiten zentral. Massenmedien weitgehend unbeachtet – ergeben sich grundlegende und oft positive Gegenentwicklungen. So ist die Lebenserwartung in vielen Regionen der Welt weiter angestiegen. Auch die Säuglings- und Kindersterblichkeit ist in vielen Ländern deutlich gesunken. Weitgehend unbeachtet blieb auch die Tatsache, dass in vielen – wenn auch nicht allen – Ländern die Suizidraten bei jungen wie bei älteren Menschen deutlich gesunken sind. Starker Alkoholkonsum weist rück- läufige Werte auf und bei der älteren Bevölkerung sind Ex-Raucher und ExRaucherinnen zur grössten Gruppe geworden. Mehr Frauen und Männer zeigen ein gesundheitsbewusstes Ver- halten und der Anteil der sportlich Inaktiven ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Zeitalter der Grossmütter In vielen Ländern – darunter auch der Schweiz – hat sich damit auch die gesunde Lebenserwartung ausgewei- tet, wodurch mehr Frauen und Män- ner von einem langen, gesunden Ren- tenalter profitieren. In diesem Rah- men hat sich weltweit in den letzten Jahrzehnten namentlich die Zahl von Grosseltern (und dabei speziell von Grossmüttern) massiv erhöht. Das bekannte englische Magazin «The Economist» betitelte 2023 unsere Ge- genwart deshalb als «The Age of the Grandma» (Das Zeitalter der Grossmütter). In vielen Ländern haben sich die Kontakte zwischen Grosseltern und Enkelkindern dabei in einer historisch einmaligen Form verbes- sert und intensiviert. Eine durchaus positive Entwicklung ist auch die Bildungsexpansion der letzten Jahrzehnte, wodurch mehr junge Männer und Frauen als früher eine qualifizierte schulische oder berufliche Ausbildung geniessen. Da- mit haben sich die Beschäftigungs- optionen nachkommender Genera- tionen verbessert (und in vielen WISSEN FOKUS ✺ «Generationen begegnungen über Partei- und Sprachgrenzen hinweg sind gerade in herausfordernden Zeiten zentral.» * François Höpflinger, em. Prof. Dr. Studium der Soziologie an der Universität Zürich und langjährige Leitung von Forschungsprojekten zu demografischen und familien- soziologischen Themen. Seit 2009 bis heute: selbstständige Forschungs- und Beratungstätigkeiten zu Alters- und Generationenfragen. europäischen Ländern hat sich die Jugendarbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich reduziert). Der Ausbau der Bildungsmöglichkeiten und der Weiterbildung über das Rentenalter hinaus wirken sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten vieler Menschen aus. Positive Wandlungsprozesse Eine bedeutsame Folge ist, dass zunehmend auch ältere Frauen und Männer innovativ bleiben, sich aktiv engagieren und kreativ sind. Diese neuen bildungsbezogenen Entwicklungen wirken bis ins hohe Alter und sind – neben medizinischen Fortschritten – mit ein Grund, weshalb sich in vielen europäischen Ländern das Risiko einer demenziellen Erkran- kung im Alter reduziert. Eine genaue Analyse der Wandlungsprozesse in der Schweiz weist bei einer grossen Mehrheit junger Familien und der älteren Bevölkerung auf eine Foto: Adobe Stock, zVg
Zenit | März 2026 14 Auf dem Titel des ersten zenit im Jahr 2005 ist Emil Steinberger zu sehen. Der Kabarettist war 72 und sprach im Artikel vom Vorsatz, weniger zu arbeiten. Was daraus geworden ist und wie der heute 93-Jährige und seine Frau Niccel über Veränderung und das Alter denken, erzählen sie im Interview. Fotos: Raphael Hünerfauth „Eine Beziehung braucht auch Toleranz“
Zenit | März 2026 15 VON ASTRID BOSSERT MEIER Das Gespräch findet an einem sonni- gen Januar-Tag im Atelier von Emil und Niccel Steinberger in Basel un- weit des Bahnhofs statt. Die Oblichter des Sheddachs versorgen den Raum mit viel Licht. Auf den Arbeitstischen stapeln sich Fotos, Arbeitspapiere, Notizhefte, Bücher. Auf den Staffeleien stehen farben- frohe Kunstwerke von Niccel. Emil hat gerade seinen 93. Geburtstag gefeiert und wenige Tage zuvor war der Kinofilm «Typisch Emil – vom Loslassen und Neuanfangen» im Schweizer Fernsehen SRF und im deutschen SWR zu sehen. 277 000 Menschen in der Schweiz haben sich im Januar das zweistündige Filmporträt über Ihr Leben angesehen. 445 000 waren es zeit- gleich in Deutschland. Wie fühlte sich das an? Emil Steinberger: Wir haben uns den Film an diesem Samstagabend selber zuhause angeschaut. Da dachte ich: Das ist schon ein besonderer Moment. Wir höcklen gemütlich in unserer Stu- be und in Tausenden anderen Stuben schauen sich Menschen ebenfalls un- seren Film an. Vielleicht sogar genera- tionenübergreifend, wie wir es bei den Kinovorführungen oft erlebt hatten. Was ist aus Ihrer Sicht besonders gelungen am Film? Niccel: Mir gefällt, dass er nicht nur Emils Leben nacherzählt, sondern die Menschen berührt. Sie lachen über die lustigen Szenen, sie sind bei den schmerzlichen Momenten gerührt und ziehen vielleicht auch Parallelen zum eigenen Leben. Emil: Ein schwerer Moment war die Konfrontation mit meiner Mutter. Da geht es um Erziehung, um unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und um Eltern, die mit den Wünschen ihrer Kinder nicht INTERVIEW FOKUS ✺ einverstanden sind. Das ist in vielen Familien ein Thema. Sie geben im Film sehr persönliche Einblicke. Wächst mit dem Älterwerden auch der Mut zur Offenheit? Niccel: Der Druck, sich beweisen zu müssen, wird kleiner. Man kann auch über das sprechen, was nicht gut lief und was man lange für sich behalten hat. Emils Offenheit im Film hat mich sehr gefreut. Etwa als er erzählte, wie erlöst er nach der Kündigung bei der Post war. Emil: Nach neun Jahren Post an die Kunstgewerbeschule zu gehen, war schon mutig. Ich musste gegen men- Sie beide haben immer wieder grosse Veränderungen gewagt, beruflich wie privat. Bei manchen Menschen schwindet im Alter die Lust auf Neues. Unbekanntes löst eher Sorge als Freude aus. Kennen Sie das nicht? Emil: Ich sehe im Alter einfach keine Barriere. Vielleicht bin ich naiv. Als ich 80 wurde, war in allen Medien von dieser Zahl die Rede. Da dachte ich an mein früheres Bild von alten Leuten und erschrak: Jetzt sehe ich auch so aus! Dennoch hat Sie das Alter nie vom Arbeiten abgehalten. Emil: Nein, das hätte ich nicht gekonnt. Obwohl: Unsere Gesellschaft und die Medien sind schon stark auf die Jugend fokussiert, alles muss jung wirken. Niccel: Die Welt verändert sich rasend schnell, technisch wie gesell- schaftlich. Gleichzeitig verändert sich das Alter. Menschen bleiben viel länger aktiv und wagen Neues. In meinen Lachseminaren sehe ich oft ältere Menschen, die sich mutig auf etwas Unbekanntes einlassen. Im Alter kommt eine neue Freiheit. Wenn man diese auslebt, kann das sehr erfüllend sein. Emil: Manchmal schaue ich mir das Pro-Senectute-Kursprogramm an und denke, das ist ein Paradies. Aber wohl ohne Ihre Beteiligung? Emil (lacht): Nein, ich habe ja nicht mal genug Zeit für meine eigenen Projekte. Niccel (lacht auch): Ich könnte dir mal einen Kurs schenken. Emil: Im Ernst, diese Angebote sind grossartig. Da geht’s nicht nur um Vergnügen, sondern auch um Bildung, Kultur oder Sprache. Sie sind seit 30 Jahren ein Paar. Wenn Sie sich so necken, scheinen Sie verliebt wie am ersten Tag. tale, gesellschaftliche und familiäre Widerstände ankämpfen. Heimlich bereitete ich mich auf die Aufnahmeprüfung vor, zeichnete abends auf dem Nachttisch und hoffte, dass niemand fragt, wozu ich so viel Papier brauche. Sonst hiess es, du könntest auch was Gescheiteres tun. Gegen alle Widerstände sind Sie Ihren eigenen Weg gegangen. Wie haben Sie das geschafft? Emil: Ich musste mich selber retten. Ich spürte, dass mir das Leben ent- gleitet, wenn ich nichts ändere. Abends spielte ich bereits Amateurkabarett. Ich hoffte, mich mit den Einnahmen durchs Leben schlagen zu können. Finanziell habe ich nie gerechnet, nur geschätzt. Mein Kapital war immer die Idee. Für die Umsetzung brauchte es halt Phantasie. «Im Alter bekommt man eine neue Freiheit. Wenn man diese auslebt, kann das sehr erfüllend sein.» Emil
Sinfoniekonzert Beethoven und Brahms – Monumentale Meisterwerke – David Afkham dirigiert das Luzerner Sinfonieorchester, Bruce Liu als Solist am Klavier Mittwoch, 29. oder Donnerstag, 30. April 2026 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal Preise Regulär: CHF 150 | 125 | 90 | 55 | 25 Preise für Zenit-Leser: CHF 120 | 100 | 72 | 44 | 20 Das beliebte Muttertagskonzert – in diesem Jahr: Clelia Cafiero dirigiert das Luzerner Sinfonieorchester, Fazıl Say als Solist am Klavier Sonntag, 10. Mai 2026 11 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal Preise regulär: CHF 100 | 80 | 60 | 40 | 20 Preise für Zenit-Leser: CHF 80 | 64 | 48 | 32 | 16 Sinfoniekonzert Das Orchestre de la Suisse Romande mit Mirga Gražinytė-Tyla (Leitung) zu Gast im KKL Luzern Freitag, 22. Mai 2026 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal Preise regulär: CHF 135 | 105 | 75 | 50 | 25 Preise für Zenit-Leser: CHF 108 | 84 | 60 | 40 | 20 APRIL & MAI 2026 KKL LUZERN KONZERTSAAL DREI GROSSE SINFONIEERLEBNISSE IM KKL LUZERN 20% VORTEIL FÜR ZENIT-LESERINNEN UND LESER Beratung, Tickets und Information: Telefon +41 41 226 05 15 E-Mail: karten@sinfonieorchester.ch Bitte das Stichwort «ZENIT» erwähnen. Bestellung: Oder senden Sie Ihre Bestellung mit Stichwort «ZENIT» Luzerner Sinfonieorchester, Pilatusstrasse 18, 6003 Luzern E-Mail: karten@sinfonieorchester.ch Alle weiteren Highlights, alle Konzerte des Luzerner Sinfonieorchesters, des Klavierfestivals «Le Piano Symphonique», interessante Angebote, weiterführende Informationen zur Saison 2025/26 finden Sie unter: sinfonieorchester.ch Möchten Sie kurzweilige Konzertabende in bester Gesellschaft verbringen? Und dabei grosse Musik erleben, die neue Welten öffnet? Bei den Sinfoniekonzerten des Luzerner Sinfonieorchesters sind Sie als besonderer Gast dabei. Als ZENIT-Leserinnen und -Leser erhalten Sie für drei ausgewählte Konzerte 20 % Rabatt in allen Ticketkategorien. Clelia Cafiero dirigiert das Muttertagskonzert im KKL Luzern am Sonntag, 10. Mai 2026, 11 Uhr
Zenit | März 2026 17 INTERVIEW FOKUS ✺ Emil: Als wir in New York zusam- menkamen, konnte ich fast nicht glauben, wie gut wir harmonierten. Dass die Interessen so übereinstimmten, das kannte ich nicht. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch eine Beziehung kann noch so harmonisch sein, sie braucht auch Toleranz. Niccel: Die Zeit in New York war frei, verspielt und verliebt. Doch die Jahre danach haben für mich einen höheren Wert, weil unsere Beziehung tiefer wurde. Wir haben schwierige Phasen gemeinsam gemeistert. Und wir haben sehr viel gearbeitet. Das war herausfordernd: beim Arbeiten stets an die Grenzen zu gehen und doch Sorge zur Beziehung zu tragen. Was hält Sie zusammen? Emil: Die gemeinsame Begeisterung. Vor meinem 80. Geburtstag dachte ich, ein Auftritt im KKL wäre eine schöne Art, mich bei meinen Fans zu bedanken. Meine Frau schaute mich mit grossen Augen an und sagte: tolle Idee. Und wir haben es gemacht – mit einem riesigen Aufwand. Jede andere Frau hätte gesagt: Nein, jetzt machen wir mal Ferien. Niccel: Zum Glück wusste ich damals noch nicht, wie viel Arbeit das war. Ge- meinsame Projekte verbinden uns. Und wir lieben die Menschen – mit all ih- ren Fehlern, die wir selbst auch haben. Im zenit-Interview vor 20 Jahren sagte der damals 72-jährige Emil, er wolle weniger arbeiten. Was ist daraus geworden? Emil (lacht): Das sagte ich schon in der Kunstgewerbeschule. In meinem damaligen Tagebuch steht, ich möchte mal an einer Idee so lange sitzen, bis sie perfekt ist. Aber es kam immer etwas dazwischen. Niccel: Es ist ein ehrlicher Wunsch. Aber etwas Neues zu schaffen war für Emil doch stets reizvoller, als sich zurückzulehnen. geschichten. Vielleicht erzähle ich sie mal auf der Bühne oder es entsteht eine Autobiografie. Und ich möchte Niccel bei ihren Projekten unter- stützen. Niccel: Momentan machen wir eine Auslegeordnung. Konkret ist, dass ich dieses Jahr wieder Lachseminare anbiete. Und ich möchte mehr malen und Ausstellungen realisieren. An- dererseits wäre eine Emil-Biografie natürlich wunderschön. Emil: Jetzt gärt alles wie ein Hefeteig. Die Frage ist nur: Wer braucht wie viel von diesem Teig? Könnte es sein, dass sich der Kreis schliesst und Sie irgend- wann nach Luzern zurückkehren werden? Niccel: Luzern ist eine traumhaft schöne Stadt zum Leben. Aber nach einem Umzug sehne ich mich gerade nicht. Emil: Zum ersten Mal sind wir in Basel ohne grosse Projekte. Jetzt hat unser Zuhause Vorrang. Dort gibt’s auch noch ein Büro, das dringend aufgeräumt werden will. «Gemeinsame Projekte verbinden uns. Und wir lieben die Menschen – mit all ihren Fehlern, die wir selbst auch haben.» Niccel Viele nehmen an, Niccel sei die treibende Kraft in Ihrer Beziehung, vielleicht weil sie jünger ist. Emil: Das musste ich so oft hören: Der hat halt eine junge Frau. Das sind billige Klischees. Niccel: Die auch verletzen können. Ich wollte Emil immer darin unter- stützen, sein Kulturgut und sein Werk zu bewahren. Aber er arbeitet nicht meinetwegen weiter. Wie geht Ihr Leben nach dem «Typisch Emil»-Film weiter? Haben Sie Pläne? Emil: Ich fühle mich wie ein Strassen- wischer, der mal etwas kehren und aufräumen sollte. Im Atelier gibt es einen riesigen Fundus an Zwischen-
Zenit | März 2026 18 Er führte rund 1000 Mitarbeitende und flog jährlich achtmal um die Welt: Dann liess sich der Top-Manager Thomas Bluntschli frühpensionieren und wurde Lokführer – ein anstrengender, kräftezehrender Job. Die Geschichte eines erstaunlichen Wandels. VON ROBERT BOSSART «Meine Frau fragt schon gar nicht mehr, wann ich morgen arbeiten muss.» Thomas Bluntschli sitzt am Tisch in seinem Einfamilienhaus in Schongau, vor sich ein Glas Wasser. Am Nach- mittag verzichtet er auf Kaffee, damit er gut schlafen kann. Entbehrungen nimmt er einige in Kauf wegen seines Jobs als Lokführer bei der Aargau Verkehr AG (AVA). Am Morgen beginnt sein Dienst um halb vier. Zuerst überprüft er die Triebzüge, bevor er losfährt. Jeden Tag startet er zu einer anderen Zeit, etwa 80 ver- schiedene Dienste decken er und seine Kollegen ab. Während der Fahrten ist er hochkonzentriert. «Es gibt tausend Dinge, die es zu beachten gilt, darum musst du jede Sekunde parat sein. Schliesslich trägst du eine grosse Verantwortung», sagt der 60-Jährige. Er fahre stets mit «Hirni», betont er und schmunzelt. Jederzeit könne etwas Unvorhergesehenes passieren. Einen Unfall hat er zum Glück noch nicht erlebt. «Eine gewisse Angst fährt immer mit, das gehört dazu.» Füsse hochlagern? Keine Option Seit rund zwei Jahren fährt Thomas Bluntschli als Lokführer. Eigentlich hätte er genug Erspartes, um die Füsse hochzulegen und das Leben zu genies- sen. Warum tut er sich das an? «Sobald ich aufhöre, mich weiterzuentwickeln, und keine Herausforderungen habe, fühle ich mich alt. Ich möchte ein erfülltes Leben haben, offen sein für Neues und stets etwas lernen. Mein Lebensziel ist es eigent- lich, weise zu sein. Weise durch Erfah- rungen.» Er lächelt und fügt an: «Das Leben geht immer weiter. Ich kann Vom Top-Banker zum Lokführer
Zenit | März 2026 19 Bahnbereich hätte man ihn nicht genommen, ist er überzeugt. Der Bewerbungsprozess mit verschiede- nen Eignungstests sei tough gewe- sen, bemerkt er. Bei einem Praxis- tag mit einem erfahrenen Lokführer sei er «auf die Welt gekommen». «Die vielen Eindrücke, der lange Dienst, die Schichtarbeit und dass du jede Sekunde voll konzentriert sein musst, haben mich beeindruckt», sagt Thomas Bluntschli. Er überlegte sich, ob er sich das wirklich nochmals antun wolle. Denn für ihn war klar: Wenn er einmal ja sagt, dann zieht er das auch durch. «Etwas anderes gibt es bei mir nicht.» Und so legte er los und absolvierte die anspruchsvolle Ausbildung, die etwas weniger als ein Jahr dauerte und nebst dem Fahren auch die um- fassende, schweizweite Theorie sowie die Fahrzeugtechniken beinhaltete. Kein «Schoggi-Job» Der Beruf als Lokführer gefällt dem ehemaligen Manager. «Wenn du am morgen früh vor dir die Sonne auf- gehen siehst, dann sind das Prachtsmomente. Ich mag auch die Gespräche mit den Fahrgästen oder meinen Lok- führerkolleginnen und -kollegen an den Bahnhöfen.» Auf der anderen Seite ist es alles andere als ein «Schoggi-Job». Wenn Thomas Bluntschli frühmor- gens zur Arbeit muss, kann er nicht am Abend vorher mit Freunden bis Mitternacht zusammensitzen. «Der Beruf ist streng und erfordert Opfer, auch von meiner Frau», bringt er es auf den Punkt. Er bereut keine Sekunde, dass er diesen Wandel vollzogen hat. Was er sich vorgenommen hat, zieht er durch, das hat er auch früher stets so gemacht. Und heute weiss er: «Lokführer ist kein Traumjob, aber ein guter Beruf.» beschloss ich, mich mit 55 vorzeitig pensionieren zu lassen», sagt Thomas Bluntschli. Sein Chef zögerte den Zeitpunkt noch drei Jahre hinaus, doch dann war es so weit: «Ich wollte etwas anderes machen, etwas, bei dem ich keinen Managerrhythmus und keine globale Aufgabe habe, keine Leute mehr führen muss und nicht mehr dauernd im Brennpunkt stehe. Etwas, bei dem ich die Arbeit nicht mit nach Hause nehme.» PORTRÄT FOKUS ✺ nicht einfach im Liegestuhl liegen und warten, bis es vorbei ist.» Zudem ist Wandel etwas, das in seinem Leben ein ständiger Begleiter war. Dass er jetzt ausgerechnet Lokführer gewor- den ist, hat mit seinen beruflichen Anfängen zu tun. Nach seiner Lehre als Betriebsdisponent arbeitete er zehn Jahre als Fahrdienstleiter und bediente unter anderem Stellwerke am Gotthard und am Bahnhof in Basel. 28 Jahre Top-Manager Parallel zum Job als Fahrdienstleiter holte er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach und arbeitete danach bei Sulzer in Luzern als kaufmännischer Leiter. In dieser Zeit studierte Thomas Bluntschli gleichzeitig zur Arbeit Betriebswirtschaft und Wirt- schaftsinformatik und wechselte nach den Studienabschlüssen zur UBS. Eine «Bilderbuchkarriere» begann: Nach neun Jahren – davon arbeitete er zwei Jahre in London – wurde er Managing Director. Inzwi- schen hatte er zur Credit Suisse gewechselt. Insgesamt verbrachte er 28 Jahre in leitenden Funktionen bei Grossbanken. «Zeitweise führte ich rund 1000 Leute an 22 Standorten weltweit.» Die Aufgabe als Top-Banker war spannend – und fordernd. «Ich war fast immer auf Reisen, flog etwa achtmal pro Jahr um die Welt, meine Arbeitstage dauerten oft 16 Stunden.» Freie Wochenenden kannte er kaum und Ferien bedeuteten für ihn «Arbei- ten an einem anderen Ort». «Die ersten zehn Jahre waren sehr spannend, die folgenden zehn waren o.k. Dann wurde es streng», beschreibt er es. Die dauernden Zeitverschie- bungen zehrten an den Kräften. Zudem fehlte es ihm an Zeit für seine beiden Töchter und seine Frau. «Schliesslich «Lokführer ist kein Traumjob, aber ein guter Beruf. Wenn du am Morgen die Sonne aufgehen siehst, dann sind das Prachts- momente.» THOMAS BLUNTSCHLI Der Beruf als Lokführer gefällt dem ehemaligen Manager. Wenn schon, dann richtig Einer wie er würde normalerweise ein Beratungsmandat übernehmen oder in eine Leitungsposition einer ande- ren Firma wechseln. «Aber genau das wollte ich nicht mehr.» Es sollte wirklich etwas ganz anderes sein. Ein Kollege brachte ihn bei einem Gespräch auf die Idee, Lokführer zu werden. «Ich fand den Vorschlag verlockend. Wenn du keinen Fehler machst, siehst du deinen Chef nie und du hast deine Ruhe.» Obwohl Lokführer gesucht sind, rechnete er nicht damit, dass er mit 58 noch für eine Ausbildung in Frage kam. Davon liess er sich nicht abhal- ten. Thomas Bluntschli bewarb sich auf verschiedene Stellenangebote und wurde schliesslich von der AVA ange- stellt. Ohne seine Erfahrung im Foto: zVg
Zenit | März 2026 20 So verschieden die Leben von Benno Delb, Josy Hofstetter, Vreni Meyer, Vreni von Arx-Moor und Simon A. Zihlmann sind, eines verbindet sie alle: Sie wurden vor rund 20 Jahren pensioniert. Wir wollten wissen, was sich seither verändert hat und wie schnell die 20 Jahre vergangen sind. Nun ist Erntezeit TEXT UND FOTOS: ASTRID BOSSERT MEIER Benno Delb, 84 Kriens «Ich war als Projektleiter Gebäudesicherheit bei den SBB tätig. Offiziell ging ich mit 60 in Rente, doch dann arbeitete ich in Teilzeit und in immer kleineren Pensen bis 70 weiter. Die freie Zeit setzte ich ein, um abends ehrenamtlich den Quartierbus zu steuern, Tennis zu spielen, mich am Fussballspielen zu erfreuen oder im Jodlerklub Flueblüemli mitzusingen. Die Jahre verflogen richtiggehend. Seit meinem Achtzigsten nehme ich die körperlichen Veränderungen deut- licher wahr. Meine Leistung nimmt ab, auch wenn ich im Spätherbst noch den Napf bestiegen hatte – langsam und gemütlich. Ein Fixpunkt in der Agenda bleibt das wöchentliche Nordic Walking in einer offenen Sportgruppe von Pro Senectute. Seit einem Herzinfarkt walke ich aber nicht mehr in der ersten von fünf Stärkegruppen, sondern in einer mitt- leren. Solche Schritte sind nicht einfach. Doch ich will ehrlich zu mir sein und die Realität annehmen. Auch die Sexualität verändert sich mit dem Al- ter. Ich habe sie immer genossen. Heute ist die Beziehung wichtiger als das Kör- perliche. Ich bin dankbar, dass meine Frau Johanna und ich über solche Veränderungen offen reden können.» ✺ FOKUS MENSCHEN Einturnen vor dem Nordic Walking. Die wöchentliche Sportstunde lässt Benno Delb nie ausfallen.
Zenit | März 2026 21 Josy Hofstetter, 85 Zell «Wir hatten geplant, auch nach der Pensionierung weiter zu bauern. Doch dann starb mein Mann unerwartet an einer Lungenentzündung. Zuerst führ- te ich den Betrieb mit Unterstützung eines Sohnes weiter, dann schaute ich im Auftrag des Pächters viele Jahre lang zum Jungvieh. Erst mit 81 zog ich vom abgelegenen Bauernhaus in eine Wohnung ins Dorf. In den letzten Jahren erlebte ich schöne und schwere Momente. Schön war, dass ich nochmals eine neue Liebe fand. Leider verlor ich meinen Partner wieder – so wie meine letzten drei Geschwister. Nun bin ich als Einzige von acht Kindern noch hier. Aber ich habe eine grosse Familie, die mir Kraft gibt: fünf Kinder, zehn Grosskinder und zehn Urgrosskinder. Und ich bastle, stricke und nähe mit grosser Begeisterung. Am liebsten fertige ich kreative Glückwunschkarten, die ich in einem Laden verkaufen darf. Jede Karte ist ein Unikat und die positiven Rückmeldungen freuen mich. Abends darf ich nicht mehr ins Arbeitszimmer, sonst vergesse ich die Zeit. Trotz Schicksalsschlägen empfinde ich mein heutiges Leben als Erntezeit. Zu viele Zukunftssorgen will ich mir nicht machen. Sonst vergisst man zu leben.» Sie arbeitet bis heute leidenschaftlich gern mit den Händen: Josy Hof- stetter in ihrem Arbeitszimmer, das auch ein Kartenatelier ist. Mit den kleinen Wehwehchen des Alters findet sich Vreni von Arx-Moor ab. Sie sorgt sich vielmehr um die Zukunft ihrer Enkelkinder. Vreni von Arx-Moor, 80 Wikon «Als unsere Tochter grösser wurde, kehrte ich ins Berufsleben zurück und arbeitete bis zur Pensionierung als kaufmännische Angestellte weiter. Mein Pensum reduzierte ich schrittweise und engagierte mich dafür vermehrt ehrenamtlich – etwa im Vorstand der Heimatvereinigung Wiggertal, bei unserer lokalen Kulturgruppe «Kultur im Spycher» oder als Stadtführerin in Zofingen, wo ich aufgewachsen bin. Kurz nach der Pensionierung kamen unsere drei Enkelkinder zur Welt, die bis heute regelmässig bei uns sind. Inzwischen bin ich 80 und spüre meine Knochen gelegentlich. Unser grosser Garten kann belastend sein und ich denke bewusst nicht mehr in Jahrzehnten. Irgendwann wird der Moment kommen, das Haus gegen eine Wohnung einzutauschen. Ich traue mir zu, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, und mache mir deswegen nicht allzu grosse Sorgen. Jedoch sorge ich mich um die Zukunft unserer Gross- kinder. Wenn ich an die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten, die Kriege, die Gefahren der Künstlichen Intelligenz oder die Macht der Superreichen denke, frage ich mich: Wir hatten doch zwei Weltkriege. Haben wir wirklich nichts daraus gelernt?»
Zenit | März 2026 22 truvag.ch Truvag AG Luzern | Reiden | Sursee | Willisau | +41 41 818 77 77 Vernetzte Kompetenzen – Ihr Plus für Eigenheim, Finanzen und Zukunft. Immobilien-Bewertung | Immobilien-Vermarktung | Baumanagement Steuer-Beratung | Vorsorge-Planung | Rechts-Beratung LERNEN UND WISSEN — EIN LEBEN LANG BILDUNG UND KULTUR FÜR ALLE Möchten Sie in Ihrem Leben Neues dazulernen? Kommen Sie an unsere Vorträge, Exkursionen und Veranstaltungen! Bei uns sind Sie immer herzlich willkommen! Informationen erhalten Sie auf www.sen-uni-lu.ch Telefon 041 410 22 71 oder per Mail info@sen–uni–lu.ch Seniorinnen- und Seniorenuniversität Luzern Schweizerhofquai 2, 6004 Luzern ROTKREUZ- ENTLASTUNGSDIENST Durchatmen und Kraft schöpfen Betreuenden Angehörigen verschaffen wir die nötige Entlastung. Schnell, flexibel, verständnisvoll – über kurz oder lang. www.srk-luzern.ch 041 418 74 50 Inserate
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