KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

BEZIEHUNG – ERZIEHUNG 03 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 46 Man kann ein Kind liebevoll und feinfühlig mit einem Fläschchen füttern. Ein Kind tragen und Schlafen in der Nähe können helfen, Nähe und Stressregulation zu unterstützen. Die Eltern müssen vor allem hören, wenn sich das Kind meldet, dann prompt und angemessen reagieren. Eine gute Mutter-Kind-Bindung kann damit auch nach einer medizinischen Intervention mit Trennung der beiden gelingen. Väter können genauso feinfühlig sein. Bedürfnisorientierte Erziehung Das heisst, eine vertrauensvolle Beziehung mit liebevoller Führung aufbauen, die von Liebe, Wertschätzung und Ermutigung geprägt ist und Orientierung gibt. Die Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit und auch Autonomie verstehen. Es heisst nicht «du musst immer alles perfekt machen», weil Fehler später nicht mehr korrigiert werden können. Man muss auch nicht verhindern, dass das Kind negative Emotionen erlebt. Seine Bedürfnisse müssen nicht immer an erster Stelle gesetzt, und es dürfen auch Grenzen gesetzt werden. Für die Eltern sind die Regulation und Selbstversorgung von eigenen Gefühlen ebenso wichtig, um Überbelastung (Eltern-Burn-out) zu vermeiden. Beziehungsorientierte Erziehung setzt auf Begleitung und Co-Regulation, nicht auf Strafe, Gehorsam und Leistung. Es geht nicht um Erziehung zu einem willenlosen Befehlsempfänger, sondern vielmehr um Interaktionsfähigkeit, also darum, den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich innerhalb von Gruppen so bewegen zu können, dass es für sie selbst und auch für den Rest der Gruppe von Vorteil ist. Die positiven psychischen Funktionen bilden sich erst im Laufe der Kindheit aus, zunächst einmal auch dadurch, dass die kindliche Psyche ein erwachsenes Gegenüber als Begrenzung der eigenen Individualität wahrnimmt. Anhand der Eltern lernen Kinder, wie man mit Stress, Trauer, Wut und Freude umgeht. Mit zunehmendem Alter wird es immer wichtiger, dass anstelle von Begrenzung das Vorbild tritt, Kinder also psychische Funktionen etwa bei ihren Eltern erkennen und diese durch ständiges Training bei sich selbst reifen lassen können. Wenn das Gesagte mit dem Getanen übereinstimmt, entsteht für das Kind ein solides Vertrauensfundament. Beziehung als Grundlage für Resilienz Eine sichere Bindung zu den Bezugspersonen ist das stärkste Fundament für kindliche Resilienz. Durch Spiegelung erlebt es sowohl im positiven wie auch im negativen Verhalten Freude oder Ärger. So ist es absurd, davon auszugehen, die menschliche Psyche entwickle sich automatisch und sei irgendwann im Erwachsenenalter derart ausgereift, dass der Mensch den Anforderungen des Lebens von allein gewachsen sei. Was kennzeichnet psychisch widerstandsfähige junge Menschen? Eine positive Einstellung, Zielstrebigkeit, starke soziale Beziehungen und mindestens eine Vertrauensperson, die an sie glaubt. Kinder wollen gesehen werden. Dazu kommen Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz. Resiliente Kinder vertrauen auf ihre eigenen Gefühle und Empfindungen. Sie bewältigen Probleme aus eigener Kraft und suchen sich passende Hilfe. Sie akzeptieren Rückschläge und geben nicht sofort auf. Sie dürfen sich artikulieren und wehren können. Und Fehler dürfen passieren. Doch sie brauchen Seelentrost und liebevolle Ermutigung. Fazit: Kinder brauchen weder perfekte Eltern noch die jeweils neuesten Erziehungskonzepte. Sie brauchen Erwachsene, die präsent sind, Orientierung geben, Gefühle begleiten und verlässliche Beziehungen gestalten. ■ Fazit: Nicht einzelne Erziehungsmethoden sind entscheidend, sondern die Qualität der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern.

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