KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

03 / 2026 BEZIEHUNG – ERZIEHUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 45 Die Entwicklung von der klassischen Erziehung hin zu einer beziehungsorientierten Elternschaft – und warum stabile Beziehungen wichtiger sind als wechselnde Erziehungstrends. Mit Beziehung zur Erziehung odie und der Blickkontakt erleichtern die Kommunikation mit dem Kind, ebenso ein kurzes Berühren, Streicheln oder Singen. Diese elterlichen Reaktionen auf die Bindungs- und Explorationsbedürfnisse des Kindes fallen in Abhängigkeit von eigenen kulturellen Kindheitserfahrungen, Erziehungsnormen und Temperamentseigenschaften sehr unterschiedlich aus. Von der Bindungs- zur Beziehungsorientierung Bindungsorientierte Elternschaft (Attachment Parenting) Dieses Konzept muss verstanden werden auf dem Hintergrund der Erziehungsvorstellungen des Behaviorismus (Lerntheorie), der Angst vor Verwöhnung, dem Schreien-Lassen, der Fremdbetreuung und der Flaschennahrung. Es wurde vom Kinderarzt Willam Sears in den 1980er-Jahren in den USA entwickelt und beruht auf den «Sieben B»: Bonding direkt nach der Geburt, Breastfeeding, Babywearing, Bedsharing, Believe in Baby’s Cry (Signalcharakter erkennen und prompt reagieren), Beware of Baby Trainers, Balance and Boundaries von Bedürfnissen von Eltern und Kind. Die tatsächlichen Grundbedürfnisse wie Nähe, Nahrung und Schlaf stehen im Vordergrund. Nachweislich entscheidend für die Qualität der bindungsorientierten Elternschaft sind die elterliche Feinfühligkeit in Bezug auf die Bindungs- und Explorationsbedürfnisse des Kindes, der Verzicht auf Trainings («jedes Kind kann schlafen lernen») und eine gute Balance von Mutter und Kind. Es gibt eine Intensivierung der Elternschaft durch häufig wechselnde Trends. Soziale Medien als neue und wirkungsvolle Normgeber: «Momfluencerinnen» und Erziehungscoaches. Pseudowissenschaftliche Erziehungsinhalte verknüpft mit Kommerz sowie Produkteplatzierung. Baby-Tracking-Apps für Pseudo-Sicherheit. Eltern mit kleinen Kindern sind mit digitalen Geräten sehr gut ausgestattet und vernetzt. Die Herausforderungen sind enorm: Fremdbetreuung, hohe Gesamterwerbstätigkeit für Paare mit erhöhtem Abstimmungsbedarf, Förderung von Gleichstellung, Vereinbarung von Beruf und Familie, Fachkräftemangel in der Wirtschaft. Welche Betreuung brauchen Kinder für eine gesunde Entwicklung? Im Wort «Betreuung» steckt das Wort «Treue». Treue heisst langfristige Zuverlässigkeit, Einsatz und emotionale Hingabe. Als Fundament für eine sichere Eltern-Kind-Bindung kennen wir das Konzept der Feinfühligkeit nach Mary Ainsworth. Für die Wahrnehmung der Signale eines Kleinkindes muss die Bezugsperson emotional zugänglich sein, um subtile oder nonverbale Signale wie Blicke oder Laute des Kindes zu bemerken. Die Kleinen leben in Resonanz mit ihrer Bindungsperson. Die ProsDR. MED. CYRIL LÜDIN FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, SPRECHSTUNDE FÜR REGULATIONSSTÖRUNGEN, EHRENMITGLIED KIS UND REDAKTIONSKOMMISSION, MUTTENZ Korrespondenzadresse: cyril@luedin.eu eltern-kind-bindung.net «Verwöhnung provoziert Gewöhnung, stete Kontrolle und Anleitung würgen Neugier und Motivation und damit Selbstvertrauen ab.» M. Stamm

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