KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

03 / 2026 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 39 Auch sportliche Aktivitäten waren Teil des Alltags. Anders als die oft bewegungsarmen Liegekuren der Erwachsenen versuchte man bei Kindern und Jugendlichen, altersgerechte Bewegung und Gemeinschaft zu fördern. Die Bilder erinnern daran, dass die jungen Patient:innen nicht nur Kranke waren, sondern Kinder mit Bedürfnissen nach Spiel, Freundschaft und Aktivität. Klimatherapie im Winter Kinder einer Davoser Heilstätte bei einem Aufenthalt im Freien. Auch während der kalten Jahreszeit galten Sonnenlicht und Höhenluft als wichtige therapeutische Faktoren. Kind im Kindersanatorium Albula Neben medizinischer Betreuung gehörten Beschäftigung und pädagogische Begleitung zum Alltag der jungen Patient:innen. Eine historische Fotografie zeigt ein Kind im Bett, das gemeinsam mit einem Erwachsenen ein technisches Gerät betrachtet. Das Bild vermittelt mehr als medizinische Versorgung: Es erzählt von pädagogischer Begleitung, Beschäftigung und menschlicher Zuwendung. Gerade für Kinder bedeutete die Behandlung in Davos oft lange Aufenthalte fern der Familie. Die Heilstätten versuchten deshalb, den jungen Patient:innen trotz Krankheit eine möglichst normale Kindheit zu ermöglichen. Freiluftturnen in der Höhensonne Kinder absolvierten selbst im Winter gymnastische Übungen im Freien. Die Aufnahme zeigt Knaben während einer Kur in Davos um 1930. Jugendliche vor einer Schneeskulptur Die Kinderheilstätten waren nicht nur Orte der Therapie, sondern auch des Heranwachsens und der Gemeinschaft. Besonders berührend ist die Aufnahme einer Gruppe Jugendlicher vor einer Schneeskulptur. Sie zeigt Jugendliche nicht als Patient:innen, sondern als junge Menschen in einer Phase der Entwicklung. Gerade darin unterscheidet sich die Geschichte der Kinderheilstätten von der Welt des Zauberbergs: Während Thomas Mann die Krankheit der Erwachsenen beschreibt, erzählen diese Bilder von Kindheit und Jugend trotz Krankheit. Neben Klima- und Liegekuren kamen im Laufe der Zeit auch medizinische Verfahren wie der künstliche Pneumothorax zum Einsatz. Erst die Entdeckung des Antibiotikums Streptomycin in den 1940er-Jahren veränderte die Behandlung der Tuberkulose grundlegend. In den folgenden Jahren machten weitere Medikamente die Krankheit zunehmend heilbar. Damit verlor das Sanatorium als Therapieform an Bedeutung. Auch Davos wandelte sich. Viele Heilstätten wurden geschlossen, umgenutzt oder abgerissen. Aus dem Kurort entwickelte sich eine Tourismus- und Forschungsstadt. Die Geschichte der lungenkranken Kinder geriet dabei weitgehend in Vergessenheit. Hundert Jahre nach Erscheinen des Zauberbergs lohnt sich ein neuer Blick auf Davos. Thomas Mann schilderte die Welt der erwachsenen Tuberkulosepatient:innen mit literarischer Meisterschaft. Die Kinder aber blieben im Hintergrund. Ihre Geschichte erinnert daran, dass Krankheit im Kindesalter immer mehr bedeutet als eine medizinische Diagnose: Sie betrifft Entwicklung, Familie, Bildung und soziale Teilhabe. Die historischen Kinderheilstätten von Davos waren deshalb nicht nur Orte der Therapie, sondern auch Orte des Aufwachsens – fern von zu Hause, hoch oben in den Bergen. ■ Die Davoser Kinderheilstätten waren damit weit mehr als medizinische Einrichtungen. Sie waren Schulen, Wohnorte auf Zeit und Lebensräume für Kinder und Jugendliche, die oft über Monate oder gar Jahre von zu Hause getrennt waren. Historische Fotografien zeigen eindrücklich, wie eng Therapie und Alltag miteinander verbunden waren. Winterspiele und Schlittenfahren gehörten ebenso zum Klinikleben wie Unterricht und medizinische Betreuung. Bewegung an der frischen Bergluft galt als gesundheitsfördernd und sollte die körperliche Entwicklung unterstützen.

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