KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 03 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 34 DR. KARIN HOYLER FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, SCHWERPUNKT PÄDIATRISCHE PNEUMOLOGIE KINDERPNEUMOLOGIE HORGEN Korrespondenzadresse: info@ kinderpneumologie-horgen.ch PROF. DR. MED. NICOLAS REGAMEY FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, SCHWERPUNKT PÄDIATRISCHE PNEUMOLOGIE, CO-CHEFARZT KINDERSPITAL ZENTRALSCHWEIZ, LUZERN Korrespondenzadresse: Nicolas.regamey@luks.ch Die Spirometrie ist ein einfaches und unkompliziertes Verfahren, das Auskunft über das Lungenvolumen und die Grösse der Atemwege einer Patientin, eines Patienten gibt und mit entsprechender Ausstattung in jeder Praxis durchgeführt werden kann. Trotz der technischen Einfachheit sind sowohl bei der Durchführung als auch bei der Auswertung einige Aspekte zu beachten. In den vergangenen Jahren haben sich hierzu mehrere Neuerungen ergeben, auf die im Folgenden näher eingegangen wird. Spirometrie in der pädiatrischen Praxis – Altbekanntes und Neuerungen Qualitätskriterien Vor der Auswertung der Fluss-Volumen-Kurve erfolgt die Beurteilung nach deren Qualität. Hierfür sind mehrere Kriterien relevant: ■ Ein rascher Anstieg des Atemflusses (steile Kurve nach oben) ■ Ein guter Peak (Maximalfluss) ■ Eine möglichst lange Exspiration ■ Das Fehlen von Artefakten wie Hustenartefakte (Zacken in der Kurve) Eine optimale Reproduzierbarkeit besteht, wenn 3 FlussVolumen-Kurven mit einer Abweichung von weniger als 5% gemessen am Erstsekundenvolumen (FEV1) vorliegen. Da jede forcierte Exspiration eine Bronchokonstriktion auslösen kann (Stichwort Spirometerasthma) sollten nicht mehr als 8 Versuche gemacht werden. Die Qualität der Durchführung wird dokumentiert und bei der Beurteilung in Betracht gezogen. Beurteilung Als abweichend vom Normalen werden hauptsächlich zwei Veränderungen der Fluss-Volumen-Kurve beschrieben: restriktive und obstruktive Veränderungen. Es können aber auch kombinierte Veränderungen gesehen werden, die sowohl restriktive als auch obstruktive Kriterien erfüllen. Gerät und Software Es gibt verschiedene Handspirometer, die, an einen Computer mit entsprechender Software angeschlossen, sehr gute Dienste leisten. Je moderner die Geräte, desto elaborierter kann die Unterstützung durch die Software bei der Überprüfung der Technik der Durchführung und der Interpretation sein, was sich durchaus als hilfreich erweisen kann. Man ist mit einem ausreichenden Grundwissen darauf jedoch nicht angewiesen und so kann auch ein älteres Gerät weiter gute Dienste leisten. Es sollten, nicht zuletzt aus Gründen der Vergleichbarkeit, nur noch die neuesten Normwerte, die von der GLI (= Global Lung Initiative) im Jahr 2012 veröffentlich wurden, verwendet werden.1 Alle Geräte lassen sich auf diese neuen Normwerte aktualisieren. Die Sollwerte richten sich nach der Ethnie, dem Alter, dem Geschlecht und der Grösse des Kindes. Deshalb sollten diese Messwerte vor jeder Messung korrekt erfasst werden. Das Gewicht wird ebenfalls miterfasst, hat aber keinen Einfluss auf die Normwerte. Durchführung ■ Aufrechte Körperhaltung im Sitzen ■ Guter Anschluss des Mundes an das Mundstück, hier können Form und Material eine entscheidende Rolle spielen. ■ Tragen einer Nasenklammer (sofern toleriert) ■ Gute Instruktion während der Durchführung mit Blick auf die Patientin, den Patienten und auf die Fluss-Volumen-Kurve, sodass unmittelbar Anweisungen zur Verbesserung des Ergebnisses gegeben werden können. Das Allerwichtigste ist die motivierende Anleitung durch eine erfahrene Fachperson. Diese kann durch kindergerechte Animationen der Software unterstützt, aber nie durch sie ersetzt werden. Ablauf der Untersuchung Nach einigen wenigen Atemzügen in der Ruheatmung erfolgt eine ruhige maximale Exspiration gefolgt von einer ruhigen maximalen Inspiration. Dann erfolgt das Signal zur forcierten und maximalen Exspiration. Abbildung 1. Zeitlicher Ablauf der Durchführung einer Spirometrie IRV = inspiratorisches Reservevolumen, Vt = Atemzugvolumen, ERV = exspiratorisches Reservevolumen, FRC = funktionelle Residualkapazität, TLC = Totale Lungenkapazität, IVC = inspiratorische Vitalkapazität, FEV1 = Atemvolumen, welches nach maximaler Inspiration forciert in der ersten Sekunde ausgeatmet werden kann, FVC = Forcierte Vitalkapazität, PEF = Exspiratorischer Spitzenfluss, FEF25 = Forcierter exspiratorischer Fluss zum Zeitpunkt, wenn 25 % des Volumens ausgeatmet sind (Vgl. FEF50 und FEF75). Quelle: Eigene Darstellung nach Criée Carl-Peter et al.2 Ruhespirometrie Forcierte Spirometrie IRV IC VT ERV FRC TLC RV IVC 1s FEV1 FVC PEF FEF25 FEF50 FEF75 FEV1 Zeit (s) Fluss (L · s-1)

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