03 / 2026 DIE MPA SEITE KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 21 In diesem MPA-Workshop erhielt ich einen praxisnahen und spannenden Einblick in die Säuglings- und Kleinkindernährung. Die Fortbildung wurde vom Gastroenterologen Dr. med. Marc Sidler und der Ernährungstherapeutin Isabelle Rieckh geleitet, vermittelte aktuelles Fachwissen und zeigte gleichzeitig auf, wie wichtig die Rolle von medizinischen Praxisassistent:innen im Kontakt mit Familien ist. Besonders eindrücklich war für mich der erste Teil zum Thema Stillen und Muttermilchersatzprodukte. Die Referierenden zeigten auf, wie unterschiedlich die heutigen Empfehlungen teilweise sind und wie wichtig eine individuelle Beratung bleibt. Der Ansatz «fed is best» zog sich dabei wie ein roter Faden durch den Nachmittag: Im Zentrum steht immer das Wohl des Kindes und der Familie – unabhängig davon, ob gestillt oder mit der Flasche ernährt wird. Sehr hilfreich fand ich die praxisnahen Informationen zu Säuglingsnahrungen und Spezialprodukten wie HA- (hypoallergene), AR- (Anti-Reflux) oder Comfort (leichter verdauliche)-Milchen. Wir durften einige Präparate verkosten, wobei ich erstaunt war, wie wenig schmackhaft die meisten waren. Im Praxisalltag begegnen uns viele Fragen verunsicherter Eltern, und der Workshop half dabei, die verschiedenen Produkte besser einzuordnen und ihre tatsächliche Evidenz zu betrachten. Auch Themen wie Reflux, Koliken oder Blut im Stuhl wurden verständlich erklärt und mit konkreten Handlungsempfehlungen ergänzt. Besonders wichtig war für mich die Erkenntnis, dass viele Beschwerden funktionell und vorübergehend sind und Eltern oft vor allem Sicherheit und Begleitung brauchen. Im zweiten Block stand die Beikosteinführung im Mittelpunkt. Mir wurde erneut bewusst, dass Essenlernen weit mehr bedeutet als reine Nährstoffzufuhr. Die Beispiele aus dem Alltag machten deutlich, wie individuell Kinder essen lernen und wie unterschiedlich der Weg vom ersten Brei bis zum Familientisch verlaufen kann. Spannend war insbesondere die Diskussion rund um das «Baby-Led ADINA FAHL MEDIZINISCHE PRAXISASSISTENTIN, MEDIZINISCHE TEAMLEITERIN SVMB, YOUKIDOC, BASEL Korrespondenzadresse: adina.fahl@youkidoc.ch Workshop «Startklar fürs Leben – Ernährungskompetenzen für MPAs» vom 23. April 2026 Weaning» (auch bekannt als «breifreie Beikost»). Hierbei werden Babys ab etwa sechs Monaten anstatt Brei mit dem Löffel weichgekochte Lebensmittel in Stücken zum Selberessen angeboten. Eng damit verbunden war die Frage, wie Kinder möglichst früh aktiv in gemeinsame Mahlzeiten einbezogen werden können. Die Referierenden betonten dabei immer wieder, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt. Entscheidend sind stets die Bedürfnisse von Kind und Familie. Als MPA erlebt man häufig, wie gross die Unsicherheit vieler Eltern rund um Portionengrössen oder Essgewohnheiten ist. Der Workshop vermittelte hierzu alltagsnahe Empfehlungen, die sich direkt in der Beratung anwenden lassen. Der dritte Teil widmete sich herausfordernden Ernährungssituationen wie «Picky Eating» sowie vegetarischer und veganer Ernährung im Kindesalter. Besonders interessant war für mich die differenzierte Betrachtung selektiven Essverhaltens. Viele Kinder zeigen phasenweise eine starke Ablehnung bestimmter Lebensmittel, was häufig Teil der normalen Entwicklung ist. Gleichzeitig lernten wir aber auch, Warnzeichen zu erkennen, bei denen weitere Abklärungen sinnvoll sind. Auch das Thema vegetarische und vegane Ernährung wurde sachlich und praxisorientiert behandelt. Die Referierenden zeigten auf, welche Nährstoffe besonders beachtet werden müssen und wie wichtig eine frühzeitige Begleitung der Familien ist. Der Nachmittag war abwechslungsreich gestaltet und verband aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Beispielen aus der Praxis. Ich konnte viele hilfreiche Informationen und neue Denkanstösse für den Berufsalltag mitnehmen. Besonders wertvoll war die praxisnahe Vermittlung und die Erinnerung daran, dass Ernährung im Kindesalter nicht nur medizinisch relevant ist, sondern auch eng mit Beziehung, Entwicklung und Familienalltag verbunden bleibt. ■ Foto: Isabelle Rieckh Foto: Isabelle Rieckh Foto: Marc Sidler
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