FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 30 DR. JULIA WEBER DIPLOMPÄDAGOGIN UND PROMOVIERTE PSYCHOLOGIN, GESCHÄFTSFÜHRERIN INSTITUT FÜR SELBSTMANAGEMENT UND MOTIVATION (ISMZ), ZÜRICH Korrespondenzadresse: julia.weber@ismz.ch Wer stets nur mit dem Verstand entscheidet, wird auf Dauer nicht glücklich – genauso wenig wie jemand, der vollkommen unreflektiert stets nur auf sein Gefühl hört. Um kluge Entscheidungen zu treffen, müssen wir Verstand und Gefühl in Einklang bringen. Wie das Unbewusste helfen kann, kluge Entscheidungen zu treffen Der Verarbeitungsmodus des Verstandes ist dem Menschen bewusst und das Arbeitstempo ist langsam. Bis der Verstand seine Bewertung schickt, vergehen mindestens 900 Millisekunden, manchmal können aber auch Minuten, Stunden, Tage oder Wochen vergehen, bis einem selbst etwas bewusst geworden ist. Sobald dies geschehen ist, hat die Person Sprache zur Verfügung und kann die Bewertung kommunizieren: «Ich finde das gut, weil … Ich finde das nicht gut, weil … .» Das Unbewusste arbeitet sehr schnell. Es passiert etwas und innerhalb von 200–300 Millisekunden wird die Bewertung in Form von diffusen Gefühlen, sogenannten somatischen Markern (Damasio, 2021), geschickt. Es wird zwischen positiven und negativen somatischen Markern unterschieden. Diese werden beispielsweise als mulmiges Gefühl im Bauch, Freude im Herzen oder Kloss im Hals wahrgenommen und beschrieben. Für das Thema Entscheidungen kommt einerseits der Art und Weise der Informationsbearbeitung und andererseits der Informationsbewertung durch die beiden Systeme eine Schlüsselrolle zu. Der Verstand arbeitet seriell. Das bedeutet, dass immer nur eine Sache nach der anderen ver- und bearbeitet werden kann. Dies wird schnell klar, wenn wir dazu aufgefordert werden, gleichzeitig zwei Gedanken zu denken. Das ist unmöglich. Die Verstandesbewertung erfolgt nach «was ist richtig und was ist falsch». Hierbei spielen soziale und gesellschaftliche Normen und auch Erziehung eine wichtige Rolle. Diese Regeln und sozialen Erwartungen unterscheiden sich je nach Kontext und kulturellem Bezugssystem. Sie verfügen über keine allgemeine Gültigkeit. Das Unbewusste arbeitet parallel. Dieses System ist in der Lage, mehrere Informationen gleichzeitig wahrzunehmen, zu verarbeiten und in seine Bewertung einzubeziehen. Das unbewusste System hat evolutionsbiologisch die eine grosse Aufgabe, uns möglichst sicher und wohlbehalten durchs Leben zu führen und dabei unser momentanes, individuelles Wohlbefinden im Auge zu haben. Die unbewusste Bewertung erfolgt dementsprechend entlang der Gegensatzpaare «mag ich» und Methoden des Zürcher Ressourcen Modells (ZRM®) können Sie dabei unterstützen. Das ZRM® ist eine Selbstmanagementmethode und wurde vor über dreissig Jahren von Dr. Maja Storch und Dr. Frank Krause im Auftrag der Universität Zürich entwickelt. Das ZRM® wird in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt und beforscht (Schneider & Weber, 2025; Weber, 2023; Weber & Berthold, 2020). Dieser Beitrag wird Ihnen eine Theorie und zwei Methoden des ZRM® vorstellen, die Sie für sich persönlich nutzen können, um mehr Entscheidungssicherheit zu erlangen und einen ersten Einblick ins ZRM® zu bekommen. Wenn Sie mit den Methoden des ZRM® mit anderen Menschen wie zum Beispiel Jugendlichen oder Eltern arbeiten möchten, ist empfohlen, sich an Personen zu wenden, die in der Methode von Grund auf ausgebildet wurden, und/oder eine Weiterbildung in ZRM® zu besuchen. Zertifizierte ZRM® Trainer:innen und ZRM® Coaches finden Sie unter zrm.ch. Die Basis von Entscheidungen sind Bewertungen. Diese können wir anhand von zwei Systemen in unserem Gehirn vornehmen. Jedes menschliche Gehirn verfügt über zwei Systeme, die dem Menschen Bewertungen zu Situationen, Personen und Themen schicken und dadurch das Verhalten steuern und Entscheidungen herbeiführen. Die beiden Systeme unterscheiden sich stark in ihren Arbeitsweisen, die auf ihren hirnanatomisch verschiedenen Strukturen und Ebenen beruhen (Storch & Roth, 2021). Vereinfacht kann gesagt werden, dass das bewusste System im Cortex und Präfrontalcortex, das unbewusste System in der oberen, mittleren und unteren limbischen Ebene zu verorten ist. Die beiden Systeme werden in der Psychologie unter dem Stichwort der Zwei-Prozess-Theorien untersucht. Der Verstand Das Unbewusste Verarbeitungsmodus bewusst unbewusst Arbeitstempo langsam schnell Kommunikationsmittel Sprache somatische Marker (diffuse Gefühle) Informationsverarbeitung seriell parallel Bewertung richtig/falsch mag ich/mag ich nicht Abbildung 1: Der Verstand und das Unbewusste (vgl. Storch, Krause & Weber, 2022)
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