02 / 2025 FRÜHLINGSTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 17 Ärzt:innen & MPA Referat 4: Ösophagus/Reflux Spucken – Schreien – Schmerzen – Trinkverweigerung Dr. med. Johannes Spalinger referierte über Krankheiten, die sich im Ösophagus abspielen. Dass Babys Reflux zeigen, ist normal und auch verständlich. Die Cardia ist noch «undicht», die Trinkmenge in Bezug auf die Körpergrösse immens, die fetthaltige Milch bleibt lange im Magen, und in der Horizontalen fliesst die Flüssigkeit schnell wieder durch die relativ kurze Speiseröhre zurück ans Tageslicht. Doch der Reflux wird zur Krankheit, wenn Warnzeichen vorliegen: Schmerzen, kurze Trinkphasen, Überstrecken und schliesslich Gedeihstörung bzw. auch Anämie. Dann braucht es nicht nur kleine Mahlzeiten und gute Lagerung, sondern auch Therapie. Und hier haben die PPIs (Protonenpumpen-Inhibitoren), die lange quasi als Reflux-Reflex gegeben wurden, an Wichtigkeit eingebüsst. Nicht nur sind die möglichen Nebenwirkungen eindrücklich und relevant (u. a. Luftwegsinfekte, intestinale Fehlbesiedelung, Resorptionsstörungen), sondern in der Pathogenese sieht man heute andere Schwerpunkte. Man geht davon aus, dass nicht die Säure der entscheidende Faktor ist, sondern eine Dysmotilität des Magens und eine auch neuronal beeinflusste Dysregulation des Sphinkter-Tonus. Diese Fehlfunktionen scheinen grösstenteils allergisch ausgelöst zu sein – durch Kuhmilch-Proteine. Daher steht an erster Stelle die Empfehlung, für 2 bis 4 Wochen eine kuhmilchfreie Ernährung zu etablieren, entweder durch die stillende Mutter oder entsprechende Spezialnahrungen. Dann kann man auch die Nahrung eindicken und erst an dritter Stelle PPIs einsetzen, wenn nötig. Die eosinophile Ösophagitis wurde auch besprochen – diagnostisch schwierig einzugrenzen (es braucht die Endoskopie), aber klinisch doch mit typischen Merkmalen wie Fremdkörper- / Bolusgefühl und zunehmender Aversion gegen Nahrung, die bis zur scheinbaren Ano- rexie führen kann. Auch Säuglinge, die viel trinken wollen, aber nicht gut zu schlucken scheinen, können schon betroffen sein. Therapeutisch sind hier PPIs noch erste Wahl – zusammen mit kuhmilchfreier Diät oder auch Steroiden. Mit vielen Fallbeispielen und prägnanten Aussagen endete die Tagung auf didaktisch hohem Niveau. Ein grosser Dank geht an die Referierenden und Organisierenden der Online-Tagung. Sie haben es ideal verstanden, dieses Format kurzweilig und praxisrelevant zu gestalten. Auch die Möglichkeit der Chatfunktion wurde genutzt und man bekam zeitnahe Antworten zusätzlich zu den am Schluss öffentlich behandelten Fragen. ■ REFERENT: DR. MED. JOHANNES SPALINGER FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, SCHWERPUNKT PÄDIATRISCHE GASTROENTEROLOGIE, HEPATOLOGIE UND ERNÄHRUNG, KINDERKLINIK AM INSELSPITAL BERN AUTOR: DR. MED. MARTIN SCHMIDT FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, ÄRZTE AM WERK, RHEINFELDEN Korrespondenzadresse: martin.schmidt@hin.ch Foto: Yasmin Yayha
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