KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2022

04 / 2022 ERFAHRUNGSBER I CHT K I N D E R Ä R Z T E. SCHWEIZ 49 tompatienten an zu zucken: die Befolgung des letzten Akronyms des Tages DEFG (Don’t Ever Forget Glucose) brachte da Erleichterung; nach einem Glukosebolus fühlten sich sowohl der Patient als auch wir Teilnehmenden wieder fit und munter. Zum Schluss wurden uns noch einige Tipps und Tricks bezüglich Beurteilung und erster Behandlung eines Traumapatienten gezeigt. Wir lernten, manuell den Kopf zu stabilisieren, wie man einen Halskragen anlegt und wie man einen Patienten «en bloc» zur Seite dreht. Auf der Suche nach potenziellem Blutverlust bei einem hypovolämischen Schock verhält man sich wie ein Detektiv – «Blood on the floor, and 4 more»: Gibt es eine blutende Wunde oder Blutverlust in Thorax, Abdomen, Röhrenknochen (Armen/Beinen) oder Hüfte? Dieser lehrreiche Tag war wie Tanzenlernen: Zu Beginn verinnerlichten wir strukturell die Tanzschritte des ABCD, sodass man in Notfallsituationen nicht nachdenken muss, sondern geführt von Rhythmus und Struktur handeln kann. Wir tanzten von einem Buchstaben zum anderen, kamen ins Schwitzen, traten uns ab und zu mal auf die Zehen, der Puls ging rauf und runter, es wurde gelacht und ab und zu mal ein Fehltritt gemacht. Zu guter Letzt konnten wir jedoch unseren Tanz gemeinsam erfolgreich aufführen und kehrten voller Energie, mit guter Laune und mehr Selbstvertrauen als je zuvor in unsere Praxen und zu unseren Patienten zurück. ■ Reanimation für Praxisteams mit vielen Akronymen: genau diese Fortbildung konnte unser Team von zwei MPAs und mir selbst gebrauchen in unserer neu eröffneten Kinderarztpraxis in Meiringen. Zu Beginn wurden uns kurz die wichtigen Prinzipien des ABCDSchemas gezeigt, mit dem Ziel, ein Kind mit einem (drohenden) Kreislaufstillstand zu erkennen, um es nachher passend behandeln zu können. Am ersten Posten wurde uns gelehrt, wie wir ein Kind anschauen müssen, um zu beurteilen, ob es sich in einem kritischen Zustand befindet oder ruhig im Wartezimmer bleiben kann; einerseits nach dem TICLS Prinzip: Guter Tonus? Interaktion? Crying? (Kann ich es trösten?) Looking? (Schaut es?), Speaking? (Sprache?), aber auch durch das Prüfen von Atemnotanzeichen und Hautkolorit. An den darauf folgenden Posten wurden wir mit den verschiedenen Aspekten von ABCD vertraut gemacht: A wie Airways oder Atemwege: Ein schreiendes Kind ist in diesem Fall Musik in unseren Ohren, da seine Atemwege frei sind. Für den Fall, dass das Kind nicht richtig atmet, wurden uns einige Griffe gezeigt (Esmarch-Handgriff und Chin-lift), welche wir an Puppen üben konnten. Bei Babys wird ein A-Problem häufig durch Schleimobstruktion in der Nase verursacht, also: Nase spülen oder Schleim aussaugen. Beim Fallbeispiel Fremdkörper im Hals trainierten wir das Heimlich Manöver, welches unsere Bauchmuskulatur und unsere Sicherheit stärkten, sodass wir in einer Notfallsituation richtig handeln können. B wie Breathing: Hat das Kind normale Atemarbeit, Atemfrequenz, hört man Nebengeräusche? Wir lernten, dass Sauerstoff keinen potenziellen toxischen Effekt hat und man damit nicht zurückhaltend sein muss, übten die Beatmung mit dem Beatmungsbeutel und erhielten Fallbeispiele und korrektes Vorgehen bei Patienten mit Anaphylaxie (Übung mit Adrenalin-Autoinjektoren), Epiglottitis, Status Asthmaticus und RSV Bronchiolitis. C wie Circulation: Wie ist der kapillare Refill? Wie ist die Sättigung? Puls? Blutdruck? Hier gilt es, nicht in der alltäglichen ärztlichen Diagnostik zu denken, sondern sich auf die akuten Symptome zu konzentrieren: Was für ein Schock? Hypovolämischer, distributiver, cardiogener oder obstruktiver Schock? Während dem Warten auf die Ambulanz Behandlung durch z. B. Flüssigkeitsbolus oder Antibiotika. Für den Fall, dass ein Kreislaufstillstand eintritt, übten wir die Reanimation inkl. dem Gebrauch des Defibrillators. D wie Disability und E wie Environment/Exposure: Eine Beurteilung von Tonus, Pupillen, Reaktion auf Ansprechen nach AVPU (Awake, Verbal, Pain, Unresponsive), Temperatur usw. Plötzlich fing einer unserer PhanDR. MED. MAARTJE VANDEWALL FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MEIRINGEN Korrespondenzadresse: maartje.vandewall@hin.ch Reanimation: Ein Tanz in einer atemberaubenden Welt der Akronyme Reanimationskurs für das Praxisteam vom 22. September 2022 Illustration: Iris Bachmann Holzinger Fotos: Maartje Vandewall

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx