HESS - 1882-2007

103 Trolleybusse NAW entwickelte den Niederflur-Gelenktrolleybus in enger Zusammenarbeit mit HESS. Das ganze Fahrzeug wurde mittels der Methode der Finiten Elemente durchgerechnet, dank der einerseits kritische Stellen in Chassis und Carrosserie genügend dimensioniert und andererseits die aufzunehmenden Kräfte quantifiziert werden konnten. Die Projektierung des neuen Niederflur-Trolleybusses bedingte also eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Chassis- und dem Carrosserielieferanten; NAW gab dem Carrosseriebauer die Kräfte bekannt, welche die Carrosserie aufnehmen musste. Grundsätzlich spielte es keine Rolle, ob die Carrosserie aus Stahl gefertigt wurde oder, wie beim Prototypen, aus Aluminium hergestellt war – aus den bekannten Vollprofilen und den geschraubten Knotenverbindungen (System CO-BOLT®). Enge Grenzen für Kundenwünsche Wie erwähnt, erlaubte die Platzierung der verschiedenen Aggregate keine Freiheit. Aus diesem Grund waren gewissen Kundenwünschen – insbesondere Tür- und Fensteranordnung – enge Grenzen gesetzt. Der Prototyp-Niederflur-Gelenktrolleybus hat im Niederflurbereich 320 mm (Türe 1) bzw. 340 mm (Türe 2) Einstieghöhe; im Hinterwagen 340/235 mm (Türe 3; eine Stufe) und 320/210 mm (Türe 4; eine Stufe). Im Gegensatz zum konventionellen Trolleybus konnten bei der Niederflurversion nicht alle Elektrokomponenten unter den Wagenboden eingebaut werden. Mit Ausnahme der Fahrmotoren und des Notfahraggregats fanden die restlichen auf dem Dach Platz. Voraussetzung für diese Lösung war wiederum eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Carrosseriehersteller und dem Elektrolieferanten. Die Antriebsmotoren waren unmittelbar vor den rechten Rädern der Antriebsachsen, etwa 525 mm aus der Fahrzeuglängsachse versetzt, angeordnet. Der Einbauraum war so dimensioniert, dass die für Niederflurfahrzeuge angepassten Trolleybusmotoren der Firmen ABB, AEG und Siemens eingebaut werden konnten, und zwar jeweils auch die stärkere und etwas voluminösere Version, für den Fall, dass nur die B-Achse angetrieben war. Beim Prototypen, dessen elektrische Ausrüstung von ABB stammte, waren die übrigen elektrischen Komponenten in zwei kompakten Dachaufbauten untergebracht. Während im vorderen Block die Bordnetzversorgung für 3x 220 V und integriertem Batterieladegerät zu finden war, waren im hinteren Aufbau Eingangsgleichrichter, Eingangsfilter, GTO-Gleichstromsteller und ein Bremswiderstand untergebracht. Beide vormontierten Dacheinheiten waren so auf dem Dach positioniert, dass ihr Hauptgewicht auf die Mittelachse wirkte, die so auch bei schwach besetztem Fahrzeug optimale Adhäsion aufwies. Die Antriebselektronik besass Siederohrkühlung mit natürlicher Fahrwindbelüftung. Hervorzuheben an dieser elektrischen Ausrüstung war der GTO-Gleichstromsteller, bei dem die im Netz anstehende Gleichspannung durch zünd- und löschbare Leistungshalbleiter (GTOThyristoren) zeitlich in Impulse «zerhackt» wird. Neu war auch die kombinierte Rekuperations-/ Widerstandsbremse, die bei Bahnen schon längere Zeit bekannt war. Sie ersetzte die Telma-Wirbelstrombremse, die aus Platzgründen nicht eingebaut werden konnte. Die Dachanordnung löste bei den Verkehrsbetrieben Infrastrukturkosten aus, doch im Falle von Reparaturen konnte das Auswechseln eines ganzen Blocks rasch erfolgen, so dass das Fahrzeug unverzüglich wieder für den Einsatz zur Verfügung stand. Im Falle von Stromversorgungsunterbrüchen, Verkehrshindernissen, Umleitungen usw. übernahm die eingebaute Diesel-Generatorgruppe – beim Prototypen von der Firma Lech-Motor geliefert – die Speisung der Fahrmotoren. Der Trolleybus konnte damit fahrleitungsunabhängig verkehren. Fahrgestell und Aufbau aufeinander abgestimmt Der NAW/HESS BGT/N-Niederflur-Gelenktrolleybus glich äusserlich sehr stark dem konventionellen NAW BGT-Gelenktrolleybus; die Proportionen und Abmessungen wurden praktisch übernommen. Leergewicht und Gesamtgewicht des BGT/N waren in denselben Grössenordnungen wie beim BGT – das Chassis war leichter,

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