KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

03 / 2026 NACHHALTIGKEIT IN DER PÄDIATRIE KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 51 DR. MED. SAMUEL BECK FACHARZT FÜR ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN, (EINGEREICHT: FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN), MITGLIED KIS-ARBEITSGRUPPE NACHHALTIGKEIT, ZÜRICH Korrespondenzadresse: samuel.beck@uzh.ch DR. MED. BENJAMIN STICHER FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED KISARBEITSGRUPPE NACHHALTIGKEIT, PRAXIS MATTENHOF, BERN Korrespondenzadresse: benjamin.sticher@hin.ch Klimabewusste Verordnung von Inhalativa in der pädiatrischen Praxis regelmässig zu prüfen. Voraussetzung bleibt immer die medizinische Eignung sowie die Fähigkeit der Patient:innen, die entsprechende Inhalationstechnik korrekt anzuwenden: kräftiges, gleichmässiges Einatmen über 2–3 Sekunden. Dies muss vor einer Umstellung / Neuverschreibung zwingend überprüft werden, zum Beispiel mittels Probe-Inhalatoren (können beim Hersteller bezogen werden). Klare Altersgrenzen für einen Wechsel existieren nicht. Als Faustregel empfiehlt sich bei gesunden, kognitiv nicht eingeschränkten Kindern: ■ unter 5 Jahren: Dosieraerosol mit Vorschaltkammer und gegebenenfalls Maske ■ ab 5–6 Jahren: Prüfung eines Diskus ■ ab 8–9 Jahren: Prüfung eines Turbuhalers Unabhängig vom verwendeten Inhalationssystem bleibt die regelmässige Überprüfung von Indikation und Inhalationstechnik zentral, siehe auch Artikel «Tipps und Tricks beim Inhalieren» auf Seiten 28–29, sie verbessert nicht nur die Wirksamkeit der Therapie, sondern hilft auch, unnötigen Medikamentenverbrauch zu vermeiden. ➜ Ein praktischer Tipp: Wenn beim DA kein Zählwerk integriert ist, sollte die verbleibende Anzahl Hübe möglichst mitgezählt und dokumentiert werden. Alternativ kann sie beim Ventolin-Dosieraerosol durch Wiegen näherungsweise abgeschätzt werden.3 Erfreuliche Aussichten Getrieben durch nationale und internationale Klimaziele sowie durch strengere regulatorische Anforderungen werden derzeit neue Dosieraerosole mit klimafreundlicheren Treibmitteln entwickelt und getestet. Dazu gehören beispielsweise HFA-152a mit rund 90% geringerem Treibhauspotenzial oder HFO-1234ze mit einer nochmals deutlich niedrigeren Klimabelastung. Erste Präparate für COPD wurden in der EU bereits zugelassen.4,5 Salbutamol (Ventolin) soll gemäss Hersteller in der Schweiz im Sommer 2028 eingeführt werden. Dies sind gute Neuigkeiten, die zeigen, dass wir in der ärztlichen Praxis zwar einiges bewirken können, aber die Anpassung von Rahmenbedingungen notwendig ist, um einer grossen Anzahl Menschen nachhaltiges Handeln zu ermöglichen. Unsere Aufgabe als Pädiater:innen bleibt es, die Indikation regelmässig zu prüfen und, wo medizinisch sinnvoll und möglich, die klimafreundliche Variante zu verschreiben. ■ Klimabelastung durch Dosieraerosole In den letzten Jahren wurde in pädiatrischen Weiter- und Fortbildungen zunehmend über die Klimabelastung von Dosieraerosolen (DA; z. B. Ventolin DA, Vannair DA) und über Trockenpulverinhalatoren (Dry Powder Inhaler DPI; z. B. Ventolin Discus, Symbicort Turbuhaler) als Alternative diskutiert. Bei technisch korrekter Anwendung sind DA und DPI therapeutisch gleichwertig. Hinsichtlich ihres CO2-Fussabdrucks bestehen jedoch deutliche Unterschiede: Die in DA verwendeten fluorierten Treibgase besitzen ein hohes Treibhauspotenzial. Je nach Gas ist die Klimawirkung 1430- bis 3320-mal höher als jene von CO2. DPI hingegen benötigen kein Treibgas und verursachen dadurch deutlich geringere Emissionen.1,2 Die sehr empfehlenswerte deutsche AWMF-Leitlinie «Klimabewusste Verordnung von Inhalativa» aus dem Jahr 2024 beschreibt illustrativ, inwiefern sich eine Umstellung von DA auf ein DPI lohnt: Bei täglicher Anwendung eines Betamimetikums und eines inhalativen Kortikosteroids können durch den Wechsel von DA auf DPI pro Jahr und Patient:in ca. 450 kg CO2-Äquivalente eingespart werden. Dies entspricht den Emissionen einer benzinbetriebenen Autofahrt von mehr als 2000 Kilometern.1 Abbildung 1: CO2-Fussabdruck/Einsparmöglichkeiten des CO2 in kg CO2 Quelle: Leitlinie S2k: Klimabewusste Verordnung von Inhalativa, 2024 Aktuelle Empfehlungen Dieses grosse Einsparpotenzial an klimaschädlichen Treibhausgasen motiviert, eine Umstellung auf DPI Neue Rubrik auf der KIS-Website: Nachhaltigkeit & Planetary Health Eine gesunde Zukunft für Kinder braucht einen gesunden Planeten. Entdecken Sie unsere neue Rubrik mit Hintergrundinformationen, aktuellen Projekten und praktischen Ansätzen für mehr Nachhaltigkeit in der Kinder- und Jugendmedizin unter kinderaerzteschweiz.ch/ Nachhaltigkeit---Planetary-Health.

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