KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2026

03 / 2026 FORTBILDUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 43 DR. MED. IRMELA HEINRICHS FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, DELEGIERTE DER WACHSTUMSKURVENKOMMISSION PÄDIATRIE SCHWEIZ, LEITERIN REDAKTIONSKOMMISSION, USTER Korrespondenzadresse: iheinrichs@hin.ch «Ist mein Kind gut in der Kurve?» ist eine häufige Frage in unseren täglichen Vorsorgeuntersuchungen. Wachstumskurven gehören zu den wichtigsten Instrumenten der Kinder- und Jugendmedizin. Sie ermöglichen die Beurteilung von Wachstum und Entwicklung, helfen Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und unterstützen die Diagnose und den Verlauf möglicher Erkrankungen. Entsprechend gross ist das Interesse an den neuen Schweizer Wachstumskurven bei Pädiater:innen, Hebammen, Mütter-/Väterberater:innen und Eltern. Neue Wachstumskurven für die Schweiz schrittweise. Bis dahin können vorübergehend noch die bisherigen Kurven verwendet werden. Neu ist vor allem die Schweizer Datengrundlage.5 Welche Daten stecken in den neuen Kurven? Grössen-, Gewichts- und BMI-Kurven basieren überwiegend auf den neuen Schweizer Referenzdaten.4 Für die ersten beiden Lebensjahre kommen bei der BMIKurve weiterhin die longitudinalen WHO-Daten zur Anwendung. Untere Grenzen für Übergewicht und Adipositas werden ab dem 2. Geburtstag in Äquivalenzkurven abgebildet, entsprechend einem BMI von 25 kg/m2 beziehungsweise 30 kg/m2 im Erwachsenenalter. Die Kopfumfangskurven der ersten zwei Lebensjahre sind aus Zahlen der Zürcher Longitudinalstudie, ab dem 3. Lebensjahr der deutschen KiGGS-Daten.6,7 Wachstumsgeschwindigkeitskurven basieren weiter auf Daten der Zürcher Longitudinalstudie. Für klinisch relevante Grenzwerte sind die medizinischen Fachgesellschaften zuständig. Die Resultate zeigen, die Jungen werden als Erwachsene im Durchschnitt 178 cm gross, die Mädchen 166 cm, insgesamt 1 cm grösser als vor 50 Jahren.8 Die neuen Wachstumskurven ermöglichen eine zeitgemässe, wissenschaftlich fundierte und national abgestützte Beurteilung des Wachstums von Kindern und Jugendlichen. Für die Praxis gilt weiterhin, was gute Pädiatrie seit jeher auszeichnet: Nicht die einzelne Messung steht im Zentrum, sondern das Kind und seine individuelle Entwicklung. Auf dass wir unseren Patient:innen und Eltern die neuen Kurven gut erklären können. ■ Die neuen Wachstumskurven können heruntergeladen werden unter: paediatrieschweiz.ch/ unterlagen/wachstumskurven/ Seit dem 15. Juni 2026 empfiehlt pädiatrie schweiz offiziell neue nationale Wachstumskurven für den pädiatrischen Alltag. Damit stehen erstmals breit abgestützte Referenzdaten zur Verfügung, die auf Zahlen von Kindern und Jugendlichen aus der Schweiz basieren. Damit ersetzen die neuen Referenzkurven die bisherigen, die teilweise auf WHO- und US-Daten beruhten.1 Über 43000 Kinder und Jugendliche vermessen Die neuen Wachstumskurven wurden am PädiatrischEndokrinologischen Zentrum Zürich (PEZZ) entwickelt. Grundlage bilden Daten von mehr als 43 000 Kindern und Jugendlichen aus allen Sprachregionen der Schweiz. Erhoben wurden diese durch über 100 Kinderärzt:innen sowie durch Messungen in Schulen und zusätzliche Neugeborenen- und Rekrutendaten. Bezogen auf die Einwohnerzahl entstand damit eine der weltweit dichtesten Wachstumsstudien.2 Die Kurven wurden mit der international etablierten LMS-Methode erstellt und ersetzen die Kurven der WHO, die seit 2011 in unseren kinderärztlichen Praxen jeden Tag im Einsatz sind.3 Was ändert sich für den Praxisalltag? Für die Praxispädiatrie ändert sich zunächst wenig. Die Umstellung der Praxisinformationssysteme erfolgt Illustration: pädiatrie schweiz

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